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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1905-09-15 · 37 (15.9.1905) · page 6

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
22 (1905)
Issue
37 (15.9.1905)
Date
1905-09-15
Page
– (sequence 6)
Language
German
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Seite 582 Dr. Dlocb's Mocbenscbrltt. Nr. 37 denen die Mobilmachungsordre nicht zugestellt werden konnte, Nebenmenschen. Dem Judentum bewahrte er jederzeit eine Treue find entweder längst verstorben oder haben Rußland auf Nimmer- und kindliche Anhänglichkeit, die sich auch in seinem Wirken als Wiedersehen verlaßen. Trotzdem werden sie nach den bekannten Präsident der Bnei-Brith-Vereinigung, als Vorstandsmitglied der Gepflogenheiten der antisemitisch durchseuchten Heeresverwaltung Chewra-Kadischa und der Kultusgemeinde glänzend offenbarte, in den Registern weitergeführt, um so jahrein jahraus auf die Eine eingehendere Würdigung der beiden heimberufenen Vorstandsvielen Tausend zur Rekrutierung nicht erschienenen Juden hin- Mitglieder behalten wir uns vor. weisen zu können. Dieses geht unzweideutig aus der Schlußbemerkung des „Invalid" hervor. „Das Resultat war, daß von 54.269 jüdischen Reservisten nur 21.371 Mann, d. h. 40 Perzent, zum Militärdienst herangezogen werden konnten. Also nicht wenigerals 54.269 Juden waren als Reservisten einberufen. Bei gleicher Verteilung der Militärlasten würde die Zahl der im europäischen Rußland einberufenen Reservisten nicht weniger als 1,105.282 betragen haben. Selbst ein in militärischen Dingen vollkommen Unbewanderter muß zugeben, daß ein solches Massenaufgebot weder möglich noch beabfichtigt war. Die Juden wurden eben wieder — in weit höherem Maße als die Nichtjuden herangezogen. Sie konnten diese Last unmöglich tragen und haben nur 21.371 Mann gestellt, d. h. eine Zahl, die wahrscheinlich immer noch viel stärker als die der Christen war. Eine einfache Berechnung ergibt, daß die 21.371 eingezogenen und nach dem Kriegsschauplatz nach Ostafien geschickten Juden nicht weniger als 0 86 Perzent der gesamten männlichen jüdischen Bevölkerung ausmachten. Da die männliche Bevölkerung des europäischen Rußlands 50,469.535 ausmacht, so würde das Ergebnis der Mobilmachung eine Armee von 434.037 auf die Beine bringen, eine Stärke, welche das rusfische Heer in der Mandschurei zu keiner Zeit erreicht hat. Noch absurder sind die Angaben über die Ergebnisse der Mobilmachung im Odeffaer Militärrayon. Hier wohnt eine männliche Mische Bevölkerung von 361.680, welche 12.914 Reservisten — 3 54 Perzent hatte. Würden die Christen in gleicher Anzahl zum Militärdienst einberufen worden sein, das kleine Gebiet hätte nicht weniger als 150.421 Reservisten, was, da nur bis zu den Jahrgängen 1887 zurückgegriffen wurde, doch geradezu absurd genannt werden muß. Von den in den Listen figurierenden jüdischen Reservisten waren 7650 — 211 Perzent gegen 0 86 Juden im ganzen übrigen Rußland zur Stelle. Und dennoch ist diese Zahl dem „Rußki Invalid" noch viel zu wenig. Die Juden haben während des Krieges 50.000 Soldaten im Felde gehabt, haben in Wladiwostok und in Port-Arthur alle Not und alles Elend durchkosten müssen, zum Dank dafür werden sie von den offiziellen Organen des Kriegsministeriums als Feiglinge und Drückeberger hingestellt, welche wegen ihrer Feigheit von der darob erbitterten Bevölkerung eine derbe Lektion erhalten haben. Dank vom Hause Romanow! Korrespondenzen. Wie«. (Todesfälle.) Nach Redaktionsschluß ereilt uns die Trauerkunde vom Hinscheiden der Vorstandsmitglieder der israelitischen Kultusgemeinde meä. Dr. Isidor Schnabl und Salomon Rosner. Diese beiden Todesfälle bedeuten einen schweren Verlust für die Wiener Gemeinde. Herr Salomon Rosner gehörte dem Vorstande viele Jahre hindurch an und stand vor der Einverleibung der Vororte lange Zeit an der Spitze