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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1905-09-08 · 36 (8.9.1905) · page 8

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
22 (1905)
Issue
36 (8.9.1905)
Date
1905-09-08
Page
– (sequence 8)
Language
German
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Se te 568 ivr. Diocb's Mocbenscbrm. Nr. 36 ist mit V geschrieben. Das übersteigt doch alle Grenzen und ist eine, wenn auch absichtslose Verhöhnung des Verstorbenen und des guten Ortes. Solche fehlerhafte Aufschriften gereichen auch unserer Gemeinde nicht zur Ehre. Es ist daher zu empfehlen, daß die Chewra-Kadischa einen Fachmann honoriere, der Grabinschriften unentgeltlich abfasse oder korrigiere. Jeder Grabstein, der aufgestellt wird, hat diese Zensur zu passieren. 2. Die gewählten Delegierten der Chewra-Kadischa bei Leichenbestattungen haben passende Abzeichen zu tragen, damit sie als solche erkannt und dafür gehalten werden. Ich habe es selbst mitangesehen, daß der Delegierte der Chewra-Kadischa nach der Bestattung eines Familienoberhauptes den trauernden Zurückgebliebenen Worte des Trostes zusprechen wollte. Dieselben wichen ihm aber planmäßig aus, weil sie ihn anscheinend für einen Zudringlichen hielten, der die geeignete Gelegenheit benütze, die Trauernden anzugehen. 3. Die Chewra-Kadischa gehe ernstlich daran, ein Gebetbuch in hebräischer und deutscher Sprache abfassen zu lassen, das als e i n h e i t l i ch e s für Besucher des Friedhofes zu gelten habe und das auch mustergiltig für andere Gemeinden werde. Es gibt derartige Gebetbücher von verschiedenen Autoren, aber alle sind lückenhaft und zu wenig übersichtlich. Manche Gebete sind viel zu langweilig und spricht deren Inhalt zu wenig zum Herzen und Gemüt. Viele Gebete fehlen ganz, z. B. am Grabe von Schwiegereltern, Gebet bei Aufstellung von Monumenten und Grabsteinen rc. Dieses Gebetbuch soll die Chewra-Kadischa zum Verfasser haben und unentgeltlich jedem Friedhofbesucher leihweise zur Benützung überlassen werden. Selbstredend müssen die maßgebenden jüdischen Autoritäten dem Redaktions-Komitee beigezogen werden, das dieses Gebetbuch unter Grundlage der bestehenden abzufassen haben wird. 8. B. , Cin «euer zionistischer Ansiedlungsplan. Aus dem Haag wird gemeldet: Da das Uganda-Projekt so wenig Anziehungskraft für viele Juden zu haben scheint, wird im „Telegraaf" die Aufmerksamkeit der Zionisten auf die holländische Kolonie Surinam gelenkt, wo im 18. Jahrhundert eine blühende jüdische Ansiedlung, genannt Jüdisch-Sawannah, mit einigen tausend Einwohnern und einer Synagoge bestanden haben soll. Der „Telegraaf" ist der Ansicht, daß die holländische Regierung einen neuen Ansiedlungsplan durch Landkonzessionen an die territorialistische Organisation erleichtern könnte. Zur Geschichte der Familie Taxeira. Hochgeehrter Herr Redakteur! Gestatten Sie mir, bezüglich der in Nr. 34 Ihres werten Blattes unter dem Titel: „Ein jüdischer Forschungsreisender aus dem 16. Jahrhundert" erschienenen Besprechung der veröffentlichten Biographie Pedro Teixeiras, Sie darauf aufmerksam zu machen, daß dieser berühmte Familienname auch hier in Wien nicht ganz unbekannt ist. Zwei aus Amsterdam gebürtige Nachkommen dieser Familie sind am Währinger Friedhofe, jüdischer Abteilung, beerdigt. Bei beiden ist jedoch außer diesem Familiennamen Teixeira (mit „a" nicht mit „o") noch „de Mattos" hinzugefügt, was doch nicht ohne triftigen, der Biographie dieser Familie wohl wichtigen Grund entstehen konnte. Geographisch ist ein einziger Punkt unter dieser Benennung zu finden, und zwar Matto Grosso, eine Binnenprovinz von Brasilien, welches im Jahre 1500 von dem Portugiesen Cabral entdeckt wurde. Es wäre äußerst wichtig, zu erfahren, ob erst seinen Nachkommen oder schon Pedro selbst dieser Name beigelegt wurde. Der letzte Fall berechtigt uns, zu vermuten, daß dieser eifrige Forschungsreisende' auch Brasilien bereist, vielleicht gar zur Entdeckung der gleichlautenden Provinz wesentlich