Mannheim
Compact Memory

Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1905-08-11 · 32 (11.8.1905) · page 5

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
22 (1905)
Issue
32 (11.8.1905)
Date
1905-08-11
Page
– (sequence 5)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
94% known words query
IRI
…/3020846-3021602-3021635--14707-3039432
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

5 entity mentions

Nr. 32 Dr. Mocb's MocbenscvrM. Sette 501 daß die geringen Einnahmen, und fügen wir hinzu die großen Ausgaben des Aktionskomitees, diesem nicht gestatteten, die Palästinakommission mit dem Minimum der erforderlichen Mittel zu versehen. Die Leitung der Bewegung wird in die Hände eines Kleinen Aktionskomitees von 7 Personen gelegt. Die Leitung erhält einen besoldeten Generalsekretär, der am Ort des Präsidenten wohnen muß. Neben dem Kleinen Aktionskomitee fungiert ein Großes Aktionskomitee, das aus 21 Mitgliedern besteht. Das Große Aktionskomitee besteht aus den Herren Dr. Leopold Kahn, Dr. Kokesch, Kremenezky. Oskar Marmorek (als früheren Mitarbeitern Herzls), ferner aus Oesterreich: Dr. Schnirer, Prof. Dr. Weliminski, Dr. Goldwasser, Dr. Stand, Dr. Korkis. Ungarn: S. Bettelheim. Deutschland: Rechtsanwalt Dr. Bodenheimer, Dr. Friedemann, Rechtsanwalt Dr. Arthur Hantke, Berthold Feiwel. Italien: Dr. Felice Ravenna. Schweiz: Dr. Wormser (Basel). Belgien: Heinrich Grünau. Serbien: Dr. Alcalay. Bulgarien: Dr. Rimalowsky. Rumänien: S. Pineles, Dr. Moskowicz, Heinrich Rosenbaum. Vereinigte Staaten: Dr. Harry Friedenwald, Lewin-Epstein, Zolotkof, Cyrus Sulzberger, Dr. I. L. Magnus. Canada: Clarence de Sola Argentinien: Krenowicz. Süd-Afrika: Goldreich, Ingenieur Keßler. Australien: Vecht. Rußland: Dr. Tschlenow, Ingenieur Temkin, Scheinkin, Schmarje Lewin, Dr. Sapir, Rechtsanwalt Rosenbaum (Minsk), Dr. V. Jakobsohn, Slatopolski, Rabinowicz (Rostow), Leo Kohan, Bezalel Jaffe, Jdelsohn (Petersburg), Ingenieur Bruck, Rabbiner Rabinowicz, Isaak Goldberg, N. Sokolow. England: Josef Cowen, Sir Francis Montefivre, Dreyfus, Moser (Bradford), Dr. CH. Weizmann. Der Berichterstatter der „Frankfurter Zeitung" schreibt über die neue Kongreßleitung: „Doch sei nur noch ein Wort über die Geschäftsführung gestattet. Man hat solch parteiische Präsidenten wohl noch nie gesehen. Bei der Oltafrikadebatte mußte dein obiekiiven Beobachter unwillkürlich auffallen, daß, sobald ein Gegner des Ugandaprojektes sprach, man auf peinliche Ruhe bedacht war, redete aber ein Befürworter, so ging ein Gesumme im Saal, gegen welches einzuschreiten der Präsident sich nicht bemüssigt sah. Und wo in aller Welt läßt man Delegierte, deren Mandate angezweifelt sind, bei der Abstimmung über die Giltigkeit ihrer Mandate mitstimmen? Und wo entzieht man einem Redner, der darauf aufmerksam mache» will, das Wort? Nicht gegen die Majorität, sondern gegen die Geschäftsführung richtete sich in erster Linie mit Recht der Protest der Minderheit, und nicht diese hat an Sympathien eingerüßt, sondern die Mehrheil und ihre Präsidenten, mögen sie nun Marmorek oder Wolffsobn heißen. Es fehlte, wie gesagt, dem Kongreß, der parlamentarisch ganz ungeschult war. vor allem an der sachkundigen, gerechten und dadurch imponierenden Leitung. In der Schweiz, wo auch bie größten Volksversammlungen und die Landsgemeinden sich, vermöge der politischen Schulung