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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1905-06-30 · 26 (30.6.1905) · page 9

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
22 (1905)
Issue
26 (30.6.1905)
Date
1905-06-30
Page
– (sequence 9)
Language
German
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Nr. 26 Dr. Mocb's MocbenscbrM. Sette 409 welchen Schichten das preußische Offizierskorps sich rekrutiere, und daß von diesen Schichten, die Finanzwelt oder doch ein sehr erheblicher Teil derselben, nämlich der zum Judentume gehörige, grundsätzlich ausgeschlossen sei. Die Absicht, die Ausgeschlossenen für die Privileglierten zu Spenden heranzuziehen, könne kaum ernst gemeint sein. Ein Beschluß bezüglich des Antrages wurde daraufhin überhaupt nicht gefaßt. Interessant sind die weiteren Enthüllungen Maximilian Harden's in der heutigen Nummer der „Zukunft": Fürst Guido von Doimersmarck, „der Urenkel des 1642 gestorbenen kaiserlichen Hofdieners, Handelsmannes und Hoflieferanten Lazarus Henckel, der in allen kaiserlichen Erblanden die Bergwerke geleitet batte und für seine einträgliche Arbeitsleistung in den Reichsfreiherrnstand erhoben worden war", sprach das erste Wort. Aber nichts von den Häusern am Pariser Platz (der Plan, sie dem Kaiser ru schenken, damit das Brandenburger Tor „frei stehen" könne, war ja auch einmal aufgetaucht), sondern vom Offizierskorps. Um den Off'iüersersatz sei es schlimm bestellt, und man dürfe nicht warten, bis die Notwendigkeit zwinge, die Söhne wohlhabender, doch im Staatsdienst noch nicht bewährter Familien in die Kommandostellen aufriicken zu lassen ... Man habe den Appell zunächst auf einen kleinen Personenkreis beschränkt, weil ein Teil der westlichen Großindustrie leider durch politische Vorgänge verstimmt sei... Aufmerksam lauschte alles dem klugen Fürsten, den jeder Geschäftsmann als eine intellektuelle und finanzielle Großmacht schätzt; im stillen nur fragte sich mancher, warum dieser vornehme Herr, der am 10. August 75 Jahre alt wird und mindestens 85 Millionen besitzt, nicht mit den Pleß, Ujest, Schaffqotsch und anderen schlesischen Granden allein die Last der neuen Stiftung auf sich nebme Warum die Lieferung der zehn Millionen einer Gesellschaft zugemntet werde, deren zahlungsfähigste Mitglieder Juden sind und deshalb nicht hoffen dürfen, ihre Söhne im Offiziersrock vyr der Front des Heeres zu sehen. Einer hatte den Mut, diesen Bedenken Worte zu leihen; natürlich wars kein Kind Israels. (Das brauchte Harden nicht erst hinzuzufügen; das war von unsrer, Rußland und Rumänien pekuniär unterstützenden jüdischen Hochfinanz nicht anders zu erwarten. Die Red.) Ein urgermanischer Bankier sagte, die jüdischen Berufsgenossen müßten die Aufforderung zu solchem Geschenk als ein seltsames Ansinnen empfinden; denn im Grunde werde ihnen damit das offene Bekenntnis zugemutet, daß sie zur Stellung brauchbaren Offiziersersatzes noch immer nicht geeignet und nur gerade gut genug seien, den nach der herrschenden Meinung besser Qualifizierten mit ihrem Gelde das Offiziersleben zu erleichtern. Diesen Einwand schien Fürst Tonnersmarck nicht erwartet zu haben; seine Antwort klang ein bischen gereizt. Er habe sich in seinem Leben oft um den Ausgleich sozialer Gegensätze bemüht und hoffe, auch