Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 22 (1905)
- Issue
- 26 (30.6.1905)
- Date
- 1905-06-30
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
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Seite 412 Dr. Mocb's TKftocbenscbrift. Nr. 26 kommen seien, hätten sich vom 9. Jahrhundert ab den großen Handelsfahrten, welche die Araber und Perser von den indischen Küsten nach Ostasien unternahmen, angeschlossen; schon für das Jahr 878 sei die Anwesenheit von Juden und Mohammedanern in Südchina durch einen arabischen Autor bezeugt. In den späteren Jahrhunderten mehren sich die Nachrichten über den Aufenthalt der Juden an verschiedenen Orten Chinas und zugleich sei ein etappenweises Vorrücken der Juden vom südlichen in das nördliche China zu verfolgen. Die hier geschilderte Einwanderung und Verbreitung der Juden habe übrigens ein genaues Analagon in der Gegenwart; denn es gebe in Hongkong und Schanghai eine ansehnliche Menge Juden, welche das Arabische als chre Muttersprache sprechen und sämtlich entweder auf dem Wege über Indien oder aus Indien selbst nach China eingewandert seien. Von den Juden in Bombay. Ueber die Juden in Bombay teilt ein Korrespondent der Londoner „Jewish Chronicle" nachstehende, noch sehr wenig bekannte Einzelheiten mit. Demnach gibt es in Bombay 3 Arten von Juden, welche durch Ursprung, Aussehen, Sitten und Gewohnheiten sich streng von einander unterscheiden. Am interesiantesten sind die schwarzen Beni Israel, die zur Zeit in einer Anzahl von einigen Hunderten Familien in Cochin wohnen und von denen 25 gegenwärtig als Köche in Bombay beschäftigt sind. Die zweite Kategorie von Juden bilden die weißen Beni Israel, die fast sämtlich in Bombay wohnen, wo sie eigene Synagogen besitzen. Ihre Vorfahren waren schiffbrüchige Juden, welche nach ihrer Landung sich einheimische Frauen nahmen. Ursprünglich widmeten sie sich in so großer Anzahl dem Militärdienst, daß sie ehemals bei der Ostindischen Kompagnie eigene Regimenter bildeten und in den ftüheren Kriegen mit den Eingeborenen eine hervorragende Rolle spielten. Nach erfolgter Verstaatlichung der Gesellschaft und der hiermit verbundenen Reorganisation der Militär- und Zivilverwaliungen in Indien wurden diese Regimenter aufgelöst und die einzelnen jüdischen Soldaten über die ganze Armee verteilt. Dieses hat im Verein mit der Tatsache, daß die Offiziersstellen in Indien fast ausschließlich an Engländer vergeben werden und die Juden sehr geringe Chancen zur Beförderung haben, bewirkt, daß die Beni Israel nach und nach die Militär-Karriere gänzlich aufgegeben haben und zum Handwerk und Handel übergegangen sind. Obwohl sie sich im Laufe der Jahrhunderte den Sitten und Gewohnheiten der Eingeborenen völlig angepaßt haben, halten sie sich von diesen streng abgesondert. Der Grund für diese Erscheinung ist nebst ihrer Religion auch die Tatsache, daß sie stark die Schulen frequentieren und der überwiegenden einheimischen Bevölkerung geistig sehr überlegen sind. Außer diesen alt eingesessenen Juden, welche mehr oder weniger heidnisches Blut in ihren Adern haben, leben noch in Bombay 500 Familien rein jüdischen Ursprungs. Dieselben treiben meist Handel und zählen viele reiche Leute in ihrer Mitte. Sie find fast alle sephardischen Ursprungs und meist über Bagdad in Indien eingewandert. Der Korrespondent weiß auch Einiges über die Afghanen mitzuteilen, die von vielen für jüdische Abkömmlinge angesehen werden. Sie selber wollen Nachkommen der 10 Stämme sein und nennen sich mit Stolz Jehudim. Bekanntlich behauptet die afghanische Aristokratie, von einem Enkel des Königs Saul, namens Afghan, abzustammen. Vielleicht haben sich diese Aristokraten nur des Mischen Ursprungs angemaßt, um sich über die Massen erheben zu können. Wohl zeigen die Afghaner den spezifisch jüdischen Typus. Da aber auch die Perser starke semitische Beimengungen haben, so werden sie wohl eher persischen als jüdischen Ursprungs sein. Es muß jedoch hervorgehoben werden, daß