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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1905-07-28 · 30 (28.7.1905) · page 8

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
22 (1905)
Issue
30 (28.7.1905)
Date
1905-07-28
Page
– (sequence 8)
Language
German
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«OiEnaCBKiäl Seite 472 Dk. KlOCb’S TKHOCbeitSCbrlft. Nr. S0H viel zahlte der Graf von Oettingen. Nürnberg gab fl. 4000. Der Rat machte dabei noch ein feines Geschäft, denn er erhob 30 Petent der ursprünglichen Geldsummen von den jüdischen Schuldnern zur Deckung dieser fl. 4000; er nahm aber fast doppelt soviel ein, wie er gegeben. Rothenburg a. d. T. löste sich mit fl. 1000 an den Kaiser u. s. w. Daß bei solchen Manipulationen alle Ehre und Treue, alles Vertrauen, der Glaube an die Heiligkeit der geschworenen Eide zum Teufel gehen mußte, war klar. 1335 entband Heinrich, Erzbischof von Mainz, zum Zwecke des Judenprellens alle Bürger von Worms, Speyer, Straßburg, Basel, „im Namen des Herrn" von ihren den Juden geleisteten Eiden. Von solchen schofelen Mitteln bis zur direkten Gewalt und Erpressung war nur ein Schritt. Und wie häufig wurde ein solcher getan! 1234 ließ Johann von England einen Juden in Bristol, der sich weigerte, Mk. 10.000 herzugeben, die er gar nicht schuldig war, jeden Tag einen Zahn ausziehen. Sieben Tage hielt der Mann die Tortur aus, dann beugte er sich der brutalen Gewalt. Wenn Heinrich III. von England Geld brauchte, ließ er schnell ein paar Juden aus die Folter spannen. Ruppert von Mansfeld, Erzbischof von Magdeburg, sollte 1261 Mk. 100.000 Mantelgebühren für seine Wahl nach Rom bezahlen. Um diese ungeheure Summe aufzubringen, ließ er alle Juden in Magdeburg und Halle am Laubhüttenfeste ins Gefängnis werfen, zu Hause ihre Geldkasten erbrechen und so lange foltern, bis die Summe zusammengebracht war. 1292 wollte Adolf von Nassau auf ähnliche Weise in aller Geschwindigkeit Mk. 20.000 von den. Juden in Frankfurt a. M. „aufnehmen" — um die Kosten seines Aufenthalts daselbst bezahlen zu können. Der Bürgermeister von Frankfurt schützte aber die Juden vor der kais. Folter, und so mußte der Kaiser seine Zeche auf andere Weise aufzubringen suchen. — al. H „Der Talmud in Japan" wird von der „Israelitischen Wochenschrift" ein vor etwa zwei Jahr» zehnten erschienenes geistvoll durchgeführtes Essay des berühmten Prof. Max Müller in Oxford, „über die Wanderung von Fabeln durch alle Länder und Nationen der Erde" genannt. Es gibt Märchen, Fabeln, Parabeln, Sprüche in Bildern, welche mit geringen Veränderungen, Erweiterungen und Verkürzungen bei den entlegensten Völkern gefunden werden, ohne daß ein Volk sie von einem andern direkt entlehnt hat. Sie haben eben im Laufe von Jahrtausenden eine Reise um die Welt gemacht, ohne daß man imstande wäre, die Menschen zu nennen, die sie hinausgetragen haben. Dies bewährt sich im folgenden talmudischen bilderreichen Sinnspruch, der bald in eine ethische und bald in eine religions-philosophische Spitze ausläuft. Ein talmudischer Weiser sagte einst: Dababa batra, „Es gibt zehn starke Dinge in der Welt: den Berg, den das Eisen durchschneidet; das Eisen, daß das Feuer schmilzt; das Feuer, daß das Wasser löscht; das Wasser, daß die Wolken