Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 22 (1905)
- Issue
- 36 (8.9.1905)
- Date
- 1905-09-08
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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3lt. 36 Dr. Blocb’s MlocbenscvrM. Seite 565 Tausend Jahre später herrschten im Reiche Saba selbst jüdische Könige. Das alte Reich war, nachdem es zeitweilig Egypten untertan gewesen war, von Aethiopien — Abessynien — im zweiten Jahrhundert unterworfen worden. Zur Erinnerung an jene Herrschaft führt Kaiser Menelik von Abessynien in seinem Staatssiegel zu seinen übrigen Titeln auch heute noch den eines Herrn über Jemen und Hadramaut. Das alte Herrschergeschlecht Jemens, die Himjariten, machten mehrfach den Versuch, die Fremdherrschaft abzuwerfen. Damals war in Jemen das Judentum die maßgebende Religion geworden. Aus dem großen Mittelpunkte jüdischen Lebens in Alexandria waren schon früh reiche Familien südwärts gewandert und hatten sich in Jemen niedergelassen. Ihr Einfluß wuchs, die Messias-Verheißung ihrer Priester fand bei einem zum Grübeln geneigten Volke Anklang, aus dem ja noch in unseren Tagen mehrfach Mahdis aufgestanden sind. Der zurückhaltende, sich auf das uralte Sabäertum stützende Beduinenadel mußte der Macht der Städte weichen, die bereits das Judentum angenommen hatten. Das Königtum schloß sich am Ende dem nächtigen Bürgertum an und mehrere Jahrhunderte hindurch ward nun das einstige Reich der Königin von Saba, der Freundin Salomo's, von jüdischen Königen beherrscht, die den Namen David, Josef usw. führen. Im vierten Jahrhundert begann Abessynien — das um jene Zeit das von Egypten ihm gebrachte Christentum angenommen hatte — sich wieder umzuschauen nach seinem früheren Besitze in Jemen. Die .christlichen Kaiser von Byzanz sandten Geld und Soldaten, um den Abessyniern bei der Rückeroberung ihrer Provinz zu helfen. Diese jüdischen Königen zu entreißen, erschien als ein besonderes Verdienst. Als dann infolge des sich vorbereitenden Entscheidungskampfes eine Christenverfolgung in Jemen ausbrach, wurden die Abessynier noch mehr angefeuert. Nach einem erbitterten Kriege fiel im Jahre 525 bas jüdisch-sabäische Königreich und sein letzter König Josef Dhu Nuas, den die christlichen Märtyrerlegenden grausam, die altarabischen Schriftsteller aber einen guten und verständigen König nennen. Zwei Jahrhunderte später war Jemen dem Islam untertan und es ist unter der Herrschaft des Halbmondes verblieben, so oft diese, wie auch jetzt wieder, bestritten worden ist. Der beduinische Landadel mit seinen eingebornen Scheiks hat sich der fremden Herrschaft immer nur sehr bedingt unterworfen, leben unter ihnen doch noch heute Nachkommen der alten Himjar-Fürsten, einst Herrscher Sabas. Diesen Widerstand benützend, hat England seit vielen Jahren von Aden aus seinen Einfluß mit Hilfe von viel Geld und guten — Waffen weit hinein nach Jemen ausgedehnt und hat es, indem es immer größere Stücke abgezwickt und. seinem Hinterlande beigefügt hat, heute erreicht, daß die Türkei ihm eine Grenze zugestanden hat, die bis an die Spitze Arabiens reicht, der Insel Perim gegenüber, die, wenn man will, den Verschluß des „Tors der Tränen", Bab el Mandeb, bilden kann. Der frühere Gouverneur von Jemen, General Hilmi Pascha — jetzt als Generalinspektor der mazedonischen Reform in Salonik — hatte mir hier am 26. März d. I. gesagt, er glaube nicht, daß England weitere Absichten hege. Ich bemerkte, daß ich diesen Optimismus nicht teilen könnte, und es waren noch nicht vier Wochen vergangen, da war der abermals ausgesprochene Aufstand auf der Höhe der Jmane siegreich. General Risa Pascha, der neue Gouverneur ein Gefangener in seiner eigenen Residenz, Jemens Hauptstadt Samra, und die Türkei muß befürchten, das ganze reiche Land ganz zu verlieren. Jemen ist, während das meiste übrige Arabien eine Wüstenei ist, ein Paradies. In Terrassen steigt das Land an, malerische, wildzerrissene Felsmassen starren empor. Kuppen und Gipfel steigen fast bis zur Schneegrenze auf — wie dies in noch höherem Grad gegenüber im Alpenlande Habesch der Fall ist. Die Terrassen sind