Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 22 (1905)
- Issue
- 33 (18.8.1905)
- Date
- 1905-08-18
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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Sr. 33 Sette 519 Jnnnam i^Tsa -"^•“T 'KrMfc’l,ig “fl-Tr nr ,i *r~ Dr. Dlocb s MocvenscbrM. Korrespondenzen. Der Walzerkönig Strauß. In der Nr. vom 6. August der „Neuen Freien Presse", schreibt I. v. D. Als über das Lanner-Strauß-Monument: „Lanner und Strauß, die der Bildner auf einen Sockel gestellt, die aber in Wirklichkeit nicht so friedlich und eng im Leben nebeneinander schritten, gelten als die Gründer des Wiener Walzers und die Forschung setzt bei ihnen ein und schließt auch mit ihnen ab. Man hat nach den Vätern der beiden Walzerkönige sich etwas umgesehen, aber weiter hinauf wollte man wahrscheinlich nicht gelangen. Vielleicht wäre es gar unbequem gewesen, den Wienern die überraschende Tatsache zu verkünden, daß in den Adern eines der Schöpfer der Wiener Walzer reines, unverfälschtes, orientalisches Blut fließt, daß der Radetzky-Marsch, der noch heute der echt österreichische Siegeshymnus ist, von einem Judenstämmling komponiert worden ist, wie die schöne Bezeichnung lautet. Das Wirtshaus in der Floßgasse, in dem Johann Strauß zur Welt kam, hieß im Volksmunde „das Judenwirtshaus". Uebrigens verriet der „schwarze Schani", wie Strauß zum Unterschiede vom „blonden Pepi" genannt wurde, in seinen Zügen seine Abstammung in unwiderleglicher Weise." Jüdische Künstler. In einer Zeit, wo allenthalben die haßerfüllte Parole ausgegeben wird: „Kaust nicht bei Juden!" ist es doppelt notwendig, das jüdische Volk auch mit seinen Künstlern bekanntzumachen und ihm die sich daraus ergebende Nutzanwendung näher zu legen. Das Volk soll seine Künstler kennen und schätzen lernen und es soll mit der Ehrenpflicht eines Volkes vertraut werden, seine Künstler nach Kräften zu fördern, so traurig die allgemeinen Verhältnisse auch sein mögen. Schon hat sich durch die stetige Propaganda für das jüdische Publikum ein fester Kern jüdischer Künstlerschaft herauskrystallisiert. Max Liebermann genoß freilich schon früher als einer der führenden Geister der deutschen Kunst und der deutschen Künstlerschaft einen Weltruf, aber es ist doch nicht überflüssig, das jüdische Volk darüber aufzuklären, welch nahes Anrecht es auf diesen gottbegnadeten Künstler habe. Dasselbe gilt von dem großen Meister Israels, der seit einem halben Jahrhundert den Stolz der holländischen Kunst bildet und der auf dem Boden zu unvergänglichen Ehren gelangt ist, über dem dereinst der Genius eines Rembrandt und Frans Hals leuchtete. Lesser Ury und E. M. Lilien haben schon ein gut Teil Volkstümlichkeit erlangt. Weiters wurden wiederholt gewürdigt der sehr ernst zu nehmende Bildhauer Beer, der früh verstorbene, genial veranlagte polnische Jude E. Gottlieb, weiters Antokolsky und Pissaro. Erst jüngst brachte ein polemischer Artikel die bisher wenig oder gar nicht bekannte Tatsache zur Kenntnis der Oeffentlichkeit, daß auch die grundstürzenden revolutionären Künstler Thomas Theodor Heine und Max Slevogt dem Judentum zuzurechnen seien. Das sind künstlerische Potenzen, deren gewaltige Wirkungen, ob man ihnen nun mit uneingeschränkter Sympathie gegenübersteht oder nicht, klar vorliegen und nicht abzuleugnen sind und die dartun, wie sehr das jüdische Element als ein treibendes und belebendes mittätig ist auch bei den krampfhaften tiefgehenden Evolutionen modernster Kunst. Auch der Name Beith war genannt ohne nähere Bezeichnung. Sollte darunter der Wiener Meister mit dem Vornamen Eduard gemeint gewesen sein, so wäre auch das eine Ueberraschung, weil es bisher wenigstens nicht bekannt war, daß auch seine Vorfahren dereinst trockenen Fußes durch das Rote Meer gewandelt find. Seine Werke sind so anmutig und von so zarter Poesie erfüllt, daß sie nur willkommen sein dürften für das Jnventarium jüdischer Kunst. Damit glauben wir die Liste jener Künstler erschöpft zu haben, deren Wirken und Streben dem jüdischen Volke durch jüdische Blätter nähergerückt worden ist. Es bleibt aber noch genug zu tun übrig. Wenn man einmal erst zu untersuchen beginnt, dann wird man auch sofort