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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1905-06-30 · 26 (30.6.1905) · page 13

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
22 (1905)
Issue
26 (30.6.1905)
Date
1905-06-30
Page
– (sequence 13)
Language
German
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Nr. 36 Dr. Mocb's Mocbenscvrlkt. Sette 413 Berge kahl und leer. Als Trinkwasser dient filtriertes Regenwasser. In Jerusalem selbst wohnen 60.000 Menschen, darunter 40.000 Juden, die sich größtenteils mit Beten und dem Talmudstudium beschäftigen. Die Altstadt macht einen trostlosen Eindruck und starrt von Schmutz. In den Straßen watet man, wenn es regnet, im Kot, wenn es schön ist, im Staube. Arbeitsfaules Gesindel lungert überall herum und belästigt die Vorübergehenden in zudringlichster Weise. Staunenswert begnügsam ist der arme Araber in seinen Bedürfnissen. Er wohnt außerhalb der Stadt in einer selbstgegrabenen Höhle und stillt seinen Hunger durch Kauen von Zuckerrohr und Rauchen der Nargile. Nicht selten begegnet man 10—12jährigen Müttern, die ihre Kinder auf den Schultern tragen. — Im Gegensatz zu diesen Zuständen machen die aufblühenden Kolonien, die von den Deutschen und Juden vor 25 Jahren zwischen Jaffa und Jerusalem gegründet wurden, einen besonders wohltuenden Eindruck. Da sieht man, was Ausdauer und Fleiß zuwege bringt. Dort gedeihen, von dem wunderbaren Klima begünstigt, Zedern, Wein, Mandel- und Olivenbäume und der Kaktus dient dort als Straßenzaun. Die reinlichen, weißgetünchten, in gleicher Front stehenden Familienhäuser verleihen der ganzen Ansiedlung ein freundliches Gepräge. Die Kolonien haben ihre eigenen Schulen und Bethäuser, die überall als Abschluß der Häuserreihen in der Mitte der Straße, mit Vorgärten versehen, stehen. — So wußte Herr Straßberg durch seine Erzählung den Zuhörern ein lebhaftes Bild von den Zuständen im Heiligen Lande zu entwerfen. Seine Ausführungen wurden mit lebhaftem Beifalle ausgenommen. Professor Alexander Strakosch, der berühmte Vortragsmeister, verlegt Mitte August seinen dauernden Wohnsitz von Wien nach Berlin, nachdem er ein Menschenalter seinem österreichischen Vaterlande treu geblieben war. Alexander Strakosch ist zu Sebes in Ober-Ungarn als Sohn armer Eltern am 3. Dezember 1845 geboren, wird also in Berlin in diesem Jahre seinen 60. Geburtstag begehen. Schon als kleiner Schulknabe zog er mit einem Leierkastenmann von Ort zu Ort und machte die ungarischen Bauern mit den Schönheiten Schiller'scher Dichtungen vertraut, indem er ihnen die „Glocke" und andere Gedichte des Gefeierten vortrug. Späterbesuchte Strakosch ein Wiener Gymnasium, und nach Absolvierung desselben widmete er sich dem kaufmännischen Beruf. Als junger Buchhalter übte er bei dem Schauspieler Findeisen den dramatischen Vortrag. Jni Jahre 1861 kam Strakosch zum erstenmale zu Heinrich Laude, der später einen so bedeutenden Einfluß auf die künstlerische Entwicklung seines jungen Freundes ausübte. In Reichenberg und dann in Troppau betrat Strakosch zum erstenmale die Bühne und zwar gleich sehr vielseitig als Chorist, Tänzer und Charakterspieler. Aber schon 1864 beschloß er in Pest seine schauspielerische Wirksamkeit, nachdem er noch ein kurzes Engagement am Hoftheater in Hannover absolviert hatte. Im Alter von 19 Jahren ging er von der Bühne, der er in Zukunft sein großes Talent in anderer Weise dienstbar machen sollte. Nach einem Aufenthalt in Paris, wo er französische Sprache und Kunst studierte, wurde er von Laube, der soeben das Wiener Stadttheater eröffnet hatte, als Vortragsmeister angestellt. Viele der späteren ersten Bühnenkünstler wurden von Strakosch der Laube'schen Bühne zugeführt, manche auch von ihm erst für das Theater entdeckt. Befähigungsprüfung für Kindergärtnerinnen. An der mit dem Oeffentlichkeitsrechte versehenen Privat- Bildungsanstalt für Kindergärtnerinnen in Wien, 11., Schiffamtsgasse 15, fand am 21. d. M. unter dem Vorsitze des Herrn k. k.Landesschulinspektors Dr. Karl Rie g er die Befähigungsprüfung statt. Einer Kandidatin wurde eine Nachprüfung nach den