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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1905-09-15 · 37 (15.9.1905) · page 7

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
22 (1905)
Issue
37 (15.9.1905)
Date
1905-09-15
Page
– (sequence 7)
Language
German
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Nr. 37 Infektionskrankheiten unter den Kolonisten die ungestörte Fortführung des Kolonienbetriebes ermöglicht. Der Verlauf des Tages ist durch eine feste Stundeneinteilung geregelt, in der das Hauptgewicht naturgemäß auf die Mahlzeiten gelegt wird. Militärische Uebungen, die in richtiger Weise Scherz und Ernst mischen, mit Auszeichnungen, Ernennungen, Degradationen rc. nehmen da neben Spiel und Gesang eine gar wichtige Stelle ein. Arzt und Hausfrau, Pädagoge und Pflegerin, wirken in diesem Hause der Humanität von innigem Mitgefühl und kluger Erfahrung geleitet zusammen, um durch rationelle Pflege, kräftige Ernährung, durch den richtigen Wechsel von Ruhe und Bewegung es den armen Kindern zu erml glichen, das kommende Schuljahr und das Elend im Elternhause siegreich zu überdauern. Unvergeßlich bleibt jedem der Anblick der glückseligen Kinderschar in ihrer einheitlichen Kolonien-Uniform beim Spielen, Lachen und Scherzen. Dank der zielbewußten, mütterlichen Fürsorge seiner Schöpferinnen und der großartigen hygienischen Einrichtungen verdient das „Kaiser Franz Joseph-Ferienheim" die Bezeichnung eines Musterinstitutes. Mit der Entsendung von 45 armen Kindern zum Landaufenthalte hat der Verein „Ferienheim" im Jahre 1892 seine Tätigkeit begonnen und sie weit über die bei der Vereinsgründung ins Auge gefaßten Ziele ausgestaltet. Außer seinen Kolonien für erholungsbedürftige Kinder hat er solche für herzkranke, rekonvaleszente und skrophulose Schulkinder geschaffen und während seines Bestandes 5552 Schützlinge mit einem Kostenaufwande von fast 450.000 Kronen der Gesundung und Erholung zugeführt. Nunmehr schreitet der Verein an die Errichtung eines eigenen Seehospizes. Was diese Institution für das Judentum bedeutet, mit welcher klugen Umsicht die Ausgestaltung ihrer Ziele erfolgte, haben die Ereignisse der letzten Jahre gelehrt. Heute, wo die Plätze in den Seehospizen vom Landesausschusse und dem Gemeinderate besetzt werden, wo das Elisabeth-Kinderspital in Bad Hall an die Kommune Wien übergegangen ist, kann ein skrophulöses jüdisches Kind in keiner anderen Anstalt untergebracht werden, als in der Skrophulösen-Kolonie des „Ferienheim". Gar manches Kind wurde hier von seinem Leiden geheilt, das sonst als erwerbsunfähiger Krüppel durchs Leben hätte gehen müssen. Im Heime zu Tischnowitz hatten sich am Sonntag zum, Empfang der Gäste eingefunden: Die unermüdliche Begründerin und Präsidentin der Institution Frau Sophie G r ü n f e l d, die Vorstandsmitglieder Herr und Frau Generaldirektor P o r g e s, Herr und Frau Dozent Dr. N o b l, Frau Karoline Deutsch, die Beiräte M. Graf und Karl Freund und der Sekretär des Vereines Herr Guido F u ch s g e l b. Als Hausfrau machte die Jnspektionsdame Schriftführerin Frau Adele Zins die Honneurs. Die letztgenannte Dame stand in den letzten vier Wochen, unterstützt von ihren beiden Töchtern, dem großen Haushalte mit rastlosem Eifer vor. Als Gäste hatten sich ferner eingefunden: Der Leiter des Wohltätigkeitsamtes der Wiener isr. Kultusgemeinde Herr Obcroffizial Rudolf Kraus, die Direktrice des „Königsberg'schen Institutes" in Wien Frl. Lipschitz und eine Abordnung des Brünner Mädchenkomitees des Vereines. In ihrer Begrüßungsrede wies die Präsidentin darauf hin, daß dieser Verein eine freiwillige „Rettungsgesellschaft" sei, welche die Rettung der Kinder, des teuersten Gutes, auf ihre Fahne geschrieben habe. In knappen Worten gab sie ein Bild der Entwicklung des „Ferienheim" und richtete an die Vertreter der Presse den Appell, diesem Werke der Nächstenliebe als Mitarbeiter zur Seite zu stehen, auf daß es seiner notwendigen weiteren Ausgestaltung mit Erfolg zustreben könne. Namens der Tagespresse ergriff nun der Vertreter des „N. Wr. Tagblatt" Herr Redakteur Pollatschek das Wort, der sich umso mehr berufen fühlte, seiner höchsten Bewunderung für das Heim Ausdruck zu geben, als er auch schon Gelegenheit hatte, andere Ferienkolonien zu sehen. Er versprach in seinem und im Namen seiner Kollegen, mit allem Eifer für die gute