mit Staunen inne, welche Summe von Talent aufgespeichert ist in dem Volke, auf das die internationale Brutalität mit Geringschätzung herabsehen zu dürfen vermeint. Vervollständigen wir die Liste; machen wir wenigstens den Anfang dazu. Im übrigen soll dann weitergearbeitet werden ohne Unterlaß und ohne Ermüdung. Heute also nur eine kleine Auslese vom Wiener Boden. Fraglos der erste Bildnismaler Oesterreichs ist Leopold Horowitz. Er ist Jude. Daß ihm dieser Umstand seine Karriere nicht erleichtert hat, liegt auf der Hand. Er ist trotzdem der bevorzugte Maler des Hofes und des Feudaladels geworden, obschon, wie bekannt, in diesen Kreisen keine besondere Vorliebe für jüdisches Element vorwaltet. Heinrich v. Angeli, selbst Kavalier und repräsentativer Weltmann, hatte es in diesem Punkte schon leichter, aber schließlich setzt sich doch die positive Leistung vermöge des eigenen Schwergewichtes durch. Ein anderer erstklassiger Künstler ist innerhalb des Judentums viel zu wenig gewürdigt, Isidor Kaufmann, obschon gerade er es in erster Linie verdiente, da er seinen Ruf auch in der großen nichtjüdischen Oeffentlichkeit fast ausschließlich seinen köstlichen warmherzigen Darstellungen aus dem intimsten Volks- und Familienleben des Judentums zu verdanken hat. Welch ein seiner Meister ist das doch und wie wenig gekannt von seinem Volke! Da gibt es in der Tat etwas gutzumachen und es gilt, sich nicht beschämen zu lassen. Denn wenn auch die jüdische Welt fortsahren sollte, ihm die gebührende Beachtung vorzuenthalten, so wird sie ihm doch nicht vorenthalten bleiben in der großen Gemeinde der Kunstfreunde überhaupt, die in Isidor Kaufmann immer eine Zierde der Wiener Schule sehen wird, der guten Wiener Schule. Seine Bilder setzen die Tradition von Danhauser und Waldmüller fort und es ist ihr Rang, zu dem er sich erhebt. Es find kleine Meisterwerke, die er schafft, geadelt durch eine würdevolle Ehrlichkeit und durchleuchtet von reinem Gemüt. Dann noch eine andere seine künstlerische Individualität — David Kohn. Er kämpft, wie es scheint; vergeblich an gegen die allgemeine Teilnahms- und Interesselosigkeit und braucht sich auf im mühsamen Unterrichterteilen, wo er berufen wäre, sein seltenes Talent in freiem, unbehinderten Kunstschaffen zu entfalten. Einmal im Jahre kommt er gelegentlich dazu, eine Ausstellung zu beschicken und sofort erringt er, der Unbekannte, sich die uneingeschränkte Hochachtung seiner Fachgenossen und der Kritik. Es find nur einige wenige Rötelzeichnungen, mit welchen er in die Oeffentlichkeit getreten ist, aber sie bilden ein künstlerisches Ereignis. Es waren Studienköpfe und Bildnisse, unter letzteren das des Unterrichtsministers Dr. v. Härtel, aber von einer Strenge und Vollendung in der Zeichnung und von einer schlagkräftigen Charakteristik und psychologischen Vertiefung im Ausdruck, daß sofort das Urteil feststand, er bilde auf seinem Gebiete eine Klasse für sich und daß er den Vergleich mit keinem der lebenden und anerkannten Künstler zu scheuen habe. Aber er ist Jude und heißt David Kohn. Im Hagenbund hat sich der Bildnismaler Schiff Ansehen errungen, in der Sezession Emik Orlik, eine ihrer stärksten und zugleich liebenswürdigsten Begabungen. Und wie verheißungsvoll gärt und blüht und treibt es unter den: jungen Element! Ich nenne Schattenstein, der eben im Künstlerhause sein junges, vielversprechendes Talent in einer Kollektivausstellung ausgebreitet hat; ich erinnere an den ihm kongenialen Jehuda Epstein, an Eichhorn, an die tapfer aufstrebenden bildnerischen Kräfte Rose Silberer und A. Jaray. Erinnern darf ich auch an Meister Lewis, sodann an Emil Ranzenhofer, einen der allergeschicktesten und meistbeschästigten Plakatzeichner Wiens. Auf dem V11. Baseler Kongreß hat G l i c e n st e i n, zu dessen Bewunderer der König von Italien gehört, ein Werk: „Der jüdische Genius" ausgestellt, welches allgemeine Bewunderung erregt. Auf einem Felsblock fitzt ein alter Jude, den Schofar in der herabhängenden Rechten, die linke wuchtig auf den Oberschenkel gestützt, nackt, mit einem Mantel über den Knieen. Und in diesen einfachen Vorwurf wußte der Künstler eine ganze Serie von Empfindungen zu legen. Er setzte die