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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1905-08-25 · 34 (25.8.1905) · page 12

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
22 (1905)
Issue
34 (25.8.1905)
Date
1905-08-25
Page
– (sequence 12)
Language
German
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Seite 540 fc)r. JBlocb’s Wocbenscbrtft. Nr. 34 gung der Kultusgemeinde, sondern auch eine bauliche Zierde der Stadt geworden ist. Aufgeführt wurde dasselbe in den Jahren 1904/05 von dem Architekten k. k. Baurat Karl Korn dahier, nach Plänen der Wiener Architekten Lindner und Schreier. Im Souterrain des zweistöckigen Hauses befindet sich der hübsch ausgestattete Speisesaal und die Küche für den israelitischen Freitischverein, welcher in dem Neubau eine dauernde kostenlose Unterkunft gefunden hat. Im Hochparterre ist die Gemeindekanzlei und ein großer Saal plaziert worden, welcher zur Abhaltung von Sitzungen des Kultusvorstandes, Repräsentationsversammlungen und für gottesdienstliche Zwecke bei den Hauptfeiertagen dienen wird. Im ersten Stockwerk sind die Wohnungen des Rabbiners und Oberkantors, im zweiten Vereinszimmer und eine Privatwohnung. Die Eröffnungsfeier des neuen Amtsgebäudes ist mit Absicht auf den Geburtstag des Kaisers gelegt und als humanitäre Einrichtung in der Festpredigt des Rabbiners Dr. Steiner gewürdigt worden. Nach Schluß der Festfeier im Tempel begaben sich die offiziellen Teilnehmer derselben, die beiden Bürgermeister, die Spitzen der k. k. Behörden und Aemter, Staats- und Gemeindebeamte, Abordnungen verschiedener jüdischer Vereine, darunter Vertreterinnen des israel. Frauen- Wohltätigkeitsvereines, eine Abordnung des evangel. Gemeindepresbyteriums rc. über Einladung des Kultusvorstandes zu dem schön und stilvoll aufgeführten Neubau. Im Vestibül hielt der Präses des Kultusvorstandes, Herr Sal. P o l l a k, eine Ansprache, worin er die Idee des Baues, ihre Ausführung und die Weihe am 75. Geburtstage des Kaisers erörterte. Den Schluß der Ansprache bildete die Enthüllung zweier im Vestibül angebrachter Marmortafeln mit Inschriften in goldenen Lettern. In dem großen Versammlungssaale vollzog Rabbiner Dr. Steiner den religiösen Weiheakt. worauf Präses Pollak in einer zweiten Ansprache dem BaUkomitee, den Erbauern des Hauses und den dabei beteiligt gewesenen Handwerkern für ihre Mitwirkung und den anwesenden Vertretern der staatlichen und Ortsbehörden für ihr Erscheinen bei der Feier dankte. Paris. Ueber den Direktor des Printemps, I a l u z o t, der infolge seiner Zuckerspekulationen fallierte, schreibt der bekannte Journalist Jules Cornely: „Sein Modegeschäft brachte ihm Erfolg und er hatte alle möglichen Ambitionen und konnte fie alle beftiedigen. Er ist Deputierter der Nievre. Er kaufte zwei nationalistische Blätter, die für die Vertreibung der Juden und Fremden propagieren. Bei der letzten Reise des Königs von England ließ er den König durch seine Blätter beschimpfen, seine Magazine aber vom Keller bis unters Dach dekorieren. Kaum ist's nötig beizufügen, daß er in der Affäre Dreyfus Leute unterstützte, die es unternommen hatten, die Wahrheit zu verheimlichen und einen Unglücklichen zu vernichten. Diese widerwärtige Unterhaltung hatte bezeichnenderweise die Gründung eines Konkurrenzgeschäftes durch zwei seiner Kommis im Gefolge, und in den engen Räumen der „Galeries La Fayette", die sich in nächster Nähe des Printemps auftaten, drängt sich jetzt die Menge. Die Juden, die in dem Quartier sehr zahlreich sind, hatten das Zeichen zum Abfall gegeben, und man wird es verzeihlich finden, daß sie sich der Niederlage dieses Antisemiten fteuen. Ich folge ihnen nicht auf diesen Boden und erblicke in der Begebenheit nur eine interessante Episode, welche zeigt: erstens im allgemeinen, daß die Franzosen brave kleine Jungen sind, stets bereit, bei ihrer Regierung Schutz zu suchen, sodann im besonderen, daß die Tugendprediger die guten Ratschläge, mit denen fie ihre Zeitgenossen bedenken, nicht immer selbst befolgen. Julius Oppert. Paris. Julius O p p e r t, der berühmte Orientalist, Mitglied des Instituts, Professor am College de France, ist Sonntag