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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1905-09-15 · 37 (15.9.1905) · page 3

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
22 (1905)
Issue
37 (15.9.1905)
Date
1905-09-15
Page
– (sequence 3)
Language
German
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Sir. 37 Dr. Dlocb's MocbenscbrM. Seite 579 hassen, der aber Gnade ü&t1) am tausendsten Geschlecht denen, die mich lieben und meine Gebote halten". Die Härte dieser Worte darf nicht Wunder nehmen, da es sich ja auch rächt, wenn man gegen die Natur und ihre Gesetze handelt. Andererseits bietet die besonders hervorgehobene Liebe Gottes Gewähr dafür, daß eine Offenbarung stattgefunden haben muß. Denn Jahrtausende sind vorübergegangen und der menschliche Geist, außerhalb der Offenbarung stehend, hat immer nur widersprechende Antworten gegeben auf die höchsten Fragen des Lebens. Und die Millionen und Millionen Geister, die seit Jahrtausenden über die Erde gegangen, sie wären hinabgestiegen in das Grab, ohne daß ihr Auge je am Anblick der Wahrheit sich gefreut hätte? Nein, so gering schlägt Gott diese Menschheit nicht an, die er in Liebe und zum Glück geschaffen. „Du sollst daher nicht aussprechen den Namen Gottes zum Falschen, denn nicht ungestraft wird Gott lassen den, der seinen Namen ausspricht zum Falschen!" *) „Um jenem furchtbaren, gewaltigen Zuge zur sinnlichen Brutalität und zum geistigen Hochmut im Menschen Einhalt zu tun, dazu" — schreibt Molitor in seiner Philosophie der Geschichte II. § 295 — „gehören wahrlich große und mächtige Jncitamente. Die Gottheit mußte sich daher dem Menschen notwendig gleich im Anfänge auf eine objektive unzweideutige, völlig bestimmte Weise und durch Wunder offenbaren, um sein Inneres zu durchdringen und zu erschüttern. Auch die Schöpfungsgeschichte, mit der das Gebot „Sechs Tage sollst Du arbeiten und all Deine Werke verrichten, aber der siebente Tag ist ein Ruhetag dem Ewigen, Deinem Gotte, da sollst Du keinerlei Werk verrichten, Du und Dein Sohn und Deine Tochter, Dein Knecht und Deine Magd, Dein Vieh und Dein Fremder, der in Deinen Toren ist," 3) begründet wird, führt zur Annahme einer Offenbarung und in der Tat werden die zehn Worte am Sinai mit den zehn Aussprüchen verglichen, mit denen nach der Bibel die Welt in's Dasein gerufen wurde.4) „Diese Tatsachen" — bemerkt Waagen, Professor der Paläontologie an der Wiener Universität, in seinem Werke „Das Schöpfungsproblem" in Betreff der Schöpfungsgeschichte — „wenn sie sich als richtig erweisen sollten, können zur Kenntnis des Verfassers des Schöpfungsberichtes nur gelangt sein, entweder durch geologische Studien, wie sie auch uns die Kenntnisse der Vorgänge in früheren Perioden vermitteln, oder auf unnatürliche Weise — durch Offenbarung (Seite 4). Er schließt ferner, daß es „im höchsten Grade unwahrscheinlich sei", daß der Verfasser auf induktivem Wege zu dieser Erkenntnis gekommen sei und daß es ein anderer Weg gewesen sein müsse. „Einstweilen haben wir für Vorgänge, wie sie den Verfasser des Schöpfungsberichtes in den Stand setzten, die Tatsachen in der Entwicklungsgeschichte der Erde seinem Verständnis entsprechend richtig zu erkennen, kein anderes Wort als Offenbarung. . . . Eine größere und hervorragendere Leistung von längerer Dauer auf literarischem Gebiete hat es wohl niemals gegeben" — schließt Waagen seine Erörterung. In ähnlicher Weise äußern sich Cuvier, Ampere, Quenstedt, Linns, Boubse und selbst Fichte. „Die Erde öffnete ihren Mund", lesen wir im vierten Buche Mosis 16, 32 und wahrlich die Erde, von den Geologen erforscht und untersucht, hat oft ihren Mund geöffnet zur Ehre des biblischen Schrifttums. So schreibt z. B. Cuvier (ei. Universitß catholiqne 1830, avril): Moses hat uns eine Kosmogonie hinterlassen, deren Richtigkeit sich täglich wunderbar bestätigt. Die neuesten geologischen Betrachtungen stimmen über die Ordnung, in der alle organisch gebildeten Wesen nach und nach erschaffen find, vollkommen mit der Genesis überein. 