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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1905-07-14 · 28 (14.7.1905) · page 8

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
22 (1905)
Issue
28 (14.7.1905)
Date
1905-07-14
Page
– (sequence 8)
Language
German
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Sette 440 Dr. Bloch's Wochenschrift. Nr. SS Korrespondenzen. Rabbinerwahl bei der Pefter israelitischen Knltusgemeinde. Bei der Pester israelitischen Kultusgemeinde sind bekanntlich zwei Rabbinerstellen vakant geworden. In Angelegenheit der Rabbinerwahl fand nun unter Vorsitz des Hofrates Sigmund K o h n e r eine Ausschußsitzung der Gemeindevorstehung statt. In derselben wurden zwei Anträge zur Diskussion gestellt. Nach der einen sollte jetzt bloß eine Rabbinerstelle, die andere aber erst im September besetzt werden, während der zweite Antrag die gleichzeitige Besetzung beider Stellen wünschte. Nach eingehender Debatte wurde beschlossen, der am 9. Juli abzuhaltenden Repräsentantensitzung den Antrag vorzulegen, schon jetzt zwei Rabbiner zu wählen. Es wurde ferner beschlossen, im Kultustempel in der Tabakgasse die Stelle des deutschen Predigers aufzulassen und auf die Stelle eines ungarischen Predigers im Rombachtempel im Herbst einen Konkurs auszuschreiben. Bezüglich der Modalitäten der Rabbinerwahl wurde beschlossen, die Feststellung derselben der Repräsentanz zu überlassen, da der Ausschuß alle vier Kandidaten der Wahl würdig erachtet und den Schein einer Parteinahme für den einen oder anderen Kandidaten nicht aufkommen lassen will. Die Repräsentanz der Pester israel. Kultusgemeinde hielt denn auch Sonntag unter dem Vorsitze des Vizepräsidenten HofrateS Philipp Weinmann eine Generalversammlung, in welcher jene zwei Rabbiner designiert wurden, die der Sonntag am 16. d. abzuhaltenden Generalversammlung der Kultusgemcinde zur Wahl empfohlen werden. Die beiden Rabbinerstellen wurden durch den Tod Dr. Kayserlings und die Ernennung des Rabbiners Dr. Weißburg zum Sekretär der Kuttusgemeinde vakant. Zu den Probepredigten waren die Rabbiner Dr. Julius Fischer (Prag), Dr. Simon Händler (Lugos), Dr. Max Pollak (Oedenburg) und Dr. Leopold Kecskcmeti (Großwardein) berufen worden. Unter diesen vier Kandidaten hätte der Vorstand zwei zur Wahl empfehlen müssen, da man sich aber über die Kandidation nicht einigen konnte, wurde in der am 28. Juni abgehaltencn Ausschußsitzung beschlossen, die Entscheidung der Repräsentanz zu überlassen. Der Vorsitzende gedachte vor allem in pietätvollen Worten des verstorbenen Rabbiners Lazarus Pollak, au dessen Stelle im Herbst ein Rabbiner gewählt werden wird. Sodann machte er davon Mitteilung, daß vier Rabbinerkandidatcn zur Probepredigt zugelassen worden waren, von denen nunmehr zwei auszuwählen seien. Er macht darauf aufmerksam, daß im Sinne der Statuten in geheimer Abstimmung zwei Rabbiner zugleich zu wählen seien, denen die absolute Stimmenmehrheit zufallen müsse. Der Vorsitzende weist ferner darauf hin, daß der eine Kandidat, Dr. Fischer, derzeit ö st erreicht scher Staatsangehöriger sei. Dies habe jedoch auf die Wahl keinen Einfluß, da die Statuten vorschreiben, daß er im Falle seiner Wahl die ungarische Staatsbürgerschaft erwerben müsse, was umso leichter sei, als sich Dr. Fischer als ehemaliger ungarischer Staatsbürger blos * repatriieren lassen muß. Dr. G l ü ck s t h a l führte, mit dem Vorredner polemisierend, aus, daß die Wahl mit relativer Stimmenmehrheit erfolgen müsse, andererseits schreibe das Rezeptionsgesetz vor, daß der Kandidat im Augenblick der Wahl ungarischer Staatsbürger sein müsse. Die Auslegung des Vorsitzenden sei eine Umgehung des Gesetzes. Moriz M e z e i ersuchte die Versammlung, auszusprechen, Dr. Fischer müsse, falls er gewählt würde, bis Ende August das ungarische Staatsbürgerrecht erwerben. Redner beantragt, nicht auf beide Kandidaten, sondern auf jeden separat abzustimmen. Sigmund Singer nimmt den Vorschlag des Präsidenten vollinhaltlich an. Nachdem noch Max Szabolcsi gesprochen, akzeptierte die Generalversammlung die Proposition des Vorsitzenden mit dem Zusatz, daß