Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 22 (1905)
- Issue
- 32 (11.8.1905)
- Date
- 1905-08-11
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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Svette 498 Dr. Llocb's Mocdenscbritt. Nr 32 ihr Leben aufs Spiel setzen, ein außerordentlich hoher ist. Das spricht doch mehr für die körperliche Tauglichkeit als für die Minderwertigkeit. Weiter: Der Gentleman-Champion von England in der Arbeit mit dem Schwergewichte heißt Sir Edward Lawrence L e v y. So ein Championtitel ist nicht käuflich, er kann auch nicht huldvoll verliehen, er muß in hartem Kampfe errungen werden. Mr. L e v y, übrigens ein reicher Mann und der wohlwollende Protektor aller Professional-Athleten in London, pflegt insbesondere die Dauerarbeit mit dem Schwergewichte. Mit dieser hat er sich den Meistertitel in öffentlicher Konkurrenz erkämpft, und in ihr hat er Rekords aufgestellt, die deshalb Rekords sind, weil sic noch niemals von irgend einem Amateur- Athleten erreicht worden sind. Man kann also Levy heißen und doch koloffal stark sein. In Wien lebt der Träger der Weltmeisterschaft Wilhelm Türk, ein Riese an Kraft und Ausdauer. Er hat es hundertmal bewiesen und kann es täglich beweisen, daß unter all den sogenannten stärksten Männern der Welt keiner auf den Beinen ist, der es ihm in seinen Arbeiten gleichtun könnte. Er ist eben Inhaber einer Reihe von Weltrekords, und das sagt alles. Türk ist kein Jude, aber es verdient, an dieser Stelle vermerkt zu werden, daß sich unter den außerordentlich wenigen Menschen, die sich an ihn heranwagten, um ihm ff eine Weltmeisterschaft streitig zu machen, auch ein junger jüdischer Schloffergeselle Michael Mayer befand. Michael Mayer hat den Altmeister nicht geschlagen. Er war nicht in Form, als er zum Termin antrat, und hatte zudem unter einer schmerzhaften offenen Wunde zu leiden — eine Verschiebung des Kampfes nach seinem Willen war unzulässig, da der Termin offiziell wochenlang vorher bestimmt war. Er hätte wohl auch in voller Form Türk nicht geschlagen, wie ich denn überhaupt zweifle, ob er oder wir es noch erleben werden, daß seine verschiedenen Weltrekords, 136 Kg. rein gestemmt usw., fallen, aber es will doch schon etwas heißen, daß der Judenjunge Michael Mayer nicht ausgelacht worden ist. Trotz der ungünstigen Umstände behauptete er sich mit Ehren, und man wußte in Fachkreisen, daß seine in guter Kondition gezeigten Leistungen ihm die Berechtigung verschafft hatten, eine Herausforderung an den Weltmeister ergehen zu lassen. Wenden wir uns anderen athletischen Gebieten zu. Der gewesene Inhaber der Meisterschaft von Europa im Radfahren, der Meisterfahrer des deutschen Sprachgebietes, Meisterfahrer von Böhmen, Ungarn u. s. w., Maxime L u r i o n, ist Jude. Die beiden Olympia-Sieger bei den Wettkämpfen in Athen im Schwimmen, Paul N e u m a n n und Otto Herschmann, sind Juden. Der Meisterschwimmer von Oesterreich über lange Distanzen, Otto Wahle, der über kurze, R u b e r l, sie sind Juden. Der ausgezeichnete Schwimmer Simon O r l i k ist nach seiner Abstellung zum Militär als Schwimmmeister an der Wiener Militär-Schwimmschule kommandiert worden. Er ist Jude, und Juden sind die Rekordträger im Tauchen und im Plumging in Wien. Sonntag den 6. August 1905 fand das Internationale Wettschwimmen des Wiener Athletiksport-Klub statt. Das Hauptevent des Tages, der Dianapreis, wurde von Leo Mayer im 804 Meter-Lauf erobert. Auch die Meilen-Meisterschast fiel nach hartem Kampfe an Leo Mayer zu. Man forsche in den Turnvereinen in Wien nach, soweit sie nicht judenrein sind, die tüchtigsten Leute, die auch von auswärts die meisten Preise heimgebracht haben, sind Rosenfeld, Popper, Prager rc., durchwegs Juden. Man forsche weiter in den Athletik-Klubs unter den Läufern, Fußball- und Tennisspielern, unter den Fechtern, man klopfe an, wo man will, man wird sie scharenweise finden die Vertreter des Judentums, die sich rühmlich hervortun, weit über den Perzentsatz hinaus, der nach dem statistischen Wittd auf sie fiele. Und wenn dem so ist, wie will man dann noch das Axiom von der körperlichen Minderwertigkeit der Juden aufrecht erhalten?! Natürlich hat jede Wirkung ihre Ursache, und so hat es auch seinen Grund, daß jenes Axiom auf- und angenommen worden ist. Ich glaube, daß hier das Motiv aus einer Begriffsverwirrung hervorgegangen ist. Man fieht im allgemeinen mehr