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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1905-08-18 · 33 (18.8.1905) · page 2

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
22 (1905)
Issue
33 (18.8.1905)
Date
1905-08-18
Page
– (sequence 2)
Language
German
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Seite 514 ü,r. Dlocd's Mocbenscbrttr. langen Extremitäten auffällig. Daneben trifft man auch auf die ähnlichen Kisilpout oder Jeffiden. Charakteristisch sind die Drusen, bei welchen die Kurzköpfigkeit zwar nicht immer so hervortretend ist, die aber typisch für die vorsemitische Bevölkerung in Vorder-Asien ist. Nur im Hochgebirge hat sich die Kurzköpfigkeit noch in extremer Weise fast bis zum gänzlichen Mangel des Hinterhauptes erhalten. Nun die Araber. Von diesen können nur die Wüsten-Araber, die sogenannten Beduinen, auf der eigentlichen Halbinsel Arabien, Anspruch auf semitischen Ursprung aus anatomischen Gründen erheben. Allein auch bei Arabern, die als rein arabisch gelten, wie zum Beispiel in Cesirae, ist zuweilen sofort der fremdartige Einschlag wahrnehmbar, so daß sie leicht zu eliminieren sind. Ebenso ist die griechische Rasse sehr bald auszuschalten. Ein Vergleich der modernen mit den antiken, durch die Denkmäler erhaltenen Typen zeigt die heute noch erhaltene Reinheit dieser Rasse, in die selten nur alte vorderasiatische Elemente hineinspielen, ausgenommen bei den Doriern. Mehr Neigung, sich zu vermischen, zeigen die A r m e n i e r. Deren Physiognomien, sogenannte Vogelgesichter charakterisieren sich vermöge ihrer ungemein entwickelten Nase und ihrer hohen Köpfe mit flachem Hinterhaupt. Von besonderem Werte sind nun die Reliefs aus der uralten Stadt Schamyl in Kleinasien, wo der Vortragende wiederholt umfangreiche Ausgrabungen seit 1883, durch große Mittel unterstützt, vornahm, welche Reliefs bis in das 15. Jahrhundert vor Christus zurückreichen. Manche davon sind jünger, einige reichen sogar nur bis zur Zeit Christi Geburt. Die große Tempelanlage stammt aus dem 9. und 8. Jahrhundert vor Christi. Die Reliefs am Stadttore beweisen, daß zu jener Zeit die Bewohner der vorsemitischen Bevölkerung angehört haben. Es sind kurzköpfige, mit auffallend gro'^Nal-'n ausgestattete Menschen, die starck an Armenier erinnern. "Die uusgegrabenen kurzen Schädel entsprachen vollständig den Bildern. Die Inschriften, die noch der assyrischen Bilderschrift angehören, erhärten ebenfalls, daß ein nichtsemitisches Volk bestanden hatte, denn bekanntlich brachte die semitische Rasse die Buchst a b e n s ch r i f t ins Land. Dagegen zeigt eine aus dem 4. bis 5. Jahrhundert stammende Fibula*) eine Frau, aus der sich bereits das f r e m d e, semitische Element als Mischung erkennen läßt. Aus den Inschriften ist zu entnehmen, daß der König Porekuk, Sohn des Panemmur (semitischer Namen) „den Palast in Schamyl erbaut hat und prächtiger als die Könige von Syrien den ihren errichteten." Auch Bauwerke, die häufig für semitisch gehalten werden, wie namentlich Tempel, lassen sich ihres semitischen Ursprungs entkleiden. Selbstverständlich stehen noch andere Reliefs zur Verfügung, wobei ebenfalls die charakeristischen Physiognomien mit der ungemein weit vorspringenden Nase zum Ausdruck gelangen, wie z. B. bei dem Tempel von Argahraddo u. a. m. Als Schluß ergibt sich nun Folgendes: Die eigentlich seßhafte und somit ursprüngliche Bevölkerung dieser Länder zerfällt in zwei große Gruppen: die Einen, die extrem Kurzköpfigen, und die Andern, die extrem Langköpfigen. Einwandftei ist heute sichergestellt, daß die extrem Kurzköpfigen der vorsemitischen Bevölkerung angehören, wogegen die extrem Langschädeligen mit den semitischen Einwanderern identisch sind, die wahrscheinlich zuerst im zweiten vorchristlichen Jahrhundert auftauchten und die heute noch Teile Kleinasiens und Arabiens bewohnen, teilweise über Mesopotamien, teilweise über die Wüste Arabiens sich ausbreiteten. Offenbar bilden diese, die eine numerisch vielleicht gar nicht sehr starke Einwanderung in Gegenden bilden, welche bisher nur von