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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1905-08-25 · 34 (25.8.1905) · page 11

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
22 (1905)
Issue
34 (25.8.1905)
Date
1905-08-25
Page
– (sequence 11)
Language
German
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N. 34 Dr. Dlocb's Mocbenscbrttt. Seite 539 Liebe und Treue und glühender Begeisterung zu Thron und Reich zu halten. Zu Ehren Sr, k. k. Hoheit fand abends um 7 Uhr bei Sr. Exzellenz dem Landeschef FZM. Baron Albori ein Diner statt, zu welchem die Spitzen der Zivil- und Militärbehörde, sowohl als auch diejenigen der gesamten Geistlichkeit von Sarajevo geladen waren. Die beiden jüdischen Gemeinden waren einerseits durch den Gemeinderat Salomon eä. Salom, andererseits durch Se. Ehrwürden Herrn Dr. Weszel vertreten. Am 18. August, dem Allerhöchsten Geburtstage selbst, wurde in allen Gotteshäusern der verschiedenen Konfessionen feierlicher Gottesdienst abgehalten, bei welchem Se. k. k. Hoheit in allen Gotteshäusern mit der gesamten Generalität und den Vertretern anwesend zu sein geruhte. In der österr.-ung. israelitischen Kultusgemeinde fand ebenfalls in imposant festlicher Weise der Gottesdienst statt. Schon lange bevor letzterer begann, füllte ein illustres Publikum das weite Haus. Um 11 Uhr 15 Minuten etwa erschien Se. k. k. Hoheit, in dessen Gefolge sich u. a. befanden: Ihre Exzellenzen FML. Wuich und FML. Frank; die Herren GM. von Dillmont, GM. Lobinger, GM. Glaß, GM. Edler v. Appel, GM. v. Hortstein, GM. Mollinary, Platzkommandant von Ben6evi6, Flügeladjutant Prinz zu Schwarzenberg; die Herren Sektionschefs Pessini, Dr. Kendjelie, die Hofräte Kobinger, Ludwig Ritter von Mikuli rc. Am Eingänge des Tempels empfing der gesamte Vorstand unter Führung seines Präses Herrn Dr. Rothkopf und des Rabbiners Dr. Weszel Se. k. k. Hoheit, indem der Rabbiner letztere mit den Worten der Heiligen Schrift: Uorueb ato beboecho, boruch ata bezetecha (Gesegnet sei Dein Eingang und Dein Ausgang) begrüßte und Se. k. k. Hoheit auf den Ehrenplatz neben der Bundeslade geleitete. Nachdem Herr Kantor Singer in schönster Weise Psalm 21 vorgetragen, folgte der Glanzpunkt des schönen, seltenen Festes, die Festrede des eloquenten Redners, des Rabbiners Dr. Weszel. Der gelehrte Redner schloß mit einem höchst schwungvollen, inbrünstigen Gebet für den Monarchen. Se. k. k. Hoheit, der aufmerksam dem Redner gefolgt, dankte nun in herzlichen Worten demselben, verabschiedete sich unter mehrfachem Händedruck und in leutseligster Weise von ihm und dem Präses und versprach, Se. Majestät getreulich Bericht erstatten zu wollen. Um 2 Uhr gab Se. k. k. Hoheit im Festsaale des Vereinshauses anläßlich des Allerhöchsten Geburtstages ein Galadiner, zu welchem unter den oben schon erwähnten Spitzen auch Herr Rabbiner Dr. Weszel als Vertreter der Judenheit in Sarajevo mit einer Einladung beehrt wurde. Priester und Offizier Aus Landro wird geschrieben: Vor einigen Tagen gab es hier große Aufregung. Bei der Table d’hute brach einer der hiesigen Sommergäste, Hofrat K. aus Budapest, plötzlich ohnmächtig zusammen, und wiewohl ein Arzt sofort zur Stelle war, konnte der Unglückliche nicht mehr gerettet werden; er starb inmitten der entsetzten Tischgesellschaft an Gehirnblutung. Nachdem der Tod konstatiert war, mußte die Leiche aus Rücksicht auf die ohnehin durch den traurigen Vorfall höchst aufgeregten Kurgäste aus dem Hotel fortgeschafft werden, sie sollte also in die Totenkammer überführt werden, aber der Ortsgeistliche weigerte sich, der Leiche eines Juden, wenn auch nur für kurze Zeit, dort Obdach zu gewähren. Und so wäre es geschehen, daß die Leiche über Nacht obdachlos unter freiem Himmel geblieben wäre, wenn nicht der das hiesige Sperrsort kommandirende Oberleutnant sich ins Mittel gelegt hätte. Er ließ die Leiche in das Fort schaffen, die Besatzung des Forts zimmerte über Nacht aus einigen Brettern einen schlichten Sarg und am anderen Morgen konnte die Leiche auf einem Wagen in die Heimat des Verstorbenen transportiert werden, der Oberleutnant und ein Kadet gaben in voller Parade dem Toten das letzte