Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 22 (1905)
- Issue
- 31 (4.8.1905)
- Date
- 1905-08-04
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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STWriT ... , Iimmwui 7.:r%/.-^.-»»M,-I^ -.. Nr. 31 Redner gab darauf einen ausführlichen Bericht über den Stand der Bewegung in den einzelnen Ländern, der überall einen Aufschwung der Bewegung erkennen läßt. Herr Ussischkin hält hierauf eine russische Rede. Dr. Weitzmann übersetzt: Der Inhalt der Rede des Herrn Ussischkin war folgender. Wir müssen der Verirrung, die herrscht, ein Ende machen. Wir können es nicht dulden, daß solche Verletzungen des Baseler Programms stattfinden, wie sie stattgesunden haben und wir schlagen die Annahme folgender Resolution, die von den Russen beantragt wird, vor: „Der VII. Zionisten-Kongreß erklärt: die zionistische Organisation hält an dem Grundprinzip des Baseler Programms, daß die „Schaffung einer öffentlich - rechtlich geficherten Heimstätte für das jüdische Volk in Palästina" erstrebt werde, unerschütterlich fest und lehnt — sowohl als Zweck, wie als Mittel — jede kolonisatorische Tätigkeit außerhalb Palästinas und seiner nächsten Nachbarländer ab. Der VII. Zionistenkongreß bringt in Erinnerung und betont, daß laut § 1 des zionistischen Organisationsstatuts „die zionistische Organisation diejenigen Juden umfaßt, welche fich mit dem Programm des Zionistenkongresses einverstanden erklären" und macht die Leitung der Organisation für die Durchführung dieser Bestimmung verantwortlich. (Beifall und Widerspruch.) Dieser Antrag bedeutete nichts Geringeres, als den Ausschluß aller Anhänger des Uganda-Projektes aus der zionistischen Organisation. Er gehörte nicht zur Tagesordnung, allein Ussischkin wollte die „Zionsfeinde" je eher aus dem Kongreß ausweisen. Bei der Minorität erhob sich ein fürchterlicher Tumult. Die Territorialisten versuchten die Tribüne zu stürmen und wurden nur mit großer Mühe von der Majorität hievon abgehalten. Auch kam es vielfach unter den Teilnehmern des Kongresses zu einem Handgemenge. Dann wiederum ist es die Majorität, welche Sturm schlägt, als Dr. Syrkin, der Führer der sozialistischen Opposition, das Wort erhielt und zur Botschaft Nordaus sprechen wollte. Da dieser Gegenstand nicht auf der Tagesordnung des Kongreffes stand, drohte Nordau, der das Präsidium führte, dem Redner das Wort zu entziehen. Nun beantragte Syrkin ein Mißtrauensvotum für Nordau, worauf sich ein ungeheurer Lärm seitens der Minorität erhob, der aber vom minutenlangen Applaus der Majorität begleitet wurde, als Nord au den AntragSyrkins zur Abstimmung brachte und der ganze Kongreß sich dagegen aussprach. Dr. Syrkin legte gegen die Resolution Ussischkins Verwahrung ein und verließ rasch die Tribüne. Der Präsident beeilte sich die Sitzung zu schließen. Freitag Vormittag (28. Juli). Die dritte Sitzung heißt der Uganda-Kongreß und ist dem Berichte der Ostafrika-Kommission gewidmet. Prof. C. Marburg erstattet den Bericht und empfiehlt dem Kongreß, folgenden Beschluß des Aktionskomitees zu genehmigen: „Das zionistische Aktionskomitee erklärt nach eingehendem Studium des vorliegenden Berichtes der nach Ostafrika entsendeten Kommission nicht in der Lage zu sein, der zionistischen Organisation die Ausführung des Ostafrikaprojektes zu empfehlen. Gleichzeitig schlägt das Aktionskomitee dem Kongresse vor, der britischen Regierung seinen tiefgefühlten Dank auszusprechen für das durch ihr hochherziges Anerbieten dem jüdischen Volke erwiesene Wohlwollen." Greenberg-London, welcher den Verkehr zwischen der britischen Regierung und dem Aktionskomitee vermittelte, teilt zunächst mit, daß ein unbekannt bleiben wollender Christ, welcher 1600 Pfund Sterling zu den Kosten der Expedition beitrug, dieselbe erst ermöglichte. Der Bericht der Expedition selbst ist noch nicht vollständig abgeschloffen und muß daher als ein provisorischer betrachtet werden. Uganda ist vor allem für die Viehzucht, wenig oder gar nicht für den Ackerbau geeignet, und deshalb hat fich einzig die Anglo-Jewish Assoziation bereit erklärt, unabhängig von den Zionisten für das