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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1905-07-21 · 29 (21.7.1905) · page 15

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
22 (1905)
Issue
29 (21.7.1905)
Date
1905-07-21
Page
– (sequence 15)
Language
German
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Nr. 29 Dr Llocb's MocbenscbrM. «Seite 46S zu trösten. Einer, der aus dem Hause eben heraustrat, hielt mich mit der Frage an: „Woher denn, Reb Benjamin?" „Mein einziges Kind ist mir mit dem Militär jetzt abmarschiert" erwiderte ich mit gedämpfter Stimme. Um den Mund des Mannes zuckte ein höhnisches Lächeln. „Nun, darum traurig?" fragte er. „Hat doch Ihr Sohn das erreicht, was er gewünscht. Soeben hat Reb Wölfele uns erzählt, daß Ihr Sohn die Militärobrigkeit angesucht hat, ihn einzureiheu ..." Zu jeder anderen Zeit hätte ich in schäumendem Zorn mich aufgebäumt, aber mein Mut war gebrochen, mein Herz war gebrochen, es schnürte mir die Kehle zusammen, ich vermochte nur einigemal mit dem Kopse zu schütteln und ging ohne zu antworten, völlig betäubt, meines Weges weiter. Erst vor meinem Hause weckte mich ein ungeheuerer Lärm, der aus demselben hervordrang, aus der Betäubung. Welches neue Unglück erwartete mich in meinem Hause! Mehrere Nachbarinnen drängten sich mit wirrem Geschrei, um eine ohnmächtige Frau, die sie aus dem Zimmer heraustrugen — es war unsere Rachele. In meiner Verwirrung überließ ich sie den Nachbarinnen und trat eilig ins Zimmer . . . Das kleine Goldale hatte soeben den letzten Kampf ausgekämpft und lag in seiner Wiege eine kalte, stille Leiche. Ihr zu Häupten stand eine alte Nachbarin mit einem brennenden Licht in der Hand. Ich sah das kleine entschlafene Engelchen an und ach, mit welch neidischen Blicken! (Fortsetzung folgt.) Neue Bücher. Dr. Adolf Frankl-Grün, Rabbiner in Kremfier. Geschichte der Juden in Ungarisch-Brod nebst Biographien von R. Moses Perls, P. Singer, Ad. Jellinek, P. F. Frankl rc., nach Archivälien dargestellt. Verlag von Moriz W a i z n e r & Sohn, Wien, IX. Moritz Steinhardt. Aus dem Ghetto. Erzählungen aus dem vorigen Jahrhundert. Preis 1 K 50 h. Verlag von I. Reichwald, Charlottenburg, Bleibtreustraße 4. 1905. Krirflrasterr. K. Mischa Elman ist ein russischer Violonist in London. Der Sohn eines armen Lehrers aus dem Ansiedelungsbezirk kommt nach London; ohne ein Wort Englisch macht er sich in Tönen verständlich; ja, er spielte vor einer Königin und zwei Königen. Königin Alexandra wollte ihn hören, König Eduard nahm sich die Mühe, mit Alphons von Spanien sich seine Geigentöne gefallen zu lassen. Er i,at noch nie Furcht gehabt; aber an dem Tage hat sein kleines Herz doch etwas gebebt. Nachher reichte ihm die Königin die Hand und sagte: Oh, you have played wonderfully! Dr. S. Herbert Horowitz ist ein Maler. Ein Berichterstatter bemerkt: Viel bewundert wird sein Bild „the Captive". Einfacher Hintergrund — ein Felseneiland — bewölkter Himmel — rechts das Meer — vorne eine Griechin, die Hände gefesselt, gefaltet, am Strande „das Land der Griechen mit der Seele suchend." Was ging Horwitz die Griechen an? Es wundern sich manche, daß er sich nicht einen jüdischen Vorwurf gewählt hat! Aus seiner tiefsten Seele stammt er sicher. Ohne es vielleicht zu wollen hat er das Schicksal und die Sehnsucht Israels verkörpert. Wie hätte er sonst so etwas malen können? Wre hätte er weite Kreise anziehen können? B. D. Daß der russische Korrespondent des „Deutschen Volksblattes" über die „Unsauberkeit" der russischen Juden Klage führt, ist umso unsinniger, als der russische Bauer ihn an Unsauberkeit bei Weitem übertrifft. Dem gegenüber muß man immer wieder auf die bis ins Einzelnste spezialisierte Reinheitsgesetzgebung des jüdischen Altertums und Mittelalters Hinweisen. Jntereffant ist es nun, was Karl Jentsch in der Zukunft vom 22. April 1905 (Jahrg. 