Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 22 (1905)
- Issue
- 32 (11.8.1905)
- Date
- 1905-08-11
- Page
- – (sequence 15)
- Language
- German
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m. 32 Dr. Dlocb's Mocbenscbrltt. Sette 511 erstenmale die Entwicklung des deutschen, italienischen, ungarischen Auswanderungsgesetzes und des österreichischen Entwurfes unter Wiedergabe der berüchtigten österreichischen Auswanderungspatente auseinandergesetzt. Der tabellarische Anhang mit seiner Neueinteilung der Auswanderer in liberale Berufe, gelernte Arbeiter, ungelernte Arbeiter und Berufslose ergibt ein überraschendes Resultat hinsichtlich der Auswanderer-Bolksqualitäten z. B. die hohe sittliche Stufe der Dalmatiner und Ruthenen, die exorbitante Höhe des Kriminalitätsperzentes der Süditaliener, aber gleichzeitig ihre kolossale Anpassungs- und Widerstandsfähigkeit, die ausgesprochen gute Qualifikation der Juden als Kolonisten, (was bisher selbst von Philosemiten bezweifelt wurde), den bedeutenden Vorsprung der Czechen gegenüber den Deutschen, den guten Stand der Magyaren gegenüber den Polen rc., nicht zuletzt die Ursachen der enormen Gegenwartsauswanderung aus Ungarn. Diese durchaus neuen Forschungsergebnisse dürften alle Kreise der weitesten Oeffentlichkeit, insbesondere jene, welche sich mit der jüdischen Emigrationsfrage beschäftigen, besonders interessieren. Marie von Glaser. JhrLeidundsie. Novellen und Skizzen. Verlag von Gebrüder Paetel, Berlin, 1905. Im Verlage von Gebrüder Paetel, bei denen auch jene berühmten Briefe erschienen sind, die „ihn" nicht erreichten, veröffentlicht Schriftstellerin Fräulein Marie von Glaser ein Buch unter dem Titel „Ihr Leid und sie", in dem fast alle Helden „es" nicht erreichen. „Es" — irgend ein Glück, einen Wunsch, eine Sehnsucht, einen Traum. Es ist ein Buch von den Schlechtweggekommenen, also ein durchaus weibliches Buch, und darin liegen seine Vorzüge und Fehler. Beide aber werden nur von dem Temperament und der Lebensanschauung des Lesers so oder so genannt werden; denn an und für sich und in seiner Art ist das Buch sehr gut, ja man möchte beinahe sagen, ein ebtzk d’oeuvre seines Genres. Es ist voll tiefer Empfindung und zeigt einen liebenswürdigen, menschlich vornehmen, vorurteilslosen Geist. Die Widmung an den verewigten Vater der Verfasserin ist sehr ergreifend. Das Motto des Buches lautet: Tont penser sans erainte Tout souffrir sans plainte Tout connaitre sans voir Tout aimer sans espoir. Was auf Deutsch ungefähr lautet: Alles denken, ohne Furcht zu zeigen, Alles leiden, ohne Schmerz zu meiden, Alles kennen, sieht man es auch nicht, Alles lieben ohne Hoffnunaslicht. Drei der Zeilen sind der Ausdruck einer persönlichen Weltanschauung und entziehen sich als solche jeder Kritik. Die vierte Zeile aber, in der Reihenfolge die dritte: „Tont connaitre sans voir“, muß vom künstlerischen Standpunkt verurteilt werden. Man kennt nichts, ohne es zu sehen. Sich nicht auf Hörensagen verlassen, sondern selbst beobachten, streng, genau und unerbittlich auch gegen sich selbst, ist eine der ersten Pflichten des schaffenden Künstlers. Fräulein von Glaser offenbart auch in diesem neuen Werke jene Gaben und Vorzüge, welche ihre früheren schriftstellerischen Erzeugnisse auszeichneten und ihr den Dank der Lesewelt sicherten. Neue Bücher. Volksbibliothek: Abraham Reisen. Jüdische Motive. Preis 50 Heller. Verlag „Zion", Wien, 11/3, Stefaniestr. 12. Galgoezi Abraham. Der Wunderrabbi. Preis K 2.— und 20 Heller Porto. Zu beziehen durch den Herausgeber Abraham Galgoezi in Galgocz, Kom. Nyitra. XII. Jahresbericht der Israelitisch -theologischen Lehranstalt in Wien fürdas Schuljahr 1904/1905. Voran geht: Der Mischneh Thorah, Ein System der mosaisch-talmudischen Gesetzeslehre. Zur Erinnerung an den siebenhundertjährigen Todestag Maimuni's von Rektor Prof. Dr. A. Schwarz. Verlag der Jsrael.