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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1905-09-01 · 35 (1.9.1905) · page 5

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
22 (1905)
Issue
35 (1.9.1905)
Date
1905-09-01
Page
– (sequence 5)
Language
German
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Nr. 85 Dr. Llocb's Mocbenscbrrn. seztL 549 Kaczanowski und) Pater Alexander, daß euer Bedenken oder richtiger gesagt, euer Tadel diesbezüglich verfehlt ist. Ihr glaubt, daß Jules Verne seine Abstammung verhehle. Im Gegenteil, er sagt es euch offen und stellt es als erste Bedingung hin, es offen zu sagen. Der zweite Vorwurf betreffs der Verletzung einer kirchlichen Ehe befremdet mich ein wenig. Erstens, hätten Sie mich zuerst aufmerksam machen sollen, daß die erste Ehe der Frau N. noch zu Recht bestehe, dann hätte ich Ihnen nicht den Vorschlag gemacht und dem Verne geraten, sich die Sache aus dem Kopf zu schlagen. Mir wurde gesagt, daß die erste Ehe als ungültig erklärt wurde und darauf stütze ich mich noch jetzt, da Sie mir nicht ausdrücklich das Gegenteil erklärt. Ich bitte demnach um klaren Bescheid, damit ich es wisse. Ich wollte ja nichts tun; ich habe lediglich einem anständigen Menschen in einer anständigen Sache dienen wollen und auch von euch habe ich nicht Unzulässiges verlangt, als daß ihr einem würdigen Manne an die Hand gehet. Betreffs Vernes bin ich ganz anderer Ansicht, mir ist er mehr wert als euch — darüber will ich nicht streiten. Denket über ihn, was ihr wollt, oder denket gar nicht; ich meinerseits meine, daß Verne, (ich gebrauche diesen Zunamen, den er mit Zustimmung des französischen Kaisers trägt) ein redlicher, würdiger Mann ist, der einer guten Sache treu ergeben und die Fähigkeit besitzt, Großes zu leisten. Deshalb tut es mir leid, daß er keine entsprechende sichere Stellung hat. Das ist meine Ansicht." Diesen Briefen fügt der Verfasser des Artikels, der Priester Paul Smolikowski, folgendes hinzu: „Es ist demnach wahr, daß Verne ein Israelit aus Polen war, der zum katholischen Glauben übertrat. Aus den Briefen geht hervor, daß er sich den Polen nähern wollte, von denselben aber zurückgewiesen wurde. Wir verkehren oft in Gesellschaft von ungetansten Juden, die sich auf unsere Kosten bereichern, für solche dagegen, die sich taufen und sich Polen nennen, haben wir S p o t t und Verachtung, anstatt, wie es unsere Pflicht wäre, sie für die Kirche zu gewinnen. Wir hören nicht auf, ihnen vorzuwerfen, daß sie Täuflinge seien, und ihnen aller Art Schimpfnamen beizulegen. Verne starb als Franzose; es verlautet, daß er sein Polentum verschwiegen, weil er ja von uns abgewiesen wurde. Und wie viel hätte er der polnischen Sache nützen können mit seiner Feder und seiner Popularität!" Aus der zionistischen Bewegung. Israel Z a n g w i l l, der als Führer der Minorität auf dem Zionistenkongreß in Basel eine besondere Rolle spielte, hat ein Manifest erlassen, in dem er darauf hinweist, daß die Bildung einer neuen Partei zur Notwendigkeit wurde. Dieser neue Verband, der den Namen „Jüdische territoriale Organisation" führt, nimmt als solcher keine Stellung zu dem Zionismus ein. Es soll seinen Mitgliedern vielmehr überlassen bleiben, je nach Belieben zu der großen zionistischen Bewegung Stellung zn nehmen. Mr. Zangwill sagt, daß der neue Verband jedes Landgebiet in Betracht ziehe, vorausgesetzt, daß das Gebiet gut und erwerbbar ist. Der Zweck des Verbandes ist der, für diejenigen Juden, die in dem Lande, in dem sie sich augenblicklich befinden, nicht bleiben wollen oder können, ein Gebiet auf autonomer Basis zu schaffen. Zur Erreichung dieses Zieles schlägt der neue Verband vor: 1. Alle Juden, die den oben genannten Zweck billigen, zu vereinigen; 2. mit Regierungen, sowie mit öffentlichen und privaten Instituten, in nähere Beziehung zu treten; 3. finanzielle Institute, Arbeitbureaus und andere Einrichtungen zu schaffen, die für notwendig erachtet werden. Mr. Zangwill läßt sich des Längeren über die Notwendigkeit des neuen Verbandes aus. Er konstatiert, daß jährlich etwa 100.000 Juden den Ländern den Rücken wenden, in denen sie Not und Verfolgung zu ertragen hätten. Er