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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1905-07-14 · 28 (14.7.1905) · page 11

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
22 (1905)
Issue
28 (14.7.1905)
Date
1905-07-14
Page
– (sequence 11)
Language
German
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Seite 443 §>r. 28 Dr. Dlocb's MlocbenscbrtN. tionen, die ruhig und still verlaufen sind" . . . Genossen! Wir haben also — friedlich demonstriert, und weiter nichts mehr!? O nein, und tausendmal nein! ... In den letzten blutigen Tagen haben wir, jüdische und christliche Arbeiter, nicht nur Riesendemonstrationen veranstaltet, nein, wir hatten fast alle unsere Kräfte mobilisiert, fester unsere proletarischen Reihen geschlossen, enger uns vereinigt und solch eine Macht gebildet, die die Ketten der zarischen Willkür spottend zerreißt, die verfaulte asiatische Despotie gewaltig erzittern machte. Es tönte die Donnerstimme der Arbeiterklasse: „Wir kämpfen! Wir befreien uns!" Diese Stimme kann keine Macht der Welt ersticken. In ganz Rußland — ja in der ganzen Welt! — wird sie gehört werden und wird neues Leben und Siegesgewißheit in den Reihen des kämpfenden Proletariats entfachen. Diese Tage haben die Macht der vereinigten Arbeiter gezeigt. . . . Das Bürgertum, in Anbetracht unserer Größe, wurde dreister und jubelte uns begeistert zu. Und wer blieb auf der Seite der zarischen Regierung? Eine wilde Polizeibande, Soldaten und Bluthunde — Spione. Aber auch dort war es nicht ganz ruhig. Einzelne Soldaten entblößten vor uns ihre Häupter — das waren helle Sonnenstrahlen, die unsere sozialistische Propaganda in die stockfinstere Zarennacht siegreich geworfen hat. Und „in Lodz ist es still und ruhig"!! Solch eine Albernheit muß sich das Land von der Zensur verkünden lassen. Genossen! Es kommt die Revolution! Alle auf! Jeder auf seinem Platze! Kein Moment seine Pflichten, kein Moment seine Aufgaben vergessen! Wir haben nur einen Platz, — auf dem Schlachtfelde, auf den Straßen, hinter den Barrikaden! Nur mit Waffen in der Hand, im Heldenkampse können wir siegen! Hoch die Solidarität der Arbeiter! Hoch die Revolution! Hoch die demokratische Republik! Hoch der Sozialismus! Das Lodzer Komitee des Allgemeinen jüdischen Arbeiterbundes in Litauen, Polen und Rußland. Eine Denkschrift der Moskauer Inden. Die Moskauer intelligenten Juden haben eine Denkschrift ausgearbeitet, in der es unter anderm heißt: „Von jeher ein friedliches Volk, haben wir es nunmehr gelernt, bei der Verteidigung unserer Ehre, des Lebens unserer Nächsten und des Volkswohls mit den Waffen in der Hand zu sterben. Sollte aber der innere Krieg fortgesetzt werden müssen, so werden wir auch zu siegen lernen. Man kann uns," so heißt es weiter, „im ungleichen Kampfe stückweise vertilgen, aber Parias werden wir nicht mehr in dem Lande sein, in dem wir ausgewachsen sind, in den wir arbeiten." Die Hetze gegen die Inden. Aus Odessa wird berichtet: Der bekannte Antisemit Kruschewan ist an der Spitze einer Gesellschaft von Agitatoren hier eingetroffen, die das Volk zu Mord und Totschlag gegen die Juden auffordern. Die Furcht innerhalb der jüdischen Bevölkerung von Odessa ist unbeschreiblich, zu Tausenden verlassen die Juden mit Frauen und Kindern die Stadt. Der Gehilfe des Polizeimeisters Kinsdljanowski sagte zu den zurückkehrenden Kämpfern aus Port-Arthur, die um Unterstützung baten: „Nehmt euch von den Juden, bei ihnen findet ihr viel Gutes!" Auf der Straße hetzen die Schutzleute ungeniert das niedere Volk gegen vorbeigehende Juden auf und verbreiteten diese Auffassung nachdrücklich unter den 20.000 jetzt brotlosen