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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1905-09-22 · 38 (22.9.1905) · page 6

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
22 (1905)
Issue
38 (22.9.1905)
Date
1905-09-22
Page
– (sequence 6)
Language
German
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SeUe 598 Dr. Llocv's Moevenscbrltr. Nr. 38 Korrespondenzen. Die jüdische Abteilung des Zentralfriedhofes. Hochgeehrter Herr Redakteur! In der letzten Nummer Ihrer werten Wochenschrift beklagt sich Herr Präsident S.Brod über die vielen verstümmelten und fehlerhaften hebräischen Grabschriften auf dem hiesigen Zentralftiedhof, und zitiert einen „den Verstorbenen und den guten Ort verhöhnenden". fehlerhaft geschriebenen Ausdruck ovfcx mit V statt mit x. Herr Brod meint, daß . dieser Fall alle Grenzen übersteigt. Schreiber dieser Zeilen hat unlängst, gelegentlich einer Beerdigung in der 36. Reihe der 5. Gruppe noch viel anstößigere Schreibfehler wahrgenommen, die wirklich zur größten Schmach und zum Hohn dieser heiligen Stätte gereichen. Der Ausdruck svru xsn (bewährter Arzt) ist jedem Schuljungen schon aus dem 18. Gebete gut bekannt. Nun sind diese zwei, aus zusammen 8 Buchstaben bestehenden Worte auf dem Grabstein des bekannten Herrn Dr. med. Reiner Michael mit vier, sage vier Fehlern geschrieben: jkoj» nsxn. Auf dem Gralstein einer Frau Tausky sind, außer mp' nvrr und mta23 alle übrigen Worte mit Formen des männlichen Geschlechtes gebracht, wie "frin. 21,"in, rra und innswa. Noch ein Fall möge hier erwähnt werden, um zu zeigen, daß auch der Steinmetz, wenn auch unbewußt, zur Verstümmelung der Inschriften wesentlich beiträgt. Auf dem Grabstein des Prof. Neurath ist 'pn und xrrrn statt 'PN und X2»n zu lesen. Diese Fehler sind wohl dadurch entstanden, daß der Schreiber die Buchstaben 1 und L so undeutlich geschrieben hat, daß sie auch als ~ und V gelesen werden konnten, und der des Hebräischen unkundige Steinmetz (meistenteils ein Christ) sie dafür genommen hat. Herr Brod verlangt also mit allem Recht, daß „Jeder Grabstein, der aufgestellt wird (nicht bloß die vorgeschriebene Kopie), diese Zensur zu passieren habe". Zum Schlüsse möchte ich noch bemerketdaß es für einen jüdischen Friedhof, sollte er diesen seinen ehrwürdigen Charakter behalten, ganz unschicklich, ja skandalös ist, Steine in großer Menge zu besitzen, die gar keine hebräische Inschrift tragen. Das Aufftellen von Grabsteinen, die nicht einmal den j ü d ischen Namen des Verstorbenen und seiner Eltern und das Mische Datum in der hebräischen Schrift und Sprache enthalten, müßte von der löblichen Chewra-Kadischa rücksichtslos zurückgewiesen werden. Wien, den 12. September 1905. Ein jüdischer Laie. Hofrat Profeffor Dr. Adam Politzer. In wenigen Tagen, am 1. Oktober, feiert einer unserer hervorragendsten Kliniker, eine der Zierden der Alma mater viennensis, ein Mann, dessen Ruhm und Ruf weit über die Gemarken unseres Vaterlandes gedrungen und allüberall lebhaftesten Widerhall erweckt, Hoftat Professor Dr. Adam Politzer, die 70. Wiederkehr seines Geburtsfestes. In Alberti (Ungarn) das Licht der Welt erblickt, kam Politzer in noch jungen Jahren nach Wien, woselbst er die Studien vollendete, arbeitete dann im Laboratorium Professor Ludwigs, ging später nach Würzburg, wo er, der sich nun vollständig der Ohrenheilkunde widmete, Forschungen über den Mechanismus der Ohrtrompete anstellte; dann übersiedelte Politzer nach Paris, um hier Studien über Schwingungen des Trommelfells und der Gehörknöchelchen vorzunehmen, die ihn zur Herausgabe eines sich eines geradezu phänomenalen Erfolges erfteuenden Werkes veranlaßten. Den Abschluß seiner Studien vollzog Politzer in der Metropole Großbritanniens, wo er Gelegenheit fand, die pathologische Anatomie des Ohres kennen zu lernen und seine Ansichten über dieselbe gleichfalls in einer weitverbreiteten und größtmöglichen Anteil gefundenen Schrift niederzulegen. Nach Wien zurückgekehrt, habilitierte sich der junge, in Fachkreisen jedoch als hervorragende Kraft angesehene Gelehrte als Privatdozent; 1871 wurde er außerordentlicher Professor, 1873 