weist dabei hauptsächlich auf Rußland hin. Die dortigen Bezirke find überfüllt, und da in Rußland selbst die notwendige Ausdehnung der angeiammelten Volksmassen verhindert wird, bricht der Menschenstrom nach anderen Ländern über die Ufer, und zwar hauptsächlich nach den Vereinigten Staaten und England und in zweiter Linie nach Kanada, Argentinien und Südafrika. In allen Zufluchtsländern ist es, wie Zangwill nachweist, das Bestreben der Einwanderer, bei ihren Freunden zu bleiben, und dies führt seiner Ansicht nach zu der Errichtung der großen ungesunden Ghettos. Nach einiger Zeit sind auch diese Zufluchtsstätten überfüllt und der Einwanderung wird dann gesetzlich Einhalt getan. Zangwill sagt : „Ist es nicht unsere Pflicht, uns zu beeilen, ein eigenes Zufluchtsland zu finden, solange die Tore noch offen sind? Ist es für jüdische Arbeit und jüdisches Kapital möglich, dieses Zufluchtsland zu schaffen?" — Die „Morning Post" ist der Ansicht, daß die Vorschläge des Mr. Zangwill jedenfalls ernstester Beachtung wert sind. Die Zeitung glaubt, daß unter der großmütigen Souveränität Englands die Juden aus Britisch-Ostafrika ein reiches Land machen könnten. Sollte sich das Land nicht eignen, so werde ein anderes Gebiet zur Verfügung stehen, und die Juden könnten davon überzeugt sein, unter englischer Oberherrschaft Gerechtigkeit und volle Gewissensheit zu finden. Die Juden in der englischen Möbelindustrie. In der Nummer der „Times" vom 8. August finden wir einen wertvollen Artikel, in welchem die große Anteilnahme der eingewanderten Juden an der Entwicklung der Möbelindustrie zahlenmäßig nachgewiesen wird. Unter den 62.660 Tischlern in England und Wales waren im Jahre 1901 nicht weniger als 4615 8*76 % Fremde, darunter 3022 Polen und Russen. Seit 1901 dürfte sich die Zahl der fremden, in der Möbelindustrie tätigen Arbeiter noch weiter vergrößert haben. Sie werden als ausdauernd, wißbegierig und überaus ernst gelobt. Viele von ihnen sind auch sehr geschickte Handwerker. Freilich find sie als Fremde gezwungen, billiger als die Einheimischen zu arbeiten und statt 40—60 Sh. fich mit einem Wochenlohn von 25—30 Sh. zu begnügen. Dadurch wird wohl mancher englische Tischler aus der Arbeit verdrängt. Aber die Fremden haben die Fabrikation billiger Artikel in England erst ermöglicht und so die fremde Konkurrenz vom englischen Markt verdrängt. Was die Engländer also auf der einen Seite durch die Fremden verlieren, erhalten sie auf der andern Seite doppelt und dreifach wieder ersetzt. Zum Beweis dessen bringt die „Times" Tabellen, aus denen hervorgeht, daß die Einfuhr von Möbelstücken in England von Jahr zu Jahr zurückgeht. Nernichlurrgskrieg gegen die jüdischen Kandier. Im Rate der Götter — pardon, des permanenten Gewerbeausschusses, der vom Abgeordnetenhause des österreichischen Reichsrates eingesetzt worden ist, die einem „dringenden Bedürfnisse" entsprechende Reform des Gewerbegesetzes zum xtenmale einer Präparierung zu unterziehen, wurde mit allen gegen zwei Stimmen — die der Abgeordneten der Wiener Handelskammer und der sozialdemokratischen Partei, — der Beschluß gefaßt, demzufolge sich der Gewerbeausschuß im Prinzip für die Einführung des Befähigungsnachweises im Handels st and ausspricht. Man wird fich unwillkürlich an den Kopf greifen, man wird es nicht fasten können, daß Volksvertreter mit gesundem Menschenverstand zu einem derartigen Beschluß gelangen konnten, der den primitivsten Grundsätzen der Volkswirtschaft Hohn spricht. Man hat doch mit der Einführung des Befähigungsnachweises für die Handelsgewerbe schon die allerschlimmsten Erfahrungen gemacht, weshalb dennoch Mörder und Räuber. Es gibt für die Widerfinnigkeit des Beschlusses des Permanenzausschusses nur eine Erklärung: Man hat es auf den jüdischen Handelsstand abgesehen, den jüdischenHändlern will man den Garaus machen, und wenn nicht alle Anzeichen trügen, dürste ein mehr oder minder großer Erfolg hiebei nicht ausbleiben. Wie man es zuwege brachte, die jüdischen Hausierer zu dezimieren, sie auf das Aussterbeetat zu setzen, so wird man auch erreichen, die Juden von ihrem ureigensten Gebiete —

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