Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 22 (1905)
- Issue
- 30 (28.7.1905)
- Date
- 1905-07-28
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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C.uu'txJ*Zr- JitttssäSfiä/iXaäinät - - Nr. 30 Dr. Blocb s Mocbenscvrin. Seite 469 ihm ab. Auch Raschis Gutachten scheinen ihm Vorgelegen zu haben. Israel Krems, „der Kommentator des Bosch", der uns auch Gutachten Raschis überliefert, ferner „Maharil", der von Heu Späteren zugleich als Paraphrast Raschis ausgenommen wird, „Mahari" und sein Schüler „R. Jona", auch die Autoritäten des folgenden Jahrhunderts, wie Josef Kolon, besonders in seiner Auffassung des „Rabbanuth", und den „Agur", finden wir nicht selten in den Fußtapfen Raschis. Selbst in der spanischen Schule, welche in Raschi nur den Kommentator, nicht den Dezisor hatte sehen wollen, begegnet uns in David h. Zimra ein Anhänger Raschis, den sogar im Traume die Aufgabe beschäftigt, Raschi und R. Tam auszusöhnen. Seine Auslegung Raschis ist von Späteren gebilligt worden. Die Wogen der halachischen Diskussion wurden in ein sicheres Bett geleitet, in dem sie stagnieren sollten. Nach bestimmter Methode wurde, dem Gebot der Zeit gehorchend, aus dem „Hin und Wider" ein bestimmtes „So!", der „Schulchan arukh“. Joses Karo, sein Verfasser, hat selbst einen Superkommentar zu Rajchi geschrieben. In seinem Hauptwerk entscheidet er selbst gegen Maimuni mit Raschi, wo dieser die strengere Auffassung verteilt. Damit war den Späteren die Richtung vorgeschrieben'), und eine neue Phase in der Raschiliteratur beginnt im dritten Jahrzehnt des vorigen Jahrhunderts mit den kritischen Arbeiten eines Zunz, Heidenheini, Luzzatto, Geiger, Weiß und Berliner. * * * Es ist eine Unzahl von Namen, die sich um das Gestirn Raschi scharen, die Namen derer, deren Geist Licht bedeutet von seinem Lichte. Denken wir uns ringsum neben diesen Sternen höherer oder niederer Ordnung ein ganzes Firmament sinnender, forschender Köpfe, deren jeder einzelne durch lange und gerade die entscheidendsten Jahre von der einen und derselben Sonne Raschi das Licht der Erkenntnis empfangen hat, und wir werden uns arg verlegen fühlen, sollten wir an Wirksamkeit und Bedeutsamkeit für die Erhaltung unseres Volkstums seinesgleichen suchen. Wir dürfen auch sagen, an Genialität. Denn nicht die Originalität, sondern die Fruchtbarkeit, die Kraft, Mit- und Nachwelt zu beeinflussen, ist für das Genie entscheidend. Mau hat von großen Männern gesagt, sie seien eine Art Augenwasser, welches uns befähigt, die Dinge in ihrem wahren Lichte zu sehen. Dieses wahre Licht, den rechten Maßstab der Dinge zu schätzen, bedeutet uns Juden das alte Schrifttum. Das Auge dafür gab uns Raschi. Aus Anlaß seines 800jährigen Erinnerungstages feiert Israel das Andenken Raschis in Wort und Schrift. Gebe Gott, daß es keine Abschiedsfeier sei! Sind wir noch Zionisten? i. Der 7. Kongreß steht vor der Tür. Auch den außerhalb des zionistischen Parteiverbandes stehenden Nicht-, Philo- und Antizionisten gemahnt sein allerdings noch ungeaichtes, einfach „jüdisches" Mitgefühl und das in jedem Juden lebendig gebliebene Interesse für seine Stamm- und Glaubensgenossen der nun wieder aktuell werdenden Zionsfrage sein Augenmerk zuzuwenden. 0 Mit Joel Sirks, Sal. Luria und Sam. Edels beginnt eigentlich schon die kritische Behandlung Raschis. Salomo Luria nennt Raschi, „dessen Wasser wir trinken" (Jam schel Schelomoh Jebam. 