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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1905-06-23 · 25 (23.6.1905) · page 8

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
22 (1905)
Issue
25 (23.6.1905)
Date
1905-06-23
Page
– (sequence 8)
Language
German
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Sette 392 Dr. JSlocb s Mocbens drlN. Nr. 35 Die Juden machen keine Ausnahme von den Klassenkämpfen unserer Zeit, wie das russische Beispiel von den armen und reichen Juden dartut. Wenn die Gleichheitssorderungen einer gewissen Judenklasse sich darin erschöpfen, ob einer von ihren Jünglingen zum Kammerjunker oder Offizier „steigen" kann, dann werden wir uns nicht abhalten lassen, diese Art „Forderung der Menschenrechte" nach Gebühr zu geißeln. Dem Juden mit proletarischem Dasein und auch dem freidenkenden Juden, der trotz besserer Lebenshaltung in unseren Reihen ficht und sich als fleißiger, opfermutiger Mitkämpfer an unsere Seite stellt, dem reichen wir mit Freuden unsere Bruderhand, wer aber auf der anderen Seite steht und mit seinem Gelde Arbeiter ausbeutet oder sich in verräterischer Weise an seinen eigenen proletarischen Rassengenossen versündigt, der verdient die Peitsche der Kritik ohne Unterschied der Rasse und der Nation. Morrespondenzen. Aus der Plenarsitzung des Kultusvorstandes vom 18. Juni 1905 unter dem Borsitze des Präsidenten Herrn Dr. Alsred Stern. Beginn -er Sitzung halb II tthr vormittags. In der am 18. Juni 1905 stattgehabten Plenarsitzung des Kultusvorstandes hielt der Vorsitzende Präsident Dr. Alfred Stern vor Uebergang zur Tagesordnung dem verewigten Herrn Baron Nathaniel Rothschild folgenden Nachruf: „Als wir in der letzten Plenarsitzung Beschluß über die Ehrung faßten, welche wir dem Freiherrn Nathaniel von Rothschild anläßlich seiner hochherzigen Spende für unser Spital erweisen wollten, ahnten wir nicht, daß dieses äußere Zeichen tiefer Dankbarkeit nicht mehr dem Lebenden dargebracht werden wird, ahnten wir nicht, daß schon nach wenigen Wochen dem Gefühle der Dankbarkeit das Gefühl tiefer, aufrichtiger Herzenstrauer um diesen edlen, vortrefflichen Mann sich beigesellen werde. Die Trauer um den Verewigten ist wohlbegründet. Die Tradition seiner Familie, sein edles Herz wiesen ihm die Wege, die er Zeit seines Lebens wandelte, Tausende beglückend. Was Nathaniel von Rothschild zur Linderung von Armut und Krankheit überhaupt leistete, bedarf hier keiner näheren Erörterung. An dieser Stelle ziemt es sich, jener Taten zu gegedenken, die besonders unseren Glaubensgenossen zugute kommen. Die von ihm und seinem Bruder, dem Freiherrn Albert von Rothschild gemeinsam errichtete munifizente Stiftung für jüdische Künstler, die in gleicher Weise von ihm und seinen Brüdern gemeinsam vorgenommene Ausgestaltung des jüdischen Spitales in Wien, endlich seine letzte hochherzige Spende für dasselbe sind Werke, welche den Verewigten ein dauerndes Gedenken in unserer Gemeinde verbürgen. Sein edles Herz war allem Guten gleicherweise offen. Es konnte nicht faffen, daß die Lieblosigkeit, der Haß auch gegenüber den Armen, auch dort, wo nur Nächstenliebe und Erbarmen walten sollten, sich eindrängen könnten. Und von dieser allumfassenden, keine Einschränkung kennenden Menschenliebe gibt beredtes Zeugnis sein Testament, ein unvergängliches Denkmal jüdischer Wohltätigkeit! Sie haben sich, meine Herren, zum Zeichen der Trauer von Ihren Sitzen erhoben. Ich halte mich ermächtigt, diese Trauerkundgebung dem Protokolle einzuverleiben und von derselben dem tiefgebeugten Bruder des Dahingeschiedenrn Kenntnis zu geben. Auch werden Sie gewiß dem Anträge beistimmen, daß für den Verewigten innerhalb der 30 Tage eine Gedächtnisfeier im Tempel der Innern Stadt abgehalten werde." Die Versammlung stimmt einhellig den gestellten Anträgen zu. Das Leichenbegängnis Nathaniels Freiherrn v. Rothschild. Die Teilnahme, welche das Hinscheiden Baron Nathaniel Rothschilds hervorgerufen, dokumentierte