Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 22 (1905)
- Issue
- 27 (7.7.1905)
- Date
- 1905-07-07
- Page
- – (sequence 13)
- Language
- German
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Nr. 27 Dr. Btocb’s Mlocvenscvttn. Seite 429 noch die Oberbauräte der Statthalterei Bacher und Fellner namens der technischen Beamten und rühmten die Kollegial tat Taussigs, wobei sie »gleich der Genugtuung Ausdruck gaben, daß es einem Mitgliede des Beamtenkörpers der Statthalterei vergönnt war, eine so bervorragende und erfolgreiche Tätigkeit zu entfalten. Der Rechtskonsulent der Donauregulierungskommission, Dr. Max Egger, anerkannte die Bestrebungen des Hofrates Taussig, zwischen den technischen und den anderen Abteilungen der Donamegulierunpskommission stets die freundlichsten Beziehungen anfrechtzuerhalten. Tiefgerührt dankte Hofrat Taussig für die ihm von seinen Kollegen zuteil gewordene Ehrung. Er werde allen seinen Mitarbeitern, welchen die errungenen Erfolge in erster Linie zu verdanken seien, die freundlichste Erinnerung bewahren. Wien. (Hofrat Professor Isidor Neumann.) Wie die „Wiener Zeitung" publiziert, hat der Kaiser dem emeritierten Universitätsprofessor Hofrat Dr. Isidor Neuma n n den Adelsstand mit dem Ehrenworte „Edler" und dem Prädikate „Heilwart" verliehen. Humanitärer Geselligkeitsverein „Rudolfsbund". Mittwoch am 2>. v. M. fand die XV. ordentliche Generalversammlung des humanitären Geselligkeitsvereines „Rudolfsbund" statt, bei welcher der Obmann desselben, Armenrat Josef S e l l a k, nach Eröffnung der Sitzung ausführlichen Bericht des verstossenen Jahres erstattete, der mit Beifall zur Kenntnis genommen wurde. Sodann gedachte derselbe des verstorbenen Ehrenmitgliedes kais. Rat Herrn Heinrich Klinger in warmen Worten, die von den Versammelten stehend angehört wurden. — Hierauf gelangte zur Tagesordnung: 1. Rechenschaftsbericht; 2. Kaffabericht; 3. Neuwahl von Ausschubmitgliedern. 1. nnd 2. wurden geprüft und dem Ausschüsse das Absoluiorium erteilt. In den Ausschuß wurden die Herren Isidor Werner, Leon Hacker, Max K r a m m und S. S a f i a n neugewählt, die im Laufe des Jahres kooptiert und bestätigt wurden. Eme gänzlich neue Wahl des Ausschusses findet im heurigen Jahre, gemäß der Statuten, nicht statt. Ueber Antrag des Ausschußmitgliedes Herrn Max Kramm wurde beschlossen, jeden Samstag abends halb acht Uhr. um die Geselligkeit zu pflegen und damit sich die Mitglieder gegenseitig kennen lernen und um den Verein zu stärken, während der Sommermonate im l. Kaff e muse, Prater, gesellige Zusammenkünfte abzuhalten. Die p. t. Mltglieoer werden daher auch gebeten, mit ihren Verwandten und Bekannten zu diesen Abenden zahlreich zu erscheinen. Wien. (Spende.) Für die zugereisten armen russischen Juden sind uns vom Herrn Hugo Popper in Wien K 5.— zugekommen. Gr.-Kanizsa. Die hiesige Talmud-Thoraschule entfaltet eine überaus segensreiche Tätigkeit. Die Prüfungen haben bereits am 17. Juni stattgefunden, der Besuch der Schule ist ein stets steigender. Den Ferialkurs besuchen 101 Schüler. Während des abgelaufenen Schuljahres besuchten 219 Schüler, 60 aus der Elementarschule, 35 aus der städtischen Bürgerschule, 52 höhere Handelsschule und 72 aus dem katholischen Gymnasium, die Schule. Lehrstoff: Gebeteübersetzung, ausgewählte Kapitel aus dem I. II. und V. Buch Moses, II. B. der Könige, Jeremias und I., IV. C. Pirke Aboth. Vorstandsmitglieder, die in unausgesetzter Tätigkeit sich für den Talmud- Thoraverein einsetzen, sind: Oberrabbiner Dr. Neumann, Moriz Halphen, Dr. Olopp und S. Rothschild. Es wäre wünschenswert, wenn auch in anderen Gemeinden das Interesse der Jugend für jüdisches Wissen wachgerufen und gepflegt würde. L. W. Leipnik. (Trauung.) Sonntag den 9. d. M. findet im hiesigen israelitischen Tempel die Trauung von Frl. Lina Ehrlich, Tochter des Polizeileiters Herrn Jakob Ehrlich, mit Herrn Armin Biel, Disponenten der Selchwaren-Fabrik Leopold Ehrlich in Wien, statt. Budweis. Um die vakante Rabbinerstelle in Budweis sind 36, um die Religionslehrerstelle 44 Gesuche eingelaufen. Als erster war zum Probevortrage Herr Dr. Prosnitz aus Mähr.