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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1905-07-07 · 27 (7.7.1905) · page 5

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
22 (1905)
Issue
27 (7.7.1905)
Date
1905-07-07
Page
– (sequence 5)
Language
German
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Nr. 27 Dr. Blocb’s MocbenscbrLN. Sette 421 marktfest zu Plundersweilern", besonders in der ersten Fassung von 1774. Neue Bedeutung gewann der Stoff als Sprachrohr politischer Fehde. Doch schlägt keines der deutschen Stücke diese politische Seite an, desto lauter erklingt sie in England und Frankreich. Ein Quartdruck von 1561, im Besitz des Herzogs von Devonshire, meint mit Haman offenbar Kardinal Wolfey, den stolzen Minister Heinrichs VIII. In Frankreich war zur Zeit Ludwigs XIII. der verhaßteste Mann der Marschall d'Ancre, der einstige Stallmeister Conlini Der Freude 'über seine Ermordung (1617) gab eine 1622 erschienene „tragödie nouvelle de la perfidie d’Aman“ Ausdruck. Am Ende des Jahrhunderts galt als „Haman" der Kriegsminister Louvois, als „Esther" Frau von Maintenon, als „Vasthi" Madame de Montespan, und im Aufträge der Maintenon schrieb Jean Racine 1688 seine „Esther", die 1689 im Damenstift von Saint-Cyr aufgeführt wurde. Aber die Auftraggeberin erreichte ihr Ziel, öffentlich zur Königin erklärt zu werden, nicht. — Wie sich der Stoff unter den Händen eines großen modernen Dichters gestalten würde, zeigt Grillparzers „Esther"-Fragment, dessen vollendete Szenen zu dem Schönsten gehören, was er je geschrieben hat. Seine Quelle war Lope de Vega's biblisches Drama „La hermosa Esther“. Aber während der Spanier nur eine anschauliche Dramatisierung seiner Quelle beabsichtigte, hat Grillparzer sein Augenmerk besonders auf die Vertiefung der Charaktere und die tragische Idee gerichtet. Dadurch überragt sein Fragment alle anderen Bearbeitungen des Stoffes. Indem Esther ihren Glauben verleugnet und durch diese halbe Lüge Königin geworden ist, legt sie den Keim zu ihrem Verderben, sie verliert ihre Unschuld und verscherzt ihr Glück. Das Stück sollte mit dem Ausblick auf ein qualvolles Leben Esthers schließen. Keiner von Grillparzers Vorgängern hatte daran gedacht, dies Motiv der Verheimlichung ihres Namens zum Ausgangspunkt eines tragischen Seelenkampfes zu machen. Das semitische Museum der Harvard-Universität. Eine der bekanntesten und bestausgestatteten Universitäten Amerikas ist die Harvard-Universität zu Cambridge im Staate Massachusetts. Unter den Einrichtungen dieser Hochschule aber verdient besondere Beachtung das semitische Museum, in welchem sowohl den Studierenden der Harward-Universität als den Studentinnen des mit der Universität eng verbundenen Frauenkollegs Ratcliffe Gelegenheit zum Studium des Volkes Israel und der Geschichte der Staaten Vorderasiens gegeben wird. Das schöne Gebäude liegt in einer schattigen Allee der geschäftsreichen Stadt, aus deren lebendigem Betriebe der Besucher gleichsam mit einem Schritte aus dem 20. Jahrhundert in die Zeiten Sanheribs und Nebukadnezars hinübergeführt wird. Diese Zeiten aber sind für unsere Kultur von hervorragender Bedeutung, da in ihnen die ethische Raffenbewegung ihren Anfang nahm, die ihren Gipfelpunkt im Christentum fand. In sie einzuführen ist die Aufgabe der Kurse, welche die Gelehrten der Harvard-Universität im Museum abhalten. Sie beschäftigen sich im wesentlichen mit der Darlegung des altsemitischen Lebens und der Religion der zwölf Stämme, soweit diese das nationale Leben des Volkes berührte. Sitten und Gebräuche des Alltagslebens, Art und Weise der Kleidung und der Rede, die Umgebung, in der sie leben, ihre großen Gebäude und großen öffentlichen Werke sind daher in Rekonstruktionen im Museum enthalten, und diese Sammlung ist wohl eine der wertvollsten, die es überhaupt gibt. Da sehen wir vor allem ein von dem bekannten deutschen Archäologen Dr. Konrad Schick in Jerusalem hergestelltes herrliches Modell des salomonischen Tempels, in und an dem alles angebracht ist, das durch die biblischen Urkunden oder archäologischen Studien festgestellt ist, und w-mn in der Anordnung auch wohl, wie bei den Rekonstruktionen von Troja, Mycene und Olympia, die Phantasie etwas mitgespielt hat, so gibt das ganze doch