-theol. Lehranstalt, Wien 1905. KriefiraKrn. S. B. Endlich hat die russische Regierung den richtigen Sündenbock ermittelt, welcher alle ihre Niederlagen verschuldet hat. So verkündet eine russische Monatsschrift in einem Artikel wörtlich: „Der bittere Kampf, der jetzt von der Presse der ganzen Welt, darunter auch von der sich russisch nennenden, gegen das russische Reich und das russische Volk geführt wird, die unglückliche Auswahl für die Besetzung verantwortlicher Stellungen, die inneren und auswärtige» Niederlagen, die den Eindruck machen, daß sie von einer kundigen und geschickten Hand vorbereitet worden sind, die künstliche Trübung des Verständnisses für den Ernst der jetzigen Lage, die Gleichgiltigkeit der herrschenden Klassen gegenüber den Schicksalen des Reiches, alles das läßt vermuten, daß das russische Reich das Hauptziel geworden ist, der zerstörenden Tätigkeit des mit dem Judentum verbündeten Freimaurertums." Diese Meinung der patriotischen russischen Monatsschrift teilt auch die „Nowoje Wremja", die sich jetzt die Aufgabe gestellt hat, ihre Leser über die von dem Freimaurertum über Rußland heraufbeschworenen Gefahren aufzuklären. Arme Frau. Es besteht in Karlsbad ein israelitisches Hospital, wo arme kurbedürftige Kranke durch vier Wochen unentgeltlich Unterkunft, Verpflegung und ärztliche Hilfe finden. Gesuche find spätestens bis Mitte Februar an die Direktion zu richten. Man muß ein Armutszeugnis und ein ärztliches Zeugnis beilegen. Für dieses Jahr ist es schon zu spät. Abiturient. Verein zur Unterstützung mittelloser israelitischer Studierender, I. Bezirk, Seitenstettengasse 4 und Medizinischer Unterstützungsverein, IX. Bezirk, Währingerstraße 13. M. A. U. Als Oesterreicher können Sie mit einem ungarischen Maturitätszeugnis an einer österreichischen Universität nicht weiterstudicren. Sie müssen sich hier der Maturitätsprüfung wieder unterziehen. „Rother." Die angesehene englische Vierteljahrsschrist „Quarterly Review" schrieb in ihrer Nummer vom April 1902 in einem über „Zionismus und Antisemitismus" handelnden Artikel: „Wenn England in den letzten 40 Jahren fast allein unter allen Nationen die Standarte der Freiheit hochgehalten hat. so hat es dies teilweise den Juden zu danken, dm Männern, die, wie Moses Montefiore, David Salomons und Lionel Rothschild, mit beträchtlichen Opfern und nicht ihrer persönlichen Vorteile zuliebe die Standarte der Freiheit in die widerstrebenden Hände der britischen Konservativen drückten und ihnen das allumfassende Ideal der bürgerlichen Rechte einflößten, für welches sie in Südafrika kämpfen. Dies ist der historische Standpunkt und er enthält eine tiefe Lektion für die Zukunft. Rußland, Rumänien und andere Länder sind in der Wertschätzung der Segnungen der Freiheit viel mehr zurück als England vor mehr als einem Jahrhundert war, und für denjenigen, der die Geschichte studiert, ist es klar, daß die Juden das, was sie für England taten, auch jetzt noch für andere Staaten zu tun haben." Das b"es>e GeiränK-u. Nahrungsmittel für fieber.nde* KranKe isi- Ceres-Äpfelsaff, der Näh rmi frei werke „CE R E fV' Aussiq Klara Krasnopolski'sche Gebet- «ad Wohltätigkeitsftiftung. Am?8. Tischri (27. Oktober 1905) als dem Sterbetage der Frau Klara Krasnopolski gelangen die halbjährigen Zinsen obengenannter Stiftung im Betrage von 106 Karnen unter mehrere Arme israelitischer Religion zur Verleihung. Die Bewerber haben die mit dem Nachweise ihrer Armut versehenen Gesuche bis LI. August 1805 im Einreichungsprotokolle der israelitischen Kultusgemeinde Wien, I., Seitenstettengasse 4, 1. Stock, woselbst während der Amtsstunden von 9 bis 12 Uhr vormittags Gesuchsblankette unentgeltlich verabfolgt werden, zu überreichen. Arme Verwandte der Stifterin Frau Klara Krasnopolski werden in erster Linie berücksichtigt. Auszüge aus den Geburts-, Trauungs- und Sterbematriken der israelitischen Kultusgemeinde Wien sind als Gesuchsbelege nicht erforderlich, sondern genügt die genaue Angabe der betreffenden Daten. Verspätet überreichte oder nicht gehörig belegte Gesuche finden keine Berücksichtigung. Adam Herzfeld Ausstattungsftiftung. Der Vorstand der israelitischen Kultusgemeinde Wien bringt hiemit zur Kenntnis, daß die Zinsen der von dem Herrn Adolf Herzfeld begründeten Ausstattungsstiftung im Betrage von 460 Kronen an ein mit dem Stifter verwandtes, armes, sittsames Mädchen israelitischer Konfession zu verleihen find. Die Bewerberinnen haben ihre mit dem Geburts-, Armuts- und Sittenzeugnisse, sowie dem authentischen Nachweise ihrer Verwandtschaft mit dem Stifter und dem Brautstandszeugnisse versehenen Gesuche bis LI. August 1305 im Einreichungsprotokolle der israelitischen Kultusgemeinde Wien, I., Seitenüettengaffe 4, 1. Stock, zu überreichen, woselbst Gesnchsblankette während der Amtsstunden von 9 bis 12 Uhr vormit-