Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 22 (1905)
- Issue
- 33 (18.8.1905)
- Date
- 1905-08-18
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
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Sette 524 Dr. Llocb's Mocbenscbrlrr Nr 33 unter Führung des Obmannstellvertreters Dr. Brunner ein. Dr. Brunner würdigte in beredten Worten sowohl die wissenschaftlichen Verdienste des Gefeierten als auch seine erfolgreichen Bemühungen um die Hebung des Kurortes Baden. Wie«. (T r a u u n g.) Sonntag den 20. August l. I. um 3 Uhr nachmittags findet im israelitischen Tempel, XV., Turnergasse 22, die Trauung des Fräulein Johanna Neus eld, Tochter des Präses der Chewra-Kadischa Fünfhaus Herrn Heinrich N e u f e l d, mit Herrn Salomon Melcher statt. Wie«. (Verlobung.) Fräulein Olga Horwitz, Tochter des Herrn Simon H o r w i tz, Amtsleiter der israelitischen Kultusgemeinde, hat sich mit Herrn Theodor P o r g e s aus Wien verlobt. Wien. (Verlobung.) Dr. Moritz F r a'n k f u r t e r, Rabbiner in Banjaluka, hat sich mit Fräulein Ricca Pagel aus Kempen, Provinz Posen, verlobt. Wie«. Der im März d. I. verstorbene Rabbiner S. W. Freund hat, wie bekannt, im Jahre 1885 unter dem Titel .Vergleichende Datum-Tabellen" ein Werk herausgegeben, das für Behörden, Gerichtshöfe, Gemeinde- und Kultuskanzleien, sowie alle jene Institute, Korporationen und Personen, die zur Feststellung und Evidenzhaltung des richtigen bürgerlichen Datums amtlich berufen sind, ein unentbehrliches Nachschlagebuch geworden ist. Dieses einzig in seiner Art dastehende Werk, das dem Autor viel Anerkennung brachte, ist auf 216 Jahre des jüdischen und allgemein bürgerlichen Kalenders berechnet (vom Jahre 1784 bis zum Jahre 2000) und in den Matrikenführungen, Ministerien, Notariatskanzleien rc. des In- und Auslandes vielfach im Gebrauch. Von demselben find noch Exemplare vorhanden, die durch Fräulein Pauline Freund, Wien, III., Untere Biaduktgasse 9 zum Preise von X 10.— (Zehn Kronen) per Stück zu beziehen sind. Buchhändlern üblichen Rabatt. Wie«. (Spende.) Für den Verein für arme Brustkranke auf dem Lande sind uns von Herrn D. Meitner in Wien unter „Statt einer Hymne-Tabelle". K 2 —, von Frau Therese Heller in Altlengbach L 3-— für den armen Dienstmann laut Aufruf in der Nr. 30 unseres Blattes zugekommen. Budapest. (Eine Nachschrift zu einerTrauungsa n z e i g e.) Die Post bringt uns eine Vermählungsanzeige des Fräuleins Amalie Kaffovitz mit dem Herrn E. Blumgrund in Zombor. Die freundliche Einladung zu der am 20. d. M. stattfindenden Hochzeit enthält folgende außergewöhnliche Nachschrift: „Wir bitten alle Gratulationsdepeschen zu vermeiden! Den eventuell hiefür bestimmten Betrag wollen Sie gütigst an die Adresse des Herrn Moriz Friedlander nach Szepesvaralja senden zu Gunsten des Fonds zum Wiederaufbau der abgebrannten Synagoge und Schule." Lipto-Rozsahegy. Nach schwerem körperlichen Leiden ist hier am 6. d. M. der in den weitesten Kreisen eminent bekannt gewesene Gerichts- und Komitatsarzt Herr Dr. Friedrich D u s ch n i tz im Alter von 78 Jahren gestorben. Mit ihm ist einer jener seltenen Charaktere zu Grabe gestiegen, die nicht nur ihrer eigenen Zeit- und Mitwelt ein festes Gepräge verleihen, sondern auch ihren Namen dem dankbaren Andenken späterer Generationen vererben. Dr. Friedrich D u s ch n i tz war einer der Hauptbegründer der hiesigen, anfangs aus wenigen Familien und seit zirka 35 Jahren stetig sich vergrößernden isralitischen Kultusgemeinde, deren Institutionen seiner unermüdlichen Anregung und werktätigen Initiative zu verdanken sind. Der modern eingerichtete Tempel, die zweckmäßig gebaute Schule, der selbständige Friedhof, die Armen- und Krankenhausanstalt, ganz besonders die Chewra-Kadischa-Bruderschast half er im Vereine der hiesigen vornehmen und intelligenten Gemeindemitglieder Glasner, Klein, Roth, Fuchs, Eliasz, Rosenzweig und Fischer ins Leben rufen. Als Arzt vereinigte er die größte Berufstreue mit der warmfühlenden, edelsten Seele und mit wahrer Selbstverleugnung war er stets bereit, den Armen Trost, Hilfe, Rat und materielle Unterstützung zu bieten. Dr. Duschnitz, der in seiner Jugend Hebräisch und Talmud studiert hatte, blieb ein treuer, begeisterter Anhänger des Judentums und unterließ es nie, in seinen Erholungs- und Mußestunden irgend einen Teil der heiligen Schrift aus dem hebräischen Urtexte zu lesen. Bei seinem am 8. d. M. erfolgten Leichenbegängnisse