beigetragen hat. Man darf auch von seiner Aufmerksamkeit, die er aus seinen Reisen den Juden im Orient widmete, schließen, daß er sich des Katholizisnius bloß als Schutzmantel gegen die damals herrschenden Stürme bediente, innerlich jedoch ein frommer Jude war. (Nicht ein frommer Christ, wie Kayserling meint.) Er wird wohl nie geahnt haben, daß bei einem seiner Nachkommen der gräfliche Titel und die jüdische Religion sich sehr gut vertragen können. Allerdings in Holland, in Wien dagegen ist man zufrieden, daß man die Asche in Ruhe läßt. Kopien dieser Grabsteine am Währinger- F r i e d h o f e. Grab Nr. 31 der ersten Reihe. Bier ravet die sterbliche Bälle eines braven vielgeliebten Sohnes und Bruders Jacob Francois Teixeira!) de Mattos, . gestorben in Wien den 7. März 1858. Fern von seiner Vaterstadt Amsterdam wurde er im blühenden Alter von 24 Jahren seiner trauernden Familie entrissen. In der dritten Reihe, in der Familiengruft Epstein (Friedrich Joseph Ritter von u. A.) ist über zwei beigelegten Aschenurnen (aus dem Krematorium zu Gotha) eine breite Marmorplatte mit zwei Inschriften, die lauten: liier rust die Asch van Jonkvrouw Anna Teixeira de Mattos geboren Epstein uit Praag, overleden te Venetie den 22 January 1890 55 Jaren oud Tod diepen Smard van Man en Kroost Wien, 1. Oktober 1905. Dr. P. B. Ein Stückchen vom mährischen Landesschulrate. Das „Mähr. Tagbl." in Olmütz meldet: Mit Gesetz vom 26. Dezember 1904 hat der mährische Landtag die Systemisierung der Stelle eines eigenen Religionslehrers mit festen Bezügen für jene Religionslehrer angeordnet, welche in den höheren Volks- und Bürgerschulklassen 14 Stunden wöchentlichen Unterricht erteilen. Auf Grund dieses Gesetzes schritt nun der hiesige israelitische Religionslehrer, Herr Reiniger, der seit sechzehn Jahren an den hiesigen Volks- und Bürgerschulen in den höheren Klassen 14 Stunden wöchentlichen Unterricht gegen Remuneration erteilte, um die Systemisierung seiner Stelle mit festen Bezügen ein. Der Bezirksschulrat der Stadt Olmütz hatte dieses Einschreiten als vollkommen begründet einhellig befürwortet. Der hohe Landesschulrat fand jedoch, daß die Voraussetzungen sür das Begehren nicht gegeben seien und wies dasselbe ab. Um aber seiner Entscheidung ein gesetzliches Mäntelchen umzuhängen, hat er gleichzeitig angeordnet, daß der Unterricht in der israelitischen Religion an den höheren Klassen der hiesigen Volks- und Bürgerschulen statt wie bisher seit 1889 in sieben Klassen zu je 2 Stunden wöchentlich, bloß in 6 Klassen zu je 2 Stunden, also bloß in 12 Stunden erteilt werde. Dies geschah, ohne daß auch nur danach gefragt worden wäre, ob dies didaktisch zulässig oder praktisch möglich sei. Die Zahl der israelitischen Schüler an unseren Schulen ist ,eit 1889 gewachsen. Nichtsdestoweniger erachtet der Landesschulrat in seiner kapitalen Weisheit, daß heute der Unterricht, der bisher 14 Stunden wöchentlich erforderte, nur mehr in 12 Stunden wöchentlich erteilt werden soll. Dies hätte zur Folge, daß 2 Klassen zusammengezogen und die Schüler dieser Klassen denselben Stoff zweimal lernen müßten. Und alles dies bloß ans dem Grunde, weil der Staat später einmal dem nach dem Gesetze angestellten Lehrer eine Pension zahlen müßte. Man mag aus diesem Beispiele ersehen, wie es mit der Achtung vor dem Gesetze bei unserem Landesschulrate bestellt ist. Man verringert, um eben geschaffene Gesetze umgehen zu können, die Zahl der Unterrichtsstunden von 14 auf 12 und braucht so dem Gesetze nicht zu entsprechen. Praktisch und bequem." ') In der im Archiv der Knltusgemeinde befindlichen Kopie dieses Steines, wie auch in dem auf Grund dieser Kopie verfaßten Katalog ist fehlerhaft Feixeira verzeichnet-; die zwei anderen Jnschriftep sind im Archiv noch nicht kopiert. D. O. Anna Henry Graf van Jonkheer Joseph Henry Teixeira de Mattos uit Amsterdam Ridder van verschiilenden Orden Consul General te Budapest, overleden den 28 Sept.1898 70 Jaaren oud

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