Kurzköpfigen bewohnt gewesen, daher weder nach Sprache, noch nach Abstammung semitisch waren, den Grundstock für die spätere Semitisierun g. Hiebei *) Eine Art Schließe. Nr 33 fällt der Vermischung auch eine große Rolle zu. Nach den neueren Forschungen vollzieht sich diese keineswegs immer im Sinne eines arithmetischen Mittels etwa, sondern es kommt namentlich bei weit auseinanderliegenden Rassen, nach Jahrhunderten und selbst Jahrtausenden eine der ursprünglichen Rassen zurück. Durch diese Theorie, die erst einige Jahrzehnte alt ist, wird es verständlich, daß sich in Vorder-Asien durch eine Unzahl von Jahrhunderten und selbst Jahrtausenden derartige Typen getrennt und unvermischt von einander vererbt haben. Hiebei entsteht nun die Frage nach dem Ursprung der extrem kurzköpfigen Rasse in Vorder-Asien. Auch hierüber geben uns die Ausgrabungen Aufschluß. Speziell jene in Persien aus dem vierten vorchristlichen Jahrhundert zeigen diese übermäßig Kurzköpfigen mit den großen Nasen. Augenscheinlich liegt hier die Vermischung zweier Rassen mit einer Assimilation im ausgedehntesten Sinne vor, denn weiter gegen Osten nimmt sie stets mehr ab, während sie gegen Westen, somit gegen Vorder-Asien, namentlich im Hochgebirge Kleinasiens unter den Sektierern immer zunimmt. Auch unter den Mohammedanern, insbesondere den Bewohnern von Arabien findet sich diese Rasse stark verbreitet vor. Außerdem ist noch ein wichtiger Umstand zu erwähnen: die Blondköpfigkeit. So wie unter unseren europäischen Juden - elf Perzent blond sind, ebenso finden wir unter den Vorder-Asiaten im Allgemeinen einen bestimmten Satz 9 bis 10, vielleicht auch mehr pro Tausend Blonde. Die Erklärung hiefür findet sich z. B. rücksichtlich des Mittelalters durch die Kreuzfahrer, für die Neuzeit durch amerikanische und englische Matrosen, welche in der Nähe Winterquartiere hatten. Trotzdem fände die große Zahl hiedurch allein keine genügende Erklärung. Aus einigen koptischen Denkmälern läßt sich dagegen feststelleu, daß im Altertum die Amariter blondhaarig und blauäugig gewesen, neuere Untersuchungen haben weiter ergeben, daß noch in vortrojanischer Zeit irgend eine europäische Einwanderung — vielleicht die Thrakier — im großen Stile erfolgt ist. Selbstverständlich können sich Untersuchungen über Juden nur auf die heute Lebenden beziehen und lassen keinen Schluß auf die Geschichte zu. Immerhin läßt sich mit ziemlicher Sicherheit aus den gegenwärtigen Verhältnissen konstatieren, daß die große Mehrzahl der heutigen Juden dem vorsemitischen Typus angehört, dessen wesentliche Merkmale Kurzköpfigkeit und große Nasen bildet und eine kleine Minderzahl kleine Köpfe, die bei den rassenreinen vorsemitischen Völkern typisch und charakteristisch sind. Die heutigen Juden sind daher zweifellos ein Produkt der Raffenmischung. Hinsichtlich der Rassenmischung herrschen im Allgemeinen bekanntlich verschiedene Ansichten. Den Fanatikern der Rasseneinheit, deren Ideal die denkbarst enge Zucht bis zur Inzucht unter Geschwistern, wie bei Tieren, bildet — muß entgegengehalten werden, daß man recht traurige Erfahrungen besitzt von Familien, wo eine strenge Inzucht herrscht und daß erfreuliche Resultate durch Vermischung von Rassen erzielt worden sind. Die modernen Juden können als ein ausgezeichnetes Beispiel von Rassenkreuzung angesehen werden. Von Ernst Renan stammt das geflügelte Wort der „inferioren Rasse der Semiten". Nach der persönlichen Versicherung, die dieser sonst so ausgezeichnete Mann dem Vortragenden gab, hat niemand mehr als er (Renan) selb st diesen Ausspruch tief bedauert. Tatsächlich frägt man sich vergebens, worin diese Inferiorität bestehen solle. Die Semiten hatten lange vor Homer epische Dichtungen; sie hatten vor sechs Jahrtausenden bereits schöne Gebäude, zu einer Zeit, als unsere europäischen Ahnen in Felsenlöchern und Erdhöhlen wohnten. Sie hatten längst nicht nur große Bauwerke, sondern Waffen und Geschmeide, als wir noch lange keine Kenntnis von den Metallen besaßen. Aus der semitischen Kultur sproß

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