zeigte es sich klar, welch große Verehrung und allgemeine Liebe dieser Senior der Gemeinde genoß. Alt und Jung, ohne Unterschied der Confession, von Nah und Fern, war herbeigeströmt, um der Leichenfeier anzuwohnen, die in dem würdig mit Trauerdraperien.ausgestatteten Tempel stattfand, wo der Sarg aufgebahrt wurde und Herr Rabbiner Wilhelm Singer aus Lipto-Miklos in Vertretung des zur Zeit abwesenden Rabbiners Eliasz die Leichenrede gehalten hat. In der neuen Leichenhalle, die der Hingeschiedene selbst noch eingeweiht hatte, sprachen noch Rabbiner H o r o w i tz aus Also-Kubin, ferner die persönlichen Freude des Verblichenen Herr Fuchs und Herr Glasner im Namen der Chewra-Kadischa, sowie Herr Dr. Bertolon Steinhardt im Namen der anderen Berufskollegen. I. Bernh. S t r a ß e r. Kragujevac. (T r a u u n g.) Eine glänzende Trauung fand am 13. d. M, wie man uns aus Kragujevac berichtet, daselbst statt. Der türkische Vizekonsul in Nisch Marco S. Cohen Effendi führte Fräulein Irene, Tochter unseres Landsmannes, des bekannten Exporteurs Leopold Pfeffermann, unter den Trauhimmel. An der Feier nahmen der Präfekt der Stadt und des Kreises, der Kragujevacer türkische Konsul, der Vorsteher der Belgrader Gemeinde, mehrere Stabsoffiziere, sowie die angesehensten Bürger der Stadt teil. Den Trauungsakt vollzog der Vukovarer Oberrabbiner Dr. Diamant unter Assistenz des Belgrader Rabbiners Tesfta. Oderfurt. Am 12. August l. I., am Sabbath Nachmu, hat der vom hiesigen Tempelvereine akzeptierte Kantor Herr Bernhard I l m e r, Schwiegersohn des Kantors Smotritzky in Wien, seinen Posten angetreten und wurde in dem festlich beleuchteten schmucken Gotteshause von dem Gesamtvorstand des Vereines und in Anwesenheit eines zahlreichen Publikums in sein Amt eingeführt. Berlin. Der frühere Verleger der „Volkszeitung", Ritterguts- und Fabriksbesitzer Herr Emil Cohn, ist nach längerem Leiden kürzlich im 72. Lebensjahre gestorben. Die Redaktion der „Volkszeitung" widmet dem Verstorbenen einen Nachruf, dem wir folgendes entnehmen: „Unvergessen wird es dem Dahingeschiedenen in allen wahrhaft liberalen Kreisen bleiben, was er für die „Volkszeitung" in jener kritischen Zeit getan, als sie zur Zeit des Sozialistengesetzes wegen ihrer unerschrockenen Verteidigung von Recht und Gerechtigkeit ein Opfer des Systems Bismarck-Tausch zu werden drohte. Auch die unerschöpfliche Herzensgüte des Verstorbenen hat sich damals in glänzendster Weise bewährt. Während der mehrwöchigen Dauer des Verbots der „Volkszeitung", das natürlich von der Reichsbeschwerdekommission wieder aufgehoben wurde, hat der Verstorbene aufs hochherzigste für alle Mitarbeiter des Unternehmens, vom ersten bis zum letzten geistigen und technischen Arbeiter, wie ein Vater für seine Kinder gesorgt. Niemand ist in dieser schweren Zeit in seiner wirtschaftlichen Lage um einen Deut gekürzt worden. Emil Cohn war ein Arbeitgeber, dem das Wohl aller von ihm Beschäftigten ohne Unterschied ihrer sozialen Stellung gleich ernstlich am Herzen lag. Fleiß, Tüchtigkeit, rechtlicher Sinn gaben ihm allein den Maßstab, nach dem er den Wert eines Menschen würdigte. Sein Wohltätigkeitssinn konnte sich niemals Genüge tun. Mit ihm ist das Muster eines vortrefflichen, unabhängigen, von dem auftichtigsten sozialen Wollen erfüllten Bürgers dahingegangen!" Montreal (Kanada). Die „Jewish Colonization Association“ hat dem hiesigen Baron de Hirschinstitut eine Subvention von 60.000 Mk. zur Errichtung eines Asyls für obdachlose jüdische Einwanderer bewilligt. Kopenhagen. Herr Dr. Schornstein aus Leitmeritz ist dieser Tage nach gehaltener Probepredigt einstimmig hier zum Rabbiner, neben dem bereits tätigen Herrn Dr. Leewenstein, ernannt worden und hoffen wir, daß die beiden Herren Kollegen in ftiedlichem Verkehr zu fernerem Gedeihen und Ansehen der Gemeinde und zur steten Blüte des Judentums beitragen werden. Feuilleton. Me Plünderung. Von Maxim Gorki. Eine Wolgastadt war vor fünfzig Jahren der Schauplatz des Niedergeschriebenen. Ich arbeitete an einem heißen Julitag, wie immer, am Ufer des Flusses, als ich plötzlich ein dumpfes, zorniges Geräusch vernahm, das dem Gebrüll hungriger Wölfe ähnlich war. Da auch ich vor der nahen Mittagsstunde schon Hunger verspürte, so machte ich mich fleißig an die Arbeit und schenkte dem mich umgebenden Lärm keine Aufmerksamkeit, obgleich derselbe immer zunahm und sich, wie der Rauch beim Feuerbrande, immer mehr verbreitete.