jüdische Verkümmerung und mehr jüdisches körperliches Elend, als die Statistik zu fordern ein Recht hätte, und daher die Meinung, die aber darum nicht richtiger wird. Was wir da sehen, ist nicht die körperliche Minderwertigkeit des Judentums, sondern die Armut, die Angst, die Sorge, die Unterernährung. Geht ins Erzgebirge oder sonst in eine Hungergegend, und Ihr findet dort ebenso eine traurige körperliche Minderwertigkeit des Christentums. Für das Judentum ist die ganze Welt eine Hungergegend und jedenfalls eine unwirtliche Gegend. Natürlich! Es werden mir wieder die gemästeten jüdischen Bankiers und die prassenden Börseaner vorgehalten. Abgesehen davon, daß die Börseaner schon seit beträchtlicher Zeit nicht mehr prassen, sei zum Ueberflusse noch einmal darauf hingewiesen, daß es ein altes Unrecht ist, ein ganzes Volk zu beurteilen nach gewissen Ausnahmserscheinungen, die immer nur auf der Oberfläche großstädtischer Strömungen sichtbar werden. Nicht, was so auf der Oberfläche schwimmt, charakterisiert das Judentum und die Judennot, nicht die oberen Zehntausend, sondern die unteren Millionen, die in Galizien, in Rußland, in Rumänien ihr gedrücktes Dasein hinschleppen. Dort herrscht neben allem anderen auch viel körperliches Elend, aber das ist, es sei wiederholt, nicht das typische Elend eines Volkes oder einer Rasse, sondern der jammervollen Armut. Wo immer in der Welt der Pauperismus auf den Massen lastet, machen sich genau dieselben Erscheinungen auch körperlicher Entartung geltend. Das kann gar nicht anders sein. Ueberblickt man all diese Verhältnisse genauer, dann wird man sogar zu einer dem landläufigen Axiom von der Minderwertigkeit entgegengesetzten Meinung gelangen. Man wird finden müssen, daß das keine schlechte Rasse sein kann, die eine solche Zähigkeit im Ertragen von Hunger und Not bekundet hat und die nach einem mehrtausendjährigen Tschandala-Dasein nicht noch ärger heruntergekommen ist. Es gibt kein Beispiel dafür, daß ein Volk eine größere, auch physische Widerstandsfähigkeit an den Tag gelegt hätte. Die Einwendung, daß körperliche Minderwertigkeit auch bei vielen bemittelten Judenfamilien nachzuweisen ist, ist nicht geeignet, das schiefe Axiom in seiner Allgemeinheit zu stützen. Auck dabei ist nichts typisch Jüdisches. Häufiger als bei anderen Stämmen ergibt es sich beim jüdischen, daß einzelne Individuen durch natürliche Intelligenz und Begabung sich aus tiefster Armut rasch zu ansehnlichem Besitze emporarbeiten. Die Kinder können da nun wohl den Besitz erben, aber der Fluch der bitteren Armut der früheren Generationen bleibt auf ihnen haften. Dafür kann die Rasse als solche nichts; das ist bei allen so. Reich mögen ja auch die Ursprungselemente der besitzenden Klassen anderer Völker nicht gewesen sein, aber es ist denn doch ein Unterschied zu machen zwischen den Lebensumständen eines selbst armen landläufigen Bauerngeschlechtes und jenem eines überall gehetzten ungeheuren Proletariats in der weiten Diaspora. Und noch eins. Die Kultur, die Leben und Blüte schafft, sie zerrüttet auch. Sie fordert ihren Preis, der teuer ist; sie geht auf die Nerven, die sie verfeinert und damit verschlechtert. Die Kultur bringt die Völker in die Höhe und sie bringt sie wieder herunter. Auch sie hat ihre Lebensalter und auch ihr bleibt der senile Marasmus nicht erspart. Die besseren, weil jüngeren germanischen Nerven haben über die romanische Kultur gesiegt. Wer weiß, ob nicht die Zukunft dem slavischen Elemente gehört, und ob dieses dann nicht wieder einer neuerlichen Invasion aus Asien zum Opfer fallen wird? Wenn einmal die Pforten der chinesischen Mauern sich auftun und die große Ausschüttung erfolgt — es wäre muffig, sich das Zukunftsbild auszumalen. Man wird unwillkürlich zu den Abschweifungen verleitet, wenn man sich vor Augen hält, wie die uralte jüdische Kultur bei allen weltgeschichtlichen Umwälzungen sich gewissermaßen so zwischendurch erhalten hat. Sie hat sich erhalten, aber es konnte nicht geschehen, daß sie ohne Einfluß blieb auf die Nerven ihrer Bekenner. Die alte Kultur und das alte Elend haben gerissen an den jüdischen Nervensträngen, und manches eigene Verschulden kam hinzu. Nirgend sonst ist die verhängnisvolle, beklagens- und verdammenswerte Heirat unter Verwandten so in Schwang, wie bei den Juden. Der Mißstand mag seine psychologische und materielle Begründung haben, zu verurteilen ist er dennoch. Er