Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 22 (1905)
- Issue
- 34 (25.8.1905)
- Date
- 1905-08-25
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 34 Dr. Dlocb's MocbenscbrM, Seite 535 da Costa, Israel en de Vollen (Ed. 2) erwähnt auf S. 499 die Taufe. — Ist auch Cohen-Stuart kein Jude, der neu ernannte Justizminister Dr. E. E. van Raalte aus Rotterdam ist es wohl. Van Raalte ist ein guter Jude; 1864 als Rechtsanwalt in Rotterdam etabliert, wurde er 1873 zum Kron-Advokaten ernannt; 1897 in die zweite Kammer gewählt, wo er eine angesehene Stelln.ng einnimmt. - Dr. M. G. Jüdische Künstler. Hochgeehrter Herr Redakteur! Gestatten Sie mir, in Bezug auf den Artikel in der letzten Nummer Ihres Blattes unter gleicher Ueberschrift, Ihre Aufmerksamkeit darauf zu lenken, daß unter den in dem Artikel über jüdische Künstler genannten Namen, der des Malers Nikolaus Schatten st ein fehlt, obzwar derselbe mit dem „Beer-Preise" ausgezeichnet wurde und unter den jüngeren Wiener Malern eine hervorragende Stellung einnimmt. Ich erwähne weiters, daß Ihr geschätzter Artikel einige wahrhaft große Künstler, wie den Engländer Solomon I. Solomon, der weltberühmte Historienbilder schuf und erst vor einigen Monaten mit seinem sensationell einfachen und großartigen Zangwill-Porträt die große goldene Medaille in Budapest erwarb, oder den weltberühmten Freskenmaler L e v y in Paris, ferner den genialen Schlachtenmaler L e v y, der die Erstürmung der Bastille malte, nicht nennt. Es fehlt ferner der Maler und Kunstkritiker Alfred L a k o s in Ungarn, welcher einer respektablen Autorität sich erfreut. Auch nach anderen Richtungen sollte der Artikel ergänzt werden, doch es genügt das Vorgebrachte. Der soeben auf der Lütticher Weltausstellung durch die goldene Medaille ausgezeichnete russische Bildhauer N. I. A r o ns o h n hat selbst einmal eine schlichte ergreifende Darstellung von der Not und den Entbehrungen gegeben, denen er ausgesetzt war, ja selbst dann noch, als er schon längst zu den „berühmten" Künstlern gehörte. Raum Hjitsch Aronsohn ist, der „B. Z. am Mittag" zufolge, in dem kleinen Städtchen Kreslawka im Gouvernement Witebsk als Sohn eines armen Handelsjuden geboren und genoß nur eine mangelhafte Erziehung. Früh regte sich in ihm die Liebe zur Kunst, und mit 15 Jahren sehen wir ihn bereits in der Wilnaer Zeichenschule. Die Schwierigkeiten, die zu überwinden waren, um den Knaben die Künstlerlaufbahn zu eröffnen, waren keine geringen. Schon in der Zeichenschule wurde seine besondere Begabung für die Bildhauerkunst erkannt. Es gelang ihm, die Aufmerksamkeit des berühmten Akademikers Trutnew auf sich zu lenken, der ihn bei seinen Arbeiten mit Rat und Tat unterstützte. Seine materielle Lage ist jedoch eine mehr wie traurige. Er hat selten etwas zu essen, aber er läßt sich in seinem Streben nicht entmutigen. Es gelingt ihm, Freunde und Gönner zu finden, die eine kleine Summe für ihn zusammenbringen. So ausgerüstet, begibt er sich zu seiner weiteren Ausbildung nach Paris. Bald sind die geringen Barmittel aufgezehrt und er sieht sich wieder vor dem Nichts. Hin und wieder gelingt es ihm, kleine Arbeiten für Geschäfte zu liefern und mit dem geringen Erlös fristet er notdürftig sein Leben. Er sagt selbst von dieser Zeit, daß es die schwerste seines Lebens war. Aronsohn arbeitet in der Werkstatt eines bekannten Pariser Künstlers, der seine glänzende Begabung erkennt und ihn ermutigt. Bald debütiert auch er im Salon. Seine Arbeiten finden Anerkennung, erregen die Aufmerksamkeit maßgebender Kreise, werden in allen Zeitungen lobend besprochen, aber — nicht gekauft. Das Leben in Wilna mit fünf Kopeken pro Tag erscheint ihm im Vergleich zu dem in Paris als ein fürchterliches. Ueber jene schreckliche Zeit schreibt er: „Ich hatte nur sehr selten etwas zu essen, aber ich fand den Mut, das Hungerleben zu ertragen, weil ich wußte, daß ich viele Leidensgenossen hatte. Am 1. Jänner 1896 fiel ich, vor Hunger gänzlich erschöpft, auf die Treppe meines Hauses bewußtlos nieder. Man fand mich und brachte mich nach meiner