Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 22 (1905)
- Issue
- 30 (28.7.1905)
- Date
- 1905-07-28
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
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Nr. 30 Kolonie den Besitzenden, die sich jetzt vor den Qualen der Großstadt in Bäder und Sommerfrischen flüchten, Veranlassung geben, der armen kranken Schützlinge des „Ferienheim" zu gedenken und diesen so segensreich wirkenden Verein, dessen nächste Aufgabe die Errichtung eines eigenen Heimes für skrophulose Kinder ist, in seinen Bestrebungen nach besten Kräften zu fördern! Der Sitz des Vereines befindet sich in Wien, IX., Türkenstraße 17. Arische „Wohltätigkeits-Bereine". Der Milchmeier Josef Pantlitschko verlangte im Wege einer durch Dr. Herzberg-Fränkl vertretenen Klage vom Katbolischen Verein zur Förderung von Handels- und Fortbildungsschulen die Rückerstattung eines Betrages von 600 X, den er durch einen fatalen Irrtum seiner Frau dem Vereine als Spende geschickt batte. Der beklagte Verein, dessen Obmann Pfarrer Margold ist, batte Anfang Mai Herrn Pantlitschko brieflich um einen Beitrag für Vereinszwecke ersucht. Dem Briefe lag ein Posterlagschein des Vereines bei. Am 18. Mai erhielt Frau Pantlitschko von ihrem Manne den Auftrag, aus sein Scheckkonto bei der Post einen Betrag von 600 K zu erlegen, von welchem Betrage drei Lieferanten befriedigt werden sollten. Frau Pantlitschko füllte, ohne daß sie es merkte, statt des Erlagscheines den von dem Vereine geschickten Scheck aus, so daß die 600 K bei der Post auf Konto des Vereines gebucht wurden. Von diesem Irrtum erfuhr das Ehepaar Pantlitschko erst zwei Tage später, als der Obmann des Vereines, Pfarrer Margold, festlich gekleidet, in ihrer Wohnung erschien und sich in wohlgesetzter Rede für die bedeutende hochherzige Spende von 600 K bedankte. Herr und Frau Pantlitschko sahen sich gegenseitig erstaunt an, der Mann fragte die Frau: Hast du was dem Vereine gespendet? Ich nicht! lautete die Antwort der Frau, die nun ihrerseits den Mann fragte: Hast du vielleicht was gespendet? Keine Spur! erwiderte Herr Pantlitschko. Im weiteren Gespräche mit dem Pfarrer klärte sich der Irrtum auf und der Pfarrer erklärte, daß er nach Einholung eines Beschlusses des Vereinsvorstandes die 600 L binnen acht Tagen zurückgeben werde. Der Verein weigerte sich jedoch, den irrtümlich erhaltenen Betrag zurückzugeben, so daß Herr Pantlitschko, der ein kleiner Milchhändler ist und die 600 K nicht leicht verschmerzen kann, sich zur Klage gezwungen sah, die auch Erfolg hatte, indem der Verein zur Rückgabe der 600 K verurteilt wurde. Berlin. Der Ausschuß der Gesellschaft zwr Förderung der Wissenschaft des Judentums hielt am 10. d. M. in den Räumen des Deutschisraelitischen Gemeindebundes seine ordentliche Sitzung ab. Herr Professor Dr. P h i l i p p s o n eröffnete die Beratungen mit einem warmen Nachruf auf das kürzlich dahingeschiedene Ausschußmitglied Dr. Kayserling, einer der letzten Veteranen aus der Blütezeit der Wissenschaft des Judentums. Die Verhandlungen ergaben ein erfreuliches Bild von den Leistungen der Gesellschaft. Den bereits erschienenen Werken von Z ä ck und Eschelbacher, die einem, weiteren Kreise das Verständnis jüdischer Fragen vermitteln wollen, wird sich bald ein drittes Werk anreihen, das allenthalben freudig begrüßt werden wird, die gesammelten Aufsätze jüdischen Inhalts des unvergeßlichen S t e i n t h a l. Herr Dr. Gustav Karpeles hat den Plan zu diesem Unternehmen gefaßt und einen großen Teil der Vorarbeiten bereits beendet. Herr Rabbiner Dr. G u t t m a n n, Breslau, berichtete über die Germania Judaica. Die organisatorischen Vorarbeiten sind abgeschlossen, die Mitarbeiter haben vor einigen Wochen in gemeinsamer Beratung einen Arbeitsplan aufgestellt, der für Alle bindend sein soll, und es besteht die gegründete Hoffnung, daß bereits in drei Jahren der erste Band des groß angelegten Werkes vollendet sein wird. Auch am corpus sanaiticum wird rüstig gearbeitet, wenngleich selbstverständlich auch hier die Fertigstellung noch Jahre in Anspruch nehmen wird. Als erster Band wird ein umfassendes Wörterbuch zur Sprache der tanaitischen Literatur erscheinen, das im Aufträge der Gesellschaft Herr Dr. Eugen Mittwoch bearbeitet. Vom Grundriß derGesamtwissenschast des Judentums wird in nicht allzu langer Zeit der erste Band erscheinen, die Apologetik des Judentums von Güdemann. Für einen weiteren Band des „Grundrisses", die „Epigraphik", wird