Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 22 (1905)
- Issue
- 32 (11.8.1905)
- Date
- 1905-08-11
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
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Nr. 32 Dr Dlocb's Mocbenscbrm. -Seite 507 Kultus gemeinde Slatina, Herr Heinrich Grünwald, um einen schönen Trinkspruch auf den Jubilar auszubringen. Hierauf erhob sich der Präses der israelitischen KultuSgemeinde in Essegg, Herr Dr. Hugo Spitzer, um in einer wunderschönen Rede die Gemahlin des jubilierenden Herrn Salamon Deutsch, die biedere und für alles Edle sich begeisternde Frau Marie Deutsch, hochleben zu lassen. Es toastierten sodann: Herr Bezirksvorstand Michael Makkay auf den Landtagsabgeordneten Dr. Dragutin Benak; Herr Hugo Deutsch auf den Obergespan Herrn v. Mihalovic; Herr Leopold Wilczek auf den Bezirksvorstand Michael Makkay; Herr Direktor Lazar Savie auf Herrn Dr. Kosutiv, Bezirksrichter; Herr Julius Schmutzer auf den Präses der israelitischen Kultusgemeinde in Nasice Herrn Max Fischer und die Kultusgemeinde; Herr Ivan Antos auf die Effegger israelitische Kultusgemeinde und deren Präses Herrn Dr. Hugo Spitzer; Herr Ivan Golek auf den unermüdlichen Arrangeur des Festes Herrn Leopold Wilczek. Es wurden ferner schöne Toaste gesprochen, so von Herrn Max Fischer, David Schlesinger, Albert Kohn und Anderen. Zu gleicher Zeit wurden im Hotel Geiß die Bürger der Stadt bewirtet, wo ebenfalls über hundert Bürger sich gut unterhielten. Glückwünsche und Telegramme sind über hundert aus allen Gegenden von Korporationen, Vereinen, Gemeinden und Einzelnen eingelaufen. Ein neues Judengesetz. Aus Petersburg wird der „Vossischen Zeitung" gemeldet: Rußland wird in der allernächsten Zeit mit einer neuen Anleihe auf den internationalen Markt treten. Anders wäre es nicht verständlich, warum die Regierung in ihrer „unermüdlichen Fürsorge um das Wohl des russischen Volkes" schon wieder auf neue Erleichterungen für die Juden bedacht ist. Die Anleihe kann allerdings nicht groß sein, denn vor der letzten hatte das fällige Judengesetz fünf Paragraphe, während das jetzige eigentlich nur zwei zählt. Dafür aber ändern sie an den bestehenden Verhältnissen lediglich insofern etwas, als sie den Kreis der der Willkür der niederen Polizei ausgesetzten jüdischen Bevölkerung erweitern und somit auch die Einnahmequellen der einzelnen Gewaltigen vergrößern. Das Gesetz vom 16./29. Juli d. I. besagt: § 1. Die jüdischen Handwerker erhalten die Erlaubnis zum Wohnen auf dem stachen Lande des Anfiedlungsgebietes; a) in den Städten, wo keine Handwerkskammern vorhanden find, durch die städtische Gewerbeverwaltung; b) in solchen Städten, wo auch diese nicht bestehen, durch die allgemeine Verwaltungsbehörde. § 2: Das Verbot, außerhalb der Städte, aber im Ansiedlungsgebiet zu wohnen, tritt außer Kraft: a) für Apothekergehilfen, Zahnkünstler, Feldschere und Geburtshelferinnen; b) für Maurer, Steinschleifer, Bauhandwerker, Stukkateure, Gärtner, Pflasterer und Erdarbeiter. Die weiteren, als Paragraphe 3 bis 6 erlassenen Bestimmungen bilden lediglich eine Instruktion zu den beiden ersten. Wie viel arme Arbeiter werden genötigt sein, von ihren