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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1905-09-15 · 37 (15.9.1905) · page 4

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
22 (1905)
Issue
37 (15.9.1905)
Date
1905-09-15
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Sette 580 Dr. Bloch's Wochenschrift. Nr. 37 Bestreitet man nun die Notwendigkeit einer Offenbarung, d. i. der Erziehung, die dem Menschengeschlechte geschehen, so braucht man nur darauf hinzuweisen, daß, wie berichtet wird, Esaus Nachkommen wegen der Worte „Du sollst nicht morden", Ammon und Moab wegen des Verbotes „Du sollst nicht ehebrechen", die Jsmaeliten wegen der Worte „Du sollst nicht stehlen" das ihnen angebotene Gesetz zurückgewiesen. *) Galten doch alle Sitten und Gebräuche, die wir als abscheuliche Laster ansehen, wie: Diebstahl, Betrug, Mord, Ehebruch u. s. w., bei anderen Völkern unter Umständen als Tugenden oder selbst als Pflichtgebote und hat doch in Wirklichkeit eben darum die moderne Anthropologie den schönen Traum Kants vom kategorischen Imperativ zerstört, wonach jeder normale Mensch dasselbe Pflichtgefühl habe wie jeder andere. Als das Gesetz auf dem Gipfel eines Berges verkündet werden sollte, da hielten sich die verschiedensten Berge gleichsam für berufen, daß auf ihnen die Offenbarung erfolge, bis vom Himmel eine Stimme erscholl: Ihr seid Berge, aber ihr seid befleckt; bloß der Sinai ist unbefleckt und aus ihm allein wird das Wort Gottes erschallen. (Midr. Rabba 142 a.) Nicht die Höhen des Denkens, nicht die Höhen des Pflichtgefühls, das den Menschen gar oft zum Fanatismus und zum Blutvergießen hingerissen, die Höhe des Sinai, die Offenbarung ist's, die uns die Wahrheit erschlaffen. Wenn dem nicht so wäre, wie wäre es dann zu erklären, daß, um ein altes Bild zu gebrauchen,'^) beim Einzuge eines Königs die einen diesen und die anderen jenen aus dem königlichen Gefolge zu ihrem Beschützer erkoren, während die Weisen und Verständigen den König selbst sich als Hort auserwählt, oder mit anderen Worten, wie wäre es zu erklären, daß die meisten Völker des Altertums den Dienern Gottes, die gleichsam sein Gefolge bilden, wie Sonne, Mond und Sternen oder gar Menschen göttliche Verehrung zollten, während Israel mit seinem reinen Gottesglauben in einsamer Größe gen Himmel ragte, jener Klippe des Sinai gleichend, die auf jenem einzigartigen Flecken der Erde (Er Rahah)'^) als säulenartige Masse sich erhebt, als ob sie allein in der Wüste wäre. „Der außerordentliche Glanz, in dem zuweilen die Sandküsten Arabiens erscheinen" — sagt Herder über die Gesetzgebung am Sinai in seinem Werke „Vom Geiste der Ebräischen Poesie, 2. Teil — „der Rauch, in dem sich die Berge hüllen, die Donner, die in diesen getürmten Felsgebirgen vervielfacht und schrecklich wiederhallen, diese und vielleicht andere fürchterlich prächttge Phänomene der Natur vereinigte Gott hier zu Symbolen seiner Erscheinung" * 2 * 4). So steht auch das Judentum im schärfsten Gegensatz zu den glänzenden Lastern des Altertums, des Mittelallers und der Neuzeit, zu den dunkeln Wolken des Wahn- und Aberglaubens der meisten Völker, zu dem donnernden Jupiter ebenso wie zum Donar der alten Germanen. Sollte ') Jallut p. 211 a. 2) Rabba 291 a und b. Echa Kap. 3, V. 24. s) Hier ist Raum für ein großes Lager! rief Robinson mit seinen Gefährten hier aus. — Es gibt keinen Fleck auf der Erde — schreibt Henry James — wo in merkwürdigerer Weise die Bedingungen sich vereinen: ein erhabener Berg und eine Ebene, „wo die im Exodus beschriebenen Schauspiele und Töne überall eine versammelte Menge von mehr als zwei Millionen erreichen könnten". Stanleys Eindrücke waren ebenso stark. Er sagt: Daß eine solche Ebene überhaupt vor einer solchen Klippe existiert, ist ein so merkwürdiges Zusammentreffen mit der heiligen Erzählung, daß es einen starken inneren Beweis liefert, daß die Szene nicht nur hier stattgefunden hat, sondern daß sie auch von einem Augenzeugen beschrieben worden ist. 4) S. die Schilderung dieser Szene in den Schofroth des Muffapb-Gebetes für Rasch Haschana. — Der Reisende Burckhardt berichtet, daß in den Sinaibergen noch heute zuweilen ein donnernder Lärm gleich wiederholten Salven von schwerer Artillerie gehört werde. Bezüglich des Verses: „Das ganze Volk sah die Stimmen" 2 B. M. 20, 15 verweisen mir auf den Kosmos, Handweiser für Naturfreunde, der über Farbenhören schreibt: Bei