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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1905-07-28 · 30 (28.7.1905) · page 11

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
22 (1905)
Issue
30 (28.7.1905)
Date
1905-07-28
Page
– (sequence 11)
Language
German
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Nr. 30 Seite 475 hS1 rnmmi.-i.iLJi£t VÜ ..u ~ .;■ ^.L-U L i . ~-'r^_ "\^.~~JF .. Dr. Dlocb s MocbenscbrM. kreisen vorgenommen wurden, haben, eine wahre Panik hervorgerufen. Es wurden in den letzten Tagen mehr als vierhundert angesehene Männer, darunter Advokaten, Aerzte, Journalisten und andere Intellektuelle verhaftet und abgeführt. In vielen Fällen wurden auch die Frauen und erwachsenen Kinder der Verhafteten arretiert. Die Bahnbeamten versichern, daß seit Ausbruch der Unruhen mehr als 80.000 Personen Odessa verlassen hätten. Es wird berichtet, daß Proklamationen verbreitet werden, welche die Aufforderung enthalten, am kommenden Freitag abends über die Juden herzufallen. Die Behörden wurden hievon verständigt und gebeten, Maßnahmen zu treffen, um Ruhestörungen und Plünderungen hintanzuhalten. Die offiziellen Lügen der russischen Regierung. Paris. Die sozialistischen Blätter publizieren einen vom 16. d. datierten, in der hiesigen „Tribüne Russe" erschienenen und von Kowalenko, Athanas, Matuschenko und Kyrill Unterzeichneten Aufruf der ehemaligen revolutionären Besatzung des „Potemkin", worin die Verfasser erklären, sie hätten bei ihrer Landung in Konstanza von der amtlichen russischen Darstellung der Vorfälle auf dem Schiff Kenntnis erhalten. Diese seien vollständig falsch und dazu angetan, die gegenwärtige revolutionäre Bewegung in andere Bahnen zu lenken. Die amtliche Darstellung, gegen die sie ausdrücklich protestieren, habe namentlich den Zweck, den Nationalitätenhaß in Rußland anzufachen und Bewegungen gegen die Polen, die Juden und die Armenier hervorzurufen. Man habe die Meuterei des „Potemkin" auf jüdische und studentische Einflüsse zurückführen wollen. Das sei eine Lüge; nicht ein einziger Jude oder Student sei an Bord des Schiffes gewesen oder habe auch nur den mindesten Einfluß ausgeübt. Alle Beschlüsse seien von der Mannschaft durch Mehrheitsabstimmung gefaßt worden. Das Gleiche gelte für die Revolutionäre auf dem Torpedoboot 267 und auf dem Panzerschiff „Pobiedonoszew". Der Aufruf schließt mit den Worten: Die Aufständischen betrachten die Arbeiter und Freiheitskämpfer der ganzen Welt, ohne Rassen- und Nationalitätenunterschiede, als ihre Genossen. Alle europäischen und amerikanischen Zeitungen und sozialistischen Organisationen werden um Verbreitung des Aufrufes gebeten. Das unantastbare Asylrecht in England. London. Bei Beratung der Fremdenbill im Unterhause brachte die Regierung einen Antrag ein, wonach der Mangel an Mitteln zum Lebensunterhalt kein Grund sein soll, einen Fremden auszuschließen, der in England nur einwandern will, um zu vermeiden, daß er aus religiösen oder politischen Gründen oder wegen politischer Angriffe verfolgt und bestraft werde oder um der Verfolgung wegen seiner religiösen Ueberzeugungen zu entgehen. Der Antrag wurde angenommen, nachdem alle Redner dafür eingetreten waren, daß für Flüchtlinge, die aus politischen oder religiösen Gründen in England Zuflucht suchen, das Asylrecht aufrechterhalten bleibe. Rew-Uork. Ein Komitee prominenter Israeliten versammelte sich am 3. Juli im Educational Alliance-@e6äube, Ear. Broadway, um eine Massen-Versammlung als Gedächtnisfeier zur Ehre des verstorbenen Staatssekretärs Hay zu veranstalten. Folgendes Komitee wurde ernannt: Jakob Silberstein vom „Jewish Morning Journal"; Philipp Cohen vom „The American Hebrew"; I. L. Brill vom „The Hebrew Standard"; Leon Kamalk vom „The Jewish Daily News" und Albert Lucas, Sekretär der Ortodox Jewish Congregation-Vereinigung der Vereinigten Staaten und Canada. In dieser Massenversammlung werden die Israeliten ihren Dank aussprechen für die Dienste, welche Herr Hay getan hatte, daß er weitere Massakre in Kischenew verhinderte. Vermiscbtes. Kranzablöfungsspendrn zugunsten der Chewra-Kadifcha I., Seitenstettengaffe 4 für arme kranke Glaubensgenoffen. Anläßlich des Ableben des sel. Moritz Klein: Von Dr. Alfred Skrein K 5.