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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1905-08-11 · 32 (11.8.1905) · page 4

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
22 (1905)
Issue
32 (11.8.1905)
Date
1905-08-11
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Güte 600 Dr. Llocd's MocbenscbrM. dir. 8 werden wir erst wieder Juden! Nur dann können wir hoffen, daß der große Moment ein würdiges Geschlecht finden wird — nicht Zionisten, die keine Juden, und Juden, die nicht mehr Zionisten sind, sondern das ganze intellektuelle Juda, um in politischer Reife und nationaler Begeisterung mutig sein Geschick in die Hand zu nehmen. Und wenn dann das Gesetz, neu eingegraben in die Herzen eines jeden Einzelnen, sein nationales Erziehungswerk vollbracht haben wird, dann wird das sittlich-freie Volk auch den Mut zur nationalen Freiheit, zur politischen Selbstständigkeit wieder finden und sein Zionsrecht durch die „Zedokoh" seiner Mitglieder sich wieder erkämpfen. Das ist die große Lehre des VII. Kongresses. Unser aller Aufgabe aber ist es, an der uns gestellten großen Kulturarbeit mitzuwirken. Historicus. Die Spaltung im Zionismus. In Basel ist es zu einer charakteristischen Spaltung im zionistischen Lager gekommen. Die von dem Londoner Schriftsteller Zangwill geführte Minderheit verließ den Sitzungssaal, weil die Mehrheit das Anerbieten der englischen Regierung, welche einen Landstrich im Ugandagebiet zu jüdischen Kolonisierungsarbeiten zur Verfügung stellen wollte, verwarf und das zionistische Programm auf Palästina zu beschränken beschloß. Die in unserem Berichte erwähnte, von dem Kongreß beschlossene Resolution gegen den Territorialismus hatte folgenden Wortlaut: 1. Der VII. Zionistenkongreß erklärt: Die zionistische Organisation hält an dem Grundprinzip des Baseler Programmes, das „die Schaffung einer öffentlich-rechtlich gesicherten Heimstätte für das jüdische Volk in Palästina" erstrebt, unerschütterlich fest und lehnt — sowohl als Zweck wie als Mittel — jede kolonisatorische Tätigkeit außerhalb Palästinas und seiner nächsten Nachbarländer ab. 2. Der Kongreß beschließt: Der Regierung Seiner britischen Majestät für das Angebot einer Territoriums in Britisch-Ostafrika zum Zwecke der Etablierung einer jüdischen Siedelung mit autonomen Rechten den tiefgefühlten Dank auszusprechen. Nachdem eine Kommission zur Erforschung des Territoriums ausgesendet wurde und Bericht erstattet hat, beschließt der Kongreß, daß sich die zionistische Organisation mit dem Vorschläge nicht weiter befaffen kann. Der Kongreß nimmt mit großer Genugtuung die Anerkennung zur Kenntnis, welche die britische Regierung in ihrem Streben, eine Lösung der jüdischen Frage herbeizusübren, der zionistischen Bewegung zu Teil werden ließ, und spricht die Hoffnung aus, daß ihr die guten Dienste der britischen Regierung auch dort zu Teil werden, wo zugleich eine Uebereinstimmung mit dem Baseler Programm erzielt werden könnte. 3. Der VH. Zionistenkongreß bringt in Erinnerung und betont, daß laut § 1 des zionistischen Organisationsstatutes die zionistische Organisation diejenigen Juden umfaßt, welche sich mit dem Baseler Programm einverstanden erklären. * * * Die Führer der Territorialisten und politischen Zionisten überreichten dem Präsidium des Kongresses einen schriftlichen Protest gegen die Rechtsgiltigkeit der Kongreßbeschlüsse. Der VII. Baseler Kongreß sei durch die ungesetzlichen Wahlen seiner russischen Delegierten in seinem Bestände illegal und seine Beschösse seien darum ungiltig und rechtsunwirksam. Ueberdies verstoßen diese Beschlüsse gegen die Grundprinzipien des Baseler Programmes. Die Verfasser und Unterzeichner des Protestes ersuchten das Präsidium, von dem Inhalte dem Kongresse Kenntnis zu geben. Der Präsident, Herr Dr. N o r d a u erklärte es für unmöglich, diese Protestkundgebung von der Kongreßtribüne verlesen zu lassen. Dr. K a l m u s - Hamburg, Rechtsanwalt Gronemann- Hannover, Dr. Jeremias - Posen, Dr. C i t o n - Berlin, Dr. Kolleuscher - Posen ließen ein Flugblatt verteilen, in dem auch eine Ansiedlung außerhalb