hier nicht ans unüberwindliche Schwierigkeiten zu stoßen; ganz leise und unverbindlich, doch laut genug für seine Ohren wurde die Möglichkeit angedeutet, gerade ein Zeichen patriotischen Gemeinsinnes, wie es jetzt erbeten werde, könne vielleicht Hindernisse beseitigen, die heute noch berechtigten Ansprüchen den Weg sperren. (Aha, merkste was?) Der Chef der Firma Delbrück Leo u Co., die zu den mannigfachen großen Unternehmungen des Geschäftsmagnatenhauses Henckel finanzielle Beziehungen hat, stimmte dem Fürsten in begeisterten Tönen zu und ängstete die Ungetansten mit der Behauptung: wenn die Inden sich ausschlössen, würden sich schnell genug deutsche Christen zur Ausführung des schönen Planes finden. Dieser Ausschluß ist aber nicht zu befürchten; die enthusiastische Rede für den Donnersmarckplan, eine von royalistischem Trengefühl. von Liebe für Thron und Heer himmelanlodernde Rede hielt ja Herr Albert Ballin, der sich stolz zu Sems Söhnen zählt. Nun kam das Nachspiel! Das Ministerium des Innern hat das gegen den Grafen Pückler vom Polizeipräsidium erlassene Redeverbot durch eine Verfügung aufgehoben und Graf Pückler hat daraufhin seine Redeexzesse in Berlin neuerdings begonnen. Die neueste Leistung des Grafen Pückler. Ein in den Arbeitervierteln Berlins soeben verteiltes Flugblatt des Grafen Pückler enthält folgende Sätze: „Auf, Ihr Anarchisten von Berlin, auf, Ihr seid uns liebevolle und wertvolle Bundesgenossen in dem schweren und ernsten Kampfe gegen das scheußliche Judentum. Ihr dürft Eure Bomben nicht niehr werfen auf die erlauchten Häupter der Fürsten, denn das ist eine Gemeinheit, sondern Ihr müßt Eure Waffen wenden gegen die Ramsch- und Abzahlungsjuden, gegen die Wucherer nnd Gauner aller Art, gegen diese Vampyre der menschlichen Gesellschaft" . . . „Auf, Ihr Penn- und Radaubrüder, Ihr Einbrecher und Spitzbuben von Berlin, auch für Euch ist die Stunde zum Handeln gekommen, wo es möglich ist, Euch Geld und Schätze zu erwerben, und zwar in gewaltigen Massen. Hurra, heute gehen wir zum roten Manaffe und morgen zum roten Jfidor, und übermorgen zum Jsaaksohn, das sei Eure Losung und Eure Parole, wir wollen es wagen, radikale und schneidige Antisemiten zu werden und die dicken Börsenjobber etwas zu erleichtern von ihrem zusammengeraubten und zusammengegaunerten Gelde." Hagen. (Ein „Vergnügen!") Einen kleinen antisemitischen Scherz, der seinen Urhebern nicht ganz billig werden dürste, haben sich einige Herren der sogenannten besseren Stände, Bankbeamte, in einer der letzten Nächte geleistet. Aus einer Gesellschaft kommend, hatten sie m der „Weinlaune" nichts Besseres zu tun. als mit den Diamanten ihrer Fingerringe eine ganze Reihe von Schaufenstern zu zerkratzen, und zwar vorwiegend an jüdischen Geschäften, wie Gebr. Alsberg und D. Treu, die Schaufenster noch mit höhnischen Bemerken wie „Jud" usw. zu versehen. So weit bis jetzt nach der „Hasp. Ztg." festgestellt ist, haben die auf diese Weise unbrauchbar gemachten Spiegelscheiben einen Wert von zirka 16.000 Mark. Trotzdem die Veranstalter dieses „Scherzes" sich bereit erklärt haben, den ganzen Schaden zu ersetzen, scheint das Verfahren wegen Sachbeschädigung und Beleidigung doch nicht mehr aufzuhalten zu sein, so daß die Folgen dieses antisemitischen „Scherzes", der der Weinlaune