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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1905-06-30 · 26 (30.6.1905) · page 7

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
22 (1905)
Issue
26 (30.6.1905)
Date
1905-06-30
Page
– (sequence 7)
Language
German
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Nr. 26 Dr. Dwcb's TKHocbenscbrlft, Sette 407 Moment entstand wegen des einzig dastehenden Ereignisses ein spontaner Sturm der Begeisterung. Dieser Kundgebung solgte aber bald ein Schrei des Schmerzes und der Entrüstung bei einer großen Zahl von Delegierten, die da glaubten, Palästina solle nun durch irgend ein Territorium aus der Erde ersetzt werden. Einem kleinen Teil der Versammlung war auch wirklich der „Staat" alles, die Landfrage gleichgiltig, andere ließen sich durch das Wort „Autonomie" blenden, wieder andere glaubten zwar nicht an eine ostafrikanische Zukunft des Judentums, scheuten aber aus Rücksicht aus die britische Regierung vor einem entschiedenen Veto zurück. Und so fand sich denn schließlich eine ziemlich beträchtliche Majorität, die aus politischer Klugheit den Beschluß faßte, eine unverbindliche Expedition zur Erforschung des augebotenen Landstriches auszusenden. Da im Basler Programm nur von einer Heimstätte in Palästina die Rede ist, konnte die ostafrikanische Angelegenheit nicht als eine rein zionistische angesehen werden, man hat daher wegen der Ausstattung der Expedition und einer etwa vorzunehmenden Kolonisierung die Annäherung an die großen jüdischen Wohltätigkeitsinstitute gesucht und gefunden. Da die Kapitalien der zionistischen Partei, die in der Kolonialbank und im Nationalfonds angelegt sind, statutengemäß nur für Palästina verwendet werden dürfen, mußten die Kosten der Expedition aus Privatmitteln herbeigeschafft werden. Infolgedessen konnte die Forschungsreise erst 15 Monate nach dem Kongreß unternommen werden. An der Expedition beteiligten sich der englische Major A. St. H. Gibbons, Professor Alfred Kaiser und Ingenieur M. Wilbusch. Die Herren brachen am 28. Dezember 1904 auf und kehrten im April 1905 nach Europa zurück. Im Anfang dieses Monates wurden nun dem zionistischen Aktionskomitee die sorgfältig ausgearbeiteten Berichte der Expedition vorgelegt, auf Grund deren die Annahme des erwähnten Gebietes für jüdische Kolonisationszwecke einstimmig abgelehnt wurde. In der Beurteilung dieser Angelegenheit vereinigt sich die zionistische Parteileitung mit der gesamten unparteiischen jüdischen Presse. So schreibt auch das in zionistischen Dingen stets objektive „Jewish Chronicle", daß der Bericht der'Forschungsexpedition kein ermutigendes Dokument sei. Allerdings ist es schwer, sich ein vollständig klares Bild von der Sachlage zu machen, da die Ergebnisse der drei Reisenden nicht nur nicht einheitlich sind, sondern gerade in den wichtigsten Punkten von einander wesentlich abweichen. Am schärfsten und ohne jede Einschränkung wird von jeglicher Unternehmung in Britisch Ostafrika abgeraten. Nach seinen Ausführungen ist das ganze Land eine trockene Wüste, ohne Ackerland, -ohne Wald und Wiese, dagegen reich an wilden Tieren und Menschen, die die hinreichend schwierigen Verhältnisse nur noch schwieriger gestalten würden. Weder Klima noch die Bodenbeschaffenheit berechtigen nach seiner Ansicht zu den Hoffnungen, die man auf dieses Land gesetzt hatte. Auch der Bericht von Professor Kaiser, der ein vorzüglicher Kenner Ostasrikas ist, wirkt nicht gerade ermutigend. Er hält die wirtschaftlichen Bedingungen des Hochlandes für ungünstig, daß nach seiner Ueberzeugung die meisten jüdischen Einwanderer die Kolonie sobald wie möglich wieder verlassen würden. Dabei würde die Immigration ein Millionenkapital verschlingen, ohne daß dadurch ein nennenswerter Erfolg zu erzielen wäre. Am günstigsten beurteilt Major Gibbons die Aussichten einer jüdischen Ansiedlung in Ostafrika. Aber trotzdem er mit Enthusiasmus vom Klima, vom Boden, von der Bewässerung und sogar von der Bevölkerung spricht, kommt er zu dem nicht sehr verlockenden Resultat, daß im besten Falle 15—20.000 Landbauern und 1000 Hirtenfamilien dort Platz hätten. Gegenüber den Angaben der beiden anderen Experten sind selbst diese kleinen Zahlen zweifellos sehr übertrieben, und auch wenn sie vollständig zutreffend wären, müßte man sagen, daß angesichts der Millionen Juden, die in Rußland