sich bei dem am 15. d. vom Trauerhause in der Theresianumgasse aus abgehaltenen Leichenbegängnisse in außerordentlicher Weise. Um die Zufahrt und Passage für die Trauergäste fteihalten zu können, mußte die Umgebung des Palais in weitem Umkreise von der Sicherheitswache abgesperrt werden. Alle Kreise der Residenz, der Hochadel, die Diplomatie, die Vertreter der Finanzwelt, die Gesellschaft, die Kunstwelt, waren gleich stark vertreten. Einmütig war das Bestreben, dem Verblichenen, der sich durch seine Charaktereigenschaften, seinen Kunstsinn und nicht zuletzt durch seinen bis über das Grab hinaus betätigten grandiosen Wohltätigkeitssinn allgemeine Sympathien erworben, durch Teilnahme an der Leichenfeier den Tribut der Achtung zu zollen. Dem Wunsche des Verblichenen entsprechend, gestaltete sich das Leichenbegängnis sehr einfach. In einem schwarz drapierten Salon im Erdgeschosse des Palais, Wieden, Theresianumgasse Nr. 14, war gegen die Gartenterrasse zu die Leiche in einem einfachen Holzsarg aufgebahrt. Ihn zierten die Kränze der freiherrlich Rothschild'schen Familie. In zwei angrenzenden Salons, die ebenfalls Trauerschmuck trugen, versammelten sich schon bald nach einviertel 10 Uhr die Leidtragenden. Von der engeren Familie waren Baron Albert Rothschild und zwei seiner Söhne, die Barone Eugen und Oskar, zu sehen. Die beiden anderen Söhne, die Barone Alfons und Louis, weilen zur Zeit in Amerika. Sie wurden durch Kabeldepeschen vom Ableben ihres Oheims verständigt und schifften sich auch sofort ein, doch befinden sie sich gegenwärtig noch auf hoher See. Außerdem sind aus der Rothschild'schen Familie zur Trauerfeier hier eingetroffen aus Paris Baron James Armand Rothschild und aus Frankfurt am Main Herr v. Goldschmidt-Rothschild. Ehre ganze Wagenburg war vor.idem Palais in derffonst so stillen Gasse vorgefahren. Unter den Trauergästen waren zu sehen: der Minister des Aeußern Gras Goluchowski, Oberstkämmerer Freiherr v. Gudenus, Fürst Karl Kinsky, der deutsche Botschafter G. d. K. Graf Wedel, der französische Botschafter Marquis Reverseaux, der bayerische Gesandte Freiherr v. Tücher, Statthalter Graf Kielmansegg, Geheimer Rat Karl Graf Lanckoronski, Prinzessin Klementine Metternich, Geheimer Rat Philipp Graf Boos-Waldeck, der Vizegouverneur der Oesterreichischungarischen Bank Freiherr v. Winterstein, die Geheimen Räte Graf Wodzicki und Ritter v. Jendrztjowicz, Generaldirektor Hofrat Jeitteles, Geheimer Rat Graf Wilczek, in Vertretung des dienstlich verhinderten Polizeipräsidenten Ritter v. Habrda Regierungsrat Brzesowsky, FML. Ritter v. Benkiser, Graf Ban der Straten, Graf Emil Potocki, Erster Stallmeister Graf Ferdinand Kinsky, Baron Twickel, vom Kuratorium der Freiherrn v. Rothschild'schen Stiftung für invalide Offiziere in Reichenau FML. Ritter Scharinger v. Olosy mit einer Deputation von Offizieren, Graf Hans Wilczek jun., Gräfin Rudolf Kinsky, Baron Gustav Springer, Graf Ernst Hoyos, Graf Richard Coudenhove, Gräfin Misa Wydenbruck-Esterhazy, Graf Franz Hardegg, Othon Baron Bourgoing und Gemahlin, Graf Bela Szechenyi, Graf Eugen Kinsky, Herrenhausmitglied Freiherr v. Oppenheimer, Generaldirektor Palmer, Sektionschef Dr. Exner, Sektionschef Ritter v. Herz, Generaldirektor Hofrat R tter v. Eger, Max Ritter v. Gutmann, Hofrat Professor Dr. Oser, Direktor Professor Monti und die Professoren Mauthner und v. Reuß von der Poliklinik, Südbahndirektor Kaizl, der Präsident des Journalisten- und Schriftstellervereines „Concordia" Edgar v. Spiegl, Regierungsrat Dr. Leisching, der Präsident der israelitischen Kultusgemeinde Dr. Alfred Stern mit den Vizepräsidenten Dr. Gustav Kohn und kaiserlichen Rat Hirsch und dem Sekretär kaiserl. Rat Dr. Lieben, kaiserl. Rat Sachs, Baurat Goldschmied, Baurat Fleischer, Bezirksschulrat Dr. Marcus Spitzer, Baurat Stiaßny, der Präsident der Chewra-Kadischa Salo Cohn, Dr. Adolf Stein, Jakob Kann, die .Rabbiner

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