des ganzen Volks, in Ruhe vollziehen, mußte das ganz besonders auffallen. Freilich hat es ja auch schon stürmische Landsgemeinden gegeben, aber seit Jahrzehnten nicht mehr. Ein sicheres Reglement, nach welchem die Verhandlungen zu teilen sind, und mit dem nötigen Präsidialtalent ausgerüstete Leiter würden dem Kongreß, sollte er wieder stattfinden, vielleicht doch den tumultuarischell Charakter nehmen, den er dieses Mal hatte." -i- . * Ein Teilnehmer des Kongresses richtet an die „Frankfurter Zeitung" folgende Zuschrift: „Der VII. Zionisten-Kongreß! Welch ein klägliches Ende nahm er. Mit von der frohesten Hoffnung geschwellten Segeln zogen wir in Basel ein; als Schiffbrüchige verließen wir es. Ein Nationalkongreß, ohne Nation! Seit dem VI. Kongreß nahm die Judennot Dimensionen an, wie sie nicht tragischer sein können. Man hätte billig erwartet, daß die Frage mindestens auf die Tagesordnung gesetzt werden würde. Aber nein! Als ob es keine Emigrationsfrage gäbe! Die Jndennot stand auf der Tagesordnung nicht. Wozu sollte aber dann der blutige Ugandakampf, gibt es ja doch keine Judenfrage! „Wir haben auf uns" sagte Wolffsohn, als er den Kongreß geschloffen, „eine schwere Verantwortung genommen." In der Tat schwer. Wie bitter enttäuscht werden die Zehntausende im Osten sein, die hoffnungsvoll auf den Ausgang dieses vielleicht letzten Kongresses blickten. Die ganze Schwere trifft aber hauptsächlich einen Mann, der es verstand, die Majorität an sich zu reißen. Gegen diese war dann jeder Kampf vergeblich. Dieser Mann, der den Kongreß beherrschte, ist der mehrfach auch in diesen Blättern genannte Herr Ussischkin. Unter den Gegnern Herzls war er der größte und erbittertste — aus rein persönlichen Motiven. Herr Uffischkin gehört einem Vereine an, „Freunde Zions" genannt, der sich vor etwa 20 Jahren in Rußland zu dem Zwecke gebildet hat, um in Palästina Ansiedlungen zu gründen. indessen hat dieser Verein in der ganzen Zeit seines Bestehens blutwenig geschaffen, und das Wenige wollte auch nicht recht gedeihen. Inzwischen trat der Herzl'sche Zionismus auf, welchen zumal die große Masse osteuropäischer Juden mit unbegrenzter Begeisterung aufnahm. Vorderhand hatten nun die „Freunde Zions" nichts mehr zu tun. Neben einer so gewaltigen Aktion, wie sie Herzl sich vorzeichnete, war es ja lächerlich, sich noch weiter mit Kleinkolonisation zu befassen. Das Volk mochte es gar nicht. Ussischkins Ehrgeiz, der nach Taten durstete, vor Herzl jedoch das Feld räumen mußte, war tödlich verletzt. Das forderte Rache. Zwei erwünschte Gelegenheiten boten sich ihm dazu dar. Zunächst die Enttäuschung, die Herzl in Konstantinopel vor dem VI. Kongreß erfuhr. „Zurück zur alten Methode"!, dachte Uffischkin. Gedacht - getan. Ja, er tat noch mehr. Eines schönen Tages tauchte er in Begleitung einiger Parteigänger in Palästina auf und ließ verkünden, daß er jeden, der eine gewisse Steuer entrichtet, zum Kolonisten machen wird. Aller Herzen jubelten ihm entgegen, und aller Hände drängten sich mit ihren Gaben an ihn heran, umso mehr, als er heilig versicherte, daß er im Aufträge (!) Herzls handle. Hierauf ließ Ussischkin einen Kongreß einberufen, besten Eröffnung zusammenfiel mit der Eröffnung des Kongreffes in Basel. Herzl präsidierte dem Kongreß in Basel, Ussischkin dem in Palästina. Herzl zerbrach sich den Kopf, wie nach Palästina