Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 22 (1905)
- Issue
- 34 (25.8.1905)
- Date
- 1905-08-25
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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Dr. Dlocb's MocvenscvrLN. Nr 34 Sette 538 zum Wohle und Heile seiner Unterthanen nie gestört werde. Nach Absingung der ungarischen Volkshymne und dem Schlußgesange Adon olom endete die erhebende Feier. In Kutina (Kroatien) fand, wie alljährlich, auch Heuer im festlich geschmückten Tempel ein Festgottesdienst statt, zu dem der Beamtenkörper unter Führung des Bezirksvorstandes, der Gesamtvorstand der hiesigen israelitischen Kultusgemeinde u. A. m. erschienen waren. Die Festrede hielt unser Rabbiner M. T a u b e r, der mit einem kroatisch gesprochenen Gebet diese patriotische Feier beschloß. Aus Stratznitz wird über die Feier gemeldet: Im festlich erleuchteten Gotteshause Hatten sich die Vertreter der Gemeinden, zahlreiche Gemeindemitglieder, die Schuljugend unter Führung ihres Oberlehrers Herrn Robitschek und die Ferienkolonie des „Kaiser Franz Josef-Heim" aus Petrau zu einem feierlichen Gottesdienste eingefunden. Eingeleitet wurde die Feier von der Jugend mit dem schön gesungenen zweistimmigen Liede „Hoch Oesterreich!", worauf Herr Kantor R o s e n f e l d einige Psalmen rezitierte. Die Fcstpredigt hielt Se. Ehrwürden Herr Rabbiner Dr. F r i e d m a n n, der in gewohnt meisterhafter Rede die Tugenden unseres allverehrten Monarchen mit schwungvollen und begeisterten Worten pries. Vor der geöffneten Bundeslade wurde ein andachtsvolles Gebet für das Wohl des Kaisers und des Staates verrichtet. Mit der Absingung der Volkshymne schloß die schöne Feier, die auf die Teilnehmer erhebend wirkte. — r — Wie». (Berufung in das Herrenhaus.) Se. Majestät der Kaiser hat den Präsidenten der Reichenberger Handelskammer, Herrn Alois N e u m a n n, als Mitglied für Lebensdauer in das Herrenhaus berufen. Handelskammerpräsident Alois Neumann in Reichenberg, welcher im 53. Lebensjahre steht, nimmt unter den Industriellen des Reichenberger Handelskammerbezirkes eine angesehene Stellung ein. Er gehört seit dem Jahre 1885 der Handels- und Gewerbekammer in Reichenberg als Mitglied an und wurde 1891 zum Vizepräsidenten, 1895 zum Präsidenten dieser Körperschaft gewählt, welche Stelle er auch gegenwärtig bekleidet. Neumann, welcher als gründlicher Kenner der industriellen Verhältnisse gilt, hat bei der Vorbereitung des Zolltarifes und der Handelsverträge mitgewirkt und sich um die Errichtung eines Gewerbeförderungs- Jnstituts, sowie um eine würdige Beteiligung der österreichischen Industrie an der Weltausstellung in Paris im Jahre 1900 besondere Verdienste erworben. Im Angust 1898 wurde ihm der Orden der Eisernen Krone dritter Klasse, im Jahre 1901 das Komturkreuz des Franz Josephs-Ordens und im April 1904 der Stern hiezu verliehen. Er wird sich im Herrenhause der Verfassungspartei anschließen. Hofrat Professor Pollitzer der Begründer der modernen Ohrenheilkunde, feierte dieser Tage seinen siebzigsten Geburtstag. Zum Unterschied von den meisten seiner Kollegen hat Professor Pollitzer stets gezeigt, daß er stolz auf sein Judentum ist. So war er jahrelang Vorstandsmitglied der israelitischen Kultusgemeinde und sitzt noch derzeit im Kuratorium des jüdischen Museums und der Nappaport-Stiftung. — Der Vorstand der israelitischen Kultusgemeinde Wien überreichte Herrn Hofrat Pollitzer folgende Adresse: Wien, 13. August 1905. Hochwohlgeboren Herrn k. k. o. ö. Universitätsprofessor Dr. Adam Pollitzer, k. k. Hofrat rc., Wien. Euer Hochwohlgeboren! Hochgeehrter Herr Hofrat! Mit herzlicher Wärme begrüßt Sie der Vorstand der israelitischen Kultusgemeinde anläßlich der Feier Ihres siebzigsten Geburtstages und bringt Ihnen die Versicherung innigster Sympathie, sowie seiner hochachtungsvollen Verehrung zum Ausdrucke. Es sei Berufeneren überlassen, Ihr Wirken als Gelehrter zu würdigen, dessen Namen unter den Ersten eines reichen