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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1905-09-22 · 38 (22.9.1905) · page 8

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
22 (1905)
Issue
38 (22.9.1905)
Date
1905-09-22
Page
– (sequence 8)
Language
German
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^ettt 600 Dr. Dlocb s Mocbens örm. Nr. 38 von Freistadt, Johann Werlik, der Vertreter Seiner Exzellenz Graf Larifch Direktor Proskowitz aus Karwin, der Bürgermeister von Orkan Johann Kania, der Kriegerveteranenverein Orlau, die Gemeindevertretungen von Orlau, Dombrau, Lazy, Karwin usw. Von jüdischen Vertretungen der Nachbargemeinden fanden sich Deputationen ein aus Teschen mit Seiner Ehrwürden Rabbi und Professor Dr. Adolf Leimdörfer an der Spitze, aus Mähr.-Ostrau geführt von Seiner Ehrwürden Herrn Doktor Jac. Spira, aus Skotschau unter Führung Seiner Ehrwürden Herrn Dr. L. Dobschütz, aus Troppau, Oderfurt, Witkowitz und viele andere Gemeinden. Vor dem Festzuge versammelten sich die Festgäste im alten Betsale, woselbst der neugewählte Freistädter Rabbiner Seine Ehrwürden Dr. M. G. Mehrer die Abschiedsrede hielt. Derselbe meinte unter anderem, daß, wenn auch unsere Tempel und Synagogen noch so modern gebaut und eingerichtet werden, so unterlassen wir es nie und nimmer, auch die alte ehrwürdige jüdische Thora in dieselben mitzunehmen, damit allein geloben wir, im neuen Tempel, wie einst im alten Bethause treu zu bleiben unseren! heiligen Glauben und unserem Volke. Hierauf begab sich der Festzug in das neue Gotteshaus. Voraus gingen die Rabbinen: Seine Ehrwürden Dr. Leimdörfer, Seine Ehrwürden Dr. Mehrer, Seine Ehrwürden Dr. Spira, Seine Ehrwürden Dr. Dobschütz mit den Thorarollen des alten Bethauses, begleitet von den Kantoren Kornblum aus Freistadt und Kratka, Orlau. und sämmtliche Gemeindevertretungen und Festgäste. Vor den Pforten des neuen Tempels übergab Vereinsobmann Herr Salomon Blumenthal, der sich um das Zustandekommen des heiligen Werkes ein überaus großes Verdienst erworben hatte, dem k. k. Landes- Regierungsrat und Bezirkshauptmann aus Freistadt, Johann Werlik, den Schlüssel zur Oeffnung derselben. Herr Regierungsrat beglückwünschte den Orlauer Bethausverein zu seiner neuen Errungenschaft. Beim Eintritte ins Gotteshaus intonierte der Chor „Ha tauwu". Nachdem die Thorarollen in die heilige Lade gebracht worden waren, wurde die zu versenkende Urkunde verlesen und die Schlußsteinlegung vollzogen. Vor dem üblichen Brauche des Anzündens des ewigen Lichtsdas von Seiner Ehrwürden Dr. M. G. Mehrer vorgenommen wurde, hielt derselbe eine ausgezeichnete Ansprache, in welcher er die Bedeutung dieser schönen Zeremonie im Judentum vortrefflich charakterisierte. Diese Ansprache hat ebenso wie die Abschiedsrede im alten Betsale einen überaus tiefen und großen Eindruck gemacht. Nach Beendigung dieser Zeremonie beglückwünschte Dr. Albert Mayer, Vorstand der israelitischen Kultusgemeinde aus Freistadt, den Obmann Herrn Salomon Blumental, sowie dem ganzen Vereine zu dem guten Gelingen dieses hübschen Werkes. Nach dem hierauf erfolgten Minchagebete hielt Seine Ehrwürden Rabbiner und Professor Dr. Adolf Leimdörfer die Festpredigt, welche ebenfalls mit allgemeinem Beifall vom Auditorium ausgenommen wurde. Nachdem noch das Kaisergebet durch Seine Ehrwürden Herrn Dr. A. Leimdörfer vorgetragen wurde, schloß die imposante Feier durch Absingnng der Volkshymne. Czerrrowitz (Bukowina). Ueber Initiative und Einladung des Herrn Dr. Straucher fand Montag den 21. v. M. im Sitzungssaale der hierortigen israelitischen Kultusgemeinde eine mehrstündige Besprechung von Delegierten der Judenschast des ganzen Landes statt. Den Gegenstand der Beratung bildete die Begründung einer die gesamte Judenschaft der Bukowina umfassenden einheitlichen Organisation. An dieser Beratung nahmen Delegierte aus allen jüdischen Kultusgemeinden der Bukowina teil; aus fast allen größeren Orten des Landes waren Vertreter erschienen. Im ganzen waren 70 Delegierte anwesend. Eine größere Anzahl eingeladener Vertrauensmänner war am Erscheinen verhindert, begrüßte aber mit vollster Wärme die Begründung einer solchen Organisation und schickte teils briefliche, telegraphische Zustimmungskundgebungen. Nach einem eingehenden Referate des Herrn Dr. Straucher. und einer lebhaften Diskussion wurden die Anträge Dr. Strauchers einstimmig zum Beschlüsse erhoben. Es wurde ein zwanziggliederiges Komitee zur Überreichung