tragen; die Wolken, die der Wind zerstreut; den Wind, der den menschlichen Körper trägt; den menschlichen Körper, den die Furcht erschüttert; die Furcht, die der Wein verscheucht; den Wein, den der Schlaf schwächt; den Tod, den stärksteu unter allen, Almosen aber rettet selbst vom Tode." An einer anderen Stelle im Midrasch (Kohelet Rabba c. 7, v. 26) werden vierzehn Dinge mit dem Zusatze, daß sich eines über das andere stolz erhebt, in dieser Reihenfolge aufgezählt: „Der Abgrund, die Erde, der Berg, das Eisen, das Feuer, das Wasser, die Wolken, der Wind, die Wand, der Mensch, die Leiden, der Wein, der Schlaf, die Krankheit, der Todesengel." Den Schluß bildet dort die malitiöse Pointe: „Schlimmer als alle diese ist ein schlimmes Weib." Im religions-philosophischen Interesse werden diese Bilder (Beresch rabba, am Ende des 88. Kapitels) in folgender Weise verwendet. Nimrod forderte Abraham auf, das Feuer anzubeten. Dieser erwiderte: Das Wasser ist stärker, da es das Feuer erlöscht. Beten wir also das Wasser an, sprach Nimrod. Die Wolke ist stärker, versetzte Abraham. Beten wir die Wolke an, fuhr Nimrod fort. Der Wind ist stärker, erwiderte Abraham. Beten wir den Wind an, verlangte Nimrod. Der Mensch ist stärker, antwortete Abraham. Zornig rief Nimrod aus: Ich bete das Feuer an, und werde dich in dasselbe werfen lassen; möge der Gott, den du anbetest, dich retten! In dieser Darstellung ist ein Satz ausgefallen, in welchem Abraham seine Kontroverse mit dem Rufe schließt, daß Gott stärker als der Mensch ist, daher ihm allein Anbetung gebührt. Zwei japanesische Fabeln bewegen sich innerhalb dieses talmudisch-midraschischen Bilderkreises. Die erste erzählt folgendes: Einem Rattenpaar wurde ein sehr schönes Töchterchen geboren. Als es herangewachsen war, wollten die stolzen Eltern, als wären sie ganz moderne Menschen in unserer Nahe, eine glanzende Partie für ihr reizendes Töchterchen suchen. Es müßte, behaupteten sie, von dem mächtigsten Wesen der ganzen Welt heimgeführt werden. Man lenkte ihre Aufmerksamkeit auf die Sonne und sie offerierten ihr ihre wunderschöne Tochter zur Ehehälfte. O, versetzte die Sonne, mächtiger als ich ist die Wolke, die mich verdunkelt. Die stolzen Eltern gingen zur Wolke. Doch auch diese wies die Partie mit der bescheidenen Begründung zurück, daß der Wind stärker sei. Sie begaben sich also zum Winde. Ach, klagte dieser, stärker als ich ist die Wand. Die eifrigen Eltern eilten nun zur Wand. Voller Resignation sprach diese: Wohl bin ich stärker als der Wind, doch stärker als ich ist die Ratte, die mich unterwühlt und endlich zu Falle bringt. Die suchenden Eltern eilten nach Hause und verheirateten ihr Töchterchen mit einem schmucken Rattenjüngling, der sich in dasselbe verliebt hatte und, was unter den modernen glatzköpfigen jungen Männern selten vorkommt, ohne jede Mitgift zum Weibe nahm. Die andere berichtet von einem Steinhauer, der mit seinem Lose unzufrieden war und dem ein Berggeist jeden ausgesprochenen Wunsch sofort erfüllte. Er wünschte, ein reicher Mann zu sein — denn auch in Japan wird Gold und Geld dem Geiste und der Weisheit vorgezogen — und er ward es, dann ein Fürst mit einem goldenen Schirm, der vor den Strahlen der Sonne schützt und er wurde zum Fürsten erhoben, wie bei uns in den