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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1905-06-23 · 25 (23.6.1905) · page 15

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
22 (1905)
Issue
25 (23.6.1905)
Date
1905-06-23
Page
– (sequence 15)
Language
German
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Nr. 25 Dr. Mocb's MlocvenscbrM. Seite 39J Vor dem Platze sammelten sich immer mehr Leute an, Eltern, Frauen, Kinder, Geschwister, Auch ihr Herz schwebte wohl gleich dem meinen zwischen Hoffnung und Todesangst — doch nein, keiner von ihnen konnte so mit ganzer Seele wie ich an seinem Kinde hängen, Jankele ist ja mein einziger Sohn, mein Leben, mein Alles! — Endlich kamen die drei Regierer mit breiten Gürteln und ausgekämmtem Barte, voll stolzen Bewußtseins ihrer Macht. Der rote Wölsele ging mitten unter ihnen. Ich wußte nicht, ob ich mich auf ihn stürzen oder ihm zu Füßen niedersinken soll — er kann mein Todesengel, er kann mein Retter sein. Der rote Wölsele jedoch schien mich nicht einmal zu beachten. Alle drei Regierer waren mittlerweile in das Haus eingetreten. Nicht lange darauf kamen unter Militüreskorte mehrere junge und ältere Leute. Jankele, der unter ihnen war, sah furchtbar bleich aus. Das jedoch betrübte mich nicht, sondern fachte den Hoffnungsfunken in meinem Herzen noch mehr an .. Zwischen den andern Leuten suchte ich mich in das Vorzimmer des Assentierungssaales hineinzudrängen. Da zogen die traurigen, bejammernswerten Menschen, einer nach deni andern, an uns vorüber. Die Assentierungskvmmissäre nahmen ihre Sitze um den grünen Tisch. Auch die Regierer befanden sich bereits auf ihren Plätzen, weit abseits. Einer der Rekruten trat unter das Maß, der Arzt schritt auf ihn zu, die Untersuchung begann. Der arme Bursche zitterte so heftig, daß man das Klappern seiner Zähne hören konnte. Der Herr Doktor jedoch nahm das durchaus nicht so ernst; mit der größten Gemütsruhe prüfte er sein Opfer und versetzte es in die verschiedensten Positionen. Wenn er just bei gutem Humor war, ließ er zur allgemeinen Belustigung lebende Bilder aufführen: „Den Vorderleib Vorbeugen und auf die Zehen stellen!" Der Arme versuchte die halsbrecherische Position und strauchelte. Am grünen Tische wird gelacht. Darauf folgte eine zweite Figur. „Die Backen ausblasen, fest aufblasen!" kommandierte der Arzt und jener bläst nach Leibeskräften die Backen auf, so daß er krebsrot wird und ihm die Adern anschwellen. Das erregte noch mehr Heiterkeit, der Major und die ganze illustre Kommission brechen in helles Lachen aus, in welches die drei Regierer offiziell einstimmten. Nur der Unglückliche, mit dem so frivol gescherzt wurde, lachte nicht. Mit ängstlichen Blicken hing er an dem Munde des Arztes, der über Sein und Nichtsein entscheiden soll. Aber der Regierer hat ja schon früher sein Schicksal besiegelt. Gewisse Zeichen, die er gab, legten dem Arzt das Wort in den Mund, das er sprechen sollte. Klappte der Regierer auf den Deckel seiner Tabaksdose, dann hieß es: „Hau nur zu!", trat er hingegen mit der offenen Tabaksdose vor den Arzt und sagte: „Eine Prise gefällig, Herr Doktor!", daun hieß es: „Hier gibts zu genießen — befreien!" Im ersten Falle gab der Arzt das Verdikt: „Tauglich!", im letzteren das entgegengesetzte. Ich stand im Vorzimmer und wartete noch immer. Bereits sind einige befreit, einige assentiert worden. — Was wird das Los meines Kindes sein? Das Herz klopfte mir gegen die Rippen. Da, in diesem Augenblicke trat mein Jankele unter das Maß. „Der hat sich aber zum Skelett ausgedörrt!" sagte der Arzt. Ich zitterte am ganzen Körper. Ach, wenn er nur weiter so sprechen sollte! In demselben Augenblick jedoch erscholl das verhängnisvolle Klopfen auf dem Deckel der Tabaksdose und die Dinge nahmen eine traurige Wendung. „Ein gesunder, gutentwickelter Körper", fuhr der Arzt fort, „Länge drei Schuh über das erforderliche Maß — Gliedmaßen stark — Brust breit und wohlgewölbt — tauglich!" Wenn tausend Donner auf einmal über mich niedergekracht wären, sie hätten mich nicht mehr betäuben können, als das einzige Wörtchen „tauglich!" Ein dichter Nebel legte sich mir vor die Augen. Ich weiß nicht, ob Menschenarme oder ein Sturmwind mich aus dem Vorzimmer herausgetragen, ich weiß nur, daß ich mich jenseits des Hauses befand, als sich eine Hand rücklings auf meine Schulter legte — es war der rote Wölsele, dessen Augen in wilder Schadenfreude blitzten. „Jenen Supplenten habe ich' Ihnen geschickt", zischte er wie eine Schlange und zeigte mir