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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1905-09-08 · 36 (8.9.1905) · page 14

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
22 (1905)
Issue
36 (8.9.1905)
Date
1905-09-08
Page
– (sequence 14)
Language
German
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Skr. 36 «ette 574 Dr. Bloch's Wochenfchrifi. blick später und es wäre dem Manne schlecht ergangen, als eine Stimme, die alle einschüchterte, auf gut Jüdisch rief: „Wenn die Mitglieder der frommen Gemeinde nicht anders den Sabbath feiern, dann fürwahr wäre es besser,- oder einerlei, im Sozialistenclub Zigaretten zu rauchen. Glaubet Ihr nicht auch, Brüder? Diese scharfsinnigen und wohlverdienten Worte waren mit solcher Ironie ausgesprochen worden, so viel Schadenfreude erklang daraus, daß unwillkürlich Aller Augen sich dem Sprecher zuwandten. (Fortsetzung folgt) Literatur. Lebeuserinnerungen von Moriz Lazarus. Bearbeitet von Nahida Lazarus und Dr. A. Leicht. Die zahlreichen Freunde und Verehrer des unvergeßlichen Geheimrates Professor Lazarus werden gewiß erfreut sein, zu vernehmen, daß im Verlage von Georg Reimer in Berlin, bekanntlich einer der vornehmsten Verlagsfirmen in ganz Deutschland, demnächst die „Lebenserinnerungen von Moriz Lazarus" im Umfang von nahezu 600 Seiten erscheint. Das Werk enthält eine Fülle interessanter und bedeutsamer Mitteilungen zur Zeitgeschichte; namentlich ein Kapitel Wiener Erinnerungen, dürfte für die Leser der „Oesterreichischen Wochenschrift" eine willkommene Gabe sein. Der neue Jahrgang (5666 1905/06) des von der „Oesterreichisch-Jsraelitischen Union" herausgegebcnen „Kalender f ü r I s r a e l i t e n" ist soeben erschienen. Auch dieser Jahrgang weist wesentliche Verbesserungen und Ergänzungen auf. Dem kalendarischen Teile wurde die. größte Sorgfalt gewidmet und im schematischen Teile waren wir bemüht, die möglichste Vollständigkeit und Aktualität der Daten, betreffend die österreichisch-ungarischen Kultusgemeinden, ihre Vorstehungen, Funktionäre und rituellen Institutionen, zu erreichen. Ebenso wurde auch diesmal dem jüdischen Vereins wesen die größte Aufmerksamkeit zugewendet. Das Verzeichnis aller in Oesterreich erscheinenden jüdischen Zeitungen wurde vervollständigt. Der literarische Teil bringt eine interessante Studie über den Zusammenhang der jüdischen Monatsnamen mit religiösen Vorstellungen aus der Feder des ausgezeichneten Talmudkenners Leopold Mandl, ferner eine spannende Erzählung aus dem jüdischen Auswandererelend von Julius U p r i m n y. Die handliche Form und die elegante Ausstattung des Kalenders werden auch diesmal gewiß volle Anerkennung finden. Der billige Preis (X l.60) ermöglicht auch den Minderbemittelten die Anschaffung. Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur. Heransgegeben vom Verbände der Vereine für jüdische Geschichte und Literatur in Deutschland. 7. Band. Berlin 1904. M. Poppelauer.*) Kaum ein Zeitalter schien so sehr jenem Worte der Schrift zu entsprechen, das von einem „Hunger und einem Durste nach dem göttlichen Worte der Weisheit'- spricht, als unsere Epoche. Denn über eine Gleichgiltigkeit gegen den herrschenden Wissenstrieb der jüdischen Massen oder über einen Mangel des guten Willens, diesen zu befriedigen, hat unsere Zeit sich wahrlich nicht zu beklagen. Und auch die Begleiterscheinung des Hungers und des Durstes ist zu beobachten: Die Unersättlichkeit an geistiger Nahrung. Ein Zufall spielte uns die hebräische Vierteljahrsschrift „Haesch kol" des wackeren Dr. Günzig in Loschitz in die Hände, worin über literarische Stagnation ans jüdischwissenschaftlichem Gebiete bitter Klage geführt wird. Wie urteilt nun die Literarische I a h r e s r e v n e" von Gustav Karpeles im vorliegenden Jahrbuch, der wir hier nicht etwa behufs Widerlegung der obgenannten Klage das Wort erteilen, sondern als charakteristisch für die Ansprüche der Gegenwart an die Wissenschaft des Judentums: „Nur wer Aug' und Ohr absichtlich den Erscheinungen der Gegenwart verschließt, kann es in Abrede stellen, daß ein großer Umschwung im geistigen Leben eingetreten rst. Der Begriff einer Wissenschaft des Judentums und einer jüdischen Literatur, der weiteren *) Zu vergleichen das Referat über den 6. Band, „Oesterr. Wochenschrift" vom 29. Juli 1904. Kreisen bis dahin so ziemlich fremd war, ist jetzt geradezu populär geworden. Das Verdienst, diesen Umschwung hervorgerufen zu haben, dürfen die Vereine für jüdische Geschichte und Literatur für sich allein in Anspruch nehmen." (S. 17.) Wo liegt nun die Wahrheit in diesen einander sich gegenseitig gegenüberstehenden Urteilen? Zweifellos wie überall bei Gegensätzen: ' in der Mitte. Die Unzufriedenheit der Wissenschaft mit ihren Erfolgen ist der Gradmesser für ihre Befriedigung, wie ja auch im organischen Leben das zunehmende Bedürfnis nach Sättigung ein Symptom der Gesundung bildet. Uebrigens bildet den sichersten Gegenbeweis einer angeblichen Teilnahmslosigkeit der Zeitgenossen