mit Fruchtbäumen aller Art bestanden, mit Kaffee bepflanzt, mit Getreide bestellt; hier ist vielfach noch im Vereine mit ausgedehnter künstlicher Bewässerung noch jene sorgfältige, geradezu kunstvolle Terraffenkultur erhalten, deren Reste wir noch in Syrien finden und die dort einst das „gelobte Land", das Land von Milch und Honig, geschaffen hat. Hier ist noch das „glückliche Arabien", dem der im Winter die Berggipfel reichlich bedeckende Schnee genügende Feuchtigkeit und erfrischende Kühle sichert, die manchmal im Winter selbst im tiefer gelegenen Samra zur empfindlichsten Kälte wird. Hier find die Bezirke der Weihrauchbäume und zahlreicher anderer Räucherwerkpflanzen, die Arabien im Altertum berühmt machten. „Es ist unglaublich, wie süß es in Arabien riecht!" rief Herodot aus. Bon hier gingen große Karawanenstraßen durch ganz Arabien und brachten die dem Dienste der Tempel unentbehrlichen Duftharze in alle Lande. Vier Balsambäume vor allem sind es, die den Balsam, Weihrauch und die Myrrhe liefern : Balsamodendron gileadense, B. Opobalsamum, B. Myrrha und B. Kafal. Hier aber wächst auch der feinste Sorgenbrecher der Araber, der Kat (Celastrusedulis), dessen junge Blätter und Triebe lebhaft anregen, angenehme Träumerei verursachen, aber nicht so schwer berauschen, als Opium und Haschisch. Während in den heißen Ebenen Dattelpalme, Feige, Granate und Mandel reift, riesige Sykomoren den Boden beschatten, gleichen die höheren Flächen deutschem Mittelgebirge und darüber ragen himmelhohe Bergfirsten auf, an deren Hängen die zierlichsten Alpenpflanzen schwellende Rasen bilden. Kein Wunder, wenn nach diesem Lande, das über dem Boden so reichen Pflanzeuwuchs, darin aber große Schätze an edlen Erzen birgt, sich seit ältester Zeit stets begehrliche Augen gerichtet haben. Werden die alten Götter, der Mond und die Sterne, das Land verlassen, wird der Halbmond finken? Wer weiß, welche Geschicke dem einstigen Reiche der Königin von Saba noch Vorbehalten find! Zum Kapitel: Religiorrsschirle in. Wie schon früher ausgeführt, werden unsere Kinder im Hebräischen nach derselben Methode unterrichtet, wie zu jener Zeit, da die täglichen Gebete und der Unterricht in der Thora einen großen Teil jeden Tages ausfüllten. Vom 4. oder 5. Lebensjahre an war den damaligen Kindern das Hebräifchlesen geläufig, so daß man sofort ans „Verdeutschen" schreiten konnte. Allein schon bei der Konstituierung der Gemeinde (1827) mußte man die abnehmende häusliche Pflege des Hebräischen durch eine Religionsschule ergänzen, welcher 5 Unterrichtsstunden per Woche eingeräumt wurden. Als 1868 durch das Reichsvolksschulgesetz der Religionsunterricht auf eine Wochenstunde für die untern und auf zwei Stunden für die höheren Klassen eingeschränkt wurde, hätte man darüber Nachdenken sollen, ob denn die bisherige Lehrmethode bei solch minimaler Unterrichtszeit auch anwendbar sei? Vielleicht war die assimilatorische Strömung daran schuld, wenn der Kultusvorstand sich damit begnügte, daß das Hebräische überhaupt gelehrt werden dürfe. Dreihundert „aufgeklärte" Gemeindemitglieder verlangten im Wege einer Petition, daß das Hebräische im Bethaus und Schule abgeschafft werde. Der in sich gespaltene Kultusvorstand ließ sich zu einem Kompromiß herbei, wonach das Hebräische auf den Aussterbeetat gesetzt und in der Mittelschule nahezu abgeschafft wurde. Begreiflicherweise war dies kein Zeitpunkt, sich um die Lehrmethode zu kümmern. Als aber nach Tisza-Eszlar die Früchte der Aufkläcerei heranreiften, wendete man der Religionsfchule wieder einige Aufmerksamkeit zu. Man führte das Hebräische von Neuem in die Mittelschule ein und veranstaltete eine Enquete, die sich jedoch nur mit dem Lehrstoffe und nicht mit der Lehrmethode befaßte. Letztere blieb ein uoli me tangere — leicht erklärlich, da fast alle Experten dem Lehrstande entnommen waren und sohin ihre eigene Lehrweise nicht selbst verdammen wollten. Da aber das Zeitmaß des Unterrichtes als notorisch unzureichend erschien, so entschloß sich der Kultusvorstand, fakultative Leseschulen für die unteren Klassen, Bibelschulen für die höheren Klaffen zu