4 § 22), eine „Weltsäule" (ebda. Chullin I 112). Seine Nachfolger sind gegen ihn wie Lauchschalen (Kelifat'schum ebda. Einleitung). Samuel Edels nimmt Raschi gegen spätere Kritiker in Schutz (Zebachim 88, 116: Der Raschitext verstümmelt, Kidduschin 82: Raschi lehrt verschieden an verschiedenen Stellen). Was alles wurde nicht über dieses Thema pro und eontra zusammengeschrieben! Es ist fast obsolet, den so oft in die vielen Schläuche der Parteipresse gegossenen Palästinawein einem willigen Publikum abermals vorzusetzen! Auch handelt es sich uns nicht darum, Gesagtes zu wiederholen, sondern die Bewegung in ihren Phasen und gegenwärtigem Stande zu verfolgen, damit auch außerhalb des politischen Parteigetriebes stehende Leser ohne Brille beobachten und sich ihren jüdischen Standpunkt 8ino ira 6t 8tuäio zurechtlegen können. Wie schien doch die Sache in der Sturm- und Drangperiode der Bewegung so einfach! Hie Welf, hie Waiblingen erscholl es allerorten! Wer sich nicht dem allein seligmachenden Zionismus mit Haut und Haaren verschrieb, der war kein guter Jude. Wer nicht dafür sei, sei dagegen, ein drittes gab es nicht. Heute ist die Sache schon komplizierter; man kann heute Zione-Zionist, Misrachist, Territoralist, Ugandist sein, ohne ein Anathema auf sich zu laden, da mau einzusehen beginnt, daß die theoretisch sich so schön ausnehmende „Lösung der Judenfrage" in der Ausführung denn doch auf manche Schwierigkeiten stößt und man den früheren „Gegnern" doch manches Zugeständnis machen muß, so man nicht ohne, ja gegen sie zum Ziele gelangen will. Ja, waren die früher so viel geschmähten „Gegner" von den Nicht-Zionisten bis zu den Proteftrabbinern wirklich auch eiugeschworene „Feinde", die man anstatt zu gewinnen zu bekämpfen müssen glaubte? Durfte man den Juden, der sich vorsichtig an das weltkluge „nulla jurore in verba Magistri“ hielt, zum selbstsüchtigen „Assimilanten" stempeln? Gab es unter ihnen nicht viel glaubensstolze Stammesbrüder, deren Nationalbewußtsein viel zu tief wurzelte, als daß sie es duldeten, von jenen irreligiösen „Neujudäern" an ihr Zionsideal gemahnt zu werden? War es politisch klug, alle auftauchenden Bedenken und Einwände von gegnerischer Seite als Vaterlandsverrat niederzuschreien, anstatt sie auf ihren Gehalt zu prüfen. Doch lassen wir Vergangenes. Die Geschichte übt ihr Richteramt und die neuesten Phasen des Zionismus zeigen, daß innerhalb dieser Bewegung selbst jene Meinungen und Bestrebungen mehr und mehr an Geltung gewinnen, die aus dem engen Kreise des Parieizionismus heraus wieder mit dem Gesamtjudentum Fühlung zu gewinnen bestrebt sind und einsehen, daß man mit dogmatisch starren Programmformeln wohl eine Bewegung ins Leben rufen, doch nicht lebenskräftig erhalten kann. Nur wenn der Zionismus sich zu einem gesunden Judaismus mit besonderer Berücksichtigung der politisch wirtschaftlichen Frage ausgestaltet, wird er zur Volksbewegung, an der jeder Jude, nol6N8 vol6N8, aus natürlichem Interesse mitwirkt, ohne sich er st durch ein Credo aus dem Partei k.atechismus legitimieren zu müssen. Deuten nun die neuen Erscheinungen im Zionismus nicht auf einen solchen Umschwung hin, werden nicht am Ende die verschiedenen „Ismen", den Zionismus mit inbegriffen, schließlich dartun, daß es für uns „Juden" nur eine Aufgabe gegeben hat und geben kann: das Judentum wirtschaftlich und politisch zu festigen? Dies wollen wir untersuchen. Als der Baseler-Kongreß die zwar nicht originelle, aber für die modernen Juden des Westens geradezu neue Idee des Herzlichen Judenstaates in knapp geschürzten Paragraphen formulierte, mußte dieses Programm der friedlichen Gründung eines Nationalstaates auf türkischem Boden — ein geschichtliches Novum — einem Großteil der Judenschafr als Utopie erscheinen. Die bisherigen Bemühungen der Zionisten in dieser Richtung haben diese Skepsis nicht grundlos gemacht, und es zeigt sich wieder die unerbittliche Ironie der Geschichte, daß es gerade der begeisterte, sich für sein Werk opfernde H e r z l s. A. war, der als politisch geschulter Führer und praktischer Diplomat das Utopistische des Zionsstaates nach