Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 22 (1905)
- Issue
- 37 (15.9.1905)
- Date
- 1905-09-15
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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Nr. 87 Veite 581 Dr Biocb's Mocbenscbrift guter und gehaltvoller Bücher in würdiger Ausstattung erhalten. Der Jahresbeitrag wird so bemessen sein, daß er auch Minderbemittelten nicht zu hoch erscheinen dürfte. Um jedoch das konstante Wirken dieser Gesellschaft nicht von den Zufälligkeiten in dem Eingang der Jahresbeiträge abhängig werden zu lassen, wird ein größerer Betriebsfond geschaffen (in der Höhe von 100.000 Mk. Es werden Anteilscheine von je 200 Mk. ausgegeben; die Besitzer dieser Anteilscheine genießen gegen die einfachen Mitglieder, die den Jahresbeitrag leisten, das Vorrecht, daß sie die Leitung wählen. Jedes zweite Jahr soll ein Kongreß einberufen werden, in dem alle alle Kulturausgaben des jüdischen Volkes eingehend besprochen werden, die stimmberechtigten Mitglieder des „Sinai" werden dann über dessen Arbeitsprogramm und Leitung für die nächsten zwei Jahre beschließen. In der zweiten Hälfte des August sind in Marienbad und in Karlsbad Versammlungen des „Sinai" abgehalten worden. Der Erfolg war nach jeder Richtung hin ein außerordentlicher und unerwarteter. Ein sehr beträchtlicher Teil des nötigen Betriebsfonds ist in diesen beiden Kurorten ohne große Anstrengung aufgebracht worden. Man kann mit Mut und Zuversicht in der Arbeit fortschreiten. Die erste größere Publikation, ein Jahrbuch im großen Stile, wird hoffentlich im nächsten Frühling erscheinen. Es soll davon Zeugnis oblegen, was das jüdische Volk in seiner geschichtlichen Sprache noch zu leisten vermag. „Sinai" soll ein jüdisches Institut werden, das dem zerstreuten jüdischen Volke Sammlung und innere Einigkeit verleihen wird; es soll das Judentum, in dessen eigener Sprache fördern, ihm neue Gedanken zuführen und jüdischen Dichtern und Denkern ermöglichen, eigene Geistesarbeit zu verrichten, das Judentum kulturell zu bereichern und zu vertiefen. Wohl ist diese Gesellschaft von Zionisten begründet worden, aber sie ist darauf bedacht, die ganze Judenheit zu umfassen, soweit sie noch jüdisch denkt und fühlt und so weit sie an die Fortdauer und Entwicklungsfähigkeit des Judentums glaubt. Zur Wirtschaftsgeschichte der Juden. In Nr. 111 der „Boss. Ztg" vom Donnerstag, den 16. September 1802 lesen wir: „Der Schutzjude Amschel S a l o m o n aus Pre nzlau hat eine Dampfmaschine erfunden, worin er ohne Wasser und ohne besonderes Feuer in einem hölzernen Gefäße Kartoffeln und andere Früchte in einer weit kürzeren Zeit als gewöhnlich kocht und die Kartoffeln erhalten dadurch einen vorzüglich guten Geschmack. Se. Königliche Majestät geruhten ihm unter dem 5. dieses zu befehlen, eine solche Maschine vorzuzeigen. Allerhöchstdieselben und Jhro Majestät die Königin nebst dem ganzen Hof nahmen am 11. d. Mts. zu Paretz diese Erfindung in Augenschein und bezeugten Allerhöchstdero Zufriedenheit darüber. Der Amschel Salomon mußte auch zweimal in der Maschine kochen und ist dieselbe zum Gebrauch in der Hofküche gelassen worden." — „Eine charakteristische Figur ist schließlich der aus Jemen kommende, mit Straußfedern handelnde Jude. Man bekommt in Aden fast den Eindruck, als ob sich jeder Nicht-Jude für berechtigt hielte, den Juden mit Füßen zu stoßen und als ob der Jude diese Behandlungsart als eine normale ansähe. (Sachau, Eduard: Am Euphrat und Tigris. Reisenotizen a. d. Winter 1897—98. Leipzig 1900. [@. 