Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 22 (1905)
- Issue
- 33 (18.8.1905)
- Date
- 1905-08-18
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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Ur. 33. Blooh’s |«kVg«KaXAH Centrslorgan für die gesammten Intereffen des Iudenthums. -U TU. ft. PostsPsrcLffrn-Amt Clearing-Verkehr Ar. 810.976. Lrdartion und Administration, t? Wien IX/l, Berggaffe Nr. 39. Telophon Nr. 14.847. =*= *= =5£ Wir«, 18. Angnst 1SOS. Erscheint jeden Freitag. -4 4» *■<"' - Brief-Adreffe: Wien, IX/l» Berggaffe LS. Telearnmm-Adresse: Bloch's Wochenschrift, Wie». »rprosxrri» flir Srstrrrrirh: Halbjährig 8 Lronea. Einzelexemplare 50 Heller. Für'» 3tn»(snb: Halbjährig 10 Stumm. Banzjährig 20 » Anzeigen: Die 4mal gespaltene ^rtitzeile 24 Heller. Zukalt: Leitartikel: Die anthropologische Stellung der Juden. — Das Werk Dr. Theodor Herzl's. — Korrespondenzen: Der Walzerkönig Strauß. Jüdische Künstler. Die Getreuen Herzl's. Ebenfurth. Eine Jdioten-Anstalt. Ehrung des Dr. Straucher. Rückkehr zum Judentum. Minsk. Irkutsk. Judenmassakres. Brandlegung in Biala. Die Judenfrage in Rußland. Ein interessantes Dokument. Kiew. Tiflis. Philadelphia. Kairo. — Vermischtes: Wien-Fünfhaus. Wien. Professor Dr. Salomon Klein. Wien, Budapest, Lipto-Rozsahegy, Oderfurt, Berlin, Montreal, Kopenhagen. — Feuilleton: Die Plünderung. — Literatur. — Neue Bücher. — Briefkasten. — Eingesendet. — Inserate. Die anthropologische Stellung der I«de«. Nach einem im Verein zur Abwehr des Antisemitismus in Wien am 26. April 1905 von Herrn Prof. Dr. Felix von Luschan (Berlin) gehaltenen Vortrag. Bereits in der Versammlung der deutschen anthropologischen Gesellschaft zu Ulm 1892 wurde durch den Vortragenden darauf hingewiesen, daß die landläufige Ansicht von einem homogenen Charakter der jüdischen Rasse unrichtig sei, indem in den Juden sehr viel nichtsemitische Elemente vorhanden find, und daß es daher überhaupt eine „jüdische Rasse" nicht gebe. Wiewohl die meisten Fachleute dieser Ansicht sich angeschlossen haben, so ist dieselbe doch nicht in die weiteren Kreise gedrungen und es erweist sich daher notwendig, diesbezüglich einige Aufklärung zu schaffen. Aus den Forschungen hat sich ergeben, daß die heutigen Juden zum großen Teile die Nachkommen der v o r semitischen Bevölkerung von Border-Afien find. Die Semiten werden gewöhnlich in Nord- und Süd- Semiten unterschieden. Zu den ersteren zählt man die B a b ylonier, Assyrier, Hebräer, Moabiter, Samariter, eine große Gruppe der Phönikier, endlich auch die Karthager, zu den letzteren die Araber, welche sich zum Teil in eigentliche Araber, zum Teil in A r a m ä e r, Syrier, Egypter und Marokkaner spalten — Gruppen, die sich dialektisch oder sprachlich streng abgrenzen — ferner die Aethiopier mit den heutigen Abessyniern, welche zur alten äthiopischen Sprachgruppe gehören, mit dem Amhara- Tigre- und Harari-Dialekte. Diese Einteilung ist nicht einwandfrei, denn die Babylonier und Assyrier sind, wie die ausgegrabenen Bilderwerke beweisen, nicht einheitlich und die Aethiopier dürften zu der großen Chamitischen Gruppe gehören, welche O st a f r i k a bevölkert und auch sonst in Afrika vertreten ist. worauf ihr krauses Haar hinführt, während allerdings ihre große Statur — wie schon Lepsius hervorhob — auf Semiten deutet. Die Forschungen haben nun weiter einen alten sprachlichen Zusammenhang zwischen Egyptern und deren Vorfahren, den ältesten Semiten, ergeben. Daß der semitischen Spracheinheit eine Rasseneinheit entspräche, läßt sich heute ebenso wenig mehr festhalten, wie bei der indogermanischen Sprache; es gibt keine indogermanische Rasse, nicht einmal eine germanische Rasse. Wie wenig den semitisch redenden Völkern semitische Rassen angehören, beweisen einzelne große Gebiete Vorder- Afiens, in denen tatsächlich arabisch,, ^ber nicht von Arabern gesprochen wird. <1' Die Verschmelzungen einiger semitischer und chamitischer Völker sind leicht aufzuklären; wenn die einzelnen Elemente auf ihre Abstammung und Lebensweise geprüft werden, dann gelingt die Eliminierung ganz leicht. Da find zunächst die Tscherkeffen, welche sofort auszuschalten find. Bon diesen ist es bekannt, daß sie in verschiedene Rassen hineinheiraten. Ebenso dürfen außer Bulgaren und Griechen noch einige andere kleine Völkerschaften West-Asiens ausgeschaltet werden, deren leichte Verschmelzung bekannt ist. Auch mit Negern fanden und finden noch fortwährend Vermischungen statt, daher in Vorder-Afien sehr viel Aehnlichkeiten mit Negerrassen vorgefunden werden. Dann kommen die Nomaden in Betracht, weniger wohl die Zigeuner, als vielmehr jene zahllosen Stämme in Vorder-Afien, die entweder niemals in ihre alten Quartiere zurückkehren, oder solche, die nur im Winter ihre Quartiere verlassen, im Sommer dagegen in ihre alten Zeltlager zurückkehren. Hieher gehören auch die mit den zweihöckerigen Kameelen umherziehenden Turkmenen, welche wir sofort auszuschalten haben. Ferner die Kurden: sie nomadisieren wohl auch und zwar in Nord-Syrien, vermischen sich aber niemals mit der seßhaften Bevölkerung, halten sich sprachlich vollkommen rein und find bestrebt, sich als Volksstamm zu erhalten. Zumeist find die Kurden langköpfig; die östlichen Kurden dagegen, die kurzköpfig find, dürften nur kurdisch gewordene alte Perser sein — da sonst ihre Kopfbildung kaum erklärlich wäre. Unter den Nomaden treten ferners die I i r i k e n besonders durch ihre starke Deformation des Schädels hervor, wiewohl sie sonst den Kurden gleichen und namentlich in Vorder- Afien nomadisieren. Ihre physischen Merkmale ähneln mehr jenen der Zigeuner Weiters find in Vorder-Afien sehr zerstreut die Sektierer, deren Geschichte in uralte Zeiten zurückreicht. Bei den Sektierern faßt die außerordentliche Kurzköpfigkeit auf, welche wohl bei keinem anderen Volke der Erde in diesem Maße besteht. Unter ihnen nehmen die menschenscheuen Kisilb a s ch i eine besondere Stellung ein und find diese durch ihre