Löhnen, die zum Beispiel für Gärtner 90 bis 120 Kopeken die Woche, für Pflasterer zwischen 30 bis 50 Kopeken den Tag betragen, an die entsprechenden Polizeiinstanzen zu zahlen, um das Recht, überhaupt Arbeit zu suchen, sich zu erkaufen, und wie viel Kräfte werden dadurch zur Unproduktivität verdammt, daß sie zur Beaufsichtigung der Befolgung des neuen „Gesetzes" verwendet werden müssen? Ist es nicht ein jämmerliches Bild, die Regierung eines Volkes von bald 140,000.000 Menschen zu solchen Mitteln greifen zu sehen, wie das neue Judengesetz, um den Staatskredit im Auslande zu heben? Es ist, als ob jede Selbstachtung aus den Reihen der höchsten Bureaukratie geschwunden wäre. Vermischtes. Wien. (K a i s e r f e i e r.) Anläßlich des diesjährigen Geburtsfestes Sr. Majestät des Kaisers finden Freitag den 18. August 1905 um 9 Uhr vormittags im Tempel der Inneren Stadt, um 10 Uhr vormittags im Leopoldstädter Tempel feierliche Gottesdienste statt. In den anderen Gemeindebethäusern findet die Feierlichkeit anschließend an den Morgengottesdienst (7 Uhr früh) statt. Feierlicher Gottesdienst findet ferner abends Y27 Uhr im israelitischen Tempel VIII., Neudeggergasse 12, um 9 Uhr vormittags in der Synagoge des Vereins „Beth Israel", II., Leopoldsgasse 29, statt. Wien. (Verlobung.) Herr Lazar W i e s n e r, Relegionslehrer der israelitischen Kultusgemeinde Wien, hat sich mit Fräulein Klara H a n d l, Tochter des Herrn Rabbiners Dr. H. H a n d l in Eibenschitz, verlobt. Wien. (Trauung.) Montag den 14. August l. I. um 11 Uhr vormittags findet im Standesamte und israelitischen Tempel zu Nagyarfalva (Ungereigen) die Trauung des Fräuleins Rosa Sternfeld, Tochter des Herrn Lehrers Adolf Sternfeld, mit Herrn Wilhelm Marchseld statt. Krems a. d. Dona«. Eine ergreifende Feier fand am 6. l. M. in unserer Gemeinde statt. Der hiesige Kultusvorstand errichtete seinem verstorbenen Rabbiner Dr. David Weis s. A. einen schönen Denkstein, der nunmehr enthüllt wurde. Der Schwager des Verstorbenen Seine Ehrwürden Herr Rabbiner Dr. Mühsam aus Graz kam in Begleitung der Witwe Frau Dr. Weis, um der Feier beizuwohnen. Der greise Rabbiner verrichtete das Menucho Nechono und schilderte ergriffen das Leben des Verstorbenen. Unser neugewählter Rabbiner Herr Doktor I. Diamant sprach am Grabe und empfahl dasselbe und den Denkstein der pietätvollsten Obhut der Kultusgemeinde. Karlsbad. (Todesfall.) Allgemeine Teilnahme erregt das Hinscheiden der Frau Mathilde S i n e k, geb. Preißler. Die Heimgegangene, welche im Alter von 54 Jahren verschied, zeichnete sich aus durch Geistes- und Herzensbildung, durch eine natürliche Güte und Bescheidenheit, welche ihr allgemeine Liebe und Verehrung erwarb. In der Stille und in der Verschwiegenheit übte sie zahllose Wohltaten und die Armen verlieren in ihr eine stets opferwillige Beschützerin. Wer nur je dieser edlen Frau näher trat, fühlte sich von ihrem Zauber gebannt, bewunderte ihren edlen Charakter und ihr musterhaft schönes Familienleben. Sie war eine echt jüdische Frau, das was unsere Alten mit den Worten zu bezeichnen pflegten „Ein esches chajil". Friede ihrer Asche! Agram. Mittwoch den 2. d. M. wurde der einstige