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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1905-08-11 · 32 (11.8.1905) · page 7

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
22 (1905)
Issue
32 (11.8.1905)
Date
1905-08-11
Page
– (sequence 7)
Language
German
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»r. 32 Dr. Dlocd's MocbenscbrM. Seite 503 hätte es verhindern können, und Gott selbst hätte es nicht zugegeben, wenn es nicht göttliche Absicht gewesen wäre. Es war alles vorbestimmt und vorbedacht und alles im Plane der göttlichen Vorsehung. Das ist es ja, was die christlichen Priester lehren. Und wenn es geschah, wie es geschehen mußte, nach göttlichem Ratschluß, dem nichts Irdisches entgegen zu sein vermag, darf man, weil sich der göttliche Wille erfüllte, durch alle Jahrtausende Millionen schuldloser Menschen büßen lassen in seelischer und körperlicher Pein, in Rechtlosigkeit, in Schmach und grausamer Verfolgung?- --- -i- * Nein, eigentlich und von rechtswegen vor Gott und den Menschen dürfte man es wirklich nicht, wenn man es aber doch tut, dann kommt man zu einer reizenden Villeggiatur nach geschmackvollen, weil angeblich selbstversaßten Plänen und ist in der Lage, Dr. Karl Lueger, den Bürgermeister von Wien, mit „perlendem Champagner" zu bewirten. Dr. Lueger hat sich schon öfter gehäutet und er wird sich voraussichtlich noch häuten. Es wird ihm auch wahrscheinlich viel vergeben werden, auf den Stationen, wo er jeweils gerade hält, aber diese Freundschaft mit Herrn Vergani und dazu mit dem Gemeinderat Schwer, der, um das Vergnügen zu einem vollständigen zu machen, auch dabei war, — die wird ihm anhängen. Das bringt er nicht mehr los, und wäre ihm auch eine Lebenszeit wie dem alten Juden Methusalem beschieden. Das Gebetbuch „Kol Jakob". Hochgeehrter Herr Redakteur! In der letzten Nummer Ihres geschätzten Blattes vom 4. d. M. hat der Verfasser des Artikels „Der Mangel an Religionslehrern" pnt Schlüsse seiner Ansführungen einige Bemerkungen über das vom Vereine Esra herausgegebene Gebetbuch Köl Jakob gemacht, bei deren Lektüre ich unwillkürlich den talmudischen Ausruf: "rrorai ate '2. machen mußte. Es würde zu weit führen, mich hier über die Vorzüge dieses Gebetbuches zu verbreiten, ich möchte nur auf die erwähnten Bemerkungen in aller Kürze entgegnen, und möge der Verfasser des Artikels aus meiner Antwort ersehen, daß man über ein Werk, woran das vom Vereine Esra zur Herausgabe desselben eingesetzte Komitee drei Jahre fleißiger Arbeit gewendet hat, nicht mit einer nachlässigherablassenden Handbewegung urteilen darf. Was die getadelte Häufung des aana xiL? betrifft, so ist es bekannt, daß die Halbvokale nicht nur bei den Gutturalen 2"Fnnx (beim n mit einigen Beschränkungen) verwendet werden, sondern auch bei den Doppelkonsonanten, denen unmittelbar ein arte vorangeht, wie z. B. Gcn. 9, 14: jap tejn irm; Gen. 12, 15 ibbrm (siehe Jbn— Esra zur Stelle); ibiäern 29, 3, 8: a^ai; Exod. 15, 10; ibbat; Levit. 