Mannheim
Compact Memory

Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1905-09-22 · 38 (22.9.1905) · page 5

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
22 (1905)
Issue
38 (22.9.1905)
Date
1905-09-22
Page
– (sequence 5)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
97% known words query
IRI
…/3020846-3021602-3021641--14809-3039540
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

■Jit. 38 Dr. Bkorh*s WortzenjArrist. Veite 597 finden, und auch der gesetzliche Feiertag kein anderer als der jüdische Sabbat sein könnte. Für Sie, der Sie stets eine so große Sympathie für das traditionelle Judentum bekundet haben, muß dieses Bild unserer Kolonie besonders erfreulich sein. Was das Verhältnis unserer Organisation zu dem großen rufsisch-jüdischen Problem anbelangt, so haben die russischen Juden hierüber selbst zu bestimmen. Ob dieses Problem in Rußland selbst gelöst werden kann oder nicht, jedenfalls muß es von den russischen Juden selbst gelöst werden. Unsere Kolonie ist nur bestimmt (siehe mein Manifest) „für diejenigen Juden, welche in den Ländern, in denen sie gegenwärtig leben, nicht bleiben können oder bleiben wollen". Aber welche Wahl auch immer die russischen Juden hinsichtlich der Lösung des Problems treffen mögen, so können wir letzteres gewiß erleichtern durch Verringerung des Andrangs zum Ansiedlungsrayon in Rußland. Ob unsere Organisation eine Möglichkeit finden wird, ihnen in anderer Weise zu helfen, das kann allein die Zukunft lehren. Obgleich ich sehr bedauere, daß Ihr Wunsch, uns zu helfen, vielleicht Ihre physische Kraft übersteigt, habe ich Sie inzwischen doch, mein lieber Wolff, in Uebereinstimmung mit unserer Konstitution znm englischen Mitglied unseres internationalen Komitees kooptiert, und verbleibe Ihr aufrichtiger Israel Zangwill Ehren-Vorsitzender der Jüdisch-Territorialen Organisation. Dlnterstiihurrgsver-ein für mittellose jüdische Techniker in Denn«. Im Studienjahre 1903/4 hat es eine kleine Schar herzhafter Hörer der technischen Hochschule in Brünn unternommen, einen Unterstützungsverein für mittellose jüdische Techniker dieser Lehranstalt zu gründen. Für die Existenzberechtigung eines derartigen Vereines bedarf es Wohl keiner Motivierung. Eine allgemein bekannte Tatsache ist: wo es eine Hochschule gibt, da befinden sich jüdische Studenten, und wo jüdische Studenten sind, ist der allergrößte Teil derselben armer Eltern Kind, die einer Unterstützung vom Hause entraten müssen, daher darauf angewiesen sind, durch Privatunterricht oder in anderer Weise sich durchzufretten;-den Wenigsten dieser armen Teufel von Studenten gelingt dies aber und das Facit ist, daß unter den jüdischen Studenten unsagbares Elend herrscht, daß sie unter den denkbar drückendsten Entbehrungen ein kümmerliches Dasein fristen. Gilt dies im Allgemeinen, so trifft dies in Brünn, wo ganz eigenartige Verhältnisse obwalten, umsomehr zu. In der mährischen Landeshauptstadt hat die Indolenz in Glaubenssachen ganz ungeahnte Dimensionen angenommen. In den besser situierten jüdischen Gesellschaftskreisen gilt das „I o r d a n b a d" als chik, man überlegt nicht lange, greift zur Ultimo ratio und konvertiert mit Kind und Kegel. Wohl hat sich in jüngster Zeit die Situation in diesem Belange etwas gebessert, der Wind hat den Spreu vom Weizen zumeist schon entfernt und das jüdische Bewußtsein hat wieder einigermaßen Stärkung erfahren. Es ist jedoch genug übrig geblieben, der Gemeinbürgschaft, der Solidarität in Glaubenssachen nicht genügenden Halt, nicht feste Basis finden zu lassen. Auch in Brünn kann man, Md zwar in noch erhöh'terem Maße die Wahrnehmung machen, daß absichtlich vermieden wird, jüdische Studenten als Correpetitoren, Aushilfslehrer und Hofmeister zu wählen, daß es zum guten Ton gehört, mit einem Arier zu brillieren, ohne Rücksicht darauf, daß hiebei offensichtliche Nachteile für die Betroffenen erwachsen. Selbstverständlich müssen hierunter die jüdischen Studenten leiden, der einzig mögliche, natürliche Erwerb, die ausschließliche Quelle des Verdienstes ist ihnen unterbunden, ist ihnen unmöglich gemacht. Es dürfte sich so mancher Superkluge finden, der den Ratschlag erteilt, die jüdischen Kinder armer Eltern mögen sich eben dem Studium nicht zuwenden. Diesen Weisen und Superklugen könnte man mit dem stichhältigen Einwand begegnen, daß die jüdischen Studenten, armer Eltern Kind, in der Regel später zu den Zierden des Judentums zählen und ihrem Berufe zur Ehre gereichen, abgesehen davon, daß der intelligente Beruf das einzige Mittel ist, die armen, jüdischen Kinder in eine bessere, angesehene soziale Stellung zu bringen. Man muß daher den wackeren Männern dank wissen, die sich die Mühe nicht verdrießen