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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1905-06-30 · 26 (30.6.1905) · page 8

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
22 (1905)
Issue
26 (30.6.1905)
Date
1905-06-30
Page
– (sequence 8)
Language
German
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Sette 408 Dr. Llocb's Mocdenscbrttl. Nr. 26 Haltes der Lehrkräfte fehr drückend und gar oft wurden Stimmen laut, welche die Auflösung der Realschule forderten. Da brachte weil. Minister Trefort Hilfe in der Not. In Anerkennung der wichtigen Mission, welche die Schule erfüllte, erwirkte er der Realschule eine jährliche Staats-Subvention von 1200 fl. vom ungarischen Reichstage. Umso lobenswerter ist diese Tat, da sie in einer Zeit der heftigsten antisemitischen Agitation erfolgte zur Zeit, als der Tisza-Eszlarer Prozeß ganz Europa in Aufregung versetzte, Jstoczy und Verhovay das ungarische Parlament beherrschten. Dieser Erfolg flößte allen Schulfreunden neuen Mut ein. Im Jahre 1888 wurde der „Vagujhelyer ungarische Mittelschulverein" gegründet; derselbe besitzt heute ein Vermögen von 26.000 Kronen. Er hat die Unterstützung und Erweiterung der Realschule zur Aufgabe. Im Jahre 1889 hinterließen die hiesigen Eheleute weil. Leopold und Therese Prinz einen Grundbesitz im Werte von 35.000 Kronen der Realschule, damit das Einkommen zur Befreiung mittelloser Schüler ohne Rücksicht auf ihre Konfession vom Schulgelde verwendet werde. Im Jahre 1893 erhöhte der ungarische Staat wohl die Subvention der Realschule auf jährlich 2400 fl. Scheinbar wurdt mit Hilfe dieser erhöhten Subvention die Schule gekrästigt, aber nur scheinbar; denn was der Staat in diesem Jahre erbaute, das riß er im kommenden Jahre nieder. Im Jahre 1894 wurde das Pensionsgesetz für konfessionelle Mittelschulen ins Leben gerufen. Diesem Gesetze gemäß werden alle jene Mittelschulen in den Verband des neuerrichteten Pensionsfondes ausgenommen, deren Fortbestand gesichert war. Als gesichert betrachtete die Regierung nur dann den Bestand der Schule, wenn fie über genügende Fonds verfügte und die Erhalter genügende materielle Bürgschaft für die Erhaltung ihrer Mittelschule leisten konnten. Unsere Realschule konnte diesen Bedingungen nicht im vollen Maße entsprechen und demnach wurde ihr nicht nur die Aufnahme in den Pensionsfond unmöglich gemacht, sondern sie wurde auch von dem Verluste der Staatssubvention bedroht. In solch mißlicher Lage befanden sich wohl außer unserer israelitischen Realschule auch christlich-konfessionelle Mittelschulen; was aber mußten wir zu unserer großen Beschämung erfahren. Den bedrängten christlichen Mittelschulen kam ein Koloman Tisza, ein Baron Banffy zu Hilfe, nicht als Minister, sondern als treue Anhänger ihrer Konfession leisteten sie Beistand und suchten die materiellen Mittel herbeizuschaffen, damit die Mittelschule den Anforderungen des Gesetzes entspreche. Unsere jüdische Realschule hingegen stand verlassen da von unseren Glaubensbrüdern. Kein Finger wurde gerührt, um zu helfen, trotzdem wir leider! sogar zwei amtliche Vertreter des ungarischen Judentums haben. Diese traurige Erfahrung lähmte jedoch nicht den Mut der Vagujhelyer israelitischen Kultusgemeinde, sie war entschlossen, diese Anstalt um jeden Preis zu erhalten, um den Chilul haschem vorzubeugen, der unausbleiblich gewesen wäre. Die Herren Antisemiten hätten mit Frohlocken verkündet, daß die reichen und mächtigen Juden eine Mittelschule hatten und auch diese mußte aus Mangel an Unterstützung aufgelöst werden. Die Kultusgemeinde erbaute ein modernes Schulgebäude, führte eine prächtige Turnhalle auf und verpflichtete sich, die Realschule jährlich mit 7000 Kronen zu unterstützen. In Rücksicht auf diese materiellen Opfer und in Betracht dessen, daß die Realschule eine kulturelle patriotische Mission in unserer vom Panslavismus durchseuchten Gegend erfüllt, beschloß die ungarische Regierung im Jahre 1898, die Realschule vertragsmäßig mit jährlich zehntausend Kronen zu unterstützen und die Anstalt in den Verband des Pensionsfondes aufzunehmen. “ Der Fortbestand der Realschule ist nun gesichert. Von nun an hat die Anstalt rein ihrer kulturellen Mission zu leben. Möge ihr dies in vollem Maße gelingen?? *&- Prefiburg. (Jahresschluß-Prüfungen.) Am 18. d. M. fanden an der hiesigen israelitisch-orthodoxen