des von Dr. Straucher verfaßten und in der Versammlung angenommenen Organisationsstatuts eingesetzt. Skraftburg. Die Einweihung des prachtvollen Neubaues der israelitischen Kunst- und Gewerbeschule, der ob seiner architektonischen Eigenart der Stadt Straßburg zur besonderen Zierde gereicht, fand am 6. d. M. in der geschmackvoll ausgeschmückten Turnhalle der Anstalt statt. Zur festgesetzten Stunde erschien der Unterstaatssekretär Dr. v. S ch r a u t, um in Vertretung Sr. Durchlaucht des kaiserlichen Statthalters der Einweihungsfeier beizuwohnen, ferner Unterstaatssekretär Dr. Petri, Ministerialdirektor Mandel als Vertreter des Staatsministers, Staatssekretär v. K ö l l e r, Bezirkspräsident Halm, sowie die Beigeordneten Regierungsrat Hochapfel, Dr.Geissenberger und D v m i n i k u s, die Gcmeinderäte Kommerzienrat Jakobi und Fritz S ch l e i f f e r, Reichstagsabgeordneter Justizrat Riss, als Vertreter der Stadt Straßburg. Die Herren wurden von dem Präsidenten des israelitischen Konsistoriums, Herrn Sanitätsrat Dr. L e v y und dem Vizepräsidenten Herrn Ginsbourger begrüßt. Aus dem historischen Rückblick, welchen Herr Dr. L e v y, der Festredner, über die Entwicklung der Gesellschaft gab, die es sich zum Bestreben setzte, die arme israelitische Bevölkerung zum Handwerk zu ermutigen, ist hervorzuheben, daß dieses Werk in Straßburg über 80 Jahre besteht und daß seit dem Jahre 1848 eine besondere Schulanstalt mit Internat in dem Hause Halbmondgasse 3 eingerichtet war. In der Zeit ihres Bestehens hat die Anstalt über 1000 Zöglinge zu tüchtigen Handwerkern, einzelne zu Werkmeistern, Künstlern und Großgewerbetreibenden herangebildet. Als in ihrer Art vorbildlich, hat sich eine Reihe deutscher und französischer Städte die israelitische Gewerbeschule in Straßburg zum Muster genommen und ähnliche Anstalten gegründet. Bei verschiedenen Ausstellungen wurde die ersprießliche Tätigkeit derselben durch Ehrenmedaillen anerkannt. In den Subskriptionslisten der Anstalt sind seit einer langen Reihe von Jahren die Namen der Straßburger Bischöfe und der Präsident des Direktoriums Augsburger Konfession vertreten, „als ein rührendes und herzerhebendes Zeichen der in unserem schönen Lande glücklicherweise herrschenden Toleranz". Der Neubau in der Julianstraße habe eine Summe von 190.000 Mk. erfordert. Durch das Wohlwollen des Straßburger Gemeinderates habe das Komitee von der Stadt an Stelle des alten Hauses ein passendes Terrain für den Neubau, sowie 80.000 Mk. erhalten. Hierzu seien über 89.000 Mk. hinzugetreten, welche in hochherziger Weise durch Freunde und Gönner aus Deutschland, Frankreich, der Schweiz und Amerika gespendet worden seien. Se. Durchlaucht, der Herr Statthalter, habe dem Komitee die Ehre erwiesen, sich mit der hohen Summe von 3000 Mk. an die Spitze der Liste einzuzeichnen, wofür Redner den ehrerbietigsten und herzlichsten Dank ausspricht. Die noch fehlenden 20.000 Mk. hoffe das Komitee mit Gottes Hilfe auch noch auftubringen. Nach diesen mit Beifall aufgenommenen Ausführungen richtete Unterstaatssekretär Dr. v. Schraut folgende Worte an die Festversammlung: „Der Herr Statthalter hat mich beauftragt, Ihnen seinen Dank für die freundliche Einladung und seine besten Wünsche für das Gedeihen der Anstalt auszusprechen. Ihre Anstalt hat schon viele Jahrzehnte erfolgreich gewirkt; ihre Geschichte, die uns der allgeehrte Herr Präsident soeben mitgeteilt hat, ist eine ununterbrochene Ehrentafel von Arbeit. Opferwilligkeit und stolzen Erfolgen. Sie haben hiedurch Ihr volles Verständnis dafür bekundet, wie nützlich humanitäre Einrichtungen sind, die den Unbemittelten eine berufsmäßige Ausbildung und die Erziehung zur Selbständigkeit ermöglichen. In unserer wirtschaftlich, technisch und sozial so bewegten Zeit kann der Einzelne nur durch eigene wirtschaftliche Einsicht und Charakterstärke vorwärts kommen und sich im Beruf und öffentlichen Leben nach dem alten Satze zurechtfinden: Prüfet alles und das Gute behaltet. Namentlich im Handwerk kommt auf die persönliche Geschicklichkeit und Tüchtigkeit das Meiste an. Anerkennung verdient daher jede werktätige Hilfe, die der Jugend die Erreichung dieses Zieles erleichtert, und volle Anerkennung gebührt auch all denen, die mit Rat und Tat, ohne ein Opfer zu scheuen, diese Gewerbeschule fördern. Auch die Regierung wird die Entwicklung dieser Anstalt, wie alle für das Handwerk nützlichen Einrich-

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