Wohnung. Als ich wieder zum Bewußtsein gelangte, fand ich auf meinem Tisch eine Anweisung auf 2000 Franks für meine erste verkaufte Arbeit." Aronsohn lebt ständig in Paris in der Avenue d'Orleans. Sein Atelier ist einfach aber mit vornehmen künstlerischen Geschmack ausgestattet. In diesem Atelier fällt dem Besucher besonders eine prachtvolle Büste des Grafen Leo Tolstoi auf, dessen aufrichtigster Bewunderer Aronsohn ist. Der Erfinder des „Esperanto" — ein Jude. Vor einigen Tagen hat in Boulogne-sur-Mer ein Kongreß der neuen Welt- oder Universalsprache getagt, die von ihrem Erfinder Dr. Zamenhof aus Warschau „Esperanto" genannt worden ist. Auf dem Kongresse waren fünfzehn europäische und außereuropäische Nationen vertreten. Dr. Zamenhos, der dem Kongresse präsidierte, war Gegenstand begeisterter Huldigungen. Die neue Weltsprache hat in keinem Geringeren als dem berühmten Naturwissenschaftler und Philosophen Oftwald einen begeisterten Verehrer und Agitator gefunden und ebenso spricht sich der kürzlich veröffentlichte Bericht Professor Schuchardt's in Graz, der im Aufträge der Wiener Akademie der Wissenschaften die Möglichkeit und Nützlichkeit einer Universälsprache studierte, über das „Esperanto" sehr günstig aus. Zamenhof hat als Zionist begonnen, um sich dann der Idee einer jüdisch-ethischen Weltmission zuzuwenden. Besser als durch die Erfindung einer „Weltsprache" konnte er allerdings der vielberufcnen Judenmission nicht huldigen. Die Juden in Südafrika. Johannisburg. Auf der am 9. Juli in Johannisburg stattgehabteu Zionisten-Konferenz hielt der bekannte Rabbiner Dr.J.H. Hertz einen Vortrag, in welchem er über die gewaltige Teilnahme der Juden an der Entwicklung Südafrikas nachstehende wertvolle Daten mitteilte. Zur Widerlegung der so oft wiederholten Behauptung, der erste Jude habe Südafrika erst betreten, nachdem die Diamantfelder von Kimberley entdeckt waren, führt Dr. Hertz eine große Anzahl von Daten an, aus denen hervorgeht, daß Juden zu allen Zeiten an der Entwicklung Südafrikas mitgearbeitet haben. Abgesehen von der unzweifelhaft dastehenden Tatsache, daß semitische Völker schon zur Zeit Salomos in Südafrika Gold gesucht haben, abgesehen ferner davon, daß schon im Jahre 1484 die portugiesischen Juden Abraham of Biju und Joseph Zapateire de Lomega aus Westafrika die Nachricht gebracht haben, man könne, längs der Guineaküste segelnd, Indien erreichen, haben selbst die Juden im vorigen Jahrhundert bereits für die Kultivierung des Landes viel getan. So waren die Gebrüder Julius, Adolph und James Mosenthal die ersten in Südafrika, welche die Woll- und Fellindustrie einsührten. Auch der Handel mit Angorawolle, welche jetzt noch in großen Massen aus der Kapkolonie importiert wird, hat dieser Finna seine Entstehung zu verdanken. Aaron und Daniel de Paß zählten zu den ersten Pionieren des Namaqualandes. Dieselben waren auch eine ganze Reihe von Jahren die ersten Rheeder in Kapstadt und standen daselbst an der Spitze der Segelschifferei und der Fischerei-Industrie. Benjamin Norden und Simon Marcus zählten zu den ersten industriellen Pionieren des Landes und haben schon im Jahre 1830 in Südafrika eine große Rolle gespielt. Daß die Juden mit die Ersten waren, welche die Straußenzucht eingeführt haben und bei der beginnenden Diamantensuche die ersten auf dem Platze waren, soll nur nebenbei erwähnt werden. Auch im politischen Leben spielten die Juden schon frühzeitig eine große Rolle. Julius Mosenthal gehörte schon in den Fünfziger-Jahren zum Kapparlament. Simon Jacobs war Mitglied des höchsten Gerichtshofes, sowie der exekutiven Körperschaft, woraus er von 1861—66 das Amt «eines Generalstaatsanwalts bekleidete. Ferner sind die Brüder Saul, Henry und Justice Salomon zu erwähnen, welche im politischen Leben des Landes gleichfalls eine hervorragende Rolle spielten. Nathaniel Jsaacs besaß schon 17 Jahre bevor der erste Bur Natal betreten hatte, daselbst große Länderstrecken. Ebenso war Daniel de Paß Besitzer großer Zuckerplantagen daselbst. Einige Jahre bevor die Juden in England das Recht erhielten, als