übernahm er die Leitung der Universitätsklinik für Ohrenheilkunde und anno 1894 wurde seine Tätigkeit mit der Ernennung zum ordentlichen Professor belohnt. Seine zahlreichen Werke über die Ohrenheilkunde, die Politzer seit 1863 in die Oeffentlichkeit bringt, werden von fachmännischen Autoritäten als erstklassige bezeichnet und sind einige hievon in bereits mehreren Auflagen verbreitet, inbesondere ist es die Schrift „Ein neues Heilververfahren gegen Schwerhörigkeit infolge von Unwegsamkeit der Eustachischen Ohrtrompete und Katarrh des Mittelohres", die sich des größten Erfolges erfreute; er begründete auch eine bedeutende „Sammlung anatomischer und pathologisch-anatomischer Präparate des Gehörorganes" und höchst instruktive plastische Darstellungen der Krankheiten des Trommelfells rc. Diese, sowie die in Form von Lehrbüchern zur Ausgabe gelangten bahnbrechenden Werke haben an allen Stätten der Ohrenheilkunde Eingang gefunden und sind sehr geschätzt. Politzer besitzt eine Anzahl von Orden und Dekorationen und wurde seine Wirksamkeit von Seiner Majestät mit dem Prädikate eines Hofrates gewürdigt; er beteiligt sich an allen medizinischen Kongressen des In- und Auslandes und finden seine hochwissenschaftlichen Ausführungen in allen Knisen vollste Anerkennung und Würdigung. Politzer der auch durch mehrere Jahrzehnte die Stellung eines städtischen Ohrenarztes unentgeltlich ausübte, verzichtete im vorigen Jahre darauf wegen der gegen ihn vorgebrachten, selbstredend vollständig unbegründeten, von Seite des Landmarschalls mit keinem Worte gerügten Anwürfe im niederösterreichischen Landtage. Er ist ein Kunstmäcen im vollsten Sinne des Wortes, seine Bildergallerie gehört zu den besonderen Sehenswürdigkeiten Wiens. Hofrat Politzer, der, wenn auch nur kurze Zeit, Vorstandsmitglied der israelitischen Kultusgemeinde war, ist Vizepräsident der „Gesellschaft für Sammlung und Konservierung von Kunst- und historischen Denkmälern des Judentums", deren Museum er mit einer hochinteressanten Kollektion seltener Stiche bereicherte. Das Jubiläum, an dem sich die zahlreichen Freunde und Verehrer beteiligen werden, wird er in seinem Tuskulum im Cottage begehen. Emil Jelinek. Brünn. (Installation des neuen Rabbiners.) Der heutige Tag wird ein denkwürdiger sein in der Geschichte der Brünner israelitischen Gemeinde, es ist der Tag des Amtsantrittes des neuen Rabbiners Dr. Ludwig L e v y vom Breslauer Seminar, auf den am 23. Oktober 1904 die einmütige Wahl des verstärkten Vorstandes gefallen war, des Mannes, der nun berufen sein wird, an der Seite unseres langjährigen, verdienstvollen Seelenhirten, des ehrwürdigen Oberrabbiners Dr. B. Placzek, das rabbinische Amt zu verwalten. Die Jnstallationsfeier, die nach Erfüllung aller gesetzlichen Formalitäten auf den Abendgottesdienst des vorigen Freitag, 15. d. M., angesetzt war, mußte wegen Verhinderung des Präsidenten auf Sonntag, den 17. d. M., 11 Uhr Vormittags, verschoben werden, da eine längere Hinausschiebung ' des Amtsantrittes des Herrn Dr. Levy dem Vorstande untunlich erschien. Vor Beginn des Gottesdienstes fand im Sitzungsfaale des Tempels eine feierliche Sitzung des verstärkten Vorstandes zu dem Zwecke statt, daß der. in sein Amt einzuführende Rabbiner vor dem Vorstande die statutarisch vorgeschriebene Pflichtenangelobung leiste, ein Akt, der nach einer ebenso herzlichen, als sachgemäßen Ansprache seitens des Präsidenten Dr. Fialla an den sein Amt antretenden Rabbiner in würdigster Form sich vollzog. In seiner kurzen Erwiderung auf die Worte des Präsidenten betonte Dr. Levy, er werde bestrebt sein, von seiner Jugend die Begeisterungssähigkeit, das Feuer, den Idealismus sich zu wahren, vom Alter aber weise Ueberlegenheit, Besonnenheit und Takt zu lernen. Um 11 Uhr ertönte feierlicher Orgelklang, worauf Oberkantor Heller unter Begleitung des Chores den von ihm komponierten Begrüßungschoral Doruell habo beschem adonay wirkungsvoll anstimmte, unter dessen mächtigen Akkorden der. neue Rabbiner, vom gesamten Vorstande geleitet, in den Tempel einzog und mit dem Präsidenten Dr. Fialla die

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