Palästinas für wünschenswert und im Sinne Herzls erklärt wird. Also eigentlich ein territorialistisches Bekenntnis, das auch bei den Partei- Fanatikern Widerspruch hervorrief. In der Sitzung vom 1. August interpelliert Dr. Magnus das Präsidium wegen eines Flugblattes, das von Herrn Dr. Gronemann und 4 anderen Herren gezeichnet ist. Dr. Gronemann gibt die Erklärung ab, daß gegen sein Wissen das Flugblatt im Kongresse verteilt worden sei. Dagegen sei es allerdings richtig, daß sich innerhalb der Kongreßpartei eine Opposition gebildet habe, die wahrscheinlich den Namen „Herzlklub" annehme. Diese Opposition wird keine gesonderte Organisation eingehen, sondern Diskussionsklub und freie Vereinigungen bilden. Ihr Standpunkt ist, daß die Schaffung einer nationalen Autonomie außerhalb Palästiuas das beste Mittel sei zur Erlangung Palästinas als Endziel. Sie nimmt das von der Palästina-Kommission ausgearbeitete Arbeitsprogramm an und fügt sich im Interesse einer strammen Organisation den Beschlüssen des Kongresses. Ihr Bestreben ist dahin gerichtet, ihrem territorialistischen Programm auf dem nächsten Kongreß mit allen parlamentarisch zulässigen Mitteln zum Durchbruch zu verhelfen. Diese Neubildung rechnet auf den Zuzug von 80—90 Perzent aller deutschen Zionisten; sie erhofft noch Stärkung durch die österreichischen Zionisten. * In der Abendsitzung vom Dienstag kam es zu einer Huldigung für die Schweiz. Präsident Dr. Max Nordau erinnerte daran, daß am 1. August die schweizerische Eidgenossenschaft ihre Bundesfeier begehe als dem Tag des Schwures in Brunnen, der die Freiheit und Unabhängigkeit schuf. Bei diesem Anlaß müsse der Kongreß die Gelegenheit benutzen, dem schweizerischen Volk seine Sympathie auszudrücken. Mit dem Wunsch, es möge dem Schweizer Volke noch lange die Unabhängigkeit erhalten bleiben und in nicht allzu ferner Zeit das jüdische Volk Gelegenheit haben, die Feier des Tages zu begehen, an dem seine Freiheit den Anfang nahm, schloß Nordau seine Rede, die stehend angehört wurde und der begeisterte Hochrufe, minutenlanges Händeklatschen und Tücherschwenken folgte. Die deutschen Kongreßteilnehmer richteten folgendes Telegramm an den Deutschen Kaiser. An des Kaisers Majestät, Berlin, Schloß. Die in Basel versammelten deutschen Zionisten senden Seiner Majestät ihren untertänigsten Huldigungsgrus; mit der Versicherung ihrer unverbrüchlichen Treue für Kaiser und Reich. Dr. Bodenheimer. Antwortstelegramm. Basel de Cadinen, Schloß 456 39/38 27/7 12/54. An den Vorsitzenden des Zionistenkongresses Herrn Dr. Bodenheimer, Hotel Univers., Basel. Seine Majestät der Kaiser haben den Huldigungsgruß der deutschen Zionisten gern entgegengenommen und lassen dafür danken. Im Allerhöchsten Aufträge, von Tschirky, Königl. Gesandter. * * * Dr. Nordau hat den Schluß des Kongresses nicht abgewartet, sondern verließ Dienstag Abend Basel, was in den verschiedensten Parteikreisen vielfach kommentiert wurde. Bon den weiteren Beschlüssen sind zu erwähnen: Die Nationalbibliothek wurde vom Nationalfonds übernommen und erhält eine jährliche Subvention von 4000 Frcs. Für eine Herzlstiftung in Palästina sind 993 Pfund, für das Nationalgeschenk an die Kinder Herzls 8000 Pfund bewilligt worden. Die Familie Herzls erhält außerdem 10 Jahre lang ein jährliches Ehrengehalt von 4000 Kronen. Die Bilanz des zionistischen Aktionskomitees belief sich auf 140.190°51 Frcs., von denen 137.07T62 Frcs. Schekelbeiträge für zwei Jahre waren. Die Ausgaben sind sehr bedeutend. Die Unterhaltung des Bureaus in Wien hat 32.652-40 Frcs., das Konto „Presse" hat 29.541'87 Frcs. erfordert. Für Reise und Agitation sind 54.412'62 Frcs. daraufgegangen. Endlich wurden noch 11.537'82 Frcs. speziell für die Agitation in den Vereinigten Staaten ausgegeben. Unter diesen Umständen war es dem Aktionskomitee nicht möglich, die Ansprüche der in Berlin unter Leitung des Prof. Marburg stehenden Palästina-Kommission, die sich auf ein Minimum von 15.000 Frcs. jährlich belaufen, zu befriedigen. Mit Recht beschwerte sich Prof. Marburg darüber,

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