Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 22 (1905)
- Issue
- 28 (14.7.1905)
- Date
- 1905-07-14
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
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Seite 444 Dr. Llocb's MocdenscbrtN. Nr. 28 Budapest. In Czinkota wurde dieser Tage die 31. Jahreswende des Bestandes des israelitischen Tempels gefeiert. Aus diesem Anlasse wurde an der Tempelmauer eine Gedenktafel angebracht, die Namen derjenigen neun Männer enthaltend, durch deren Opferwilligkeit der Tempel aufgeführt werden konnte. Der Enthüllung der Gedenktafel wohnte ein großes Publikum ohne Unterschied der Konfession bei. Die Festrede hielt das Gemeindemitglied S i l b e r st e i n, der die Verdienste der Gründer des Tempels würdigte. Nach ihm bestieg der res. Gymnasialprofessor Karl S z a l a y die Kanzel, um in einer schönen Rede die Notwendigkeit des Friedens und die Eintracht der Konfessionen zu betonen. Brun«. Dr. H. Fialla, mährisch-schlesischer Landesadvokat und Präsident der israelitischen Kultusgxmeinde wurde zum Ehrenpräsidenten des Israelitischen Mädchen-Freitisch- und Fürsorgevereines in Brünn gewählt. Brünn. Das von Herrn Oberkantor Josef Heller in Brünn komponierte und herausgegebene synagogale Musikwerk „Köl T’hilloh“, L Teil, wurde vom k. k. Universitätsprofessor H. Dr. Guido Adler für das musikhistorische Institut der k. k. Universität in Wien angenommen. Juugbuuzlau. Dem Herrn I. Hoffmann, Oberlehrer an der israel.-deutschen Privatvolksschule, wurde anläßlich seiner mehr als vierzigjährigen ersprießlichen Dienstzeit im Lehramte die vom Kaiser gestiftete Ehrenmedaille verliehen; zugleich wurde ihm aus diesem Anlasse seitens des Bezirksschulrates die belobende Anerkennung zuteil. Bielitz. Ueber die Entwicklung der Bielitzer israelitischen Kultusgemeinde, ihre Entstehung, den Bau des ersten Bethauses, die Gewährung zur Führung einer Orgel von Kaiser Ferdinand im Jahre 1843, die Gründung und Ausgestaltung der israelitischen Schule, den Bau des neuen Tempels im Jahre 1881 und die Errichtung des neuen Gemeindehauses in der Elisabethstraße handelt eine von Dr. M. Aronsohn, Mitglied des Kultusvorstandes, verfaßte, im Selbstverläge desselben erschienene Broschüre, die gewiß das Interesse der beteiligten israelitischen Gemeindekreise erwecken wird. Rabbi Salomo« Halberstamm s. A. aus Bobora in Galizien, ein Enkel des berühmten Rabbi Chaim Halberstamm in Neu - Sandez, ist am 4. d. M. in Nauheim im 58. Lebensjahre gestorben Die Leiche wurde mit einem Separatzug nach seiner Heimat überführt und der Zug wurde von Tausenden begleitet. An der Beerdiguugsfeierlichkeit haben an 10.000 Menschen, darunter zahlreiche Rabbiner Galiziens, teilgenommen. I. H. in Z. l Fund eines alte« Grabsteines mit jüdischer Inschrift in Olmütz. Beim Abreißen der «alten Kunst" in der Kunstgaffe (vor Jahrhunderten nebst der angrenzenden Pilten ein Ansiedlungsrayon der Israeliten) fand man vor einigen Wochen einen aus mehreren Stücken bestehenden Baustein mit hebräischer Inschrift Die noch vorhandenen, stark verwitterten und nur durch das Tastgefühl wahrnehmbaren Buchstaben: rn wahrscheinlich: m Ci “cxn wahrscheinlich: rrOKH twn. Sodann VN *mn Iv . . . . unleserlich «in lassen darauf schließen, daß es jedenfalls ein Grabstein gewesen sein dürfte. Ich habe nun rücksichtlich einer diesbezüglich gestellten Anfrage des städtischen Kustos Herrn Dr. Hans Kux, ob aus dem Inhalte, beziehungsweise dem Fundorte dieses Steines eventuelle Schlüffe zu ziehen wären — die Vermutung ausgesprochen, daß dieser Stein einem Manne gesetzt worden ist, welcher den Tod auf den Scheiterhaufen fand. Im 15. Jahrhundert erregte nämlich der Franziskanermönch Johannes Capistranus (1386—1456), welchen 1450 Pichst Nikolaus V. als feinen Legaten nach Deutschland schickte, um bei dem Volke den alten Kreuzzugseifer wieder zu entflammen — durch seine Hetzpredigten die Glaubenswut der Bevölkerung, so daß in Breslau 40 der Entweihung einer Hostie augeklagte Juden gefoltert und verbrannt worden sind. Auch insbesondere in Olmütz, Brünn rc. sättigte sich sein Fanatismus mit blutigen Opfern. Dieser Stein dürste demnach vermutlich einen jüdischen Märtyrer gestellt und zirka 500 Jahre alt sein. A. S t ö ß l e r, Sekretär und Kantor. Randnitz. K. k. Landwehr-Rabbiner Dr. Julius R e a ch hat von hier einen ehrenvollen Ruf nach G. a y a als Rabbiner der dortigen Kultusgemeinde erhalten. Zabreh. (Trauung.) Dienstag den 18. Juli l. I. um 3 Uhr nachmittags, findet im israelitischen Tempel die Trauung des Fräulein Emma Fertig mit Herrn Josef Schlesinger