kommen. Uffischkin war schon mit seinem Parlamente drinnen. Ja, noch mehr. Indem ein Dutzend Normallehrer zu Profefforen graduiert wurden, hat Herr Ussischkin mit einem Schlage Parlament und Hochschule im heiligen Lande geschaffen. Die zweite und erwünschtere Gelegenheit war Herrn Ussischkin das Ugandaorojekt. Die Annahme desselben zerstört ja sein ganzes, so mühsam aufgebautes Werk. Länger vermochte er nicht an sich zu halten. Er trat als öffentlicher Gegner Herzls auf. Aber gerade dieses maßlose Auftreten brachte ihn um seine ganze Popularität im heiligen Lande. Nicht so in Rußland. DaS bewies der VII. Kongreß. Ob die neue Organisation der Territorialisten, völlig ohne Mittel und von geringem Einfluß, etwas gegen ihn ausrichten wird, ist zumindest zweifelhaft. Unpolitisch war es, daß die Schöpfer dieser Organisation aus der Bewegung ausgetreten sind. Ob aber Herr Ussischkin, den die große Emigration völlig kalt läßt, imstande sein wird, einen jüdischen Staat ohne das jüdische Volk auf- ,'.»richten — von diesem Wahn wird ihn die Zukunft heilen. Leider, fürchte ich aber, daß es zu spät sein wird. F r a n k f u r t a. M. Dr. G r ü n h u t aus Jerusalem." Dom Jahrmarkt des Lebens. Gloffen zur Tagesgeschichte. (Eine Dichtung Verganis. — Der übervorteilte Leser. — Auch Verganis Villa ist zaubergewaltig. — Nach eigenen Plänen! — Das sichere Rezept. — Das sinnigeMarterl. — Die ch r istlich e Nächstenliebe. — Etwas vom Gei st und der Moral. — Abgesehen von der moralischen Seite. — WasDr.Lueger nrcht mehr wegbringt.) Das muß doch niedriger gehängt werden. Vergani hat für sein „Deutsches Volksblatt" einen Artikel gedichtet, und zwar augenscheinlich selber gedichtet, also abweichend von seiner sonstigen Gepflogenheit bei Abfassung von „Reisebriefen". Hier der Artikel: Dr. Lueger in Emmersdorf. Dr. Lueger fuhr mit seinen Begleitern zur Villa Vergani, woselbst Herr Vergani mit seiner Gemahlin und den Mitgliedern der Familie sowie Gemeinderat Schwer die Gäste empfingen und in herzlichster Weise begrüßten und in den Garten geleiteten, von dessen Terrasse sich ein herrlicher Ausblick auf Melk und die vielbesungene, sagenumwobene Wachau eröffnet. Noch vor fünf Jahren war jene Stätte, an der sich heute die „Villa Vergani" mit der Dependance „Villa Emma" und der „Antisemitenwarte" erhebt, ein zerklüftetes, von Riedgras und Gestrüppe umwuchertes Felsterrain. Heute erhebt sich an jener Stätte ein nahezu ein Kilometer langer blumenreicher Garten, in dem das seltenste Edelobst gedeiht, und der insbesonders im Frühjahre zur Blütezeit einen herrlichen Anblick bietet. Eine fünf Meter hohe Kaimauer schützt die Kulturen vor den Ueberschwemmungen des Donaustroms, der in breiten Wellen majestätisch knapp am Fuße der Villa vorbeirauscht. Mächtige Felspartien, von Epheu überwachsen und überragt von Nadelhölzern, flankieren die Villa, die, im geschmackvollen Stile erbaut, schon von weitem jedem Besucher der Wachau ein freundliches „Willkommen" bietet. Und so wie bei den beiden Toren, die zu dieser reizenden Villeggiatur führen, ein Marterl, das das Bild des Heilandes am Kreuze mit der Inschrift trägt: „Die Unduldsamkeit der Juden hat Jesu, den Prediger der Nächstenliebe, aus Kreuz geschlagen. Merkt es Euch, Ihr Christen!" bei dem Wanderer über die Gesinnung des Eigentümers dieses Herr-

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.