allein der Erlösung harren, die ostafrikanische Aktion Mn Jota an der Judennot ändern würde. Es ist daher begreiflich, daß die zionistische Parteileitung ihre Autorität um eine verlorene Sache nicht aufs Spiel setzen will, denn soviele Juden wie in Ostafrika könnten jederzeit im weit befferen Klima Argentiniens und Südamerikas angefiedelt werden — nur unter bedeutend geringeren Unkosten. Nachdem die Zionisten das Projekt abgelehnt haben, wird es Ausgabe der Jewish-Kolonisation-Assoziation sein, sich zu entscheiden, ob sie nach dem Vorschlag von Gibbons eine Probekolonisation in Britisch - Ostafrika vornehmen soll. Fünfzigjähriges Jubiläum einer jüdischen Lehranstalt. Die Vagujhelyer israelitische Realschule blickt aus einen 50 jährigen Bestand zurück. Ein halbes Jahrhundert ernster Arbeit auf dem Gebiete des Unterrichtes und der Jugenderziehung hat sie bisher geleistet. Zahlreiche Generationen hat sie zu guten Patrioten, zu treuen Anhängern ihrer Konfession und zu tüchtigen Männern erzogen. Als besonderes und eigentümliches Verdienst ist es dieser Anstalt anzurechnen, daß in derselben stets selbstlose und Werktätige Humanität gelehrt und geüht wurde. Interessant und lehrreich ist die Geschichte dieser Anstalt. Am 5. Mai 1855 erteilte das damalige kaiserliche Ministerium für Kultus und Unterricht der öffentlichen Hauptschule und der ersten Klasse der Unter-Realschule das Oeffentlichkeitsrecht. Vollste Anerkennung verdient die Vagujhelyer israelitische Kultusgemeinde dafür, daß sie eine moderne Bildungsanstalt in jener Zeitepoche errichtete, in welcher in den meisten jüdischen Gemeinden unseres Vaterlandes mittelalterlicher Geist dominierte und die Aneignung profanen Wissens strengstens verpönt war. Der Geist des Begründers des modernen Ungarn, des Grasen Stefan SzschSnyi, erweckte auch die damaligen Führer der Vagujhelyer Kultusgemeinde zum Fortschritte. Im Jahre 1855 wurden aus Anregung des edlen Grafen die ersten Realschulen errichtet: in Budapest, in Pozsony (Preßburg), in Szekesfejervar (Stuhlweißenburg) in Päcs (Fünskirchen) und Vagujhely (Wag-Neustadtl). Die geringe Zahl der neu errichteten Realschulen, sowie der Umstand, daß diese Anstalten nur in Städten mit deutscher Bevölkerung entstanden, hat seinen Grund in den Intentionen des Bach'schen Regimes, welches nur Schulen mit deutscher Unterrichtssprache geduldet hat. Auch die Vagujhelyer Realschule war deutsch, und ein Oesterreicher, weil. Rabbiner Josef Weisse, wurde ihr erster Direktor, welcher aber trotz seiner österreichischen Abstammung den ungarischen Patriotismus förderte, indem an der Realschule als zweite Sprache die ungarische und außerdem ungarische Geschichte vorgetragen wurden. Unsere Anerkennung verdient dieser Mann, der patriotische Gefühle im Herzen der Jugend pflegte zu einer Zeit, in welcher Ungarn wie ein besiegtes Volk behandelt wurde und jede patriotische Gefühlsäußerung bei Strafe verboten war. Die ungarisch-deutsche Zwittergestalt behielt die Schule bis.zum Jahre 1877. In diesem Jahre legte weil. Rabbiner Josef Weiner sein Ehrenamt als Direktor nieder. Seinem Nachfolger dem Dr. Mahler, gegenwärtig Professor an der Oberrealschule in Pozsony (Preßburg), wurde die Magyarisirung der Realschule zur Ausgabe gemacht. Für das vollständige Gelingen seines Planes spricht jener Umstand, daß heute im Vagujhelyer israelitischen Tempel ungarische Predigten abgehalten werden. Langsam und nur nach Ueberwindung großer Schwierigkeiten konnte sich die Realschule entwickeln. Im Jahre 1866 wurde die zweite, im Jahre 1873 die dritte Klasse und im Jahre 1884 die vierte Klasse der Realschule eröffnet. Die materiellen Verhältnisse der Kultusgemeinde erlaubten kein schnelleres Tempo in dem Ausbau dieser Anstalt. Das Erreichte verdankt die Schule der edlen Gesinnung und der Opfersreudigkeit einiger wohlhabender Bürger unserer Gemeinde. Anton Edler v. Latzko, Eduard Ritter v. Schenk, Adolf v. Baiersdorf, Leon Ritter v. Gomperz hatten stets ein offenes Herz und eine offene Hand für die Realschule, wo es sich um die Einrichtung neuerrichteter Klassen und um Anschaffung von Lehrmitteln handelte. Mit der Erweiterung der Schule wuchsen jedoch die Kosten derselben. Die materiellen Opfer, welche von den Gemeindemitgliedern gefordert wurden, waren trotz des sehr geringen Ge-

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