Geleite. Der Vorfall hat begreiflicherweise die hiesige Sommergesellschaft stark erregt. Die Unduldsamkeit des Priesters wurde allgemein getadelt und umsomehr das chevalereske Verhalten des Fortskommandanten gepriesen, das als ein schöner Zug von Ritterlichkeit eines Offiziers auch weiteren Kreisen bekannt zu werden verdient. Sommerbrief aus Sauerbrunn. Original-Bericht der „Oesterreichischen Wochenschrift". Die Bezeichnung „Sommerbrief" wird wohl in Bälde als verspätet gelten müssen; denn schon senken sich die Schatten des Abends früher zur Erde, Baum und Strauch verlieren ihr Grün — mit einem Wort: Es herbstelt. Und so sollen denn diese Zeilen die Bilanz der Sommersaison ziehen, die. vorweg sei es gesagt, als eine glänzende betrachtet werden muß. Ein schlichter Bürger unseres von Mutter Natur so reich gesegneten Ortes hat Sauerbrunn den Beinamen die Perle des Rosaliengebirges verliehen. Mag nun auch etwas lokalpatriotischer Ueberschwang mitspielen, Eines muß neidlos anerkannt werden: Sauerbrunn (ungarisch: Sawanyukut) vereinigt zahlreiche Vorzüge in sich, die es zu einer Sommerfrische geradezu prädestinieren, insbesondere zu einer solchen für Wien; denn wenngleich territorial „trans" gelegen, grenzt es doch unmittelbar an Niederösterreich und eine relativ kurze Eisenbahnfahrt bringt uns nach diesem herrlichen Fleck Erde. Der viel erörterten Frage, warum Sauerbrunn ä, tout prix zu einem Kurorte gemacht wurde, auch hier zu Leibe zu gehen, halten wir nicht für opportun, weil wir uns grundsätzlich nicht in die inneren Verhältnisse eines anderen Landes mengen. Hie Sommerfrische, hie Kurort — in diesem Streitruf wollen wir nicht mit einstimmen, und somit zurück zu unserem Saisoubries über beide. Die Frequenzzisser erklomm heuer das höchste Niveau, es herrschte in dieser Saison ein Leben und Treiben, wie es bisher nicht beobachtet wurde. Wie bereits erwähnt, stellten die Wiener das größte Kontingent an Besuchern. Wie in jedem Jahre wurde auch heuer bei Zöllner ein regelmäßiger Gottesdienst abgehalten, der manchmal durch die Anwesenheit mehrerer Rabbiner eine besondere Weihe erhielt. Wie eigentümlich berührte es, wenn man, in einem stillen, lauschigen Winkel des unvergleichlichen Sauerbrunner Waldes fitzend, durch den dichten Forst mehrere ernste tiefe Stimmen vernimmt. Gespannt horcht man auf und an unser Ohr dringen tiefsinnige, geistreiche Disputationen über eine Talmudstelle, geführt von einer Gruppe von Rabbinern und anderen Gelehrten. Auf Schritt und Tritt begegnet man die ehrwürdigen und Ehrfurcht einflößenden Gelehrtengestalten, die in Sauerbrunns Herrlicker Lust und würzigem Nadelwalde erfrischende, erquickende Erholung und Sammlung suchen und finden. In dem bereits erwähnten Restaurant Zöllner, wo zahlreiche Trauungen stattfinden, vermag der Fremde uralte, traditionelle Hochzeitszeremonien zu sehen, wie sie dem Westeuropäer, speziell dem Großstädter schon fast ganz ungewohnt sind. In Bank's schattigem Kaffeegarten findet sich eine heitere, lebensfrohe Gesellschaft zusammen, welche hier gesellschaftliche Schau über Sauerbrunns große und kleine Begebenheiten hält und deren einzelne Teile vielfach einen warm-familiären Anstrich haben. Das hier von der Jugend veranstaltete Fest übertraf seine Vorgänger an Gemütlichkeit und glücklichem Arrangement. Und so wäre denn noch manches zu singen und zu sagen, allein mit dem Schluß der Saison heißt es auch: Schluß des Berichtes, aber auf ein frohes Wiedersehen! T. A. Ebenfurth. (Sieg der fortschrittlichen Parteien bei der Gemeindewahl.) Bei den Neuwahlen in die Gemeindevertretung holten sich die Antisemiten eine empfindliche Niederlage. Während im vierten Wahlkörper zwei Sozialdemokraten gewählt wurden, drangen in den drei übrigen Wahlkörpern trotz heftiger Gegenagitation der Christlichsozialen sämtliche fortschrittlichen Kandidaten mit überwältigenden Majoritäten durch. Bielitz. Mit einem Kostenaufwand von beiläufig 160.000 Kronen hat die Bielitzer Kultusgemeinde in nächster Nähe ihres Tempels ein Repräsentanzhaus errichtet, das nicht allein ein äußerlicher Ausdruck der Tatkraft und innerer Festi-

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