englische Offiziere, darunter auch Männer wie Sir G. H. Rose und Sir Alexander Burnes, welche Jahre lang in Afghanistan gelebt haben, an dem jüdischen Ursprung der Afghaner festhalten. Der Korrespondent teilt endlich mit, daß der von den Shanghaier Juden gemachte Versuch zur Rettung der Ueberreste der chinesischen Juden völlig gescheitert ist. Die 3 von Kai-fungfe nach Shanghai gebrachten jüdischen Familien haben sich trotz aller Bemühungen in Shanghai nicht akklimatisieren können und mußten, nachdem auf ihre Erziehung viel Geduld und große Summen verschwendet wurden, in ihre Heimat zurückgeschickt werden. vermischtes. „Die russische Aktion der Israelitischen Allianz". In seiner Beantwortung der Interpellation des Abgeordneten D a s z y n s k i bezüglich der Behandlung der russischen Emigranten in Oesterreich sagte der Minister des Innern Graf Bylandt u. a.: „Seit zirka einem Jahre hat sich die Einwanderung aus Rußland in unsere Grenzländer, insbesondere in das Königreich Galizien, in auffallendem Maße vermehrt. Die private Wohltätigkeit hat hier mit voller Kenntnis der Behörden eingegriffen, und es ist ihr gelungen, in sehr vielen Fällen den Notstand, unter den Eingewanderten zu lindern und auch in den überwiegend meisten Fällen, die Weiterreise der Eingewandertcn zu ermöglichen". Unter der „privaten Wohltätigkeit", auf welche der Minister anspielte und welcher in dieser Weise die Anerkennung der Staatsregierung ausgesprochen wird, ist, wie Jedermann weiß, in erster Reihe die segensreiche Tätigkeit der „Israelitischen Allianz" zu verstehen, welche seit Oktober v. I. eine groß angelegte, wohlorganisierte Aktion zugunsten der bedauernswerten Flüchtlinge leitet und, wie aus dem vor einigen Wochen erschienenen Jahresbericht zu entnehmen war, bis dahin bereits über 2500 Auswanderern zur Weiterreise nach überseeischen Ländern verholfen hatte. Seitdem haben die Wellen der Emigration infolge der sich allenthalben im Zarenreiche ausbreitenden Unruhen und der von der Polizei gegen die Juden veranstalteten Krawalle sich wieder verstärkt, und wer einmal in den Vormittagsstunden das Bureau der Allianz besucht, findet es stets von unglücklichen Flüchtlingen überfüllt. An die stille und ersprießliche Wirksamkeit der Allianz wurden niemals so hohe Anforderungen gestellt, wie in diesem Jahre, und es wäre dringend zu wünschen, daß unsere Glaubensgenossen in ganz Oesterreich den Verein durch Zuführung neuer Mitglieder, durch Spenden und Legate fördern würden. Eine Ludwig August Frankl-Gasse. In der Wiener Gemeinderatssitzung vom 27. Juni stellten Hohensinner und Genossen folgenden Antrag: Die Wahl des Herrn Gemeinderates Dr. Porzer zum zweiten Vizebürgermeister der Stadt Wien weckt die Erinnerung an seinen jüdischen Onkel, dem Dichter Ludwig August Frankl, den langjährigen Sekretär der Wiener israelitischen Kultusgemeinde, der sich durch seine poetischen Schöpfungen einen Ehrenplatz in der deutschen Literaturgeschichte erworben hat und der als einer der besten Söhne unseres Vaterlandes allen Anspruch darauf hat, daß die Stadt, in der er viele Jahre gelebt und gewirkt hat, sein Andenken dauernd im Gedächtnisse der Nachwelt festhält. Die Gefertigten stellen daher den Antrag: Der Gemeinderat wolle beschließen, an den Stadtrat das Ansuchen zu stellen, eine Gasse nach dem Dichter Ludwig August Frankl zu benennen. Wien. (Trauung.) Dienstag den 4. Juli l. I. um 2 Uhr nachmittags findet im israelitischen Tempel der Seitenstettengasse die Trauung des Fräulein Clotilde Brill, Tochter des Herrn Moriz Brill, mit Herrn Med. Dr. Ludwig Schweiger statt. Reiseeindrücke ans Palästina. Vor kurzem hielt Herr Jakob S. Straßberg in Oczeret's Saallokalitäten vor einer zahlreichen Zuhörerschaft einen Vortrag über seine Reiseeindrücke aus Palästina. Aus seinen Ausführungen war besonders zu entnehmen: In der Umgebung Jerusalems ist im Umkreise von ungefähr 6 Stunden alles verkarstet und versteinert, kein Baum, kein Acker, ja keine Wiese zu sehen, die