Ritterstand. Da sprach er einmal: Die Sonne ist mächtiger als ich, ich möchte die Sonne sein — und siehe dal er wurde in die Sonne verwandelt. Da kam die Wolke und verhüllte ihn, worüber er gar zornig wurde und ausrief: Ich möchte die Wolke sein. Abermals wurde sein Wunsch gewährt und als finstere Wolke legte er sich zwischen Sonne und Erde. Die Folge davon war, daß der Regen wochenlang niederströmte, die Ströme schwollen, die Dämme brachen, die Wogen alles mit sich fortrissen, nur der Fels blieb ruhig stehen und spottete der verheerenden Fluten. Empört rief der zur Wolke gewordene Steinhauer aus: Niemand darf mächtiger sein als ich und deshalb möchte ich ein Fels werden! Er ward es; stolz erhob er sich, wenn die Sonne glühte und wenn der Regen herabströmte. Doch eines Tages hörte er ein merkwürdiges Geräusch zu seinen Füßen Und als er nach der Ursache forschte, saß ein Steinhauer, der eiserne Keile in sein Gestein eintrieb. und große Klüfte davon loslöste. Voller Entrüstung rief er: So ein kleines Menschenkind ist mächtiger als ich, der starke Fels? Ich will ein Steiuhauer sein — und er ward, was er immer war, ein Sieinhauer, der im Schweiße seines Angesichts arbeitete, zufrieden mit seinem mühseligen Berufe. xM „Israel. Wochenschrift." Korrespondenzen. „Kaiser Franz Josefs-Ferienheim." Mächtig hat sich in den letzten Jahren die Erkenntnis durchgerungen, daß durch die Fürsorge für das kranke und schwächliche Kind dem Staate und der Gesellschaft großer Nutzen erwächst. Jene Krankheiten, welche das Vorhandensein der größten Zahl erwerbsunfähiger Krüppel verursachen, können im Kindesalter mit Erfolg bekämpft und beseitigt werden. Diese Tatsache hat seit Jahren dem „Kaiser Franz Josefs-Ferienheim" Veranlassung geboten, seine Wirksamkeit weit über die bei der Vereinsgründung ins Auge gefaßten Ziele hinaus zu erstreckent Außer seinen Ferienkolonien für erholungsbedürftige Kinder Hader genannte Verein Kolonien für skrophulose, Herzkranke, rekon valeszente und solche Schulkinder geschaffen, die für Tuberkulös^ disponiert sind. In der abgelaufenen Woche ist nun die e inhundertste vom Vereine seit seinem Bestände entsendete Koloniengruppe — 135 meist rekonvaleszente Mädchen — aus dem eigenen Heime in Vorkloster-Tischnowitz mit vorzüglichen Erholungserfolgen und Gewichtszunahme zurückgekehrt. Es fand gleichzeichtig der Serienwechsel in den änderen vom Vereine „Ferienheim" erhaltenen Kolonien Bad Hall, Petrau und Austerlitz statt, durch welchen neuerdings 210 arme kranke Kinder dtr Gesundung und Erholung zugeführt werden. Insgesamt hat bisher der Verein „Ferienheim" 5355 Kinder an Leib und Seele günstig beeinflußt und zirka 450.000 Kronen in Erfüllung seiner edlen Mission auf den Altar der Nächstenliebe geopfert, wobei alljährlich mehr als die Hälfte der Petenten trotz Dürftigkeit und Würdigkeit mangels ausreichender Mittel abgewiesen werden müssen. Dem jährlichen Ausgaben-Etat des „Ferienheim" von zirka 45.000 Kronen stehen bloß zirka 10.000 Kronen fixe Einnahmen aus Jahresbeiträgen und Stiftungszinsen gegenüber, während der Rest von 35.000 Kronen durch Spenden edler Menschenfreunde aufgebracht werden muß. Möge das stille Jubiläum der Entsendung der einhundertsten

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