die „Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaft des Judentums" in Deutschland. Au der Würdigung derselben in der Karpeles'schen Revue schließt sich unmittelbar die gediegene Anzeige der imposanten Schar literarischer Novitäten auf allen nur denkbaren Gebieten des jüdischen Geisteslebens: Bibelforschnng, geschichtliche Quellenkunde, Kulturgeschichte, Biographie, Belletristik u. s. w. Was jedoch der „gebildete Leser" jährlich in dieser trefflichen Revue ungern vermißt, das ist wohl eine, wenn auch knappe, „Zeitschriftenschau", die geeignet sein dürfte, auf wertvolles wissenschaftliches Material das Augenmerk zu lenken. Mit Obigem haben wir aber bereits der Reihenfolge des Jahrbuches vorgegriffen, in welchem die erste und aktuelle Stelle dem „R ü ck b l i ck a u f d a s I a h r 5663" von Martin Philippson gebührt. In blendendem Style hält der Meister des Wortes seine gewohnte Heerschau über Reiche und Länder und somit über das Schicksal unserer Glaubensbrüder in denselben. Sie gipfelt iu den besonders gegenwärtig so hochbedentsamen Worten: „Dort, wo der Geist der Freiheit und Gleichberechtigung zur unbedingten und selbstverständlichen Herrschaft gelangt ist, kann und wird das Judentum, dessen Lebenshauch Freiheit und gleichberechtigtes Menschentum ist, sich schön und groß entfalten. Wenn längst die finsteren Machthaber der Newa nur als traurige Erinnerung welterleben werden, wird unsere Religion und unser Stamm auf dem Boden der neuen Welt eine glückliche Heimat gefunden haben, so voll neuem die unerschöpfliche Lebenskraft des Judentums bewährend." (S. 16.) Den Glanzpunkt des Jahrbuches bildet aber entschieden eine posthume Arbeit des unvergeßlichen M. I o e l s. A.: „Der Mosaismus und das Heldentum"; ein Beitrag, der wie der Herausgeber, der Schwiegersohn des Autors, Dr. Eckstein, Bamberg, vorausschickt, mit Rücksicht aus die bemerkenswerte Tatsache allgemeines Jntereffe erwecken dürfte, „vaß in einer vor 16 Jahren entstandenen Abhandlung eine der aktuellsten Fragen der Gegenwart, die Frage nach der Originalität des Judentums, zur wissenschaftlichen Erörterung gelangte". Daß diese Erwartung des Editors keine unberechtigte ist, beweisen schon die Stichworte der Kapitel: „Glaube und Aberglaube", „Der Mosaismus und das Wunder", „Die monotheistische Tendenz". Die Abhandlung, die den höchsten Problemen der Spekulation auf den Grund geht und sich ebenso mit den klassischen Schriftstellern wie Lucrez, Seneca, Plutarch auseinandersetzt, wie mit modernen Forschern gleich Zeller, Pfleiderer u. a. m., ist in einem außerordentlich populären Stil geschrieben Man könnte sie gewissermaßen als einen ausführlichen Kommentar jenes bekannten oder vielleicht noch nicht genügend bekannten Wortes Kant's betrachten, welches im Mittelpunkt der Erörterung (S. 40) steht: „Vielleicht gibt es keine erhabenere Stelle im Gesetzbuche der Juden, als das Gebot: Du sollst Dir kein Bildnis machen, noch irgend ein Gleichnis weder dessen, was im Himmel, noch auf Erden, noch unter der Erde ist usw. Dieses Gebot allein kann den Enthusiasmus erklären, den das jüdische Volk in seiner gesitteten Periode für seine Religion fühlte, wenn es sich mit anderen Völkern verglich." (Kant: Kritik der Urteilskraft, eä. Kirchmann S. 129.) Die Schrift, die leider nur als Bruchstück erhalten ist, erweckt den wehmutsvollen Eindruck eines künstlerischen Torsos. Mit einer rechtsgeschichtlichen Studie über „Die jüdische Staatsverfassung" stellt sich Dr. S. B e r n f e l d, Berlin, ein. In derselben verbreitet er sich über den Ursprung der Rechtskollegien, wie Knesseth-hag’dolah, Beth din, den er auf den „Rat der Fürsten und Aeltesten" (Esra 10, 6) zurückführt (S. 100). Hiebei gelangt er mit B ü ch l e r zu dem interessanten Schluß, daß Beth din und SaDhedrin identisch seien, welch letzteres nur die Bezeichnung des ersteren im Volksmunde war. Der unermüdliche A. B e r l i n e r bietet gleichsam ein interessantes Momentbild der jüdisch-römischen Zeitverhältnisse im 16. Jahrhundert „aus den Memoiren eines römischen Ghetto-Jüngl i n g s". Es ist der gelehrte Jüngling I e h n d a aus dem Hause Gonzaga, dessen Lebensschicksale aus dem Schutte der Bibliotheken ans Tageslicht gefördert zu haben ein neues literarisches Verdienst Berliner's bildet Und so wird der künftige Historiker der Juden nicht umhin können, diese immerhin kulturgeschichtlich interessante Persönlichkeit jenen genialen Männern anzureihen, die das 16. Jahrhundert, gewissermaßen das medicäische Zeitalter der jüdischen Wissenschaft in Italien, dem Judentum geschenkt. Der edle Geist, der in diefen „Memoiren" weht, erinnert vielfach an den aus derselben Zeit stammenden Entwurf eines Lehrplanes für ein Rabbiner-Seminar, mit dessen Urheber uns Dr. G ü d e m a n n vor einiger Zeit an dieser Stelle bekanntgemacht. Einen für literarische Feinschmecker auserlesenen Genuß vermittelt M. Braun durch seine Veröffentlichung von „David

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