ließen, welche sich der mit Arbeit und Opfern verbundenen Aufgabe unterzogen haben, durch Gründung eines Unterstützungsvereines ihren mit Glücksgütern nicht begnadeten Kommilitonen die Beendigung der Studien zu erleichtern. Es muß leider aufs Tiefste und Lebhafteste bedauert werden, daß diesen wackeren Männern bisher ein voller Erfolg nicht zur Seite stand, daß es denselben noch nicht gelungen ist, den jungen Verein derart zu kräftigen, daß er seiner Aufgabe, die armen jüdischen Studenten vor der allergrößten Not zu schützen, gerecht zu werden vermag. Die Teilnahme für den „U n t e r st ü tz u n g s v e r e i n mittelloser jüdischer Techniker in Brünn" ist sowohl in der Hauptstadt als auch im Kronlande Mähren noch sehr geringfügig. In dem Mitgliedsverzeichnisse fehlen die meisten Namen der großen, reichen, stolzen Industriellen, der Vertreter der Intelligenz und des Bürgertums sowohl der Landeshauptstadt als auch des Kronlandes Mähren. Dieser befremdliche Mangel an Teilnahme ist zweifelsohne nur auf den Umstand zurückzuführen, daß der genannte Verein erst seit kurzer Zeit besteht, sich noch zu wenig bemerkbar gemacht hat und es an agitatorischer Tätigkeit fehlen läßt. Eine rationelle Propaganda würde, man kann dessen gewiß sein, von vollem Erfolg begleitet sein, es bedarf nur eines warmen Appells an die besser situierten Glaubensgenossen und der Kultusgemeinden Mährens, dem Vereine zahlreiche Mitglieder zuzusühren, es steht auch außer Zweifel, daß die ehrwürdigen jüdischen Seelsorger e s an F ö r d e r u ng und Unter st ützung der Vereinsbestrebungen nicht fehlen lassen werden. Das Kronland Mähren besitzt nur eine Hochschule. Es ist Pflicht und Schuldigkeit eines jeden warmsühlenden Glaubensgenossen, die armen jüdischen Frequentanten dieser Hochschule nach Kräften zu unterstützen und ihnen derart die Möglichkeit zu bieten, ihre Studien zu vollenden. Wer nur eine Ahnung hat, was es heißt, mit knurrendem Magen zu lernen, mit der peinigenden Sorge um ein Obdach, um Kleidung usw., der wird eine Befriedigung darin finden, die studierende jüdische Jugend von der materiellen Sorge ums Dasein zu befreien. Die Vorlesungen an der Brünner Technik beginnen schon in wenigen Tagen. Die armen jüdischen Techniker werden sich einfinden und um Unterstützung nachsuchen. Da erweist sich notwendig, dem „Unte^stützungsvereine mittelloser jüdischer Techniker in Brünn" rasch unter die Arme zu greisen, ihm die materiellen Mittel zu bieten, seiner wahrhaft segensvollen humanitären Aufgabe gerecht werden zu können. Bis dat, qui cito dat. * * Eduard Beer. Der Verfasser vorstehenden Artikels hat sich als gebürtiger Mährer bereit erklärt, dem „Unterstützungsverein für mittellose jüdische Techniker in Brünn" als Stifter mit dem Betrage von 50 Kronen und als Bereinsmitglied mit dem Jahresbeiträge von 5 Kronen beizutreten. A n m e r k. d. Red. Das Israelitische Blindeninstitut in Jerusalem. Als im Jahre 1898 im heiligen Lande die egyptische Augenkrankheit epidemisch auftrat und zahlreiche Kinder der Erblindung anheim fielen, wurde von angesehenen dortigen Bürgern ein Institut für Blinde ins Leben gerufen, in welchem die Unglücklichsten, ihres Augenlichtes Beraubten Aufnahme und Erziehung in allen dem Juden wie dem Menschen überhaupt nötigen Kenntmssen finden. Nebst der religiösen Erziehung und der Ausbildung im Schreiben, Lesen (Blindenschrift) Rechnen und Musik werden 23 Knaben und Mädchen tn verschiedenen Handwerken, wie Bürstenbinderei. Korb- und Sessel-, sowie auch Haarflechterei unterwiesen, so daß die Armen vom Schicksal hart betroffenen Kinder erwerbsfähig gemacht werden. Soll aber das Institut seinen Zweck vollständig erreichen, so muß es schon in allernächster Zeit ein eigenes Gebäude für Schule und Werkstätte bekommen. Ein solches Gebäude erfordert aber einen Kostenaufwand von Frcs. 40.000, die bei der schweren finanziellen Lage, in welcher sich das hochwichtige Institut befindet, den Leitern desselben die schwerste Sorge bereiten. Die Leitung hat sich deshalb veranlaßt gesehen, Se. Ehrwürden Rabbiner Benjamin VedalEdo als ihren Bevollmächtigten zu entsenden, um die nötigen Mittel zur Ausgestaltung des Institutes aufznbringen. Derselbe hält sich nun in W i e n auf und hat von der bohen k. k. Statthalterei die Erlaubnis zu Sammlungen erhalten. Unseren Glaubensgenossen, die ein für die Bewohner des heiligen Landes so wichtiges Institut mildtätig fördern möchten, sei es wärmstens empfohlen, in die Bücher des genannten Herrn Einblick zu nehmen und das von ihm vertretene Institut tunlichst zu unterstützen. Statuten und Auskünfte erteilt Herr Rabbiner Benjamin Bedal E d o, IL, Novaragasse 27.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.