0 Tosefta Sota IV, Sota 31a. 0 S. hierüber Berachot 31 a, Sabbat 121 a, Schabuot 21 a. 39 a, Joma 86 a, Nedarim 18 a. 8) S. hierüber Berachot 20 d. Sabbat 33 b, Pesachim 106 a, 117, Beza 15 b, Schabuot 20 b, Abot d. R. Nathan XI.. Talmud Jerusalmi Sabbat 15, 3, Talmud Babli Sabbat 120 a, 49 d. 4) Sohar 3. B. M. 17, 18; Jalkut Chadasch 36, 29. Ampere.(„Revue äe äeux Mondes", 1833, juillet) erklärt : Die Reihenfolge, in welcher die organisch gebildeten Wesen auftreten, ist genau die Reihenfolge der sechs Tagewerke, wie sie uns die Genesis darstellt. „Dieses Bild" — meint Quenstedt (Die Schöpfung der Erde [1882] Seite 8) „hat so viel Wahres, daß wir mit Rücksicht auf den alten Standpunkt noch heute behaupten dürfen: Moses war der größte Geologe aller Zeiten." *) Gott schaute in die Thora und schuf nach ihr die Welt — heißt es im Midr. Bereschit rabba l. und ein anderer Ausspruch daselbst2) lautet : So wie die Thora in der heiligen Sprache gegeben wurde, so wurde auch die Welt in der heiligen Sprache geschaffen, oder, um ein Wort Kepler's, vor dem sich jeder Naturforscher gerne beugen wird, zu gebrauchen: Der Tag ist nahe, da man die reine Wahrheit im Buche der Natur wie in der Heiligen Schrift erkennen und über die Harmonie beider Offenbarungen sich freuen wird. Auf materiellem Wege ist es bewiesen — erklärt Linus — daß Moses nur unter Eingebung des Schöpfers der Natur geschrieben hat. „Wenn ein Buch" — bemerkt der Naturforscher Boubse (Geologie elämentaire fParis 1833] p. 86) — „das zu einer Zeit geschrieben wurde, da die Naturwiffenschaften noch so geringe Fortschritte gemacht hatten, deßungeachtet in wenigen Zeilen die merkwürdigsten Sätze ausstellt, zu denen man unmöglich anders gelangt sein konnte als durch den außerordentlichen Fortschritt, der im 18. Jahrhundert stattfand; wenn diese Sätze mit Tatsachen in Verbindung stehen, die man damals, ja bis auf unsere Tage weder wußte noch ahnte . . so müssen wir zugeben, daß dieses Buch mehr ist als Menschenwerk." Das erste Blatt der mosaischen Urkunde — sagt Jean Paul — hat mehr Gehalt als alle Folianten der Naturforscher und Philosophen. Selbst Fichte gesteht: „Es enthält diese alte, ehrwürdige Urkunde die tiefsinnigste und erhabenste Weisheit und stellt Resultate auf, zu denen alle Philosophie am Ende doch wieder zurück muß." So weit Fichte. Darum „Ehre Deinen Vater und Deine Mutter"3) — Ehre Israel, den Vater der religiösen Menschheit, Ehre dem Judentum, der Mutter der monotheistischen Religionen. Was die Menschheit dem jüdischen Volke zu verdanken habe und wie der Gedanke der geschichtlichen Offenbarung Gottes zu erklären sei, das bringt Lesfing in seiner Abhandlung „Die Erziehung des Menschengeschlechtes" zum Ausdruck mit den Worten: Erziehung ist Offenbarung, die dem einzelnen Menschen geschieht, und Offenbarung ist Erziehung, die dem Menschengeschlechte geschehen ist und noch geschieht .... Und wer weiß, wie viele Millionen Jahre sich die menschliche Vernunft noch in . . . Irrwegen würde herumgetrieben haben, ungeachtet überall und zu allen Zeiten einzelne Menschen erkannten, daß es Irrwege waren, wenn es Gott nicht gefallen hätte, ihr durch einen neuen Stoß eine bessere Richtung zu geben. „Da er aber einem jeden einzelnen Menschen sich nicht mehr offenbaren konnte, noch wollte, so wählte er sich ein einzelnes Volk zu seiner besonderen Erziehung und eben das ungeschliffenste, das verwildertste, um mit ihm ganz vorne anfangen zu können." Kinder find nicht nur, wie es im Midrasch Rabba Schir Haschirim 7 b heißt, die Bürgen der offenbarten Lehre, sie find auch die Zeugen der Offenbarung, und so lange man uns nicht ein Kind gezeigt, das, von der Welt abgeschloffen, in einen Kerker eingesperrt, ohne jegliche Zucht, ohne Erziehung und ohne Belehrung ausgewachsen, nicht,zu einer Bestie herabgesunken, so lange glauben wir an eine Offenbarung. Darum ehre Deinen Vater und Deine Mutter, denen Du Deine Erziehung zu verdanken hast, welche eine Offenbarung ist, die dem einzelnen Menschen geschieht. 0 1 -naö w2.ii 2 B. M. 17, 6. *) Absch. 18. 3) Siehe hierüber: Kiduschin 30 b, 31b, 32 a, 39 b, 40 a. Jerusalmi Peah 1, 5; Ketubot 103 a.

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