Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 22 (1905)
- Issue
- 38 (22.9.1905)
- Date
- 1905-09-22
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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seUe 604 Dr. Bloch's Wochenschrift. »kr. 08 Bezirkes, in Vertretung des Tempelvereines für den VIII. Bezirk der Präses Herr Hermann Beck, die Bezirkskommission, der Ausspeisungsverein des XVI. und XVII. Bezirkes, der Verein der Kinderfreunde. Nach Absingung des Trauerchorales wurde der Sarg in den Leichenwagen gehoben und eine schier endlose Zahl von Leidtragenden schritt zu Fuß hinter dem Leichenwagen bis zum Gemeindetempel XVI., Hubergasse 8. Von hier aus gaben Gemeindemitglieder des Bezirkes dem Verblichenen in Wagen das Geleite auf den Zentralfriedhof. Dort wurde der Sarg von dem Vorstande der Chewra-Kadischa des XVI. und XVII. Bezirkes in den Zeremoniensaal getragen und auf die Estrade gestellt. Herr Oberkantor Matyas exekutierte mit einem verstärkten Quartett die üblichen Trauergesänge. Hierauf hielt Se. Ehrwürden Herr Dr. I. M. Ba ch, selbst tief ergriffen, die Trauerrede. Hierauf setzte sich der lange Zug von Leidtragenden in Bewegung, um dem Verblichenen das Geleite zur letzten Ruhestätte zu geben. Am Grabe selbst würdigte der Vorsteher des Vereines des X VI. und XVII. Bezirkes die Verdienste des Heimgegangenen. Im Namen der Bezirkskommission sprach Herr Leopold Trebitsch, im Namen des Bethausvorstandes Herr Eduard Pollitzer, im Namen der Chewra-Kadischa Herr Sigmund Weiler, im Namen der Kinderfreunde Herr Dr. Jakob Deutsch, im Namen des Ausspeisungsvereines Herr Sigmund Schickler, im Namen des Vereines Gemiles-Chesed Herr Kornmehl. Wien. Zufolge mehrfacher Klagen der Betsitzinhaber, daß sie an den hohen Feiertagen nicht zu den gemieteten Betsitzen gelangen können, weil dieselben von anderen Personen besetzt werden, richtet der Bethausvorstand an die P. T. Tempelbesucher in ihrem Interesse das dringende Ersuchen, die Betsitzkarten mitzubringen und den Kontrollorganen auf Verlangen vorzuweisen. Der Bethausvorstand. Wie». (Jubiläum.) Der Kursor am Stadttempel, Herr Jakob Nessel, feierte letzten Samstag das Jubiläum seines 50jährigen Dienstes bei der Kultusgemeinde. Herr Nessel erhielt aus diesem so selten zu verzeichnenden Anlasse eine sehr ehrende Zuschrift des Vorstandes und wurde beim Hauptgottesdienste zur Thora gerufen, ir# ihm der fungierende I. Kantor Don Fuchs einen auf die Feier bezughabenden Mischeberach widmete. Wien. Der Verein „Tefilas Haneorim" veranstaltet an den hohen Festtagen einen Gottesdienst für die Jugend an folgenden Andachtsstätten: I., Seitenstettengasse 2 (Kartenausgabe: Herr Gollerstepper,!!., Stefaniestraße 3). II., Tempelgasse 3, XX., Pappenheimgasse 8 (Kartenausgabe: Herr Isidor Oehler, XX, Mathildengasse 1) und VI., Kollergerngasse (Kartenausgabe: Herr Gollerstepper, VI., Mariahilferstraße 113). Die Karten werden gratis gegen Vorlage einer Bestätigung des Religionslehrers, resp. Lehrherrn ausgefolgt. Wien. Der Vorstand des Israelitischen Tempelvereines für Wieden und Margarethen hat an den kaiserl. Rat Herrn Redakteur Wolf Lichtblau nachstehendes Schreiben gerichtet: Wien, den 4. September 1905. Sr. Wohlgeboren Herrn kais. Rat Adolf Lichtblau, hier. Hochgeehrter Herr Kollege! Die unvergänglichen Verdienste, welche sich Ihre von uns allen verehrte, nun in Gott ruhende Gattin, Frau Charlotte Lichtblau sel. Andenkens, für ihr humanitäres Wirken erwarb, das sich weit über die Grenzen des von ihr in aufopfernder Weise betreuten SchwesterbezirkeS Wieden - Margarethen allüberall betätigte, wo es galt, helfend einzugreifen um sinkende Existenzen aufzurichten, Kranken mit den nötigen Mitteln beizustehen, um sie wieder gesund und erwerbsfähig zu machen, Not nnd Elend zu mildern, haben dem Vorstand des Jsr. Tempelvereines Wieden-Margarethen die Dankespflichi auferlegt, das Andenken an die edle Frau wach zu erhalten in unserer Gemeinde für alle Zeiten. Zu diesem Zwecke soll nach dem einstimmigen Beschlüsse des in der Vorstandssitzung vom 8. September d. I. versammelt gewesenen Vorstandes der Name der Verewigten, Frau Charlotte Lichtblau, für alle Zeiten eingetragen werden in das Gedenkbuch der Verstorbenen unserer Gemeinde, damit er genannt werde