-Schönberg berufen worden. Die zweite Probepredigt hält am 7. d. M. Dr. Schornstein aus Leitmeritz. — Unter ziemlich lebhafter Beteiligung und Agitation find am 29. Juni die Wahlen in die Vertretung der Kultusgemeinde Budweis verlaufen; es wurden bis auf eine Ausnahme sämtliche der vom Wahlkomitee vorgeschlagenen Kandidaten, darunter auch die bisherigen Funktionäre des Vorstandes, und zwar die Herren Dr. Kohn und Ludwig Lederer, die Tempelvorstände kais. Rat Ignaz Fantl und Dr. Freund, Rechnungsführer Dr. Sachs, Schriftführer Dr. Bullaty und Kassier Otto Ullmann in den Vorstand nahezu einhellig wiedergewählt. Gewitsch. Am 24. Juni hielt in unserer Gemeinde Herr Armin W i t k o w i t s ch, Kantor in Eibenschitz, einen Probevortrag und erregte derselbe einen außerordentlichen Beifall mit seiner Vortragsweise. Herr Witkowitsch wurde als erster Kandidat akzeptiert und tritt bereits am 15. d. seine Stelle an. Jassy. Unser Rabbiner Dr. Niemirower wurde in Bukarest, anläßlich seiner Anwesenheit bei den Beratungen der Großloge Bne Brith, vom Justizminister Alex Badareu in Audienz empfangen. Der Rabbiner ersuchte den Justizminister, den besonderen Judeneid Llore judaica abzuschaffen, der dem Geiste des Judentums nicht entspricht und eine Schmach für die Kultur des Landes ist. Der Minister, der den Dr. Niemirower sehr freundlich empfangen, versprach, diese Frage zu studieren, eine Kommission zur-Prüfung der Angelegenheit zu ernennen, um alsdann eine Entscheidung zu treffen. Feuilleton. Ans finstern Zeilen. Eine Erzählung aus dem jüdischen Leben Galiziens vor fünfzig Jahren. Von Nathan Samuely. Zehntes Kapitel. Seit jener Zeit kannte die Zärtlichkeit Jankeles gegen seine Rachele keine Grenzen mehr. Er lauschte auf ihre Atemzüge, beobachtete jede ihrer Bewegungen, erriet jeden ihrer Wünsche, bevor sie dieselben aussprach, und umgab sie mit unendlicher Liebe. Die kleinste, noch so geringfügige Aufregung suchte er von ihr fernzuhalten. Wohl hundertmal stieg er während der Nacht aus dem Betre, um nach ihrem Atem zu lauschen, um nachzusehen, ob das Zimmer in gehöriger Wärme erhalten sei, ob sie nicht irgend einen Wunsch zu äußern habe. War sie bei der Arbeit, rüttelte er sie jede halbe Stunde auf mit der Mahnung, im Zimmer einige Mal Bewegung zu machen. Verriet sie durch eine Miene irgend ein kleines Unwohlsein, so geberdete er sich wie ein Verzweifelter, rannte händeringend im Zimmer herum und alle ihre Beteuerungen, daß sie sich wohl fühle, vermochten nicht, ihm wieder die Ruhe zu geben. Völlig unzurechnungsfähig war er an dem Tage, an welchem die lang erwartete Stunde schlagen sollte. Wirr, mit aufgesträubten Haaren lief er im Zimmer auf und nieder, rang die Hände, seufzte, schlug das Gebetbuch auf und betete, dann trat er wieder mit verstörten Zügen und tränenvollen Augen vor uns hin: „Eltern, liebe Eltern!" stöhnte er. „Was anfangen, was tun? Meine Rachele ... sie stöhnt so, meine Rachele ..." Unsere Versicherung, daß Alles ja seinen natürlichen Lauf habe, konnte uns nur wenig nützen, der Arme ächzte, weinte und lief verzweifelt umher. Als später gar die Hebamme mit dem Rufe ins Zimmer trat: „Maseltow, ein Mädel!" geriet Jankele in so wahnsinnige Freude, daß ein Unglück zu befürchten war, denn er war nahe daran, sich auf Mutter und Kind niederzustü^en. „Maseltow! Maseltow!" mit diesem Rufe sprang er wie ein Narr im Zimmer herum, klatschte in die Hände und warf sich Jedem, der in das Zimmer trat, um den Hals. O, das waren himmlische Freuden! Was hatten sich unsere Kinder nicht Alles zu sagen! Oft lauschten wir halbe Nächte auf ihre Gespräche, die von unendlicher Liebe überströmten.