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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1905-08-25 · 34 (25.8.1905) · page 15

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
22 (1905)
Issue
34 (25.8.1905)
Date
1905-08-25
Page
– (sequence 15)
Language
German
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Nr. 34 Dr. Bwch's Wochenschrift. Sette 543 Schriften Pedro Teixeiros. Man hat von ihm bisher wenig mehr gewußt, als was er selbst von ihm bisher erzählt. Kayserling nimmt an, daß er aus einer jener portugiesischen Judenfamilien stammt, die es nicht wagen durften, ihre Religion öffentlich zu bekennen oder ihre Kinder im ererbten Glauben zu erziehen. Auch Pedro Teixeiro wurde von seinen Eltern, die wahrscheinlich in Lissabon lebten, als Christ erzogen. Aus seinem eigenen Berichte können wir schließen, daß er während eines großen Teiles seines Lebens — während der ganzen Zeit seiner Reisen — als Christ, ja sogar als frommer Katholik lebte. Das früheste von ihm in Verbindung mit seinen Reisen erwähnte Datum ist 1587. Er ist demgemäß wahrscheinlich auf einem Schiffe der 1586 entsendeten Flotte nach Indien gekommen. Nach einem auf abenteuerlichen Reisen verbrachten Leben kehrte er nach Europa zurück und ließ sich in Antwerpen nieder, wo er sein Werk über den Ursprung und die Reihenfolge der Könige von Persien und Hormuz und seine Beschreibung einer Reise von Indien nach Italien schrieb und gegen das Ende des XVII. Jahrhunderts als Jude starb. Auf seinen Reisen schenkte er der Lage der Juden in den von ihm besuchten Gegenden viel Aufmerksamkeit. In allen Provinzen Persiens fand er acht- bis zehntausend Juden. In Baffora lernte er einen zum Islam übergetretenen jüdischen Kaufmann namens Mustapha kennen, dem die portugiesischen und venetianischen Handelsleute viel Vertrauen entgegenbrachten. Eine glänzende Beschreibung gibt Teixeira von Aleppo, dessen althebräischen Namen Aram Soban er erwähnt. Die Juden von Aleppo fand er in einem eigenen Bezirke, der etwa tausend schöne Häuser zählte, wohnen. Sie hatten eine große Synagoge, die nach ihrer Tradition 1500 Jahre alt war. In Bagdad traf Teixeira zwei- bis dreihundert Judenfamilien, von denen zehn bis zwölf ihre Ansiedlung auf die erste babylonische Gefangenschaft zurücksührten. In Hormuz gab es nach Teixeiras Angabe 150 Judenfamilien. Teixeiras Reisewerk wurde 1609 in Antwerpen zum ersten Male gedruckt und herausgegeben. Geschichte dee Juden in Ungarisch-Bcov, nach Archwatteu dargestellt von Dr. Adolf Frantl-Grün, Rabbiner in Kremsier-Wien 1905. (Druck und Verlag von Mor. Waizner und Sohn.) em wissenschaftlichen Streben und der literarischen Feder des den Lesern dieser geschätzten Blätter rühmlichst bekannten Amors verdanken wir vorliegende Arbeit, welche sich tit jeder Beziehung ven früheren Publikationen des gelehrten Verfassers anreiht. Derselbe hat in dieser Geschichte seiner Vaterstadt derselben ein Denkmal gesetzt, das ihr und ihm selber zur Ehre gereicht. Dabei verdient hervorgehoben zu werden, daß er — obwohl ein Sohn der Stadl — (wie er selbst in der Einleitung bemerkt) der aller Anhänglichkeit an dieselbe, bei aller Pietät gegen die Altvorderen dennoch nicht die erforderliche Objektivität außer Acht gelassen, welche die Grundlage aller Geschichtsschreibung bildet. Nachdem über den Ursprung ver Gemeinde gesprochen wird, werden die Drangsale der Inden während des 30jährigen Krieges geschildert; dann folgen die Aoichnilte: „Das Brooer Verhängnis — Unter Kaunitz' Herrschaft — Der Erb.olgekrieg — Der Kulturkampf — rc. Im Schlußkapitel werden die Rabbiner aus und in Ungarisch-Broo genannt und besonders die Biographien von R. Moses Perl, P. Singer, Ad. Jellinek, P. T. Frankl rc. gegeben. Bei der Darstellung der politischen sowie der religiösen Verhältnisse der Gemeinde hat der Verfasser immer die ihm vorgelegenen Quellen sorgfältig benutzt, und man kann ohne Ruhmredigkeit sagen» daß das Interesse des Lesers mit jedem Kapitel steigt uno daß man nach der Lektüre des Büchleins nicht nur gelesen, sondern auch gelernt hat. Schließlich wünschen wir dem Verfasser, dessen Gesundheitszustand immer ein geschwächter ist, daß es ihm beschieden sein möge, auch ferner durch wertvolle Beiträge unsere Geschichte und Literatur zu bereichern. Gloggnitz, August 1905. Dr. H. P o l l a k. KriefkaIr«. K. F. Die jüdischen Gefangenen loben die Japaner. In einem Briefe an den „New-Aorter Volksadvokat" schildert ein jüdischer Kriegsgefangener, wie gut er und seine jüdischen Mitgefangenen von den Japanern behandelt werden. Sie schienen von den Japanern besser als _ die anderen russischen Gefangenen behandelt zu werden. Am Passahabend erhielten sie aus verschiedenen Städten Eier, Wein rc. In der Synagoge durften sie das Festabendmahl genießen. Die Synagoge war gepfropft voll von Japanern, die sehr andächtig