Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 22 (1905)
- Issue
- 25 (23.6.1905)
- Date
- 1905-06-23
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
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Seite 394 Dr. Dlocb's Mlocvenscbrm. Nr. 25 Die Kondolenz des Kaisers. Vom Kabinetsdirektor Ritter v. Schießl kam den Hinterbliebenen im Aufträge des Kaisers das allerhöchste innigste Beileid und die Teilnahme des Monarchen, ebenso gingen von Mitgliedern des Kaiserhauses den Hinterbliebenen huldvolle Trauerkundgebmrgen zu. Trauerkundgebung des Königs von England. Auch König Eduard von England hat in einem in huldvollster Weise abgefaßten Kondolenztelegramm sein Beileid ausgedrückt. Das Leichenbegängnis des Abgeordneten Singer. Aus Brünn wird uns berichtet: Unter außerordentlich zahlreicher Beteiligung fand am 18. d. M. nachmittags das Begräbnis des Reichsratsabgeordneten der Brünner Handels¬ und Gewerbekammer Friedrich Singer statt. In der Halle des israelitischen Friedhofes, wo die Leiche des plötzlich Verstorbenen aufgebahrt war, hatten sich nebst den Familienangehörigen eingefunden: Die Reichsratsabgeordneten Freiherr d'Elvert, Dr. Groß und Eldersch, die Landesausschußbeisitzer Dr. Fux und Jelinek, die Landtagsabgeordneten Bürgermeister Dr. Ritter v. Wieser, Vizebürgermeister Rohrer, Ritter v. Bauer, Dr. Stephan Freiherr v. Haupt-Buchenrode, Hayek und Heiter, mehrere Gemeinderäte und Gemeindeausschußmitglieder, Rektor Hönig von der deutschen technischen Hochschule, Handelskammervizepräsident Ritter v. Schoeller und zahlreiche Mitglieder, sowie das Bureau bit Kammer, der Vorstand der israelitischen Kultusgemeinde mit dem Präsidenten Dr. Fialla an der Spitze, zahlreiche höhere Beamte, weiter die Vorstehungen und Mitglieder der Genossenschaften der protokollierten und der nichtprotokollierten Kaufleute, des Handelsgremiums, des Mährischen Gewerbevereines, der Penfionskasse des Vereines der Jndustriebeamten, des Vereines reisender Kaufleute, des Brünner kaufmännischen Vereines und anderer Korporationen, der Lehrkörper der deutschen höheren Handelslehranstalt, ferner die Direktoren der hiesigen Bankinstitute, zahlreiche Vertreter der Großindustrie und der kommerziellen Kreise, sowie des Advokaten- und Aerztestandes. Landesrabbiner Dr. Placzek hielt dem Verblichenen einen Nachruf und sagte u. <l: „Ein Seufzer der Trauer klingt vom Wochenabschnitt herüber, ein Seufzer, der übertönt wird von der tieferschütternden Klage um diesen edelsinnigen, vornehm denkenden, verdienstvollen Mann, der allzufrüh und allzurasch vom Tode dahingerafft ward. Eine Zierde seines Standes entschwindet mit ihm, eine seltene Zierde des Kaufmannstandes, den er, kenntnis- und erfahrungsreich, rückhaltlos und selbstlos wirkungsvoll vertreten hat. geleitet von den Grundsätzen: Die Ehre des Kaufmannes ist seine Ehrlichkeit. Die Religion des Kaufmannes, mag er welchem Bekenntnis immer angehören, ist die Heiligkeit seines Wortes. Denn man dient Gott durch Ehrlichkeit, durch unverbrüchliche Wahrhaftigkeit und rechtschaffenes Walten, wie der Spruch es kündet: „Ein Gott der Redlichkeit und Auftichtigkeit ist der Herr." Er gehörte nicht zu jenen, für die Ehrenstellen die Stelle der Ehre zu vertreten haben, sondern zu jenen, für die Ehrenstellen nur die Gelegenheit bedeuten, zu wirken nach eigener Ueberzeugung für das allgemeine Beste, für die Interessen des Standes und aller vertretenen Kreise. Vor einigen Monaten erst trat er ein in die gesetzgebende Körperschaft des Reiches. Er schloß sich da — ein echter, rechter Volksvertreter — jenen an, deren Reihen leider in dem Maße sich immer mehr lichten, je weniger Licht in jene Hallen dringt, je weniger wahre Vaterlandsliebe, Menschenwürde, vernünftige Frecheit, gesetzliche Ordnung, vornehme Sitte, höhere Bildung, reine Erkenntnis, klares Wissen, sowie gegenseitige Achtung und Wertschätzung darin leuchten. Immer und überall war er ein Ehrenmann, der auch die Ehre des Gegners heilig hielt. Und wie ein Krieger fiel er auch auf den: Felde der Ehre im Kampfe zur Förderung seiner weitausblickenden, gedeihlichen