entsprungen sein soll, für die Betreffenden recht fühlbar werden kann. Es ist nicht ohne Jntereffe, nebenbei zu erfahren, daß ein Teil des Sühnebetrages, zu dem sich die Veranstalter des Scherzes bereit erklärt haben, dem „Verein zur Abwehr des Antisemitismus" zufließt, dem die Herren sonst gewiß am wenigsten ihre Sympathie zuwenden dürften, wenigstens nicht in der Weinlaune. In vino jedoch veritas; im Rausche bekundet man oft seine wahre Gesinnung. Paris. (DieJuden bei der Entstaatlichung derKircheinFrankreich.) Das Gesetz über die Trennung der Kirche vom Staate ist vom Abgeordnetenhause noch immer nicht verabschiendet worden und immer neue Amendements werden eingebracht und diskutiert. Am Beginn dieses Monats wurden einige Bestimmungen des Gesetzes wiederum abgeändert. Das Penfionsgesetz wurde vom Abgeordnetenhause radikal umgestaltet. Alle amtsunfähig gwordenen Beamten bekommen ohneRückficht aufAlter und Dauer der Dienstzeit im ersten Jahre ihren vollen Gehalt, im zweiten Jahre zwei Drittel, im dritten Jahre die Hälfte und im vierten Jahre ein Viertel desselben ausgezahlt. Gemeinden in Städten mit unter 1000 Seelen zahlen die Hälfte obiger Beträge. Die Witwe eines verstorbenen Beamten erhält, falls sie minderjährige Kinder hat, die Hälfte der Pension, eine ohne minderjährige Kinder ein Viertel derselben. Diese Pension selbst beträgt für Lehrer im Alter von 60 Jahren und 30jährigem Dienst drei Viertel, im Alter von 45 Jahren und 20jähriger Dienstzeit die Hälfte ihres Gehaltes, jedoch darf er bei letzterem 1500 Frcs. jährlich nicht übersteigen. Alle diese Bestimmungen bedeuten gegenüber der Regierungsvorlage eine Aenderung zu Gunsten der Lehrer und ihrer Relikten und zu Ungunsten der die Pension zahlenden Gemeinden. Große jüdische Gemeinden mit über 1000 Seelen befinden sich nämlich in Frankreich nur 4, und zwar: Paris, Marseille, Lyon und Nancy. Die anderen jüdischen Gemeinden, selbst in solchen großen Städten wie Remiremont, Luneville, Rheims und Lille, haben weniger als 200 Steuerzahler. Trotzdem unterhalten alle diese Gemeinden einen Rabbiner und einen Lehrer, manche von ihnen sogar einen Rabbiner und zwei Lehrer. Solche Gemeinden werden nach dem Gesetze ausschließlich auf ihre eigenen Mittel angewiesen bleiben und werden keine Hilfe aus dem Staatssäckel erhalten können. Daher werden diese Gemeinden sich bemühen, im Abgeordnetenhause eine Aenderung der sie schwer belastenden Bestimmungen herbeizusühren. Das jüdische Rabbinerseminar in Paris, welches bis zum Jahre 1885 vom Staate insofern sul ventioniert wurde, als letzterer die Lehrer bezahlte und die Schüler unterstützte, wurde seit 1885 sehr gekürzt. Die staatliche Subvention betrug von da ab nur 22.000 Frcs., was nur für den Gehalt der Lehrer, nicht aber zur Unterstützung der Schüler ausreichte. Das neue Gesetz strich auch diese Summe für die jüdischen Seminare, während die Lehrer der protestantischen Seminare von jetzt ab eine Pension erhalten. In Bezug auf die Synagogen hat das Abgeordnetenhaus eine für die Gemeinden günstige Aenderung getroffen. Nach der Regierungsvorlage hat die Religionsgemeinde 2 Jahre nach Jnkrafttretung des Gesetzes für ihre Synagogen und Bethäuser Miete zu zahlen. Das Abgeordnetenhaus beschloß

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