Wiffensgebietes in Ruhm genannt wird. Wir verehren Sie in dankbarer Anerkennung Ihrer ununterbrochenen humanitären Tätigkeit, der Sie sich seit jungen Jahren ein Leben hindurch in Hingebung gewidmet, in Anerkennung Ihres stets an den Tag gelegten Gemeinsinnes für die ethischen Interessen des Judentums, in freundlicher Erinnerung an die segensvolle Wirksamkeit, die Sie, hochgeehrter Herr Hofrat, in Ihrer mehrjährigen Funktion als Mitglied unseres Kollegiums entfaltet haben. Wollen Sie, hochgeschätzter Herr Professor, angesichts Ihres Jubelfestes unseren innigen Glückwunsch entgegennehmen. Möge der Allmächtige Sie bis zur äußersten Grenze menschlichen Lebens in voller Geistes- und Körperkraft und in ungetrübtem Glücke erhalten zur Freude Ihrer Angehörigen, zum Nutzen der Leidenden, zum Ruhme unserer Gemeinde. In vorzüglicher Hochachtung Der Präsident: Dr. Alfred Stern ni. p. Dr. Theodor Lieben m. p., Sekretär. Wie». Dem soeben zur Ausgabe gelangten XII. Jahresbericht der „Israelitisch-Theologischen Lehranstalt" für das Schuljahr 1904/5 geht eine umfangreiche wissenschaftliche Arbeit des Herrn Rektors Prof. Dr. Schwarz „Der Mischneh Thorah, ein System der mosaisch-talmudischen Gesetzlehre", voran, welche an anderer Stelle d. Bl. besprochen werden wird. Dann folgt der Bericht des Kuratoriums, das in diesem Jahre zwei Mitglieder verloren hat, den kaiserlichen Rat Heinrich Klinger in Wien und Dr. Moritz Lichtenstern in Prag. Das Kuratorium besteht jetzt aus folgenden Herren: Moriz Edler von Kuffner, Präsident; Theodor Ritter von Taußig, I. Vizepräsident; Dr. Emil Byk, II. Vizepräsident; Emil Karpeles, Kassierer; Hofrat Professor Dr. K. S. Grünhut, Oberrabbiner Dr. Moriz Güdemann, David Ritter von Gutmann, k. k. Landesschulrat Dr. Gustav Kohn, Wilhelm Freiherr von Königswarter, Landesrabbiner Dr. B. Placzek in Brünn, Dr. Arnold Rosenbacher in Prag, Rabbiner Dr. Abraham Adolf Schmiedl, Dr. Adolf Stein,' Dr. Alfred Stern. Der Bericht des Rektors stimmt bewegliche Klage über den Mangel an Vorbildungsanstalten für den Rabbinerberuf an. Darin sei es auch begründet, daß im 12. Jahre des Bestehens der Anstalt keine Rabbinerprüfung zu verzeichnen sei. Eine Anstalt, deren Jünger nicht zur rechten Zeit ihr Examen abzulegen in der Lage sind, sei mit einem Uebel behaftet, und darauf hinzuweisen war die -Pflicht des verantwortlichen Rektors. Im letzten Jahre wurde Dr. Zwick, bisher Rabbiner in Horn, nach Mähr.-Kromau, die Herren Dr. Zimmels und Dr. Arje noch vor ihrer Rabbinerprüfung, der erste nach Polna, der zweite nach Dobris als Rabbiner berufen. Die Anstalt wurde von 25 Hörern (8 aus Galizien, 5 aus Ungarn, 2 aus Böhmen, je 1 aus Oberösterreich, Mähren und Bosnien, 3 aus Rumänien, 2 aus Rußland, 1 aus Bulgarien) besucht. Die Einnahmen betrugen 46.225 Kronen (davon Subventionen der Regierung 10.000, der hiesigen K.ultusgemeinde 8000 Kronen), die Ausgaben 44.992 Kronen. Erzherzog Friedrich in Sarajevo. Se. k. k. Hoheit ist Mittwoch den 16. August um 9 Uhr in Sarajevo eingetroffen. Um 11'/, Uhr schon geruhte Se. k. k. Hoheit im Festsaale des Regierungspalais die verschiedenen Korporationen zu empfangen. Von den zwei hier bestehenden jüdischen Gemeinden wurde zuerst, als die ältere, einheimische, die Abordnung der sephardischen Gemeinde, geführt von dem greisen Präses derselben, Salomon all. Salom, empfangen, worauf die Deputation der österr.-ungar. israelitischen Kultusgemeinde, geführt von Se. Ehrwürden Herrn Rabbiner Dr. Weszel und dem Präses Herrn Dr. M. Rothkopf. sowohl, als auch den Vorstandsmitgliedern Herrn I. Neuer und Herrn Provisor Teich, erschien. Herr Rabbiner Dr. Weszel richtete an Se. k. k. Hoheit eine kurze, huldigende Begrüßungsansprache, worin er unter anderem sagte, daß die Judenheit von Sarajevo, wie auch jene von ganz Bosnien und der Herzegowina, eingedenk der Tradition, die ihr die Liebe und Treue zum Vaterlande und Landesvater zur heiligsten Pflicht macht, sortfahren werde, in unbegrenzter