der Ottakringer Kultusgemeinde, wo er nach besten Kräften wirkte. Auch die jüdischen Wohltätigkeitsvereine des Bezirkes verlieren in ihm einen eifrigen Förderer. Noä. Dr. Isidor Schnabl war eine der liebenswürdigsten, sympathischsten Persönlichkeiten unter den jüdischen Intellektuellen Wiens. Ein Arzt von Autorität und weitem Ruf, verband er eine hohe Bildung und ausgebreitetes Fachwiffen, welches ihm das Vertrauen weitester Kreise erworben, mit einer rührenden Herzensgüte und einem Gemüt voll innigster Teilnahme und Mitgefühl mit dem Leid jedes Zur Geschichte der Familie Teixeira. „De Mattos" war der Familienname der ersten Gattin des Don Manoel Teixeira, des Residenten der Königin Christine von Schweden. Dieser Name wurde nach sefardischer Sitte von ihrem Sohne und dessen Deszendenten angenommen, während andere Zweige der Familie aus ähnlichen Gründen andere Beinamen führten. Dieser Name „De Mattos" ist, wie so viele der sesardischen Familiennamen, christlichen Adelsgeschlechtern in Portugal entlehnt. Ein Vicente da Costa de Mattos aus Lissabon z. B., ein Erzantisemit, schrieb 1622 „über die ketzerische Treulosigkeit des Judentums", worin er die Vernichtung der jüdischen Ketzer rechtfertigte. Die „De Mattos" waren in Holland wie in Hamburg zahlreich vertreten. Mit Pedro Teixeira hat der Name nichts zu schaffen. 1817 wurde ein Zweig der Teixeiras in den holländischen Adelsstand erhoben. Daher auf der in der vorigen Nummer der „Oesterr. Wochenschrift" veröffentlichen Grabschrift: „(Irak van Jonkheer“, d. h. auf deutsch: „Grab des Barons". Von einem „Grafen" ist hier nicht die Rede, wir kennen nur einen jüdischen Pfalzgrafen — ein Titel der manchem „poeta laureatus“ verliehen wurde. Es war dies der bekannte Dichter Immanuel Bocarro Frances y Rosales, dessen Adelspatent vor einiger Zeit im hiesigen Hof- und Staatsarchiv aufgefunden worden ist. Dr. M.i Gr. Im „Kaiser Franz Joseph-Ferienheim". Zur Besichtigung seines Kaiser Franz Joseph-Ferienheim in Vorkloster-Tischnowitz bei Brünn hatte für Sonntag den 10. d. M. der Vorstand des Vereines „Ferienheim" die Vertreter der Wiener Presse geladen, und die Mühe der mehrstündigen Reise nicht scheuend, hatten diese zahlreich der Einladung Folge geleistet. Wahrlich, ein nicht alltägliches Werk der Nächstenliebe gab es da zu schauen, eine Werkstatt der Humanität, die in ihrer Art am Kontinente ihres gleichen sucht. „Ein Veilchen, das im Verborgenen blüht", nannte der Sprecher der Journalisten das Kinderparadies in Tischnowitz „eine Musteranstalt, die mit aller Macht und Kraft gefördert zu werden verdient." Herzerfreuend sind die Eindrücke, die man da empfängt. Im fruchtbaren Tale der Schwarzawa, von bewaldeten Hügelketten anmutig umrahmt, liegt mitten ins Grün gebettet das Besitztum des Vereines. Durch einen alten, von prächtigen Koniferen bestandenen Park, an weiten Rasenflächen und Spielplätzen vorbei, führt der breite Weg zu dem auf einer kleinen Anhöhe gelegenen Hause hinan, einem imposanten, schloßartigen Bau, mit hohen, hellen Fenstern, breiter Freitreppe und freundlich ladender Veranda. Nebst sieben großen Schlafräumen, dem Festsaale, dem Jnspektions- und Verwaltungszimmer befinden sich in demselben Wasch- und Baderäume, Küche und Geschirraum, Putz- und Speisekammer, alles mit peinlicher Sorgfalt und Reinlichkeit in Ordnung gehalten. Das Haus beherbergt gegenwärtig die dritte diesjährige Koloniengruppe, 136 erholungsbedürftige Knaben, die nach militärischem Muster eine „Kompagnie" bilden. Hinter dem Hauptgebäude erhebt sich ein in großen Dimensionen ausgeführter, ringsum verglaster Holzriegelbau, die „Taghalle", welche bei ungünstiger Witterung den Kleinen als Spiel- und Exerzierplatz dient. Im rückwärtigen Teil des Parkes befindet sich ein spitalsmäßig eingerichtetes Jsolierhaus, das bei Auftreten von

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