Hafenarbeitern, die hungrig und zu jedem Raube bereit sind. Das Gleiche wird unter' den Truppen verbreitet. Die jüdische Gemeinde von Odessa ist überzeugt, daß bei der bevorstehenden Hetze dem Militär die Hauptrolle zufällt. Graf Jgnatiew, der gegenwärtig zur Beruhigung der Bevölkerung nach Südrußland gesendet wurde, sagte einem ''Abgesandten der südrussischen Judengemeinden: „Die Regierung wird mit euch eueren Regeln gemäß verfahren: Aug' um Aug', Zahn um Zahn!" Vermischtes. ien. (V er l o b u n g s a n z e i g e.) Fräulein Josefine Meitner, Tochter des Realitütenbesitzers Herrn D. Meitner, Wien, HI.. Ob. Weißgärberstraße 11, hat sich mit Herrn Max Bodansky verlobt. Wien. Eine Deputation von Rabbinern aus Böhmen hat vorige Woche unter Führung der jungczechischen Abgeordneten S l a m a und Dr. Dyk beim Unterrichtsminister Dr. Ritter v. Härtel mit der Bitte vorgesprochen, gewisse Fragen der jüdischen Religivnsgenvffenschaft zu regeln. Der Minister nahm die Deputation sehr wohlwollend aus und erklärte, er könne zwar in die Autonomie der Religivnsgenossenschasten nicht leicht eingreifen, werde aber sein Möglichstes tun, die vorgebrachten Wünsche zu erfüllen. Wien. (Spende.) Für die Zwecke der „Selbstbewaffnung der Juden Rußlands" hat uns Herr Albert Mandelbaum 20 Kronen übersendet. Klosterneuburg. Bei der am 15. v. M. stattgesundenen Kultuswahl wurden folgende Herren in den Ausschuß gewählt: Alois Fischl, Weingroßhändler. Ignatz Ehrenfest, Weingroßhändler, Josef Weiner, Bäcker, Emanuel Lustschitz, Kaufmann, Ludwig Gabriel Fleischmann, Pretiosenhändler, Hugo Kafka, Weingroßhändler, sämtliche in Klosterneuburg: Elieser Schlesinger, Kaufmann, Kirchberg: Bernhard Spitz, Kaufmann. Tulln. Ferner wurden gewühlt als Ersatzmänner: Herr Med. Dr. Alois Tramer, Klosterneuburg, und Herr Karl Propper, Wmnhändler in Klosterneuburg. Bei der darauf folgenden Vorstandswahl wurden die Herren Alois Fischl zum Kultusvorsteher, Josef Weiner, Vorsteher-Stellvertreter, Emanuel Lustschitz, Ludwig Gabr. Fleischmann, Ignatz Ehrenfest zu Beiräten gewählt. Todesfall in der Familie Berson. Die Familie eines unserer edelsten Glaubensgenossen hat ein schwerer Verlust betroffen. Frau Cecilie Berson, Schwiegermutter des ehemaligen Abgeordneten Dr. M. R o s e n st o ck Edler von Rozstocki, ist in Bad Vöslau, wo sie zur Kur weilte, im Alter von 66 Jahren verschieden. Die Familie Berson zählt zu den vornehmsten in der großen jüdischen Gemeinde Warschaus. Ihre Angehörigen und Mitglieder find nicht bloß Führer und Vorsteher, sondern auch ausgezeichnet als Philanthropen und Forscher und die Heimgegangene lebte und wirkte in dieser edlen Tradition. Zu den dieser edlen und ihrer hochherzigen Gesinnung willen weithin gerühmten Frau Nächststehenden zählt u. A. auch Frau Pauline Emden, Hamburg, die sich in den letzten Jahren durch die Uebersetzung der Berson'schen Werke über Holzsynagogen in Polen und Rußland ins Deutsche um die jüdische Wissenschaft ein dankenswertes Verdienst erworben hat. Dr. M. (i. Ein jüdischer Vizebürgermeister in Krakau. In Krakau wurde der Oberbaurat Sarg zum zweiten Vizebürgermeister der Stadt gewählt. Ein jüdisches Mitglied des galizischen Landesschulrates. Se. Majestät der Kaiser hat Herrn Professor Leon Sternbach von der Krakauer Universität zum Mitglied des galizischen Landesschulrates als Vertreter der jüdischen Konfession ernannt. Herr Professor Dr. S t e r n b a ch hat sich demgemäß an die Kultusvorstände von Lemberg und Krakau gewendet und um Aeußerung ihrer Wünsche angesucht, die er maßgebenden Ortes zu vertreten, gern sich bereit erklärt hat.

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