an den Festtagen, in welchen wir durch das Gedenken der uns teueren Dahingeschiedenen im Geiste uns mit ihnen vereinen, ihr Andenken in uns wachrufen, wie sie für uns mit uns gelebt, für uns gesorgt und gelitten und uns, losgelöst von allem Erdenleid, umschweben in lichten Höhen. Dankbaren Herzens und frommen Sinnes wird die versammelte Gemeinde mit Ihnen verehrter Kollege zugleich mit inniger Rührung der teuren Dahingeschiedenen und ihres unvergänglichen, edlen Wirkens gedenken und ihr Andenken segnen! Wir bitten Sie. verehrter Herr Kollege, um gütige, rechtzeitige Bekanntgabe der erforderlichen Daten für die Eintragnug in das Maskir-Buö', damit wir am bevorstehenden Versöhnungstage mit der Abtretung der Dankesschuld unserer Gemeinde beginnen können. Mit dem Ausdrucke freundschaftlicher Verehrung namens des gesamten Vorstandes Franz Frankl, Adolf H o f m a n n, Schrlftführer. Obmann. Herr kais. Rat Redakteur Adolf Lichtblau antwortete mit nachstehendem Schreiben: Wien, am 12. September 1905. Hochverehrte Vereinsleitung! Liebwerte Kollegen! Sie haben in Ihrer Sitzung vom 3. d. M. einen so hochherzigen Beschluß gefaßt, um meine teuere, unvergeßliche Frau noch über das Grab hinaus zu ehren, daß ich nicht Worte finden kann/ Ihnen für all' das so innigst zu danken, wie es dieser edle Zug Ihrer Bestrebungen verdienen würde. Ich könnte Ihnen nur Worte der Ergriffenheit überschreiben, doch werden Sie mir diese großmütigst erlassen, da ich mich momentan außerstande fühle, Ihnen gleichwertig für Ihr Gehaben den Dank zu zollen Stolz bin ich aber — und dies will ich hier lapidar zum Ausdrucke bringen — einer Korporation anzugehören, welche dem Kollegen in Leid und Freud ihre Anerkennung dort nicht versagt, wo sie die Ueberzeugung gewonnen, daß sie Gutes vollzieht und ein aufrichtendes herzinniges Wort findet. Dafür nehmen Sie meinen und meiner Kinder wärmsten Dank entgegen. Ihr Sie hochschätzender allzeit getreuer Kollege. NB. Meine teuere Frau hieß: Charlotte Lichtblau (8prin26 dass ebowsr Lloisebo Zwie). Sie starb am 30. Dezember 1904. (22 Tag in Tebeth). Wien. (T r a u u n g.) Sonntag den 24. d. M. 4 Uhr Nachmittags findet im Tempel XVIII., Schopenhauerstraße 39, die Trauung des Fräulein Lisa Peterselka, Tochter des Herrn Max Peterselka, erster Kantor der israel. Kultusgemeinde, mit Herrn Simon Weiß statt. Wien. (Musikschule Professor Adler.) Professor Adler hat den Unterricht für Damen, Herren und Kinder in Klavier, Violine rc. in seiner Schule begonnen. Die Einschreibungen finden täglich, IX., Roßauergasse Nr. 4, statt. Königinhof a. E Bei den Wahlen vom 13. September wurden gewählt. In den Vorstand: Herr Hermann Nettel (Königinhof) als Vorsteher, Herr Jur.-Dr. Heinrich Wessely (Königinhof) als Vorsteher-Stellvertreter, Herr Wilhelm Schlein (Königinhof) als Kassier, Herr Gustav Deutsch (Königinhof) als Rechnungsführer, Herr Josef Fischer (Königinhof) als Tempelvorsteher, Herr Sigmund Lengsfeld (Königinhof) als Tempelvorsteher-Stellvertreter, Herr Ludwig Schick (Königinhof). Ersatzmänner: Herr Sigmund Lengsfeld (Königinhof), Herr Alois Pachner (Königinhof), Herr Ludwig Dubsky (Königinhof), Herr Arthur Reinisch (Königinhof). In den verstärkten Vorstand wurden gewählt: Herr Heinrich Jung (Königinhof), Herr Otto Schlein (Königinhof), Herr Ludwig Kohn (Königinhof), Herr Ignatz Lauser (Königinhof), Herr Bernhard Pachner (Königinhof), Herr Alfred Schick (Jaromßk). Cine „Jüdische Bolksbibliothek" wurde im Laufe der letzten Woche in Leitmeritza. E. eröffnet; nachdem dieselbe zum größten Teile das Werk des dortigen Rabbiners Dr. phil. Max Schornstein ist, der mit 1. Jänner seinen dortigen Posten verläßt, um der Berufung nach Kop enhagen Folge zu leisten, sei im Nachstehenden ein kurzer Rückblick auf die Geschichte dieser Bibliothek geworfen. Im Herbste vorigen Jahres bildete sich auf Anregung des Herrn Dr. Schornstein in der Gemeinde ein „Perm an e n t e s K o m i t e", das eigentlich nur eine freie Vereinigung einiger Herren ist, die sich die Aufgabe stellte, durch Veranstaltung von Vorträgen, Unterhaltungsabenden rc. die Mitglieder der Gemeinde gesellschaftlich näher zu bringen. Auf diesem Programm fußend, machte nun seinerzeit Dr. Schornstein den Vorschlag, eine „Jüdische Volksbibliothek" zu