Ostafrikaprojekt einzutreten. Sette 485 Der englische Delegierte Israel Zangwill stellte einen Gegenantrag in dem Sinne, der Kongreß möge das Angebot der englischen Regierung annehmen. Die Rede, in der er den Antrag begründete, wurde fortwährend unterbrochen. Wüste Szenen erfolgten. Die Delegierten schrieen, viele schimpften unaufhörlich über die Territorial-Zionisten, und es entstand große Verwirrung. Nicht weniger als 120 Delegierte meldeten fich zum Wort, und als der Vorsitzende Nordau die Unmöglichkeit so vieler Reden in einem Kongreß, der innerhalb kurzer Zeit geschloffen werden muß, erklärte und den Antrag verlas, wonach jeder Partei 4 Generalredner eingeräumt werden sollen, erhoben fich erregte Proteste gegen ihn. Die Verwirrung und der Lärm wurden immer größer. Einige besonders unruhige Delegierte wurden aus dem Kongreßsaale gewiesen. Endlich erkannte Max Nordau, daß die Fortsetzung der Sitzung zwecklos wäre. Er verließ mit den Mitgliedern des Aktionskomitees den Saal und die Verhandlungen wurden bis nachmittag suspendiert. Nach Wiederaufnahme der Sitzung wiederholten fich dieselben wüsten Szenen. Es war unmöglich, die Redner zu hören. Nachdem C h a s a n-Warschau in einer dreiviertelstündigen Obstruktionsrede das Ugandaprojekt verteidigt hatte, erhob fich um 6 Uhr wieder eine Geschäftsordnungsdebatte, in der es Anträge eigentlich regnete. Schließlich einigte man fich dahin, daß jeder Partei zum Schluß der Debatte vier Redner eingeräumt würden. Nachdem man für jeden die Redezeit auf 30 Minuten festgesetzt, erhebt fich bei den sozialistischen Zionisten ein unbeschreiblicher Tumult, der gegen diese Beschränkung der Redefreiheit gerichtet ist. Nach einer starken Viertelstunde gelingt es dem Präsidium, sich endlich Gehör zu verschaffen und anzuzeigen, daß wegen des S a b b a t h s die nächste Sitzung Samstag abends 8 Uhr stattfinde. S a m s t a g-N achtsitzung. Trotzdem Samstag eine Einigung der gegnerischen Parteien und Richtung zustande gebracht schien, kam es doch in der Samstag-Nachtfitzung des Zionistenkongresses zu überaus stürmischen Szenen, wie sie bisher noch nicht verzeichnet wurden. Zunächst wurde das Ostafrikaprojekt weiter diskutiert. Im Ganzen waren acht Generalredner eingetragen, von welchen vier gegen, die vier anderen für das Ugandaprojekt sprachen. Von den Gegnern desselben fielen scharfe Worte gegen Territorialisten und politische Zionisten, während die Befürworter teils in chevaleresker Form wie Briskmann, teils mit beißender Satire wie Wunderlich und Dr. Stein das große Aktionskomitee angriffen. Dieses wurde angeklagt, die zionistische Bewegung zu einer undemokratischen gemacht zu haben; auch sei nach dem Tode Herzls der Beschluß des sechsten Kongresses betreffend die Aussendung einer Expedition nach Ostafrika illoyal ausgefühlt worden. Es wurde die „schlechteste Politik, die der Inkonsequenz", heftig angegriffen. Während der ganzen Ostafrikadebatte mußte auch der brüske Ton unangenehm ausfallen, mit welchem man das Anerbieten der englischen Regierung besprach, und der Hinweis Tschlenows, daß man das Projekt ablehnen, aber dankend ablehnen müsse, weil sie die erste Regierung gewesen sei, die begriffen habe, daß das jüdische Volk einer Heimstätte bedürfe, ändert nur wenig daran. Sensationell lautete die Erklärung des politischen Zionisten Dr. Stein, daß die russischen Mitglieder des Aktionskomitees auf einer Konferenz in Charkow gegen Dr. Herzl perfiderweise Stellung genommen, indem sie seinen Ostafrikaplan als Verrat am Zionismus bezeichneten, ihn des Antisemitismus beschuldigten und ihm so einen Schlag versetzten, der viel zu seinem frühen Tod beigetragen habe. Diese Erklärung war Anlaß zu einer stürmischen Kundgebung. Nach der Debatte über Uganda wurde der Bericht deS Legitimationsausschusses erstattet. Er konstatierte verschiedene Unregelmäßigkeiten bei den Delegiertenwahlen, sie sind zum Teil die Folge unrichtiger Auslegung des neuen Organisationsstatuts, zum andern Teil des Uebereifers in der Wahlagitation. Mit nachahmenswerter Sorgfalt wurden nur die Wahlen in England, Nordamerika und der Schweiz durchgeführt. Von den Dr. Dwcb's Mocbenscbrm.