sich Dr. Fischer im Falle seiner Wahl zu verpflichten habe, bis 31. August das ungarische Staatsbürgerrecht wieder zu erwerben. Hierauf wurde die Abstimmung vorgenommen. Von den abgegebenen 103 Stimmen entfielen auf Dr. Händler 83, auf Dr. Fischer 74, auf Dr. Kecskemeti 45 und auf Dr. Pollak 4 Stimmen. Demnach erscheinen Dr. Simon Händler, Rabbiner aus Lugos, und Dr. Julius Fischer, Rabbiner aus Prag, als gewählt. Die endgiltige Wahl erfolgt in der am 18. d. stattfindenden Generalversammlung der Kultusgemeinde, in welcher sämtliche Gemeindemitglieder ihr Stimmrecht ausüben können. Die „Zweiteilung" des Prager Deutschtums. Wir lesen in der Prager „Politik": Daß in der Prager deutschen Gesellschaft die Zweiteilung ziemlich scharf durchgeführt ist, das ist eine altbekannte Tatsache. Auf der eine Seite stehen die „Stammesdeutschen", auf der anderen die „deutschfreundlichen Israeliten". Die Vereine sind fast durchwegs „judenrein" oder jüdisch — die letzteren meist mit ein paar Renommierchristen. Die Studenten haben ihr Ghetto in der „Lesehalle" und selbst in Gasthäusern gibt es „geschlossene deutsche Sprachgebiete", d. h. Stammtische, an die sich bloß arische Deutsche setzen dürfen. Nun aber griff die Zweiteilung bereits bis ins — Krankenhaus hinüber. Eine Eingabe, welche eben die Prager Krankenhausärzte mosaischer Konfession an die israelitische Kultusgemeinderepräsentanz richteten, läßt erkennen, wie weit auch schon an den deutschen Kliniken die Scheidung gediehen ist. „Die Zustände im allgemeinen Krankenhause" — heißt es in dieser'Eingabe — „haben sich unter deutschnationalem Einfluß im letzten Jahrzehnt für die Ausbildung der jüdischen Aerzte derart ungünstig gestaltet, daß ihnen allmälig eine Klinik nach der anderen versperrt wird. Seit dem Jahre 1895, in welchem Herr Professor Anton Wölfler die Leitung der deutschen chirurgischen Klinik übernahm, gelang es keinem Juden, eine der vier Assistentenstellen zu erlangen . . . Besonders kraß aber sind die Verhältnisse an anderen Kliniken, unter denen in erster Reihe die interne Klinik des Herrn Professors v. Jaksch und die Ohrenklinik des Herrn Professors Zaufal zu nennen sind. Au der Klinik v. Jaksch ist der antisemitische Einfluß so mächtig, geworden, daß nicht bloß seit einem Jahrzehnt kein jüdischer Assistent angestellt wurde, sondern auch seit mehreren Jahren kein Externarzt die Möglichkeit einer Ausbildung in diesem wichtigen Fache der ärztlichen Wissenschaft genießen konnte. Dasselbe gilt von der Klinik Zaufal, seitdem det Chef, durch eine langwierige Krankheit an der Leitung; der Klinik verhindert, diese dem Docenten Piffel übertragen mußte. Tatsächlich mußten von dem Zeitpunkt an, wo der Dozent die Führung der Klinik übernahm, sowohl der jüdische Assistent als auch der jüdische. Externarzt die Klinik verlassen. Seither ist den Juden die spezialistische Ausbildung in Ohren- und Nasenheilkunde in Prag unmöglich. Aus den mit den Kliniken in enger Verbindung stehenden Instituten für die Lehrfächer „Pathologische Anatomie" und „Gerichtliche Medizin" sind die Juden unter dem Einflüsse des deutschnationalen Chess Hosrates Pros. Chiari und Prof. Dittrich verdrängt worden. Als nach langer Zeit Prof. Chiari infolge Aerztemangels sich gezwungen sah, einem jüdischen Arzte eine Assistentenstelle zu übertragen, wurde letzterer kurze Zeit darauf, als sich ein arischer Arzt sand, derart zurückgesetzt, daß er seine Stelle niederlegte, da er im Gegensätze zu. anderen Kollegen Ehrgefühl im Leibe hatte. Professor Dittrich ist ein würdiger Genosse Verganis und Schneiders; vor ungefähr einem Jahre beschuldigten ihn hiesige Blätter des Betrugs an Krankenkassen, Professor Dittrich klagte die Blätter, sah sich aber bald gezwungen, seine Klage beding u n g s l o s zurückzuziehen. Dieser würdige Antisemit nun hat ein Auditorium, das sich ausschließlich aus Hörern des 9. und 10. Semesters rekrutiert; er stellt aber doch lieber einen Hörer im 8. Semester an, als selbst einen tüchtigen graduierten jüdischen Arzt. Und selbst die wenigen jüdischen Vorstände beugen sich

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