den 21. August abends um 11 Uhr im 80. Lebensjahre gestorben. Trotz eines Leidens, das ihm seit zwei Jahren große Schmerzen bereitete, hielt er noch im vergangenen Winter Vorlesungen im College de France, besuchte auch die Sitzungen des Institut de France. Während einer dieser Sitzungen hatte er am 11. August einen heftigen Anfall seines Leidens. Seitdem hat Oppert sich nicht mehr erholt. Oppert ist dem großen Publikum vor allem als Deuter der babylonischen Keilschriftinschriften bekannt geworden. Seine Kenntnisse waren aber wahrhaft universell. Nebst seinen orientalischen Fachstudien war er auch mit der antiken, deutschen, englischen und französischen Literatur innig vertraut. Sein Gedächtnis war bewunderungswürdig. Er war auch ein hervorragender Mathematiker, astronomischer Rechner und Chrouologist. Unter dem Kaiserreich genoß er am Hofe den Ruf eines glänzenden Causeurs. Er gehörte zu dem intimen Zirkel, den Kaiser Napoleon und Kaiserin Eugenie in Compiegne zu versammeln liebten, und viele geistreiche Antworten des berühmten Gelehrten, der in Bezug auf Körpergröße etwa Adolf Menzel glich, werden noch heute zitiert. Oppert wurde im Jahre 1825 in Hamburg von jüdischen Eltern geboren, studierte erst Jura in Heidelberg, dann orientalische Sprachen und Sanskrit in Bonn; da es für Israeliten zu jener Zeit in Deutschland nicht möglich war, die akademische Laufbahn einzuschlagen, suchte Oppert ein neues Vaterland in Frankreich. Oppert erhielt anfänglich eine Anstellung als Lehrer der deutschen Sprache in Laval und Reims, machte sich aber bald durch Arbeiten über Keilschrift und über die persische Sprache so bekannt, daß er im Jahre 1851 durch das Institut de France designiert wurde, an der wissenschaftlichen Expedition teilzunehmen, welche die französische Regierung nach Mesopotamien sandte. Bei seiner Rückkehr, drei Jahre später, erhielt er die Naturalisation, wurde in den folgenden Jahren Professor für Sanskrit an der Lihlioth6que nationale und Ritter der Ehrenlegion. Am 12. Jänner 1874 wurde er zum Professor der assyrischen Philologie und Archäologie am College de France ernannt. Die Acad6mie des Inscriptions et heiles lettres wählte ihn, als im Jahre 1881 der Sitz Mariettes vakant wurde, zum Mitglied. In den letzten Jahren beschäftigte sich Oppert insbesondere mit chaldäischer Chronologie, Meteorologie und Rechtskunde. Oppert hinterläßt einen Sohn, der Arzt ist, und mehrere Töchter, deren eine gleichfalls an einen hiesigen Arzt, Doktor Hirschberg, verheiratet ist. Petersburg. Die liberale russische Gesellschaft beginnt jetzt von sich aus immer energischer gegen die Unterdrückungspolitik der Regierung in Bezug auf die Juden Stellung zu nehmen. So veröffentlicht das Moskauer Professorenblatt „Rußkija Wjedomosti", die führende Zeitung der Trubetzkoischen Partei, einen Protest der Gesellschaft der kaukasischen Aerzte gegen die von der Regierung verfügte Nichtzulassung von Juden zum Besuch der kaukasischen Heilquellen. Noch wichtiger ist eine andere Entscheidung. Aus dem Bestände der Stadtverordnetenversammlungen sind jetzt fast -in allen Städten des jüdischen Ansiedlungsrayons die jüdischen Stadtverordneten ausgetreten, da sie zum Unterschied von ihren christlichen Kollegen nicht in die Stadtverordnetenversammlung gewählt werden durften, sondern von der Regierung ernannt wurden. Die Stadtverordnetenversammlungen haben den Austretenden ihr Bedauern votiert. Der Minister des Innern verfügte, daß die durch diesen Austritt freigewordenen Stellen durch solche Personen christlichen Glaubensbekenntnisses einzunehmen sind, die bei den Wahlen mit den höchsten Minoritätsziffern abgeschnitten hatten. In vielen Städten haben es aber die betreffenden Personen abgelehnt, die ausgetretenen jüdischen Stadtverordneten zu ersetzen. Vermischtes. Kranzablöfungsspenden zugunsten der Chewra-Kadischa I., Seiienstettengaffe 4 für arme kranke Glaubensgenossen. Anläßlich des Ablebens der sel. Helene Kerpal: Von Emanuel Podiebrad K 20.—. Anläßlich des Ablebens der sel. Henriette Schwarz: Von Leopold und Rosa Bloch K 10.—, Fritz Bettelheim K 5.—. Zusammen K 15.—.

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