Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 22 (1905)
- Issue
- 30 (28.7.1905)
- Date
- 1905-07-28
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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Seite 468 Dr. Llocb s Mocbenscbnrr.!»r. 30 aus Raschi, m wörtlicher Wiedergabe seine oft von ihm selbst gehörten Entscheidungen; Raschi's Schüler nennen sich die Brüder Jakob und Samuel b. Meir. Besonders Samuel b. Meir, Raschi's Lieblingsenkel, der ihm in seinem Bibelkommentar oft wörtlich folgt, läßt sich in seinem Kommentar zum Talmud, der freilich Raschi's Prägnanz im Ausdruck nicht erreicht, selbst im Traum von seinem Großvater inspirieren. Er tritt Raschi nicht selbstständig gegenüber wie sein Bruder, der, bei aller Bewunderung für Raschi als Schrifterklärer, ihm in der Talmudexegese mitunter recht scharf opponiert, und zwar selbst in Meinungsverschiedenheiten, die nicht so unversöhnlich, daß nicht spätere Tosaphisten sie auszugleichen hätten versuchen können. Weit milder zeigen sich R. Levi b. Ascher, Eliezer b. Nathan und Josef Bechor Schor, die Raschi's Entscheidungen nicht nur oft folgen, sondern sie auch hie und da durch Beweise stützen. Mehr an Jakob b. Me'ir erinnert wieder sein Schüler und Neffe, der schon erwähnte LI (Jsak b. Samuel). Kritiker Raschi's begegnen uns auch unter den übrigen, nicht namentlich aufgeführten Bertreteru des Tosaphismus, der die vou Raschi stillschweigend abgelehnte Methode der „Alten Lothringens", vor allem seines Vorgängers B. Gerschom wieder auf den Schild erhebt. Fast immer gehen sie auf Raschi zurück, oft, um ihm beistimmend, die Giltigkeit seiner Entscheidungen noch zu erweitern, oft aber, um in ihm selbst Widersprüche aufzudecken. Neben dieser nordfranzösisch - deutschen Richtung des Talmudstudiums läuft nun, sich in gegenseitiger Befruchtung mit ihr häufig begegnend, die spauisch-jüdfrauzösische, wie sie in Maimuni ihren Hauptvertreter gefunden hat. Hat Maimuni, der größte Sefardi, den größten Zarfathi, Raschi, gekannt? Sollte mach Spaniens vou Frankreich und über das Jahrhundert, das die Todesdaten der beiden Großen scheidet, deren Jubiläen setzt wenige Monate umspannen, keine Brücke hinüber geführt haben, während Maimunis Mischne-Thora frühzeitig den Tosaphisten bekannt war? Daß Maimuni Raschi nirgends erwähnt, fällt nicht schwer in die Wagschale. Andererseits ist aber seine Uebereinstimmung mit ihm in mancher Erklärung oder Entscheidung ebensowenig beweiskräftig, wie eine stellenweise oft fast ausdrückliche Polemik gegen ihn. Denn in vielen Fällen der Art läßt sich dieses Verhalten schon auf seinen Lehrer Alfasi und von diesem aus B. Chananel oder andere ältere Gewährsmänner bis in die Zeit vor Raschi zurückführen. Die Bekanntschaft Maimunis mit den Nordfrauzoseu beginnt jedenfalls spätestens mit dem „Semag". Was vou Maimuni, gilt auch von B. Serachja ha-lewi, während B. Abraham ben David schon in seinem Kommentar zur Mischna ausdrücklich zu Raschi Stellung nimmt, den er über die Spanier stellt. In den „Hasagoth“ entscheidet er sich für ihn gegen Maimuni. Weit mehr steht aber noch unter Raschis Einfluß der Hauptrepräseutant des nachmaimunischen Spaniens: Nachmanides.. Er hiug nicht nur durch seinen Lehrer mit dem nordfranzösischen Kreise zusammen, er nimmt sich auch des Semag gegen Maimuni an und war gewiß die berufene Mittelsperson, als sich der Gegensatz zwischen Nord und Süd zu offenem Bruch zu verschärfen drohte. N a ch m a n id e s hat Raschis Bibelkommentar geradezu seinem eigenen zugrunde gelegt, er zitiert ihn sogar unbewußt, wo er anderen Autoritäten zu folgen glaubt. In seinem Talmudkommentar nimmt er sich Raschis Knappheit des Ausdruckes zum Vorbild, ohne seine Klarheit zu erreichen. *) Jsak b. Schescheth sagt in seinen EGA. 376: „Von Frankreich ging die Lehre aus". In den EGA des Rosch heißt es § 20: „Unsere Lehrer in Frankreich haben die Ueberlieferung der Lehre von unseren Vätern seit den Tagen der