Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 22 (1905)
- Issue
- 31 (4.8.1905)
- Date
- 1905-08-04
- Page
- – (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
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’Jtr. 3i Sette 495 Dr. Bloch's Wochenschrift. wirst Du auch mich befreien von dem Jammer und der Qual des Daseins, mich von der traurigen Warte des Lebens ablösen?!" * * * Und der gute Gott hat auch ihn abgelöst. Als wir einige Monate später uns eines Sabbaths in der Synagoge zum Beten versammelten, fanden wir ihn auf seinem Stammplatze, auf der Bank bei dem Ofen, hingestreckt liegen, angetan mit der zerschlissenen Atlaspakische, die altersgraue, abgerissene Sabbathmütze auf dem Haupte und hinter demselben sein kleines Bündelchen als Kopfkissen. Er lag mit geschlossenen Augen, seine Lippen umspielte ein seliges verklärtes Lächeln, kein Zug in seinem Gesichte war entstellt, nur schien dasselbe etwas blasser als gewöhnlich. Wir glaubten, er schlafe nur, allein wir vermochten ihn aus diesem Schlafe nicht mehr aufzuwecken, denn es war jener süße, lange Schlaf, nach den er sich so viele lange Jahre gesehnt hatte — Gott hatte ihn von der traurigen Warte des Lebens abberufen. Das Bündelchen, das immer sein Kopfkissen bildete und das auch jetzt hinter seinem Haupte zu sehen war, enthielt seine Sterbekleider. Tags daraus ging die ganze Gemeinde, Alt und Jung, hinter seiner Bahre, die wir, seine Meistvertrauten, abwechselnd bis auf den Friedhof aus unseren Schultern trugen. Dort senkte man ihn neben seinen Teueren, denen sein heißes Sehnen und Gedenken all' die Jahre gegolten, in die kleine, schmale Grube, die, wie er immer zu sagen Pflegte, Raum genug in sich hatte, den riesengroßen Jammer eines ganzen Lebens aufzunehmen. Und als sie sich über ihm schloß, die kleine, schmale Grube, da stimmte der Vorbeter mit tief ergreifender Stimme das Totengebet an, das wir so oft aus seinem Munde vernommen: „Gott ist voller Barmherzigkeit!" Noch nie habe ich diese Worte wie diesmal verstanden und auch noch nie war ich in meinem Herzen mit ihnen so ausgesöhnt wie diesmal. Ja, Gott ist voller Barmherzigkeit und alle seine Wege find gerecht! Ach, wie manchem Unglücklichen in diesem Leben erscheint der Tod als ein guter, milder, barmherziger Erlöser! Neue Bücher. Dr. M. Braun. Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums. Begründet von Dr. Z. Frankel, Organ der Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaft des Judentums. Verlag von Wilh. K o e b n e r, Breslau. Heft 5./6. Mai—Juni 1905. Inhalt: D.Feuchtwgng: Assyriologische Studien. S. Eppenstein: Beleuchtung einiger neuerer Emendationsversuche im Alten Testament. I. S ch u l tz e : Geschichte der Familie Wallich (Fortsetzung.) A, Ackermann: Der märkische Hostienschändungsprozeß vom Jahre 1510 (Schluß.) Moritz Steinschneider: Mathematik bei den Juden (1551—1840) (Fortsetzung.) Jacob Guttmann: Ueber Jeyn Bodin in seinen Beziehungen zum Judentum. Ludwig Geiger: Mendels:ohniana. Besprechungen: C. B r o ck e l m a n n, Verzeichnis der arabischen, persischen, türkischen und hebräischen Handschriften der Stadtbibliothek zu Breslau. Von W. Bacher. Dr. I. R ü l f. Metaphysik, Wissenschaft der Gotteseinheit. Von I. Lewkowitz. M. Steinschneider, Die arabische Literatur der Juden. Von Eppenstein. Ludwig L e v y: Kurze Mitteilungen. M. B r a n n: Bibliographische Uebersicht. Zeitschrift für Demographie und Statistik der Inden. Herausgegeben vom Bureau für Statistik der Juden, Berlin-Halensee, Westfälische Straße 46. Redaktion: Dr. Arthur R up p i n. I. Jahrgang. Heft Nr. 7. Juli 1905. Inhalt: I. Abhandlungen. M. Lawin, St. Petersburg: Die ökonomische Lage der jüdischen Kolonien in Palästina. B. Goldberg, Wilna: Ueber die sprachlichen Verhältnisse der Juden Rußlands (Schluß.) Doktor Arthur Ru pp in, Berlin: Die jüdischen Handwerker in Rumänien. Die Auswanderung aus Oesterreich nach den Vereinigten Staaten. II. Statistisches Archiv: Zahl der Ehen in Baden. Frequenz der Universität Straßburg. Berufsgliederung der Juden in Neu-Südwales. The New Era lllustrated Magazine. Published monthly by The New Era lllustrated Magazine Company, Tribüne Building, New-York, City. Vol. VII. July 1905. Nr. 1. Contents: Dr. S. Ochser: The Eight-Hundredth Anniversary of Bashi’s Death. Enoch Scribe: Death, the Matchmaker. George Alexander KoHut : Moses Ilart's Minhag America. David Lazarus: Jewish Art and Artists. M. Z. Feuer buch: The Bittle Calf. Dr. Emanuel Lasker : The Games of the Jews. Leon Hühner: Francis Salvador. Prof. Richard Gottheil: In Ancient Footsteps - Cairo. Jsabella R. Heß: The Ilonor of the Flag. I. D Eisen st ein : Topics of the Day in the Talmud. —. II. Jehuda Butensky, Seulptor. Dr. Heinrich Bloch: David Blum. Mathew G o l d m a n n : The Sacriüce. Jonas Decker : Jewish Song-YVriters. Robert Brown: My Friend the Merchant. Rubin Tobin: The Psalter. Pros. Hjalmar Hjorth B o y e s e n : A Mother in Israel. In Stageland. The Book World. Notes and Comments. Of Interest to Jewish Readers. Kurzgefaßtes Wörterbuch für Spanisch und Jargon, herausgegeben vom „Zentralbureau für jüdische Auswanderungs -Angeleg enheiten". (Hilfsverein der deutschen Juden — Großloge für Deutschland VIII. U.O.B.B.) Preis 20 Pfg. Verlag „Z e n t r a l b u r e a u", Lützowstraße 8. Berlin 1905. S. Pascheles' illsstr. israelitischer Wolkskalrnder für des Jahr 1905/06 ist soeben in seinem 53. Jahrgange erschienen. Neben dem obligaten kalendarischen und synagogalen Teile umfaßt der reichhaltige Inhalt dieses beliebten und weit verbreiteten Jahrbuches zahlreiche Porträts und Biographien, wie von Dr. M. K a y s e r - ling, Oberrabbiner von Budapest. Dr. Adam Wunder, Kreisrabbiner von Budweis, Dr. V o g e l st e i n, Rabbiner von Stettin, Geh. Medizinalrat Professor Hermann Senator, Schriftsteller S. Koh n, Baron Alfons Rothschild rc. Ferner eine spannende Prager Ghettogeschichte „Ein jüdischer Maler" von Bernhard Auerbach, eine Humoreske „Der Wunderrabbi von Trombowla" von Regine M i r s k y-T ander u. a. m. Für den Kaufmann wichtige Beigaben ergänzen den Inhalt in praktischester Weise. Die rührige Verlagsbuchhandlung Samuel W. Pascheles in Prag war auch diesmal mit Erfolg bemüht, den neuen Jahrgang seinen Vorgängern würdig an die Seite zu stellen. Briefkasten. Stud. F. Universitätsdozenten beziehen keinen Gehalt; außerordentliche Professoren stehen in der siebenten Rangsklasse und beziehen einen Gehalt zwisch n 4800 und 6000 K. jährlich. Ordentliche Professoren sind in der sechsten Rangsklasse mit einem Gehalte zwischen 6400 und 80 0 K. jährlich. Die Witwe nach einem außerordentlichen Professor hat eine Pension von 1800 K., jene nach einem ordentlichen Professor von 2000 K. jährlich. „Schachspieler - I. Zu den ersten Preisträgern auf dem internationalen Schachturnier in Ostende zählen zwei jüdische Schachmeister D. Janowski und Dr. Tarrasch, die den zweiten und dritten Preis (3000 und 2000 Francs) teilten. Nach einem schweren Geisteskampf der ersten Meister aller Kulturländer auf den vierundsechzig Feldern sind sie mit je 18 Partien von 26 als Sieger hervorgegangen. Dr. Tarrasch, ein Nürnberger Arzt, vereinigt mit einer enormen theoretischen Kenntnis auf allen Gebieten des Schachs ein ungemein feines Positionsgefühl. Seine Partie baut er einfach und logisch auf, jeder Zug zielt darauf hin, seinen Figuren die besten Felder zum Angriff oder zur Verteidigung zu sichern. Stets auf ein festes Zusammenwirken seiner Steine bedacht, versteht er es in hohem Maße, die kleinsten Vorteile zu akkumulieren, und sehr selten unterläuft ihm ein Fehler in seinen Kombinationen. Alles, was sein Gegner erdenkt, durchschaut er bis in den Grund, und kurz und bündig werden die Unternehmungen abgewiesen. Nichts Hastendes oder Unruhiges haftet seinem Spiele an. Ist da an einem Erfolg zu zweifeln? Janowskis Spiel sieht anders aus. Durch kühne, meist weitberechnete Attacken weiß er den Angriff an sich zu reißen. (Janowski ist im Jahre 1868 in Russisch-Polen geboren und wohnt seit 1886 in Paris, woselbst er Redakteur der Schach- Zeitung des „Le Monte Illustre“ ist.) Ein Draufgänger comme il faut, trotzdem aber ein ebenso feiner Eröffnungswie Endspieler. Seine Partien sind meist schachliche Leckerbissen. Schon vor ca. 700 Jahren soll Abraham Jbn Esra, der Dichter und Schrifterklärer, ein bedeutender Schachspieler gewesen sein. Seine in hebräischer Sprache verfaßten Schachgedichte, die sich bis auf unsere Zeit erhalten haben