ein anschauliches und relativ wahres Bild. Als Gegenstück des Tempels dient ein großes Modell des Platzes Harem es Sherif. Dieser Platz darf wohl als einer der intereffantesten der Welt bezeichnet werden. Aus ihm standen vermutlich der Altar, den nach 2. Sam. 24, 16 ff. König David auf der Tuma Araonos des Jabufithers baute, die'Paläste Salomos, ein zweiter Tempel, den die aus der Gefangenschaft zurückkehrenden Juden erbauten, und später der Tempel des Herodes. Die Archäologen halten es nicht für ausgeschloffen, daß im südöstlichen Winkel des Platzes sich noch die Substruktionen der Gebäude aus der Zeit Salomos vorfinden können. Ein längliches Gebäude, das einen Teil des Platzes einnimmt, ist bereits wiedererstanden; man nennt es die Stätte Salomos. Auch glauben manche Archäologen, einen Teil vom Tempel des Herodes aufgefunden und als solchen festgestellt zu haben. Aus diesem Platze hat später Kaiser Hadrian einen großen Tempel für Jupiter und einen kleineren für seine eigene göttliche Person errichten lassen. Ferner haben um 700 n. Chr. dort die Mohammedaner die Moschee erbaut, welche sie den Felsendom, die Christen aber die Moschee Omars nannten. Hier ist eine der heiligsten Stätten für die Mohammedaner; aus dem großen Felsen unter der Kuppel der Moschee soll der große Altar im Tempel Salomos gestanden haben. Weiterhin birgt das Museum eine große Anzahl der wertvollen affyrischen Tontafeln, aus denen wir neuerdings so vieles über die alte Geschichte der Völker Borderafiens erfahren haben und die uns namentlich einen Einblick geben in das öffentliche, private und gesellschaftliche Leben der Zeiten des 8. und 7. Jahrhunderts v. Chr. Zwei dieser Tontafeln der Sammlung stammen sogar schon von dem neuerdings viel genannten Hammurab-Amraphel. Sie berichten von Liegenschaftsverkäusen, die dem Anscheine nach nicht wesentlich von derartigen Vorgängen unserer Zeit verschieden waren. Gne andere Tafel gibt uns Bericht über die Bauunternehmungen Nebukadnezars. — Ferner besitzt das Museum eine ganze Anzahl von Ziegeln und Basreliefs, die von alten Gebäuden herrühren. Jeder Stein trägt den Namen und den Titel des Königs, der den Bau errichtete, zu dem der Stein gehörte; jedes Relief stellt irgend einen Vorgang aus der Zeit einer der großen Dynastien dar. In der Sammlung befindet sich auch ein Ziegel mit dem Stempel der 10. Legion des Kaisers Titus, die an der Zerstörung von Jerusalem teilnahm. Im Eingang zu dem Museum steht ein mächtiger Abguß des kolossalen geflügelten Löwen, dessen Original im Palaste des Königs Affurbanipal (9. Jahrhundert) vor dem Haupttore Wache stand; ferner steht dort ein Obelisk von Salmanaffar, einem Zeitgenoffen König Jehus, und mehrere gemalte Abgüffe von Gondea, dem Könige von Babel (ca. 3000 v. Chr.), der mit seinem Schreibgerät auf den Knien dargestellt ist. Weiterhin findet sich dort eine Reproduktion des Denkmals von Esar Haddon, wovon das Original im Berliner Museum sich befindet. Auch Abgüffe von Keilschrifttafeln, deren Originale sich im Britischen Museum befinden, sowie von Schnitzereien, die den opfernden König Affurbanipal darstellen, und von Sargon, dem assyrischen Ueberwinder der Israeliten, der Jes. 20 erwähnt wird, sowie vom Könige Sanherib sind vorhanden. Von der frühesten Kunst der Israeliten ist uns überhaupt nicht viel erhalten, doch besitzt das Museum Stücke von ihrer Töpferei, sowie alte Glasartikel, von denen manche ohne Zweifel altisraelitischen Ursprungs find. In der Sammlung von Stücken aus späteren Zeiten, die sich bis aus die Gegenwart erstreckt, befinden sich zahlreiche Gegenstände aus Damaskus, wie Schwerter, Kopfbedeckungen, Lesegestelle, Kästchen für den Koran usw. Ferner gibt es da hebräische und syrische Manuskripte und eine Anzahl griechischer Papyrusschriften, von denen eine, aus dem Anfänge des 4. Jahrhunderts nach Christo stammend, den Anfang des Briefes Pauli an die Römer bringt. In einem Kästchen find zylindrische Siegel enthalten, wie sich deren die Affyrier und Babylonier bedienten, darunter welche von der gleichen Art wie die von den Juden beim Landverkause verwendeten, von denen Jem. 32 die Rede ist. In einem andern Kasten sieht man von affyrischen und babylonischen Kausleuten

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