26, 13: mteöip und Numeri 10, 36: maan. (Von Ausnahmen wie Gen. 2, 12: 2,'in sei hier nicht die Rede.) Daß aber in den gewöhnlichen Ausgaben der heil. Schrift, wie auch in den unserer Gebetbücher die Verwendung des 8eb'wa murko^v nicht konsequent durchgeführt ist, beweist nur, daß die Editionen des -pn, nach welchen sich gewöhnlich auch die hebräische Orthographie unserer Gebetbücher richtet, grammatisch unverläßlich sind, wobei die Ausgabe von Letteris keine Ausnahme macht. Wissenschaftlich korrekt und maßgebend ist die Ausgabe der Thora von S. Baer und Franz Delitzsch, deren Vortrefflichkeit Professor Kautsch in seiner Herausgabe der hebräffchen Grammatik von Gesenius rühmend hervorhebt, wie auch die Psalm- Ausgabe von S. Bear. Und diesem bis nun unerreichten Textkritiker S. Bear und seiner kritischen Ausgabe des Gebetbuches folgte das Komitee des Vereines Esra bei der Herausgabe des Gebetbuches Köl Jakob. Daß wir aber unserem Gewährsmanne nicht überall blindlings und kritiklos folgten und uns manchmal gegen ihn entschieden haben, zeigte der Unterfertigte in seinem am 30. Dezember 1900 gehaltenen Vortrage über das Sidur Kol Jakob, welchem außer Sr. Ehrwürden Herrn Rabbiner Dr. A. S ch m i e d l die Herren Religionsinspektoren, einige Herren Religionsprofessoren der Mittelschule und einige Herren vom Vorstande beigewohnt haben. Uebrigens wird das Sch’wa ramkow auch in dem Gebetbuche von R. Fuchs, wenn auch etwas inkonsequent, und in seiner Ausgabe des Pentateuchs wie auch in dem Heideuheim'schen Gebetbuche verwendet. Ob nun die „in allen Gebetbüchern vorkommende" Leseart Q Iran ^'2w2l richtiger ist als T2W1. ist erst sehr die Frage. Während das Verbum nan in der heiligen Schrift meistens den Akkusativ mit oder ohne ritt regiert und die Konstruktion mit -2 von 2"^22 nur viermal vorkommt (Ehr. I. 28, 4; ibläem I. 29, 3; Ehagai 1, 8; Psalm 147, 10.) wird dieses Verbum in der Liturgie meistens mit -2 konstruiert. Daß aber nan ein doppeltes -2 verlangt, kommt nirgends vor, und ist T2W21 ganz wahrscheinlich aus Ttesvn entstanden, weshalb wir uns für die von Bear empfohlene und als richtig anerkannte Leseart entschieden haben. Wie korrupt aber die gebräuchlichen Texte sind und wie mächtig die Gewohnheit ist, die selbst bei Eingeweihten kein grammatisches Bedenken aufkommen läßt, ist aus der letzten Bemerkung unseres Kritikers zu ersehen, nach dessen Meinung „beispielsweise" die Hifil-Form n'^arn besser wäre als die Kal-Form naam (Kol Jakob, Seite 13, Zeile 11). Pardon, mein Herr! So leicht haben wir es uns bei der Herausgabe unseres Gebetbuches nicht gemacht. Der betreffende Satz heißt gewöhnlich aaanp n’aam arm "(njnmaa. Da aber arm (nicht Dten) Kal ist, so ist pp Subjekt des Satzes und das Präfix n bezieht sich auf das Subjekt pp, welches Körnen feminin ist. (Vergl. Sam. I., 2. 10. Psalm. 75, 11, 89. 18. 25, und 112 9.) Fügen wir nun dem ersten Prädikate n'aani (du wirst erhöhen) bei, dann wird plötzlich Gott zum Subjekt und pp zum Objekt. Ist dieser Nonsens überhaupt noch möglich? Und trotzdem existiert diese Lefeart und findet noch ihre Verteidiger! Es sind hier deshalb nur 2 Lesearten möglich, entweder ,Taam ana, wo beide Prädikate Hifil sind und Gott Subjekt ist, oder naam ann oder wo pp Subjekt ist. Wir aber haben uns mit Bear für die letztere Leseart entschieden, erstens, weil sie durch eine Parallelstelle in der 15. Benediktion des Achtzehngebetes “[runara ann rnpi gesichert erschemt, und zweitens, weil