manchen Menschen entstehen Farbenempfindungen durch Gehöreindrücke. An und für sich kann es ja nicht wundernehmen, daß zwischen Tönen und Farben nahe Beziehungen bestehen, da Ton wie Licht durch sich fortpflanzende . Schwingungen erzeugt werden und somtt verwandte Daseinsbedingungen besitzen. In der englischen medizinischen Zeitschrift „Laneel" berichtete vor einiger nun wohl ein Sklavenvolk imstande gewesen sein, die höchsten Wahrheiten, die weisesten Gesetze aus sich selbst zu schöpfen? „Hier ist", bemerkt Ernst Curtius über die Beziehungen zwischen Hellenen und Juden in seiner in der Akademie der Wissenschaften bei der Feier des Geburtstages weiland Kaiser Wilhelms I., am 22. März gehaltenen Festrede, „kein Umhertasten und Suchen nach dem unbekannten Gotte, sondern ein Erfassen der Menschen durch die Gottheit; hier find keine nebelhaften Ahnungen, sondern Tatsachen, kräftige Zeugnisse, und zwar nicht einzelne Lichtblicke, die wie die Wetterleuchten die Nacht durchkreuzen, sondern eiu im großen Zusammenhänge aus einfachen Grundlagen immer voller und inhaltsreicher sich gestaltender Bund zwischen Gott und Menschen mit persönlicher Gegenseitigkeit, in welchem das ganze Leben des Volkes aufgeht... Was hier vorliegt, ist etwas so Eigenartiges, daß es sich aus dem Entwicklungsprozeß eines sich selbst überlassenen Volkes nicht erklären läßt, und je weitere Umschau der Wissenschaft gestattet ist, umsomehr Analogien finden wir zwar, aber nichts, was als eine genügende Vorstufe angesehen werden könnte". Vom Zubrmarkt des Lebens. „Sinai." Während des siebenten Zionistenkongresses in Basel ist auf die Initiative des hebräischen Schriftstellers S. H u r w i tz (aus Gluchow in Rußland) die literarische Gesellschaft „Sinai" gegründet worden. In der ersten konstituierenden Versammlung wurde beschlossen, den Sitz dieser Gesellschaft in Berlin zu bestimmen, die leitenden Personen hingegen außer den Mitgliedern des ständigen Komitees in Berlin in allen jüdischen Zentren der europäischen und außereuropäischen Länder zu wählen. Mehrere hervorragende Gelehrte und Schriftsteller der jüdischen Welt -haben ihre Mitwirkung und Beteiligung an den Arbeiten dieser Gesellschaft bereitwillig zugesagt. Zweck des „Sinai" ist in erster Reihe die Schaffung einer gehaltvollen hebräischen Literatur in den verschiedenen Zweigen durch Herausgabe guter Bücher, sowohl wissenschaftlichen wie belletristischen Inhalts. Die hebräische Sprache wird als das geistige Band gedacht, das die gesamte Judenheit umschlingt und ihr innere Einigkeit verleiht. Die Kenntnis dieser Sprache nimmt unter den Juden erfreulicherweise immer mehr zu, aus äußeren Gründen aber konnte die Entwicklung der hebräischen Literatur mit der zunehmenden Verbreitung der Sprache nicht gleichen Schritt halten. Obwohl hebräische Bücher noch immer mehr gelesen und gekauft werden, als Bücher in anderen Sprachen, die sich mit dem Judentum befassen, fehlt es der hebräischen Literatur an Gleichmäßigkeit und Beständigkeit des Bücherabsatzes. Dies wirkt auch auf den inneren Gehalt der Bücher nachteilig und hat zur Folge, daß die natürliche Entwicklung des Schrifttums oft unliebsam gehemmt wird. In der letzten Zeit sind freilich Versuche gemacht worden, diesem Uebel nach Kräften abzuhelfen; es ist auch manches Ersprießliche geleistet worden. Indes geschah dies immer mit unzulänglichen Mitteln, und bei Erschöpfung dieser Mittel mußte die Arbeit eingestellt werden. Die Gesellschaft „Sinai" wird auf breiter Grundlage aufgebaut; nicht vereinzelte wohlhabende Freunde der hebräischen Literatur sind für das Mäcenat in Aussicht genommen, sondern das gesamte jüdische Volk, dessen Liebe zur hebräischen Sprache, zu der Sprache seiner Propheten und Dichter, niemals erloschen ist und niemals erlöschen wird. Gegen einen verhältnismäßig billigen Jahresbeitrag wird jedes Mitglied der Gesellschaft alljährlich eine größere Zahl Zeit Dr. W. S. Colmann über eigene Beobachtungen, in denen er das Horen von Farben feststellen konnte. In der einen wurden transparente, oft sehr prächtige Farbenempfindungen bei gewissen Tönen, Vokalen, Noten oder bestimmten musikalischen Instrumenten ausgelöst; in der anderen entstanden Farbenempfindungen bei der Aussprache oder bloßen Vorstellung von Buchstaben oder geschriebenen Worten, so daß jeder Buchstabe in einem bestimmten Farbenton gesehen wurde.

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