Tempelzerstörung." Mose Danon hingegen verwirft die französischen Exegeten, bis auf Raschi und Josef Kara. Unter Nachmanis Schülern ist es besonders B. Salomo ben Adereth, bei dem sich Raschis unmittelbarer Einfluß kundgibt. Wie Nachmani, hat auch er durch R. Ascher ben Jechiel mit dem Norden Fühlung genommen. Ganz in der Art der Tosaphisten pflichtet er bald Raschis Ansicht bei und sucht sie durch Beweise zu bekräftigen, bald übt er an seinen Worten Kritik. Aehuliches gilt von seinem Schüler R. Jomtob b. Abraham. Geradezu auf Raschi bezieht sich ein anderer Schüler Nachmanis, R. Nissim b. Reuben, der „Ran". Er überliefert Raschis Ansicht, indem er sich ihr anschließt, oder ergibt seinen „Minhag“ an und verteidigt ihn. Das Gleiche tut an unzähligen Stellen sein Kollege, der „Rab hamaggid" sowie sein Schüler B. Isak b. Schescheth. * * * Inzwischen hatte auch der nordfranzösisch-deutsche Zweig des Talmudftudiums neue Blüten getrieben. Wie aus der Schule der ersten Tosaphisten das Lstor da-karäss und R. Tams 8. ha-jaschar, in der Provence der „Jttur", der sich von Raschi stark beeinflußt zeigt, stammen, so wird auch in dieser Kompendienliteratur das Werk der Tosaphisten fortgesetzt. Elieser aus Metz, Baruch b. Jsak, der Schüler des „RJ“, Eleazar b. Jehuda, der Schüler des „RJBN“, Eliezer b. Joel halewi, der Schüler Eliezers aus Metz, Jehuda Sir Leon, ein Nachkomme Raschis, und dessen sowie des R. Barukh b. Jsak Schüler und Moses Coucy, der nSemagu, sie alle, ganz besonders der zuletzt Genannte, der Raschi mitunter, ohne Kritik zu üben, abschreibt, halten sich oft an Raschis Erklärung und Entscheidung. Meist im Anschluß an den „Semag" oder andere Meister entscheidet „Jsak aus Corbeil", der „Semak" wie Raschi, seltener geht er unmittelbar auf ihn zurück. Ihren Höhepunkt erreicht diese halachistische Tätigkeit in Deutschland in B. Me'ir aus Bothenburg und seiner Schule. Wie bei seinem Lehrer Isak b. Meir ür Zarua, der auf Raschi's Aussprüche besonderes Gewicht legt, -stehen^ die Nordfranzosen, Raschi obenan, in höchstem Ansehen bei R. Meir und vor allem bei seinem Schüler Mordekhaj, beut das Verdienst eignet, uns viele der Gutachten Raschis, die sich wörtlich im „Pardes" wiederfinden, unter des Autors Namen erhalten zu haben. Bald im Anschluß an seine Vorgänger, bald selbständig folgt er dem großen Meister, nicht selten sucht er, darin echt tosaphistisch, zwischen Raschi und anderen zu vermitteln. Nicht so deutlich und unmittelbar zeigt sich ein anderer Schüler R. Meir's, der „Haggahot Maimuni", von Raschi bestimmt. Beide Strömungen, die des Nordens wie die südliche, vereinigen sich endlich in einem dritten Schüler R. Meir's, in B. Ascher b. Jechiel („Rosch"). Des „Rosch" Bedeutung liegt in seinem kompilatorischen Fleiß, mit dem er die Ansichten Raschi's und anderer nebeneinanderstellt, manchmal ohne die Grundsätze auszugleichen oder sich nach der einen oder der anderen Seite zu entscheiden. Selbst wo Raschis Ausführung seinen vollen Beifall findet, getraut er sich doch nicht, dem entsprechend zu entscheiden, sobald es eine Erleichterung der rituellen Praxis gilt. Sonst entscheidet er sich sehr oft ausdrücklich für ihn, mitunter wird er zu seinem Paraphrasten. Im Uebrigen richtet er sich, wie die Spanier, nach ihrem Brauch und folgt er, gleich dem „Baschba“ und anderen, den Gaonim, die er als Träger der Ueberlieferung. als erste Autorität ansieht. Sein Sohn und Schüler Jacob, der Verfasser der „Arbaa turim“, der Grundlage des Schulchan arukh, zeigt sich, wie in seinem Bibelkommentar, so in seinem Kodex von Raschi abhängig. In unzähligen Fällen gibt er stillschweigend oder ausdrücklich die Lesart oder Erklärung Raschi's. In der Halakha zeigt er sich, wie sein Vater, strenger als Raschi. Ein anderer Schüler des Bosch von hoher Autorität, zugleich ein Schüler eines Schülers des Baschba, hält Raschi in hohem Ansehen und weicht nur in Fällen, in denen alle sonstigen Erklärer von Raschi divergieren, von