13, Nr. 30 S. 124 ff.) über den Schmutz und die Unreinlichkeil des europäischen und deutschen Mittelalters und der Neuzeit bis ins 18. Jahrhundert hinein von Urteilen Tacitus bis zu denen Humes zusammengestellt hat. Es sei hier nur die von Jentsch zitierte Schilderung von Troels Lund wiedergegeben: Kann man sich darüber wundern, daß eine Bevölkerung hinstarb wie Fliegen, wenn ihre Mehrzahl, hoch gerechnet, sich nur einmal wöchentlich wusch, wenn sie Jahre lang weder Hosen, noch Unterzeug wechselte, wenn alle mit schmutzigen Händen ans derselben Schüssel aßen und zu Haufen in demselben schmutzigen Bett lagen? .... Diese Mitteilungen zeigen aber auch, woher die Juden im Mittelalter ihre Unsauberkeit hatten und woher sie die östlichen Juden noch heute haben, daß sie einzig und allein von der Verwahrlosung ihrer arischen Umgebung herrühren, deren angeborene Sauberkeit man nicht genug rühmen kann — Tacitus sagt von den Germanen; ne 3vrd1di. Erinnert seien unsere lieben Brüder im Westen auch an die Mahnung Jentschs, über diesen unangenehmen Seiten nicht die Kulturleistungen dieser Zeiten zu vergessen. Muß man ja doch oft genug, wenn man von der kulturellen Eigenart und dem geschlossenen Innenleben der östlichen Juden erzählt, die Antwort hören: „Ach die polnischen Juden sind doch so schmutzig." Jul. St. in Neubidschow. Eine Baron Hirsch'sche Brautausstattungsstiftung existiert unseres Wissens nicht. „St Zs. E." Die Baronin Hirsch-Wohltätigkeits-Stiftung gewährt Darlehen lediglich an solche Gewerbetreibende, welche in Wien domizilieren. L. 9*. in Trieft. Die Niederlassung der Juden in flavischen Ländern datiert noch aus der Zeit des Anfangs des Mittelalters. S. In der Heilanstalt für Sprachkranke — Dr. Hugo Stern, Wien, IX., Garnisongasse 4 — werden Stottern, Fehler in der Aussprache, sowie andere Sprach- und Sttmmstörungen hehandelt. Eigene Pension für auswärtige Patienten. Dr. B. S. Das ist germanische Staatsraison Ein Frankfurter Poet sendet der Fr.-Ztg. das folgende politische Schnadahüpfl: Staatsraison! Der Staat schützt als Hüter Der Zucht in Berlin Die heiligsten Güter Und hält Disziplin. Der Staat sorgt für jeden Und kennt seine Pflicht: Graf Pückler darf reden, Herr I a u r 6 s darfs nicht! Konkurs. Ill der israelitischen Kultusgemeinde der Landeshauptstadt Gzernowitz (Bukowina, Oesterreieh) gelangen ab 1. Jänner 1906 sämtliche Kantorenstetlen m neuen Tempel dieser Kultusgemeinde zur Besetzung, und zwar: a) Eine Oberkantorenstelle; b) Eine Kantorstelle; c) Zwei Unterkantorenstellen nnd d) Eine Chordirigentenstelle. Mit den Gehaltsbezügen, die den Gegenstand besonderer Vereinbarungen zwischen den geeigneten Bewerbern und dein Kultusvorstande bilden sollen, sind auch die üblichen Emolumente verbunden. Bisher war für die Stelle ad a) ein Jahresgehalt von 3200 Kronen, ad b) ein solcher von 2410 Kronen und für die Stellen ad c) und d) von je 1400 Kronen festgesetzt. Bewerber um diese Stellen müssen die entsprechenden musikalischen Kenntnisse, sowie das erforderliche hebräische Wissen und überdies die Eignung besitzen, einen grösseien Chor auszubilden und zu leiten. Die Bewerber dürfen keine Kohanem sein. Zur provisorischen, eventuell definitiven Besetzung der obigen Stellen wird hiemit der Konkurs ausgeschrieben. Die Bewerber haben in ihren Kompetenzgesuchen ihre Staatsangehörigkeit, ihr Alter und den Familienstand, ferner die genossene musikalische und wissenschaftlich t- Ausbildung, die Qualität der Stimme (ob Tenor, Bariton oder Bass), ihre bisherige Verwendung und Wirksamkeit in einer derartigen Stellung, endlich ihre physische und geistige Gesundheit, sowie ihr moralisches Verhalten mittelst Attesten nach zuweisen. Die bezüglichen Kompetenzgesuche sind beim Vorstande der Unterzeichneten Kultusgemeinde bis SpätßStSnS 20. AllQUS1 d. J. zu überreichen Der Kultusgemeinde-Bepräsentanz bleibt es Vorbehalten, die für die bezeichneten Funktionen geeigneten Personen nach eigenem Gutdünken anzustellen oder auch ohne Angabe von Gründen abzuweisen, ebenso nach ihrem Ermessen ihr geeignet scheinende Bewerber oder auch Andere zur Abhaltung von Probeuml Gastvorträgen in ihrem Gemeindetempel einznladen. Leisespesen werden nur den Akzeptierten vergütet werden. Czernowitz, 7. Juli 1905. Für den israelitischen Kultusvorstand: Der Präses: Dr. Strauchar.

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