Sache sich zu bemühen und toastierte auf die Begründerin des schönen Werkes, Frau Dr. Grünfeld. Redakteur Kraus sprach namens der jüdischen Presse und meinte, daß ein Verein, der Seite 583 Solches leiste, nicht erst um die Unterstützung von seiten der Besitzenden bitten müssen sollte, sondern sie zu fordern das Recht haben müsse. Es sei eine soziale Arbeit, die da erfüllt werde und die der Gesellschaft schwere Lasten abnehme. Alle Teilnehmer an der Exkursion schieden, erfüllt von höchster Bewunderung, von dieser Anstalt mit dem Wunsche, daß es dem rührigen Vereine bald möglich werde, sein nächstes Ziel, die Errichtung eines jüdischen Seehospizes, erreicht zu sehen. — Mit Recht schrieb der Vertreter der „Neuen Freien Presse" über diese Exkursion: „Nicht um Worte des Lobes zu hören, wenn sie auch nach all dem Geschauten nicht unterdrückt werden können, hat der Vorstand diese Besichtigung arrangiert. Wer nach Lob fischt, wartet nicht 13 Jahre auf eine Gelegenheit. Der Verein hat aus kleinen Anfängen viel erreicht, vielleicht mehr als man bei der Gründung hoffte. Aber mit den Erfolgen weiten sich die Ziele! Hunderter von Kindern nimmt der Verein sich an, Tausende müssen blutenden Herzens abgewiesen werden. Fast 450.000 K wurden seit Bestand verausgabt und mußten mit schwerer Mühe aufgebracht werden. Es ist kein Wäschestück im Heim, das nicht von den Vereinsdamen und dem Mädchenkomitee angefertigt worden wäre, kaum ein Möbelstück, das nicht da und dort als Geschenk ausgebeten worden wäre. Und auf einen Erfolg kommen zehn Refus. Mit dieser Leistung, deren einziger Lohn ftöhliches Kinderlachen ist, gibt sich der Vorstand nicht zufrieden. Das Ideal, das nun verwirklicht werden soll, ist die Einführung des ganzjährigen Betriebes in Tischnowitz. Auch im Winter durch seine günstige Lage und solide Bauart gut bewohnbar, soll es als Rckonvaleszentenheim dienen." Rabbinen-Jnftallalion in Budapest. Freitag Abends wurden die neugewählten Rabbinen der Pester israelitischen Religionsgemeinde Dr. Julius Fischer und Dr. Simon Händler in ihr Seelsorgeramt feierlich installiert. Die eigentliche Installation fand im Rahmen einer unterdem Vorsitze des Vizepräsidenten der Religionsgemeinde Hofrates Dr. Philipp W e i n m a n n gehaltenen Vorstandssitzung statt, der die Vorsteher Max Grünbaum, Sigmund L. Breitner und Ludwig Adler, ferner als Schriftführer der neue Sekretär der Gemeinde Dr. Julius Weißburg anwohnten. Bei dem feierlichen Akte waren der Präsident des Heiligen Vereines Jakob B o s ch a n, der Vater des zu installierenden Rabbiners Dr. Händler, der Tataer Rabbiner Abraham Händler, der Rabbinatsvorsteher der Synagoge in der Rombach-utcza F e l d m a n n, ferner zahlreiche Repräsentanten und Ausschußmitglieder der Gemeinde anwesend. Der Vorsitzende Dr. W e i n m a n n eröffnete die Sitzung. Er machte die Mitteilung, daß der Präsident der Pester israelitischen Religionsgemeinde Hofrat Sigmund K o h n e r von der Hauptstadt abwesend ist, ferner daß die Vorstandsmitglieder Magnatenhaus-Mitglied Sigmund Kornfeld und Louis Baumgarten ihr Fernbleiben entschuldigt haben. Nachdem der Vorsitzende als den Zweck der heutigen Sitzung die Rabbinen- Jnstallation bezeichnete, betraute er den Kultusvorsteher Ludwig Adler, ferner die Tempelvorsteher Julius Adler, Berthold Herzmann, Emerich Birnbaum und Dr. Wilhelm Grauer damit, die neuen Rabbinen in die Sitzung einzuholen. Mit lebhaften Eljenrrffen begrüßt, betraten Dr. Julius Fischer und Dr. Simon Händler im vollen Ornat den Saal. Nachdem sie am Vorstandstische Platz genommen hatten, erhob sich Dr. W e i n m a n n, um die neuen Rabbinen im Namen des Vorstandes mit der folgenden Ansprache zu begrüßen: Sehr geehrte Herren Rabbinen! Unsere Religionsgemeinde hat sich die Ueberzeugung verschafft davon, daß Ihre Erwählung den bestehenden Regeln entsprechend vollzogen, daß diese Ihre Erwählung im Sinne der Statuten durch das große Wählerpublikum genehmigt wurde und daß auch die Bedingung eingetreten ist, welche bezüglich der Repatriierung Eines von Ihnen festgestellt wurde. Der Vorstand hat demzufolge Sie als vorschriftsmäßig und definitiv gewählt Rabbinen der Pester israelitischen Religionsgemeinde deklariert. Da der Präsident unserer Religionrgemeinde fern weilt, wurde mir das Dr. Bloch's Wochenschrift.

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