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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1905-08-11 · 32 (11.8.1905) · page 1

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
22 (1905)
Issue
32 (11.8.1905)
Date
1905-08-11
Page
– (sequence 1)
Language
German
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Centralorgsn für die gefsmmten Interessen des Iudenthums. loch’s I«hr§«»-XXII Wie«. 11. August 1905. Erscheint jeden Freitag. -4 - Brief-Adresse: Wien, IX/1, Berggasse SS. Teteqramm-Adresie: Bloch's Wochenschrift, Wien. »ezugsprri» für Srstrrrrdh: Halbjährig 8 Krone». Einzelexemplare 50 Heller. Für'» M«»l«adr Halbjährig 10 Krone». Ganzjährig 20 , Anzeigen: Die 4mal gespaltene "rt.tzeile 24 Heller. - - IS. ft. Postsxarraffrn-Arnt Clearing -Verkehr Nr. 610.976. Lrdsrlion und FidminiyrnNon: w Wien IX/1, Berggasse Nr. 39. Talophon Nr. 14.847. Inhalt: Leitartikel: Die körperliche Minderwertigkeit der Inden. — Sind wir noch Zionisten? — Die Spaltung im Zionismus. — Vom Jahrmarkt des Lebens: Glossen zur Tagesgeschichte. Das Gebetbuch „Köl Jakob". — Korrespondenzen: Herr Philipp Kieferndorf in Jerusalem. Eine Erinnerung an Eduard Hanslick. Vom mährischen Landcsrabbinate. Slatina. Ein neues Judengesetz. — Vermischtes: Wien, Krems a. d. D., Karlsbad, Agram, Pohrlitz, Wottitz, Königgrätz. — Feuilleton: Ein Dreigestirn ohne Licht und Wärme. — Literatur. — Neue Bücher. — Briefkasten. — Inserate. Me körperliche Minderwertigkeit der I«de«. Die suggestive Kraft der Wiederholung hat sich auch hier bewährt. Es ist eine ausgemachte Sache: Die Juden sind körperlich minderwertig. — Es nichts dazu zu bemerken, wenn man dem Satze nur in antisemitischen Zeitungen und Büchern begegnete, da brauchte man sich nicht dabei aufzuhalten — man legte es zu dem übrigen. So steht es aber nicht. Ich habe jüdische Schriftsteller gelesen und jüdische Redner gehört, die zur Begründung ihrer Propaganda für die körperlichen Uebungen davon ausgingen, daß bekanntlich und anerkanntermaßen die Juden in körperlicher Hinsicht hinter den Ariern zurückstehen, und daß darum etwas geschehen müsse. Dieses „bekanntlich" hat mir niemals imponiert. Ich bin nämlich, wenn es sein muß, auch Journalist, und da weiß ich sehr gut, wie man damit, um die Leute zu verblüffen, famos die Parade aufzichen kann. Es kostet nicht viel und macht sich ausgezeichnet, aber ich wenigstens falle darauf nicht mehr herein. Und so will ich es denn auch hier meiner Ueberzeugung gemäß nur ruhig aussprechen: Der Satz ist falsch. Mit der Ueberzeugung allein ist es aber hier nicht getan — ebenso wird der Kandidat, der dem Professor sein Ehrenwort gibt, daß der Mond bewohnt ist, kein Glück damit haben — sie muß auch begründet werden. Das wollen wir nun versuchen und zudem noch einige sachliche Bemerkungen Vorbringen, die vielleicht dienlich sein werden zur Klärung der ganzen Angelegenheit. Dabei möchte ich mir die Freiheit nehmen, auf einen Artikel hinzuweisen, den ich vor einigen Wochen unter dem Titel „Die Feigheit der Juden" an dieser Stelle veröffentlicht habe. Wenn ich den als bekannt voraussetzen darf, wird in Nachstehendem manche Entwicklung erheblich kürzer ausfallen können, ohne deshalb unverständlich zu werden. Ich bin also so ftei. Sehen wir uns diese Fable convenue von der körperlichen Minderwertigkeit der Juden etwas näher an. Worauf stützt sie sich, und was wird zu ihrer Begründung angeführt? Dieselbe Verlegenheit, die sich so oft einstellt, wenn gewisse allgemein anerkannte Sätze begründet werden sollen. „Aber das weiß doch jeder!" Als ob Jrrtümer jemals davor gefeit gewesen Wären, Verbreitung zu gewinnen. Die Statistik, sonst das beliebteste Beweismittel in solchen Fällen, läßt uns hier im Stiche. Sie kann beweisen, daß die Norweger körperlich größer sind als die Ungarn, die Deutschen größer als die Italiener oder Franzosen; sie kann gewisse Unterschiede feststellen zwischen Orient und Occident und zwischen der arischen und der semitischen Raffe, aber die Größe ist beiweitem nicht ausschlaggebend, wo es sich um Wertung nach Kraft, Geschicklichkeit und Ausdauer handelt. Kommt es auf die Leistung an, so läßt uns die Statistik erst recht im Stiche. Diese könnte es zwar ermöglichen, einen Durchschnitt zu ermitteln, aber man weiß, daß der Durchschnitt ein unzuverläßliches Mittel ist, zu einem sicheren Urteile zu gelangen. Wenn die Statistik beweist, daß die Menschen durchschnittlich dreißig Jahre alt werden, so wird sie vielleicht ebenso leicht beweisen können, daß gerade die Dreißigjährigen das Wenigste dazu beitragen, der Statistik zu ihrem Durchschnitte zu verhelfen. Es wäre aber immerhin etwas, nur haben wir leider kein Mittel, auch hier den Durchschnitt zu erforschen. Wir müssen uns also an die Höchstleistungen halten, die, zumal sie durchaus nicht nur in sporadisch vereinzelten Fällen in die Erscheinung treten, keine schlechtere Unterlage für ein Urteil bieten, als der Durchschnitt, auf den wir übrigens später noch zu sprechen kommen werden. Es ist nur gerecht, einen Menschen nach seiner Höchstleistung zu beurteilen, sei sie welcher Art sie sei, und dasselbe gilt dann von Stämmen und von Raffen. Wenn wir nun die körperliche Leistungsfähigkeit der Juden in Betracht ziehen, so wollen wir von allem historischen Materiale absehen und nur die Gegenwart ins Auge fassen. Fürs Gewesene geben nämlich auch die anderen nichts, und es handelt sich darum, einer gegenwärtigen Not zu begegnen, der verächtlich spöttischen Geringschätzung, die nicht begründet ist, und der Verzagtheit auf der anderen Seite, die ebensowenig ihre Begründung hat. Die Wahrheit ist, daß die Juden auf allen Gebieten der Betätigung der körperlichen Kraft, Geschicklichkeit und Ausdauer ihren Mann stellen, daß sie auch da ganz Hervorragendes leisten und von keinem anderen Volke und keiner anderen Raffe übertroffen werden. Begründung: Wer Gelegenheit gehabt hat, sich ein wenig in den Kreisen des internationalen Artistentums umzutun, der weiß, daß der Perzentsatz der Juden unter den Athleten und den Akrobaten, die im Vertrauen auf ihre Kraft und Geschicklichkeit allabendlich

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