Präsident und bisherige Obmann des Schulkomitees unserer Kultusgemeinde Herr Kammerrat und Spediteur Wilhelm Schwarz zu Grabe getragen. Sein ganzes Leben — 74 Jahre — war dem Dienste des Judentums und der Judenheit gewidmet und die allseitige aufrichtige Trauer um seinen Tod kam beim Leichenbegängnisse, an dem sich alle Kreise unserer Stadt beteiligten, zum Ausdrucke. Nach dem Vortrage der Trauergesänge durch Herrn Oberkantor Rendi, der durch seine herrliche Stimme die Trauerversammlung erschütterte, hielt Herr Prof. Doktor Gavro Schwarz in Abwesenheit des Herrn Oberrabbiners eine ergreifende Trauerrede, in der er den Dahingeschiedenen als ein Muster eines Juden, als Bahnbrecher, Organisator und Weisen unserer Gemeinde feierte. Hierauf nahm der einzige in Agram anwesende Vertreter des Kultusgemeinde-Präsidiums Herr Vizepräsident Dr. Goldmann, im Namen des Präsidiums und der Gemeinde, selbst tief ergriffen, rührenden Abschied von dem Kollegen, indem er die unvergänglichen Verdienste des großen Toten während seiner 50jährigen Tätigkeit in Agram pries. Prag. Am 4. August feierte Frau Lotty Kraus, die Schwester des durch seine Wohltätigkeit hervorragenden kaiserl. Rates Herrn Moritz Hahn und Mutter des Landesadvokaten Herrn JUDr. Maximilian Kraus in Komotau, im engsten Familienkreise ihr siebziges Wiegenfest. Die allseits geschätzte Dame war Gegenstand zahlreicher inniger Ovationen. Pohrlitz. Am 5. August 1905 verschied hier nach langem schmerzlichen Leiden der allseits verehrte Kultusvorsteher Herr Moritz Schweinburg. An der Spitze unseres Gemeinwesens als Kultusvorsteher besorgte er die Führung der Gemeindegeschäfte mit Hingebung und unermüdlichem Fleiße, widmete derselben so viel Stunden seiner kostbaren Zeit, daß häufig seine eigenen Geschäfte vor dem allgemeinen Wohle zurücktreten mußten. Als vor mehr als einem Jahre sein schmerzliches Leiden ihn ans Haus fesselte und er die ihm so lieb gewordene Stätte seines öffentlichen Wirkens in unserem Gemeindehause nicht mehr betreten konnte, da lag ihm noch immer das Gesamtwohl so sehr am Herzen, daß er von seinem Krankenzimmer die Geschäfte unserer Kultusgemeinde in gewohnter Weise bis in die letzten Tage seines Lebens, ohne Rücksicht auf seinen Zustand und jnit Unterdrückung seiner körperlichen Schmerzen leitete. Gleich der Fürsorge für die Gesamtheit war auch seine Sorge für das Wohl der Einzelnen. Wenn es galt, einem Armen zu helfen, die Not eines Leidenden und Kranken zu mildern, da stand er jedem rasch und hilfreich zur Seite. So kam denn auch die Hochachtung, deren Kultusvorsteher Moritz Schweinburg sich erfreute, bei seinem am 7. August 1905 stattgehabten Leichenbegängnisse zum Ausdrucke. Anwesend waren: die Vertretung der hiesigen israelitischen Kultusgemeinde in corpore, wie die der zweiten Stadtgemeinde, der Männergesangverein „Frohsinn", dessen gewesener Präsident und Ehrenmitglied der Verblichene war, die Herren Beamten des k. k. Bezirksgerichtes und des k. k. Steueramtes, die Gendarmerie, die Vorstände beider Genossenschaften, sowie auch die Vorstandsdamen des hiesigen Frauen-Wobltätigkeitsvereines. Die kantoralen Funktionen wurden vom Herrn Oberkantor Roth unter