zuhörten und sich von selbst erboten, sie bei der Tafel zu bedienen. Das wurde indessen abgelehnt, und die Gefangenen bedienten sich selbst. „Nabbinowitsch." Das hat viel Wahrscheinliches für sich. In der Nacht, die dem Tage folgte, an dem Port Arthur kapitulieren mußte, saß ein russischer Großsürst in Monte Earlo mit einer Ausdauer am Spieltisch, als ob es gelle, eine belagerte Festung zu verteidigen. Selbst den hartgesottenen Roues der Spielbank ging diese „Vorurteilslosigkeit" üver den Spaß. An dem Schreckenstage des Jänner soll die empörte Bevölkerung einem anderen Großfürsten ins Gesicht gespieen haben. Fest steht, daß mehr als ein Großfürst am russischen Hofe levr, den die öffeniliche Meinung für fähig halt, der Regisseur oes Dramas vom 22. Jänner gewesen zu sei», wie denn all die Judenexzesse behördlich angeordnel und geleitet waren. B. L. Der Selbstmord eines jungen Berliner Physiologen, Dr. Borchert, dem man wegen seiner Abstammung die Zulassung zur Dozentur verweigerte, hat nicht nur in der wissenjchaslllchen Welt, sondern auch im großen Publikum lebhaftes Aufsehen erregt. Borchert war der Sohn eines Landgerichtsrals, der einige Zeit m Oels amtierte. Der alte Borchert ist Landwehrofflzier, welche Eigenschaft er sich im französischen Kriege erworben hatte. Ein Onkel des Verstorvenen war der berühmte Breslauer Botaniker Ferdinand Kohn, dessen Verdienste um die Wissenschaft außerordentliche sind. Der junge Borchert hatte mit 17 Jahren das Reifezeugnis des Gymnasiums uiid" war mit kaum 22 Jahren praktischer Arzt, gewiß eine nicht alltägliche Leistung Borchert hatte allerdings Nichts vom „praktischen" Arzt au sich. Er lebte nur ganz seiner Wissenschaft. Und wenn vielleicht in jeder alidereu wissenschaftlichen Disziplin auch außerhalb der Universität dem Forscher Gelegenheit gegeben ist, der Wissenschaft zu dienen, so erscheint dieses m der Medizin unmöglich. Vielleicht hätte ein anderer sich doch noch dem brotgebenden Beruf des praktischen Arztes zugewendet, dem unpraktischen Borchert, der sein ganzes Dasein der wissenschaftlichen Forschung weihen wollte, der dem realen Leben wie ein unwissendes Kind gegenüberstand, war dies unmöglich. Wie sein Onkel, der Botaniker Ferdinand Eoyn — auch ein Jude - verlangte es ihn, fein Schaffen selbstlos ui den Dienst der Wissenschaft zu stellen. Er ging in oen Tod, um nicht der Untreue, der Fahnenflucht zu verfallen. Kaufmännisches Kasino Husyatyn. Wenn es wahr ist, daß um die Donnerstag, am i7. d. M., m der Nähe Ihrer Stadl aufgefundene Lerche weoer die Kultusoorsteher noch die beiden Gemeinderavbiner oder irgend em Mitglied der Chewra-Kadischa sich gekümmert Häven, um die Identität des Unglücklichen festzustellen und eveiituell für ein "13p zu sorgen, so ist das allerdings ein Skandal. Das ist direkt eine Verhöhnung biblischer Vorschriften. Wie es heißt, soll der Ermordete mit Tobias Hornstem aus Odessa identisch sein, welcher auf der Rückreise vom Basler Kongreß bei der russischen Grenze ermordet worden wäre. Dr. L., München. Eine bestimmte Quelle ist da nicht anzugebcn, aber es gilt in den Fachkreisen als eine allgemein bekannte und feststehende Tatsache, daß die beiden genannten Künstler Juden oder doch jüdischer Abstammung seien. für fiebernde Kranke isr Ceres Apfelsaft der Nährmi^elwerke „CE R E S" Aussig Kundmachung. (Theobald Uffenheimer'sche Gewerbe-Stiftung.) Am 28. November 1905 gelangen aus ^dieser Stiftung für verarmte oder arbeitsunfähige wohlverhaltene Gewerbsleute zwei Stiftplätz; für Gewerbsleute israelitischer Konfession mit dem Bezüge von je 200 Kronen zur Verleihung. Bei der Verleihung dieser Stiftplätze genießen ein Vorrecht: 1. Verwandte deS Stifters, 2. nach Wien zuständige oder in den Bezirken Leopoldftadt oder Brigittenau in Wien oder in Wien überhaupt geborene Bewerber. Die diesfälligen Gesuche sind längstens bis LS. September 180» im Einreichungsprotokolle der Magistrats-Abteilung XIII oder bei den Bezirksvorstehern des II. und XX. Wiener Gemeindebezirkes, bezw. bei der Vorstehung der israelitischen Kultusgemeinde Wien zu überreichen und denselben die Geburtsscheine, der Ausweis über die Zuständigkeit, ein Armuts- oder Mittellosigkeitszeugnis, ferner der Ausweis über die Mitgliedschaft einer Genossenschaft, eventuell die Bestätigung der Genossenschaft, daß Bewerber sem Gewerbe wegen Arbeitsunfähigkeit zurücklegen mußte, sowie Ausweise über die Verwandtschaft mit dem Stifter beizulegen. Auf nicht gehörig belegte oder verspätet einlangende Gesuche kann keine Rücksicht genommen werden. Nur die mit einem legalen Armutszeugnisse versehenen Gesuche sind stempelfrei. Vom Magistrate der k. k. Reichshaupt- und Residenzstadt. Spezerei-Lehrling wird mit ganzer Verpflegung aufgenommen. MoriZ GrQnwald Wien, XXL, Schlosahoferstraase 25.

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