seine großen, scharfen, gleich Dolche spitzen Zähne . . . Wie Feuer kochte es mir zum Kopfe hinauf, ich versetzte ihm einen Schlag vor die Brust, so daß er zu Boden taumelte und das Blut ihm zur Nase lief. Als ob nichts geschehen wäre, erhob er sich von der Erde, und indem er sich langsam mit dem Taschentuche das Blut wegwischte, sagte er leicht vor sich hin: „Tut nichts, das geht auf weitere Rechnung!" Inzwischen liefen mehrere Leute, die den Vorfall bemerkt hatten, herbei und in demselben Augenblicke erhielt das Gesicht des roten Wölsele einen lammfrommen Ausdruck und die Augen verdrehend, sagte er mit süßfrommer Miene: „Lasset ihn nur, er wußte er ja nicht, was er tat. Ich wollte ihm mit allen Kräften helfen, ja, ich gab ihm aus eigener Tasche dreißig Gulden, doch Gott hat es anders gewollt. In seiner blinden Verzweiflung schlug er auf mich los. Möge es ihm Gott verzeihen, wie ich ihm verzeihe!" Die Wirkung blieb nicht aus. Der rote Wölsele war in den Augen Aller der fromme, „heilige Regierer" und ich der freche, gottlose Schneider, der kein besseres Los verdient hatte. Begleitet von Schimpfworten und Steinen, welche die verblendete Menge mir nachgeworfen, stürzte ich wie ein gehetztes Tier nach Hause. ___(Fortsetzung folgt.) Literatur. 8kfsr Nisenath Adam. Sehr nützlich und wichtig für jedes jüdischreligiöse Haus Isoeben erschien das natM" nao enthält in alphabetischer Ordnung und Reihenfolge 22 ri2'2D!2-Abschnitte (B’p-a) im hebr. Urtextpnuktiert, nebst einer leicht verständlichen und klaren deutschen Uebersetzung und erklärenden Anmerkungen, damit jedem pietätvollen Glaubensgenossen die Möglichkeit gegeben werde, während des Trauerjahres und am Jahrzeits-Tage für das ewige Seelenheil seiner I. Verstorbenen selber lernen zu können. Auch ist demselben ein höchst wertvoller, gemeinnütziger Anhang beigegeben, welcher in klarer, lichtvoller Behandlung alle Vorschriften und Bestimmungen von W'-rp und Jahrzeit enthält. Preis in feiner Ausstattung, brochiert, nebst freier Postzustellung: X 1-50, fein geb. K 2*—. Zu haben gegen vorherige Einsendung des Betrages beim Verfasser Rabb. Sal. Klein in M.-llerosztes, Kom. Bihar, Ungarn. * * * Soeben erschien, im Umfang von 64 Seiten, die „T u r n Lagsnummer" der „Jüdischen T u r n z e i t u n g". In dem Hefte ist zum ersten Male der offizielle Verhandlungsbericht über den in der gesamten jüdischen und nichtjüdischen Presse eingehend erörterten II. jüdischen Turntag wiedergegeben. Erst hier zeigt sich so recht die Fülle und Mannigfaltigkeit des von dem Turntag bewältigten Stoffes, ein Beweis für das frische Leben, das in der jüdischen Turnbewegung pulsiert, ein Beweis aber auch dafür, daß die maßlosen Angriffe, die insbesondere die „Kölnische Zeitung" gegen die jüdischen Turner unternommen hat, auf einer völligen Mißdeutung der Tatsachen beruhen. Der schneidig geschriebene Leitartikel „Die jüdische Turnerschaft und ihre Gegner" beleuchtet dies in glänzender Weise und fertigt die ungerechten und bösartigen Angreifer mit ihren eigenen Argumenten geschickt und geistvoll ab. Die auch im übrigen recht intereffante Nummer ist von der Geschäftsstelle der „Jüdischen Turnzeitung", Charlottenburg, Herderstraße 8, gegen vorherige Einsendung von 40 Pfg. portofrei zu beziehen. _ Briefkasten. Pr. Pisinger in L. Ihr Sohn begeht Samstag den 26. August die Barmizwahfeier. W. K. L. Das aktive Wahlrecht haben alle jene männlichen österreichischen Staatsangehörigen, die 24 Jahre alt sind und mindestens 10 K jährliche direkte Steuer zahlen. Das passive Wahlrecht haben alle jene Wähler, die mindestens drei Jahre das österreichische Staatsbürgerrecht besitzen, gerichtlich unbescholten sind und das 30. Lebensjahr vollendet haben. „Mein Lebensglück". Wir würden sowohl Ihnen als Ihren Bräutigam von dieser Ehe dringend abraten; auch seinen Uebertritt zum Judentum können wir beim besten Willen nicht empfehlen. Sie begehen beide eine große Sünde gegen Sich, Ihre eigene Zukunft und auch gegen Ihre Angehörigen. „Schwarze Bestie". Die „rote" kann dieselben Kunststücke und zahlt mit derselben Münze. Nun schreien die Gracchen über Vergewaltigung. L. W. E. Inländer, welche an einem ausländischen Gymnasium maturiert haben, können an einer österreichischen Universität nur dann als ordentliche Hörer inskribiert werden, wenn Sie sich an einem inländischen Gymnasium neuerdings der Maturitätsprüfung unterziehen. Was die Erwerbung des Einjährig-Freiwilligen-Rechtes betrifft, können

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