4, bei der Beschreibung der Stadt Aden in Südarabien.j) Dank vom Hause Romanow. Von den zahlreichen Formen, in welchen sich der Judenhaß in Rußland manifestiert, ist keine so widrig und so gemein, wie der Antisemitismus in der Heeresverwaltung. Obwohl die Juden in weit stärkerem Maße als die Russen zur Blutsteuer herangezogen werden, ergreift nicht nur die Heeresverwaltung jede Gelegenheit, um durch zahlreiche Verordnungen und Erlässe die Militärlasten ihnen so drückend als möglich zu machen, sie sucht seit Jahren überdies noch sie zu beschimpfen und dem russischen Volke als Feiglinge und Fahnenflüchtige zu denunzieren. Während des Krieges mit Japan, bei welchem Zehntausende von Juden ihr Blut vergossen und Dutzende von ihnen sich durch große Heldentaten derart ausgezeichnet haben, daß sie in Tagesbefehlen der ganzen Armee als Muster hingestellt wurden, verhielten sich noch die Antisemiten in Osfiziersunisorm einigermaßen ruhig. Kaum jedoch waren die Friedensaussichten mit Japan in sichtbare Nähe gerückt, als der mühsam zurückgehaltene Judenhaß sich in wilden Ausbrüchen Bahn macht. Die letzte Nummer des „Rußki Invalid", des offiziellen Blattes des russischen Kriegsministeriums, enthält einen Artikel über das Verhalten der jüdischen Reservisten während der Mobilmachungen im Jahre 1904. Das offizielle Blatt schreibt: Während bei den Mobilmachungen in Zentral- und Ostrußland die nichterschienenen Reservisten vereinzelt waren, hat sich ihre Zahl bedeutend vermehrt, als mit der Mobilisation im jüdischen Anfiedlungsrayon begonnen wurde. Die Weggebliebenen waren in manchen Stellen so groß und zahlreich, daß die Mobilmachung in jenen Gegenden als vollständig mißlungen anzusehen war. So waren bei der im September erfolgten Einberufung der Reservisten des Odessaer Militärbezirkes von 12.314 Juden nur 7650 zur Stelle, während der Rest von 4664 37 % nicht zu finden war. Im Kreise Chotin, Gouvernement Beßarabien konnten noch bei der ersten Mobilmachung im September 141 Juden eingezogen werden. Bei der zwei Monate später erfolgten zweiten Mobilmachung befand sich jedoch unter 1000 Reservisten nur noch ein einziger Jude. Der Rest war entweder ins Ausland gegangen oder fiedelte zeitweilig in Gegenden über, wo die Mobilmachungen noch nicht begonnen oder bereits beendet waren. Aber selbst von den 7650 Juden, denen man die Mobilmachungsordre zugestellt hatte, konnten nur sehr wenig wirklich zum Militärdienst eingezogen werden. Es stellte sich heraus, daß die zu Hause gebliebenen Juden entweder Väter zahlreicher Familien oder krank waren. Ein großer Teil der Untauglichen hatte nämlich entweder einen Bruch oder litt an Ohrenfluß. Da nur Juden von diesen Krankheiten befallen waren, so darf vermutet werden, daß diese sich den Fehler selber beigebracht haben. Zum Ersatz der zahlreich ausgebliebenen Juden mußten die christlichen Reservisten im höheren Maße herangezogen werden, wodurch in vielen Orten einige Unordnungen entstanden sind." Soweit der „Rußki Invalid". In dem letzten Satze erkennt das geübte Auge sofort den antisemitischen Pferdefuß. Die „einigen Unordnungen", wie der „Rußki Invalid" die zahlreichen Reservistenkrawalle euphemistisch zu nennen beliebt, waren nichts weiter als eine wohlverdiente Züchtigung, welche den Glaubensgenossen der flüchtig gewordenen Juden von den zu deren Ersatz in stärkerer Zahl eingezogenen Christen zuteil geworden ist. Roh und echt russisch unverschämt ist auch die Behauptung, daß die kranken Juden sich künstlich ein Leid zugefügt haben, um nicht zum Militärdienst herangezogen zu werden Was nun die flüchtigen Juden anbelangt, so wollen wir einen Moment lang die offiziellen Angaben des russischen Kriegsministeriums unbesehen als richtig anerkennen und ruhig zugeben, daß sich also wirklich viele tausende Juden dem Krieg in Ostafien zu entziehen gewußt haben. Sollten die jüdischen Reservisten ihre Frauen und Kinder etwa der Mordlust des Pöbels, den schamlosen Erpreßungen der kleinen und kleinsten Tschinowniks und der Raublust der Soldateska preisgeben, um im fernen Osten für Stiefväterchen Zar und Stiefmütterchen Rußland ihre Knochen zu Markte zu tragen? Es wäre ebenso dumm wie verbrecherisch von ihnen, wenn sie dies getan hätten. Verbrecherisch gegen ihre schutzlos in der Heimat zurückgelaffenen Familienmitglieder. Merkwürdig jedoch ist. daß die Angabe des „Rußki Invalid", die wir einen Moment lang unbesehen als richtig angenommen, vollkommen erlogen find. Jene 4664 Juden,