Ferien bewilligt, während alle übrigen Kandidatinnen approbiert wurden. Anmeldungen für den 38. Jahreskurs der Bildungsanstalt für Kindergärtnerinnen und für den mit diesem Institute verbundenen Bildungskurs für Kinderpflegerinnen, in welchem Mädchen bereits nach vollendetem 14. Lebensjahre Aufnahme finden, werden bei der Direktion entgegengenommen. Kinderheim für verkrüppelte Kinder. Der Verein „Kinderheim" erhält in Laa bei Neulengbach eine Heimstätte für unbemittelte, verkrüppelte und rekonvaleszente Kinder im Alter von 6 bis 14 Jahren beiderlei Geschlechtes. Die ärztliche Behandlung obliegt dem Anstaltsarzte; die orthopädische Behandlung wird vom Wiener Orthopäden Doktor Haudek überwacht. Mit 1. August d. I. kommen zur Besetzung noch einige Freiplätze für verkrüppelte Kinder (auch solche mit Verkrüppelung aus nervöser Basis), welche durch eine geeignete Behandlung erwerbsfähig gemacht werden können. Gesuche werden im Bureau des „Kinderheim", II., Obere Donaustraße bis 8. Juli entgegengenvmmen. Wien. Wir erhalten aus Olmütz folgende Zuschrift: Motto: Wo hält' ich Licht, wofern mich nicht Dein Wort die Wahrheit lehrte? Gott! ohne sie verstand ich nie. Wie ich sie würdig ehrte." Es hat in Fachkreisen angenehm berührt, vernommen zu haben, daß daS Präsidium des Oesterreichisch-ungarischen Kantorenvereines im Prinzipe den einhelligen Beschluß gefaßt hat, eine Kantorenschule unter staatlicher Aufsicht zu gründen, in welcher die Frequentanten in allen kantoralen Disziplinen unterwiesen und zu brauchbaren Funktionären herangebildet werden sollen. Es ist zweifellos, daß eine solche Anstalt nach jeder Richtung hin prosperieren dürfte, wenn in derselben nicht die Verfolgung einseitiger Standesinteressen, sondern, wie Herr Justizrat Timendorfer anläßlich des deutschen Kantorentages in Berlin richtig bemerkt hat, die Erfüllung einer Kulturaufgabe in des Wortes wahrster Bedeutung ins Auge gefaßt wird. Man kann sodann, ohne skeptisch zu sein, von der berechtigten Annahme ausgehen, daß fast jede Gemeinde die Stellung eines intelligenten und in seinem Fache gut geschulten Funktionärs materiell besser dotieren dürfte, als dies bis jetzt in vielen Gemeinden der Fall ist. Der Frequentant einer solchen, voraussichtlich mit allen zweckmäßigen und vernünftigen Einrichtungen ausgestatteten Schule wird jedenfalls in der Lage sein, zufolge der sich angeeigneten Fachkenntnisse und humanistischen Bildung, das soziale Niveau des Kantorenstandes wesentlich zu heben, und es dürste in diesem Falle kaum mehr Vorkommen, daß ein Kantor in seiner Einenschaft als „ Melitz Joseher“ vor den Altar Gottes hintreten wird, ohne selbst die geringste Idee von der Sprache, in welcher er betet, zu besitzen. Leider kommt es nicht vereinzelt vor, daß es selbst Kantoren in größeren Stellungen gibt, die im Hebräischen schwach bewandert sind und daß sie diesen beklagenswerten Mangel in Hebraica durch brillant ausgeführte Arien aus den diversen Kompositionen zu vertuschen suchen. Aber wie lautet doch der Spruch des Propheten und wie soll der jüdische Gottesdienst im Geiste der Religion aufgefaßt werden? Nicht anders als durch die Worte: „Hi besi bes tefilo jikore lehol hoamim". Olmütz, am 27. Juni 1905. A. Stößler, Sekretär und Kantor. Wien. (Spende.) Für die unglücklichen Juden in Schito.nir sind uns von Herrn Steiner Mor. in Budapest K 20.—, von Herrn Leopold Pfeffer in Koschetitz K 6.— zugegangen. Wr. - Neustadt. (Verlobung.) Fräulein Elsa S ch i s ch a, Tochter des Bank- und Wechslergeschäfts-Jnhabers und Kultusvorstehers, Herrn Jg. S ch i s ch a, hat sich mit Herrn Ingenieur Emil H o f f m a n n, Bau-Kommissär der k. k. priv. Südbahn-Gesellschaft, verlobt. Jungbunzlau. Dem Herrn I. H offmann, Oberlehrer an der hiesigen israelitischen deutschen Volksschule, wurde anläßlich seiner mehr als 40jährigen ersprießlichen Lehrtätigkeit die von Sr. Majestät dem Kaiser gestiftete Ehrenmedaille verliehen, zugleich wurde ihm aus diesem Anlasse ein besonderes Belobungsdekret von Seiten des k. k. Bezirksschulrates übermittelt.

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