Knaben- Volksschule die Jahresprüfungen aus Religion statt, welche ein überaus glänzendes Resultat ergaben. Trotzdem das Lehrausmaß ein erstaunlich großes ist, beherrschten die Schüler jeder einzelnen Klasse das erlernte Pensum in einer Weise, die die Zuhörer mit Bewunderung erfüllte. Prüfungs-Präses Se. Ehrwürden Herr Rabbiner Leopold Friedmann nahm denn auch nach Schluß der Prüfung Gelegenheit, in warmen Worten seine Anerkennung für dieses so schöne Resultat auszusprechen. Er könne nicht umhin, sowohl dem tüchtigen, arbeitsfreudigen Lehrkörper, wie insbesondere dem rastlos tätigen Direktor Herrn Wilhelm Kohn seinen tiefgefühlten Dank für die bisher erzielten glänzenden Lehrresultate speziell in diesen Disziplinen auszudrücken Resultate, wie sie ganz gewiß keine andere Schule des Landes in diesem Maße aufzuweisen hat. Nebst dem Eifer und der hingebungsvollen Pflichterfüllung des Lehrkörpers sei dieses Verdienst der Umsicht, sowie der tüchtigen Fachkenntnis des Direktors Kohn zu danken, weshalb demselben warme Anerkennung und Dank gebühre. Nach Rabbiner Friedmann sprach noch Schulstuhl-Präses Herr Friedrich Duschinsky, der namens der Schulkommission, sowie im Namen der Gemeindevorstehung den Dank für die erfahrenen wunderschönen Lehrresultate aussprach. Dieser Dank gebühre auch und in erster Linie Sr. Ehrwürden dem Herrn Rabbiner Friedmann, der, trotzdem er von Amtsagenden geradezu überhäuft .ist, auch während des Jahres wiederholt unsere Knaben- und Mädchenvolksschulen inspizierte und hiedurch derartig glänzende Lehrerfolge zeitigen hilft. Nachdem der Schulstuhl-Präses auch seinerseits dem Direktor wie dem Lehrkörper seine Freude über die gebotenen Leistungen zum Ausdrucke gebracht, entfernte sich das zahlreich erschienene Publikum, das mit gespanntester Aufmerksamkeit und sichtlichem Interesse der Prüfung gefolgt war. Zur Prüfung hatten sich Vertreter des Gemeindevorstandes, der Repräsentanz, Schulkommission, des Rabbinates, sowie zahlreiche Eltern der Schüler eingefunden. Wir wollen unseren Bericht mit den Worten Sr. Ehrwürden des Herrn Rabbiner Friedmann schließen, daß die hiesige israelitische Kultusgemeinde auf diese ihre Schulen mit gerechtem Stolze zu blicken vermag. Offizierskorps und Judentum. (Redefreiheit für den .Grafen Pückler.) Durch die deutsche Presse geht die Nachricht von einer Zehn Millionen-Spende für preußische Offiziere, die auf Anregung des Reichsbankpräsidenten Koch und des Fürsten Guido von Henckel-Donnersmark von der Berliner Hochfinanz aufgebracht und dem Kaiser zur Feier seiner silbernen Hochzeit zur Verfügung gestellt werden sollte. Ueber die Versammlung, in der über diese Anregung beraten wurde, wird der „Frankfurter Zeitung" von zuverlässiger Seite berichtet: Zunächst waren auf die Einladung hin, in welcher der zur Diskussion gestellte Antrag bekanntgemacht war, durchaus nicht alle geladenen Aktienbanken erschienen. Die Sitzung selbst nahm folgenden Verlauf: In seinem Speech setzt Fürst Henckel auseinander, daß die zum Ofsiziersersatz vor allem berufenen adeligen Preußischen Familien, um ihrer Mission treu bleiben zn können, üner Unterstützung, die sie gewissermaßen an den Dienst für das Kaiserhaus fessele, vielfach bedürftig seien. Die Großbanken könnten da ein patriotisches Werk tun. Darauf fiel aus der Versammlung die Bemerkung, daß Vertreter von Aktiengesellschaften nicht in der Lage seien, aus dem Geschäftskapital Schenkungen zu machen, worauf der Fürst seinerseits zu verstehen gab, nicht auf die Gesellschaften, sondern auf deren Direktoren und ihre Privatkafsen fei es abgesehen. Da haben einige Nörgler gemeint, daß gerade „die zum Offiziersersatz vor allem berufenen preußischen Adelsfamilien" den Kern jener politischen Partei bildeten, die es sich seit Jahrzehnten angelegen sein läßt, die Börse als den Tummelplatz aller niedrigen Instinkte zu denunzieren und die Bankiers als eine besondere Sorte abgefeimter Buchmacher hinzustellen, denen man gesetzliche Handschellen anzulegen habe. Schließlich meldete sich Direktor Ahrens von der Berliner Handelsgesellschaft, Fürstenbergs Vertrautester, zum Wort. Er schnitt den Faden ab. Er sagte kurz und gut, die Rede des Fürsten könne in den Kreis, in dem sie gehalten worden sei, nur irrtümlich geraten sein. Der Fürst wisse sehr gut, aus

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