Ideen." Während die Leiche zum Grabe getragen wurde, ereignete sich eine erschütternde Szene. Die Gattin des Verblichenen, Frau Mathilde Singer, schrie laut auf und stürzte zum Grabe hin. Mit Mühe konnte man die unglückliche Frau beruhigen. Der Obmann der deutschen Fortschrittspartei im Reichsrate, Abgeordneter Dr. Groß, sagte unter anderem in seinen Abschiedsworten: „Einem Leben von Arbeit und Hingebung ward hier ein frühes Ende gesetzt. Seine Standesgenossen hatten ihn in Anerkennung seiner großen Fähigkeiten in die Kammer und v.on da in den Landtag und Reichsrat entsendet. Ueberall hast du rastlos in treuer Pflichterfüllung gewirkt, warst du eingetreten für die Interessen deiner Mandatare, unerschütterlich festhaltend an den Grundsätzen der Partei, der du zeitlebens angehörtest. Wenn etwas den Schmerz lindern kann, den dein frühes Hinscheiden deiner geliebten Gattin und deinen Geschwistern bereitet, so sei es der Trost, daß mit ihnen zahllose Freunde trauern und dir ein freundliches, ehrenvolles Andenken bewahren werden immerdar." Berlin. Am 12. und 13. d. M. fand im Repräsentantensaale der Berliner Gemeinde der 1. Deutsche Kantor e n t a g statt, der sehr zahlreich besucht war. Kantor Schönberge r-Potsdam eröffnete die Versammlung mit Begrüßung der Delegierten und wies auf die Ziele und Zwecke des zu gründenden Kantorenverbandes hin. Zu Leitern des Kantorentages wurden die Herren Z i w i-Elberfeld und N u ß b a u m- Wiesbaden beruftn. Vor Eintritt in die Tagesordnung hielt. Justizrat Timendorfer namens des Vorstandes der hiesigen Gemeinde folgende warm empfundene Ansprache: Von den Aeltesten der jüdischen Gemeinde zu Berlin ist mir der ehrenvolle Auftrag erteilt worden, Sie, meine hochverehrten Herren, in dieser für Sie bedeutungsvollen Stunde zu begrüßen. Ich bin zwar eines der jüngsten Mitglieder des Vorstandes aber in der Wertschätzung des Standes der Kantoren stehe ich hinter keinem Mitgliede zurück. Das mag vielleicht auch darin seinen Grund haben, daß ich bis zu meinem 13. Lebensjahre in allem, was Judentum, jüdisches Wissen, jüdische Religion betrifft, ausschließlich von dem Kantor und Lehrer meiner Geburtsgemeinde ausgebildet worden bin. Und wie man besonders die Lehrer der ersten Jugend am eindringlichsten in der Erinnerung hat, so kommt auch mir am öftersten vor mein geistiges Auge das Bild meines ersten Religionslehrers, des jüdischen Kantors, ß^mit dem klugen und milden Gesichte. So als Mitlehrer der jüdischen Jugend denke ich mir jeden Kantor, und selbst in den großen Städten darf sich nach meiner Auffassung ein Kantor nicht damit begnügen, nur das Ohr seiner Zuhörer zu erfreuen, er muß vielmehr daran denken, daß es feine Aufgabe ist, mitzuarbeiten daran, daß der Zweck des Gotteshauses auch wirklich erreicht wird, der dahin geht, Herz, Gemüt und Geist der Zuhörer wahrhaft zu erheben. (Lebhafter Beifall.) ^T^.Bei dieser meiner Wertschätzung des Standes der Kantoren werden Sie es begreiflich finden, wie sehr ich mich über den mir erteilten ehrenvollen Auftrag gefreut habe und wie ganz besonders herzlich gerade ich Sie hier in den Mauern Berlins im Namen der jüdischen Gemeinde willkommen heiße. Aber die Wertschätzung des Standes der Kantoren ist eine allgemeine und deshalb findet man es begreiflich, daß Sie nunmehr mit ganzem Willen und mit ganzem Ernst an die Aufgabe Herangehen, Ihren Stand zu heben und zu fördern. Und man wird in Ihren Bestrebungen nicht die Verfolgung einseitiger Standesinteressen, sondern die Erfüllung einer Kulturaufgabe in des Wortes wahrster Bedeutung zu erblicken haben. (Lebhafter Beifall.) Deshalb ist es mir auch eine besondere Genugtuung, festzustellen, daß ich den ausdrücklichen Auftrag seitens des Vorstandes der jüdischen Gemeinde zu Berlin habe, zu bestätigen, was Sie bereits in Ihrem Aufrufe erklärt haben, daß der Vorstand der jüdischen Gemeinde zu Berlin der Entwicklung der Kantoren-Organisation mit wärmstem Interesse entgegensieht. (Beifall.) Meine hochverehrten Herren! Eine schönere Zeit als f^die Zeit um Pfingsten konnten Sie für Ihre Bestrebungen