aus Radwanitz statt. Prag. Aus Kaaden wird der „Bohemia" unter dem Schlagworte „Völkische Gastfreundschaft" geschrieben: Ein Vorfall, der sich anläßlich der Hauptversammlung des Bundes der Deutschen in Böhmen ereignete, verdient als Merkmal festgehalten zu werden, wie gut und ernst es gewisse völkische Kreise mit der deutschen Einigkeit meinen. Während zu dem Feste in der Ankündigung jeder Deutsche eingeladen war, wurde einem Kaadener Studenten, der im Vertrauen auf diese Einladung sich an der Feier beteiligen wollte, sehr übel zugesetzt. Da er Mitglied einer fteiwilligen Studentenverbindung ist, fühlte sich ein bereits im Amte befindlicher Angehöriger einer völkischen Verbindung veranlaßt, diesen berechtigten Festgast, der nicht einmal seine studentischen Abzeichen trug, mit schroffen Worten hinauszuweisen. Er begründete diesen unbrüderlichen, von Gehässigkeit zeugenden Akt mit dem Motive, daß der Herr anderer politischer Meinung sei und infolge dessen auf dem Feste nichts zu suchen habe. Der peinliche Vorfall, welcher die Gesinnung der Völkischen, die soviel von Einigkeit flunkern, scharf illustriert, kann nicht einmal als ein antisemitischer Exzeß aufgefaßt werden, da der ausgewiesene Student „Arier" ist. Tabor. Der 9. Juli war für die hiesige Talmud-Tbora- Schule ein Ehrentag. An demselben fand eine öffentliche Prüfung, der die erwähnte Anstalt besuchenden Kinder statt. Die vielcn Gäste, Herren und Damen, die in der Erwartung, daß sie vorzügliche Leistungen zu hören bekommen werden, gekomnien waren, sahen sich nicht getäuscht und gewannen die Ueberzeugnng, daß die Schule bemüht ist, den Unterricht von Jahr zu Jahr interessanter zu gestalten. Der Umstand, daß 8—9jährige Kinder fließend hebräisch antworteten, erregte Bewunderung. Die Unterklasse der Lehranstalt zählte heuer 34, die Oberklaffe 14 Kinder. Bisenz. (Religionsprüfung.) Am 9. Juli fand an der hiesigen Kaiser Franz Josefs-Volksschule eine Schlußprüfung aus der Religion, den hebräischen Fächern und dem Pentateuch statt, welcher der Kultnsvorstand und zahlreiche Gäste beiwohnten Die Prüfung währte fast 3 Stunden. Die Schüler beantworteten die au sie gerichteten Fragen mit einer Präzision und Schlagfertigkeit, die allgemein überraschte. Die vorzüglichen Unterrichtserfolge sind in erster Reihe dem unermüdlichen und tüchtigen Pädagogen Sr. Ehrwürden Herrn Rabbiner Dr. Josef Hoff zu verdanken. Sichtlich befriedigt' und herzlichst dankend verließen die anwesenden Gäste die Schule. Teplitz-Schönau. Ueber das Schlußfest des Pensionates Altschnl gehen uns von geschätzter Seite nachstehende Zeilen zu': Welcher Sympathie sich das Pensionat R. und C. A l t s ch u l erfreut, zeigte das letzte Fest. Trotz der tropischen Hitze strömte eine Schar von Gönnern und Freunden, ja selbst Fremde in das Vereinshaus, um hier den vortrefflichen Gesängen, Deklamationen, Klavierproduktwnen und sonstigen Vorführungen beizuwohnen. Der Saal war durch das Bildnis der verstorbenen Pensionsvorsteherin, Frl. Regina Altschul und mit exotischen Gewächsen festlich geschmückt. Das reichhaltige Programm bot t»:cl Abwechslung und die Pensionsvorsteherin, Frl. Karla Altschul, ist es, die vor allen die Lorbeeren dieses ehrenvollen Tages davonträgt. Ihrem aufopfernden Walten, ihrer Fürsorge ist das Gelingen der schönen, in allen Punkten gelungenen Veranstaltung zu verdanken. Jede der einzelnen tadellos und unter großem Beifall vorgetragenen Piecen, so der Vortrag der französischen und englischen Gedichte erbrachten durch die wirklich vorzügliche Wiedergabe den Beweis einerseits für die eigene, sehr erfreuliche Leistungsfähigkeit der Vortragenden, anderseits von dem gewissenhaften, sorgfältigen und erfolgreichen Unterrichte, der ihnen im Institute von Madm. Marie Julien und Miß S. Penny zuteil wird. Die Pensionsvorsteherin Frl. Karla Altschul, wie auch sämtliche Jnstitutslehrerinnen wurden durch herrliche Blumenspenden geehrt. Jerusalem. Am 26. Juni fand hier im israelitischen Krankenhaus Misgab Ladach eine Trauerfeier zum Andenken andie verstorbenen Barone Älphons und Nathaniel von Rothschild statt. New-Aork. Auf die Anfrage eines hiesigen jüdischen Blattes teilte der japanische Kriegsminister mit, daß bis zum 1. April d. I. insgesamt 811 jüdische Soldaten in japanische Gefangenschaft geraten sind, von denen sich 415 in Hamadera, 145 in Matsuyama, 93 in Himedy, 48 in Ukuschiana, 28 in Ukurka und 2 in Tojohashi befinden. Die Liste ist vor der Schlacht bei Mnkden zusammengestellt; es dürfte anzunehmen sein, daß die Zahl der jüdischen Kriegsgefangenen nach derselben gestiegen ist.