Herr Privatdozent Dr. Horowitz gelegentlich einer Reise nach dem Orient an Ort und Stelle Vorstudien machen und Herrn Dozenten Dr. E l b o g e n, der für den „Grundriß" die „Liturgik" bearbeitet, wurden die Mittel zu einer Studienreise nach England bewilligt, in dessen Biblio- Sette 473 theken er die für ihn wichtigen Handschriften studieren will. Neben ihren eigenen Unternehmungen sucht die Gesellschaft die jüdische Literatur auch noch durch Gewährung von Subventionen zu fördern. Solche wurden bewilligt: Der Redaktion „Zeitschrift für hebräische Bibliographie" sodann Herrn Rabbiner Dr. S. A r j e in Dobrisch zur Herausgabe seiner Schrift „Die Bauweise des bürgerlichen Wohnhauses in Palästina" ferner Herrn Geometer I. Goldhor in Rosch Pina bei Safed, für seine Geographie Palästinas, ebenso Herrn I. L a st, München, für seine Edition der Werke Joseph Kaspis und schließlich Herrn Gemeindebibliothekar Dr. Stern, Berlin für seine Bearbeitung der Geschichte der Juden unter Albrecht II. Es ist somit eine große Aufgabe, an deren Lösung die Gesellschaft ihre Kraft einsetzt. Möge die tätige Anteilnahme der weitesten jüdischen Kreise es ihr ermöglichen, ihrem Ziel immer näher zu kommen, die Förderung der jüdischen Wiffenschaft. Breslau (Getaufte A e r z t e.) Eine außerordentliche Versammlung, die nach mehr als einer Richtung im höchsten Maße beachtenswert erscheint, hielt vor kurzem der hiesige Israelitische Kranken-Verpflegungs-Verein ab, ein ganz außer- Iordentlicher Fall, wie er seit 100 Jahren nicht zu verzeichnen ist. Auch der Anlaß hierzu war ein außerordentlicher, der uns 'zeigt, wie sensitiv und erfreulich zugleich das Selbstbewußtsein und die Empfindung der Selbstwürde unserer Glaubensgenossen i erstarkt sind. Man wollte dem Vorstande des Vereins aus Anlaß eines Spezialsalles nahelegen, von der Wahl solcher Aerzte abzusehen, welche aus materiellen Gründen entweder sich selbst oder ihre unmündigen Kinder taufen laffen. Die Verhandlung, (^welche äußerst stürmisch verlief und in der eine große Majorität sich für eine derartige Richtschnur bei der Wahl von Vereinsärzten aussprach, konnte ihren ruhigen Abschluß nur finden durch die versöhnlichen Worte des Herrn Justizrat Schreiber und die Erklärung des Vorsitzenden, daß er die Wünsche der Majorität nach Möglichkeit erfüllen werde. Aus der Debatte seien hier nur die beherzigenswerten Worte einmal des Mitunterzeichners des Antrages, des Herrn Rechtsanwalts Hirschberg, und diejenigen des Herrn Justizrat Schreiber wiedergegeben. Herr Rechtsanwalt Hirschberg führte n. a. aus: Er nehme auch für sich und die Unterzeichner des Antrages (wie der Vorstand in seinen einleitenden Worten) die Friedensliebe und das Interesse für die Krankenanstalt in Anspruch, auf die alle Juden stolz zu sein volle Ursache haben. Der Antrag sei von 340 Mitgliedern aller religiösen Richtungen gestellt worden, eine Statutenänderung wünschen sie nicht, es gehe nicht so weit, zu verlangen, daß man nur jüdische Aerzte wähle, obwohl ein St. Josephsstist niemals andere als Aerzte seiner Kirche beschäftige; man habe stets eine Ehre darein gesetzt, die tüchtigsten Aerzte, wie Mikulicz, zu besitzen, ohne Rücksicht aus den Glauben. Aber man könne nicht verlangen, mit solchen Leuten zu verkehren, welche das Tischtuch selbst zerschneiden. Auch der „Zentralv. deutsch. Staatsb. jüd. Gl." verabscheue die Charakterlosigkeit der Leute, welche ihre Kinder schon „taufen" lassen, um ihnen die Karriere zu ebnen. Und nach den zu stürmischen Auftritten Anlaß gebenden Ausführungen anderer Redner erklärte Herr Justizrat Schreiber, daß er alle Versuche, in die Reihen der anwesenden Mitglieder eine Spaltung zu tragen, zurückweisen müsse. Er kenne keine konservativen und keine liberalen Juden. Wer an Schema Israel glaubt, ist Jude und als Juden wenden wir uns einmütig gegen die schmachvolle Zumutung jedwelcher Gemeinschaft mit solchen Leuten, wie sie Kollege Hirschberg gezeichnet habe. Er entnehme nunmehr den Erklärungen des Vorstands-Vertreters, daß der Vorstand loyal handeln wolle im Sinne der Antragsteller, das werde zur Herstellung des Friedens beitragen. Er erwarte eine formelle Erklärung des Vorsitzenden. Wenn diese erfolge, würde er beantragen, dem Vorstande das Vertrauen auszusprechen und damit die Tagesordnung für erledigt anzusehen. Dieser Ausweg wurde auch mit dem bereits oben angegebenen Resultat gewählt und führte zu einem befriedigenden Abschluß der Versammlung.!j Br Dlocb's Mocbenscbrtft