—, Familie Herrn. Eltbogen >0.—, Edmund Grün 10.—. Gisela Klein 30. . Herr und Frau Direktor H. F. 30.-, O. K. 20.—, Herr und Frau Dr. G '-0.-, Frau Julia G. ^0.—. E. C. 20.-. Em. Adler 10.—, Dr. B. W- 20.-, Moritz Jokl 20.—, Alfred Herzl 20.—, Eduard Grünhut 10.—. E. Bergmann 20.—, Ernestine Spitzer, Brünn 20.—, Samuel Löwh 10.—, Julius Simon und Frau 10.— , Anton und Vayda Glauber 10.—, Theodor Klein K 25.—. Zusammen K 340.—. Anläßlich des Ableben der seligen Antonie Neumann: Von Dr. Josef Winternitz K 10—, Karl Thal 10.—,JaguesModern 10.—, Richard und Robert Neumann, Brünn 10.—, Albert Neumann» Baden L 20.—. Zusammen K HO. — . Anläßlich des Ablebens des sel. Norbert Khuner: Von Rosa Pollak, Ischl K 20.—, Emmy Mayer. Ischl 10.—. Emanuel Goldschmidt, Ischl 20.—, Dr. Leopold Goldschmidt 10.-, Adolf Glückauf, Reichenberg 10.—, Arnold und Eveline Goldschmidt 15.—, Brüder Back 20.-, Wilhelm Adler, Innsbruck 10.—. Arthur Kary 20.—. Familie Adolf Klimont 2».—. Leo Schloß und Frau 20. -, Dr. Alfred Bach 20.—, S. Steiner 5.— , Ignatz Beck 10. — , Dr. Julius Klimont 20.—. Oskar Bukowitz 30.—. Ludwig Bukowitz 20.—, Maximilian Korwill K5.-. Zusammen K 285.—. Wien (Verlobung.) Fräulein Therese Neuron, Tochter des Herrn Max Neuron, hat sich mit Herrn Heinrich P u l g r a m verlobt. Wien. Der Kultusvorstand hat über Vorschlag der Vertrauensmänner folgende Herren zu Mitglieder des Bethausvorstandes für die Bezirke XVI und XVII ernannt. Kultusvorsteher Salamon R o s n e r, Samuel Fischer, Leopold K o h n, Solomon K o h n, Wilhelm Mandl, Adolf W a r i n g e r, Eduard Politzer und Sigmund Weiler. Die Konstituierung des Bethausvorstandes fand am 20. Juli statt und wurde Herr Kultusvorsteher Salamon R o s n e r zum Obmann und zu dessen Stellvertreter Herr Eduard Politzer per Akklamation wiedergewählt. Ein antisemitischer „Volksvertreter". Aus der gestrigen Sitzung des Gewerbeausschusses, der bekanntlich den Sommer über in Permanenz ist, erzählt die „Arbeiter- Zeitung" folgende merkwürdige Szene: „Abgeordneter Schneider kam vollständig besoffen zur Sitzung. Zuerst versuchte er mit lallender Stimme verschiedene Abgeordnete in ein Gespräch zu ziehen; als sich aber niemand mit ihm einli ssen wollte, setzte er sich nieder und schlief sofort ein. Dann schlief und schnarchte er durch die ganzen zweieinhalb Stunden, die die Sitzung dauerte. Einmal kam ein Diener und überbrachte ihm einen Zettel. Schneider war aber so volltrunken, daß er nicht imstande war, seine Brillen aufzusetzen. Mitten in dem Versuche, den Zettel ohne Brillen zu lesen, wurde er wieder vom Schlafe übermannt und schnarchte dann zum Entsetzen der Redner nur noch lauter." Wir haben bei Mitgliedern des Gewerbeausschusses Erkundigungen eingezogen, welche den geschilderten Vorfall in der Tat bestätigen. Es wurde uns noch mitgeteilt, daß Abgeordneter Schneider erst zur letzten Abstimmung geweckt werden konnte. Die Szene hat begreiflicherweise im Gewerbeausschusse lebhaftes Mißfallen erregt, und es ist nur zu verwundern, daß der Vorsitzende kein Mittel fand, einem derartigen, die Würde des Ausschusses so tief verletzenden Unfug zu steuern. Wiener-Neustadt (Verlobung.) Die Tochter unseres Oberkantors und Kultusgemeinde-Sekretärs, Herrn M. A. Landau, Fräulein Rosa Landau, hat sich mit Herrn M. U. Dr. Oskar C. Wilder verlobt, Schattmannsdorf. Während des am 22. d. M. stattgefundenen Gottesdienstes in der hiesigen Synagoge schlug daselbst der Blitz ein; unter den Anwesenden, worunter sich viele Sommergäste aus Preßburg und Wien befanden, bemächtigte sich eine große Aufregung, doch wurde zum Glücke niemand erheblich verletzt, sondern kamen die Anwesenden mit dem bloßen Schrecken davon. Bloß ein Teil des Dachstuhles vom Tempel wurde zerstört. Die Leute flüchteten zuerst panikartig aus dem Tempel.

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