die Psalmenstelle, in welcher die Verba naa und an als Synonyme Vorkommen, beide Kal sind. Diese lautet tu ten X^i ’2b naa xa (Psalm 131, 1.) M. Stengel. Ikorrespondenzen. Herr Philipp Kieferndorf in Jerusalem. In Nummer 23 der „Oesterreichischen Wochenschrift" haben wir von Herrn Philipp Kieferndorf einen Artikel publiziert, welcher die Errichtung eines Institutes für Krankenpflegerinnen für Jerusalem und Palästina empfiehlt. Trotzdem wir, ehrlich gestanden, für den Herrn Einsender keine besonderen Sympathien hegen, nahmen wir keinen Anstand, den Artikel abzudrucken. Die Not an ausgebildeten Hospital- und Privatkrankenpflegerinnen ist in Palästina zweifellos sehr groß; in den sechs jüdischen Hospitälern zusammen befindet sich eine ausgebildete Pflegerin, in nichtjüdischen Krankenhäusern ist der Zustand nicht besser und von einer Haus- und Privatkrankenpflege, für welche besser gestellte Familien gerne zahlen, kann unter solchen Umständen gar kein Rede sein. Das eingeleitete Hilfswerk verdient umso eher die Beachtung und tatkräftige Unterstützung jüdischer Kreise, als dessen Wohltaten auch der zahlreichen jüdischen Bevölkerung von Jerusalem und Palästina zugute kommen würden, wie denn der türkische Stadtarzt und der staatliche Sanitätsinspektor dem Unternehmen zum voraus das weitgehendste Wohlwollen der Landesregierung zugefichert haben. Da überdies die jüdischen Aerzte in Palästina das Unternehmen unterstützen, so war das für uns Anlaß genug, dem Herrn Einsender des Artikels die Spalten unseres Blattes zu öffnen. Einige Wochen hierauf wurden wir von Brünn aus über die Person des Herrn Philipp Kieserndors in Jerusalem angefragt und wir erteilten in Nummer 43 die Auskunft: „Phil. Kieserndors ist ein protestantischer Miffionär." Daraufhin sendet uns Herr Ph. Kieserndors eine „Berichtigung", die derart umfangreich ist, daß von einem vollständigen Abdruck nicht die Rede sein kann. Der wichtigste Teil dieser Einsendung lautet: „Gegenüber einem, wie es scheint, besonders in jüdischen Kreisen weitverbreiteten Irrtum erklärt der Unterzeichnete hiemit also wiederholt, daß er außerhalb irgend einer staatlich etablierten und konzessionierten Kirche, und zwar in der kleinen, wackeren, mennonitischen Gemeinschaft in Leistadt, dreiviertel Stunden von dem Wohnorte des hochverdienten Bezirks-Rabbiners Dr. Salvendi in Dürkheim a. d. H., in der fröhlichen, sonnigen und weinreichen, vielbesungenen Rheinpfalz, in dem ausgezeichneten, seither nicht mehr wiedergekehrten Weinjahr 1865 geboren ist und nach Absolvierung seiner theologischen Studien in Basel und Jena und einem Kandidatenjahr in der Mennoniten- Gemeinde Danzig 5 Jahre lang die mennonitischen Gemeinden Monsheim bei Worms und Obersülzen bei Frankenthal als Prediger bedient hat, bis das gegenseitige Verhältnis wegen religiöser und lokaler Differenzen sich lösen mußte. Heute also steht der Unterzeichnete auch zu dieser seiner Muttergemeiuschaft in keinem äußerlich bindenden Verhältnis mehr, wenn er sich geistig auch noch in vielen Punkten unverhohlen zu der Geschichte, Lehre und Tradition dieser uralten bis in die Zeit der Entstehung und der Anfänge des Christentums hinauf-

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